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Scheitern in Vicovaro
Nicht weit entfernt
lag ein Kloster; der Abt dieser Gemeinschaft war gestorben. Alle Brüder
kamen nun zum ehrwürdigen Benedikt und baten ihn inständig, er möge ihr
Oberer werden.
Er lehnte ab, sträubte sich lange und sagte ihnen voraus, dass ihre
Lebensweise mit der seinen n icht zusammenpasse. Schließlich gab er ihren
Bitten nach und sagte zu.
In diesem Kloster achtete er auf ein Leben nach der Regel, so dass keiner
mehr wie früher durch unerlaubtes Handeln vom Weg des klösterlichen Lebens
nach rechts oder links abweichen durfte.
Da gerieten die Brüder, deren Leitung er übernommen hatte, in sinnlose
Wut. Sie begannen, sich Vorwürfe zu machen, dass sie ihn gebeten hatten,
ihr Vorsteher zu sein. Ihre Verkehrtheit stieß sich an seiner Geradheit.
Sie sahen nun, dass unter ihm Unerlaubtes unerlaubt blieb, und es
schmerzte sie, von ihren Gewohnheiten lassen zu müssen. Hart kam es sie
an, dass sie in ihrer alten Gesinnung gezwungen wurden, Neues zu lernen;
ist doch das Leben der Guten für Menschen mit schlechten Sitten immer
unbequem. Deshalb suchten sie nach einer Gelegenheit, ihn umzubringen.
Sie berieten miteinander und mischten dann Gift in den Wein. Als das Glas
mit dem vergifteten Trank nach dem Brauch des Klosters bei Tisch dem Abt
zur Segnung gebracht wurde, streckte Benedikt die Hand aus und machte das
Zeich en
des Kreuzes. Auf dieses Zeichen hin zerbrach das Glas, das in einiger
Entfernung gehalten wurde, als hätte er nicht das Kreuz gemacht, sondern
einen Stein auf das Gefäß des Todes geworfen.
Sofort erkannte der Mann Gottes, dass darin ein todbringender Trank
gewesen war, weil das Glas das Zeichen des Lebens nicht hatte ertragen
können. Da erhob er sich, rief die Brüder zusammen und sagte mit
friedfertigem Blick und gelassenem Sinn: »Der allmächtige Gott erbarme
sich euer, Brüder. Warum habt ihr mir das antun wollen? Habe ich euch
nicht vorher schon gesagt, dass eure und meine Lebensweise nicht
zusammenpassen? Geht und sucht euch einen Abt nach eurer Art. Denn nach
allem, was geschehen ist, könnt ihr mich nicht mehr halten.«
Rückkehr in die Einsamkeit
Dann kehrte er an
die Stätte seiner geliebten Einsamkeit zurück. Allein, unter den Augen
Gottes, der aus der Höhe hernieder schaut, wohnte er in sich selbst.
Die
ersten Klostergründungen
So ließ Benedikt
mit der Hilfe des allmächtigen Herrn Jesus Christus zwölf Klöster
errichten. In jedes Kloster schickte er zwölf Mönche und setzte für jede
Gemeinschaft einen Abt ein. Nur wenige Mönche behielt er bei sich, die
nach seinem Urteil für seine persönliche Leitung und Weisung besonders
empfänglich waren.
Da kamen erstmals
auch vornehme und fromme Römer zu ihm und brachten ihre Söhne, damit er
sie für den allmächtigen Gott erziehe. Euthicius übergab ihm seinen Sohn
Maurus, der Patrizier Tertullus seinen Sohn Placidus. Beide berechtigten
zu großen Hoffnungen. Maurus war noch jung, hatte aber schon einen reifen
Charakter und wurde bald der Helfer des Meisters; Placidus hingegen war
fast noch ein Kind. |