Die Zerstörung von Montecassino
Ein vornehmer Mann namens Theoprobus war
den Mahnungen des Vaters Benedikt gefolgt und wurde Asket. Er führte ein
vorbildliches Leben
und genoss deshalb sein großes Vertrauen. Eines Tages
kam er in Benedikts Zelle und sah, wie er bitter weinte. Er wartete lange
und merkte, dass die Tränen kein Ende nahmen. Der Mann Gottes weinte,
nicht wie er es bisweilen beim Beten tat, sondern aus großem Kummer. Da
fragte er ihn nach dem Grund seiner Trauer. Der Mann Gottes erwiderte:
»Dieses ganze Kloster, das ich erbaut habe, und alles, was ich für die
Brüder eingerichtet habe, ist nach dem Ratschluss des allmächtigen Gottes
fremden Völkern preisgegeben. Nur mit Mühe habe ich erreichen können, dass
mir das Leben der Brüder zugestanden wurde.«
Theoprobus hörte damals
diese Worte; wir aber sehen ihre Erfüllung. Wir wissen, daß das Kloster
vor kurzem von den Langobarden zerstört worden ist. Nachts, als die Brüder
schliefen, drangen sie dort ein und plünderten alles, konnten aber keinen
einzigen Menschen ergreifen. So erfüllte der allmächtige Gott, was er
seinem treuen Diener Benedikt versprochen hatte: Wenn er auch Hab und Gut
den Eroberern preisgebe, werde er doch das Leben der Menschen schützen.
Ich sehe, dass es Benedikt hier wie Paulus ergangen ist [vgl. Apg
27,22-24]. Auch dieser musste erleben, dass sein Schiff die ganze Ladung
verlor; zu seinem Trost durfte er aber erfahren, dass ihm das Leben all
seiner Begleiter geschenkt wurde.