Der Einsturz der Mauer
Ein anderes Mal arbeiteten
die Brüder an einer Mauer, die etwas erhöht werden musste. Der Mann Gottes
hatte sich
in seine Zelle zurückgezogen und war ins Gebet vertieft. Da
erschien ihm der Alte Feind und sagte mit höhnischen Worten, er gehe jetzt zu
den Brüdern, die draußen an der Arbeit seien.
Sofort ließ der Mann Gottes
ihnen durch einen Boten ausrichten: »Gebt acht, Brüder! Noch in dieser Stunde
kommt zu euch der Böse Geist.« Kaum hatte der Bote ausgesprochen, da warf der
Böse Geist die Mauer um, an der sie gerade arbeiteten; die Trümmer erdrückten
einen jungen Mönch, den Sohn eines Hofbeamten. Alle waren traurig und sehr
erschüttert, nicht wegen der eingestürzten Mauer, sondern weil ihr Bruder
verunglückt war. Voll Schmerz berichteten sie es gleich dem heiligen Abt
Benedikt.
Da ließ er den
Schwerverletzten zu sich bringen. Sie konnten ihn nur in einem Umhang tragen,
denn die herabstürzenden Mauersteine hatten ihm nicht nur Arme und Beine,
sondern auch die Knochen zerschmettert.
Der Mann Gottes ließ ihn
sofort in seiner eigenen Zelle auf das Psiathion, die Binsenmatte, legen, auf
der er immer betete, schickte die Brüder hinaus, schloss die Zelle und betete
inständiger als sonst. Da geschah das Wunder: Noch in derselben Stunde
schickte Benedikt ihn unversehrt und gesund wie vorher an seine Arbeit zurück.
So konnte der junge Mönch,
durch dessen Tod der Alte Feind Benedikt hatte verhöhnen wollen, mit den
Brüdern die Mauer fertigbauen.
In dieser Zeit entfaltete
sich bei dem Mann Gottes auch die Geistesgabe der Prophetie; er sagte
Zukünftiges voraus und teilte den Anwesenden mit, was in der Ferne geschah.