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Papst Bonifatius VIII. verkündet das erste Heilige Jahr (Fresco in der Lateranbasilika)

Zur Vertiefung und Stärkung des Glaubens:
Im Dezember 2015 beginnt ein neues Heiliges Jahr.
Wie es zur Ausrufung des ersten Heiligen Jahres kam

Seit dem Jahre 1300 kennt die katholische Kirche die Tradition der "Heiligen Jahre". Die Feier dieses bedeutenden christlichen Glaubensfestes hat ihre Wurzeln im Alten Testament. Das Gesetz des Alten Bundes schrieb den Israeliten vor, nach siebenmal sieben Jahren ein besonderes Festjahr zu begehen: "Erklärt dieses fünfzigste Jahr für heilig, und ruft Freiheit für alle Bewohner des Landes aus" (Lev 25, 10). Jeder Grundbesitz sollte wieder in die Hände seines ursprünglichen Besitzers fallen, Schulden ermäßigt oder ganz erlassen werden, die Sklaven ihre Freiheit zurückerhalten. Dieses besondere jüdische Festjahr wurde durch ein Widderhorn, das jobél, verkündet: "Ihr sollt das Horn im ganzen Land ertönen lassen" (Lev 25, 9b). Vom hebräischen Wort "jobél" wird sich das ableiten, was wir heute "Jubiläum" nennen.

Wir wissen nicht, ob das mosaische Gebot je in dem Maße verwirklicht wurde, wie es in der Absicht des Gesetzgebers lag. Aber es hielt sich als Ideal und Verheißung bis in die neutestamentliche Zeit. Jesus Christus ist derjenige, der das Gesetz nun vollendet und das jüdische Jubiläum zur Wirklichkeit werden lässt: "Nach seiner Gewohnheit ging er am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand; um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, den Gefangenen die Befreiung und den Blinden das Augenlicht zu verkünden, um die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen und ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen" (Luk 4,16-19).

Für die ersten Christen waren mit der Frohen Botschaft die alttestamentlichen Erwartungen erfüllt; sie sahen sich in , einem ständigen Gnadenjahr des Herrn. Die Kenntnis und das Bewusstsein um das jüdische Jobeljahr waren jedoch nie ganz vergessen worden. So hatte der heilige Ambrosius (340-397) hatte in seiner Schrift "Apologia Prophetae David" die Zahl 50 als "numerus remissionis - Zahl der Erlösung" bezeichnet. Aber erst Jahrhunderte später sollte die Erinnerung an ihn wieder stärker im Gedächtnis des Gottesvolkes präsent werden. Die Menschen des Mittelalters besaßen ein starkes Sünden- und Schuldbewusstsein und sehnten sich nach der Aussöhnung mit Gott. Sie wussten, dass mit Reue und Beichte zwar die Sündenschuld getilgt wurde, aber die Sündenstrafen noch abzubüßen waren. Eine Möglichkeit, die Zeit der Sündenstrafen zu verkürzen oder gar zu tilgen, ein sogenannter Ablass, wurde ihnen durch eine Teilnahme an einem Kreuzzug erschlossen.

Als Bernard von Clairvaux 1147 in einer flammenden Predigt zum Zweiten Kreuzzug aufrief, sprach er von einem "annus remissionis - annus vere iubilaeus - einem Jahr der Erlösung - einem wahren Jubeljahr". Hundert Jahre später verglich der General des Dominikanerordens, Humbert de Romans, den Ablass der Kreuzzüge mit dem jüdischen Jubiläum und bezeichnete den Kreuzzugsablass als "iubilaeus christianorum". Nach und nach wurde der Begriff "Jubiläum" mit dem Wort "Ablass" gleichgesetzt. Teilablässe konnten auch durch Wallfahrten gewonnen werden. So gewährte Papst Honorius III. (1216-1227) im Jahre 1220 allen Gläubigen, die an der Feier der Überführung der Gebeine des heiligen Thomas Becket in Canterbury teilgenommen hatten, einen Teilablass. Ein vollkommener Ablass aber war denen vorbehalten, die an einem Kreuzzug ins Heilige Land oder am Kampf gegen die Ketzer in Südfrankreich und Norditalien teilgenommen hatten (eine Ausnahme bildete lediglich der Portiuncula-Ablass des heiligen Franz von Assisi). Die Albigenser aber wurden schon 1229 vernichtet, und Jerusalem fiel 1244 endgültig in die Hände der Muslime, 1291 mussten die Kreuzfahrer auch Akkon, die letzte christliche Bastion im Heiligen Land, aufgeben.

Die Wallfahrt zu den Stätten, an denen der Herr einst lebte und wirkte, war den gläubigen Christen damit genommen. Nun wurde Rom zum Ziel der Pilger. 1289 gewährte Nikolaus IV. (1288-1292) all jenen, die an bestimmten Tagen die Peterskirche in Rom aufsuchten, einen Teilablass von sieben Jahren und siebenmal vierzig Tagen. Als sich das neue Jahrhundert ankündigte, tauchte in der christlichen Welt das Gerücht auf, dass allen Rompilgern zum Beginn des Jahres 1300 ein vollkommener Ablass gewährt würde. Obwohl es keinerlei Beleg für diese Behauptung gab, war die Aussicht auf ein solches Gnadengeschenk so verlockend, dass sich ein gewaltiger Pilgerstrom auf die Ewige Stadt hinbewegte. Der Papst jener Zeit, Bonifaz VIII. (1294-1303), war überrascht, als er die ungeheuren Menschenmassen nach St. Peter ziehen sah. Er fragte seine Umgebung um Rat, ließ in  den Archiven der Kirche forschen und berief schließlich sogar ein Konsistorium der Kardinäle ein. Der Papst kam zu einer für die Kirche bedeutsamen Entscheidung: zur Ausrufung des ersten christlichen Jubiläumsjahres. Er nahm den alttestamentarischen Brauch wieder auf - nicht unbedingt aus eigener Initiative, sondern vielmehr gedrängt durch die tiefe religiöse Sehnsucht der Gläubigen. Den Gedanken eines materiellen Schuldennachlasses übertrug er nun auf eine spirituelle Ebene. Der reuige Christ, der im Bußsakrament freigesprochen worden war, sollte die Möglichkeit erhalten, sich von den Folgestrafen seiner Schuld zu befreien: durch die Pilgerfahrt nach Rom, einen Besuch der Apostelgräber und der Stätten des christlichen Glaubens, durch gute Taten und Almosen.

Am 22. Februar, dem Fest Petri Stuhlfeier, zog der Papst mit großem Gefolge von seiner Residenz beim Lateran nach St. Peter. Auf dem Altar der Basilika legte er die Bulle Antiquorum habet fida relatio nieder. Dann ließ er durch einen Diakon das Päpstliche Schreiben verlesen. So konnten die Anwesenden vernehmen: "Der treue Bericht der Alten sagt, dass jenen, welche die ehrwürdige Basilika des Apostelfürsten betreten, große Verzeihungen und Nachlässe gewährt werden ... Damit die seligen Apostel Petrus und Paulus umso mehr verehrt werden, je andächtiger die Gläubigen ihre Basiliken besuchen, und damit diese Gläubigen immer mehr gestärkt werden durch die Erteilung geistlicher Gnadengaben, gewähren Wir, im Vertrauen auf die Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes und auf die Verdienste und die Autorität dieser Apostel , und nach Rat Unserer Brüder und aus der Fülle der Apostolischen Gewalt allen, die in diesem gegenwärtigen Jahr 1300 die obengenannten Basiliken mit Ehrfurcht betreten und wirklich bereut und gebeichtet haben, nicht nur volle und ganze, sondern übergroße Verzeihung ihrer Sünden. Wir bestimmen ferner, dass diejenigen, die an diesen von Uns gewährten Ablässen teilhaben wollen, die ebengenannten Basiliken , besuchen müssen: Wenn sie Römer sind, dann mindestens an dreißig Tagen hintereinander oder mit Unterbrechung, wenigstens einmal am Tag; wenn sie Pilger und Fremde sind, sollen sie das gleiche tun, fünfzehn Tage lang. Und jeder wird umso größere Verdienste und einen umso wirksameren Ablass erlangen, je länger und andächtiger er diese Basiliken besucht." Der päpstliche Schreiber Silvester verfasste auf Geheiß des Papstes noch am gleichen Tag ein Rundschreiben "an alle gegenwärtigen und zukünftigen Christgläubigen" mit dem Wortlaut der Apostolischen Bulle und Erläuterungen zu den Ablassbestimmungen. An das Ende des Rundschreibens setzte Silvester einen selbstverfassten Knüppelvers in lateinischer Sprache, der mit den Worten endete: "Dem Sünder winkt Befreiung/ Dem Reuigen Verzeihung/ Bonifatius dazu ermächtigt/ Hat dies bekräftigt".

Die Nachricht von dem Jubiläumsfest verbreitete sich - so Kardinal Iacopo Stefaneschi - "blitzartig"; die Pilger erschienen "in so großen Haufen, dass sie, wo immer sie vorbeikamen, den Eindruck von einem Heer oder einem Bienenschwarm erweckten". Auch Italiens größter Dichter, Dante Alighieri, gehörte zu den Wallfahrern des Heiligen Jahres; er stand so sehr unter dem Eindruck dieses Geschehens, dass es ihn zu seinem bedeutendsten Werk, zur "Divina Comedia - Göttlichen Komödie", inspirierte. In ihr nannte er das Jubiläumsjahr ausdrücklich mit Namen und schilderte den großen Pilgerandrang auf der Engelsbrücke.

Die Ausrufung des Jubeljahres 1300 trug zum Ansehen der Kirche und zur Bekräftigung der Autorität des Apostolischen Stuhls nicht unerheblich bei; bei den Gläubigen bewirkten sie eine Vertiefung und Stärkung ihres religiösen Empfindens und Glaubens.

(Quelle: Ulrich Nersinger in: Die Tagespost Nr. 43 vom 11. April 2015)

 

 

 

 

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