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Evangelii gaudium

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Volltext von »Evangelii gaudium«

Apostolische Exhortation »Evangelii gaudium« über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von Heute von S.H. Papst Franziskus - Zusammenfassung:

Evangelii gaudium: Die Apostolische Exhortation von Papst Franziskus ist geschrieben im Licht der Freude darüber, dass die Quelle der Evangelisierung in der Welt von heute zu entdecken ist. Dieser Satz kann den Inhalt des neuen Dokumentes zusammenfassen, welches Papst Franziskus der Kirche übergibt, um die Grundlinien ihres pastoralen Einsatzes zu beschreiben, den die unmittelbare Zukunft verlangt. Es ist eine Einladung, die Gegenwart aus einer prophetischen Vision und positiv zu betrachten, ohne dabei ihre Schwierigkeiten zu übersehen. Papst Franziskus ermutigt und fordert heraus nach vorne zu schauen, trotz der momentanen Krise. Einmal mehr sieht er das Kreuz und die Auferstehung als das „Siegeszeichen", das uns auf diesem Weg anführt.(85)

Wiederholt bezieht sich Papst Franziskus auf die Propositionen der Synode vom Oktober 2012. Er zeigt damit wie sehr der Synodenbeitrag ein wichtiger Bezugspunkt bei der Verfassung dieser Exhortation war. Der Text geht jedoch über die Erfahrung der Bischofsversammlung hinaus. Der Papst hat auf diesen Seiten nicht nur seine vorausgehenden pastorale Erfahrungenzum Ausdruck gebracht, er lädt auch ein, den Augenblick der Gnade zu nutzen den die Kirche momentan erlebt, und mit Glaube, Überzeugung und Enthusiasmus einen neuen Abschnitt auf dem Weg der Evangelisierung zu betreten. In der Fortführung der Lehre von Paul VI in Evangelii nuntiandi stellt er erneut die Person Jesus Christus ins Zentrum. Er ist der erste Evangelisierer, der einen jeden von uns heute einlädt mit ihm am "Werk der Erlösung" (12) teilzuhaben.„Das missionarische Wirken ist das Paradigma allen kirchlichen Handelns" (15) unterstreicht der Papst. Darum gilt es den günstigen Zeitpunkt zu nutzen, um die „neue Etappe" der Evangelisierung zu erkennen und zu leben (17).Diese drückt sich in zwei besonderen Thematiken aus, die den roten Faden der Exhortation bilden. Auf der einen Seite wendet sich Papst Franziskus an die Ortskirchen. Diese leben und erleben aus erster Hand die Herausforderungen und Chancen ihres kulturellen Umfeldes. Sie sollen in der Lage sein, die besonderen Aspekte einer Neuevangelisierung in ihren Ländern vorzuschlagen. Auf der anderen Seite zeichnet der Papst einen gemeinsamen Nenner, der es der ganzen Kirche und jedem einzelnen Evangeliserer erlauben, eine gemeinsame Methode zu entdecken, und so sicherzustellen, dass der Evangelisierungsprozess auf einem gemeinsamen Weg geschieht, von allen geteilt wird und nicht isoliert stattfindet. Die sieben Punkte, aufgeteilt auf die fünf Kapitel der Exhortation, bilden die tragenden Säulen der Vision von Papst Franziskus für die Neuevangelisierung: Die Reform der Kirche in missionarischer Perspektive; die Versuchungen denen pastorale Mitarbeiter ausgesetzt sind; die Kirche als Ganzheit des evangelisierenden Gottesvolkes; die Predigt und ihre Vorbereitung; die gesellschaftliche Einbeziehung der Armen; Friede und sozialer Dialog und spirituelle Gründe für den missionarischen Einsatz. Der „Klebstoff", der diese Themen verbindet ist hauptsächlich die erbarmende Liebe Gottes, der jedem Menschen entgegenkommt und ihm das Herzstück seiner Offenbarung anbietet: Das Leben einer jeden Person erfährt Sinn in der Begegnung mit Jesus Christus und in der Freude, die das Teilen und Mit-Teilen dieser Liebeserfahrung mit sich bringt (8).

Das erste Kapitel entfaltet sich im Licht der Reform der Kirche, die – in der grundgelegten missionarischen Perspektive – dazu berufen ist, aus sich selbst „heraus zu gehen" und den Anderen zu begegnen. Der Papst bringt auf diesen Seiten die "Dynamik des Exodus und das Geschenk des aus sich Herausgehens, des Beschreiten des Weges und die immer neue Aussaat an immer neuen Orten" (21) zum Ausdruck. Die Kirche muss sich den Still „der tiefgehenden Beziehungen Jesu aneignen, die immer ‚itinerante’ Beziehungen sind, Beziehungen auf dem Weg" (23).Wir sind es mittlerweile gewohnt, dass der Papst gerne eindrückliche Bilder und Worte wählt. So haben wir auch hier Wortschöpfungen, mit denen er versucht die Natur des evangelisierenden Handelns einzufangen. Hier ist besonders der Begriff des "zuvorkommenden Gottes"(Das ist ein Versuch den Begriff "primerear" annähernd ins Deutsche zu übersetzen. A.d.Ü.) zu nennen, mit dem er zum Ausdruck bringt, dass Gott uns in seiner Liebe immer zuvorkommt und so der Kirche den Weg weist, dem es zu folgen gilt. Diese findet sich keinesfalls in einer Sackgasse, sondern folgt den Fußspuren Jesu (vgl.1 Pet 2,21); darum vertraut sie dem Weg, den es zu gehen gilt. Er macht ihr keine Angst. Sie weiß, dass sie den "Weg der Begegnung gehen muss, die zu suchen hat, die fern sind, und an den Wegkreuzungen die Ausgegrenzten einzuladen hat. Sie lebt aus dem unerschöpflichen Verlangen Barmherzigkeit anzubieten" (24).Damit das geschehen kann, wiederholt Papst Franziskus erneut die Forderung nach einer "pastorale Bekehrung". Dies geschieht durch den Wechsel von einer Pastoral, die eher auf Statistiken beruht sowie bürokratisch und administrativ geprägt ist, hin zu einer missionarischen Ausrichtung, ja zu einer Pastoral im Zustand „ständiger Evangelisierung" (25). Wie es natürlich hilfreiche Strukturen gibt, die eine missionarische Pastoral unterstützen, so gibt es leider auch "kirchliche Strukturen, die die Dynamik der Evangelisierung behindern" (26). Das Vorhandensein einer abgestandenen und veralteten Pastoral zwingt dazu die Evangelisierung auf kreative Art neu zu denken. In diesem Zusammenhang betont der Papst: „Ziele zu benennen ohne eine angemessene gemeinschaftliche Suche nach den Wegen wie diese erreicht werden können, führt unweigerlich zu Luftschlössern" (33).

Es ist darum notwendig, sich "auf das Wesentliche zu konzentrieren" (35) und zu wissen, dass nur eine systematische, d.h. einheitliche, fortschreitende und angemessene Dimension des Glaubens wirklich hilfreich ist. Das bringt für die Kirche die Fähigkeit mit sich, die "Hierarchie der Wahrheiten" deutlich zu machen und ihren angemessenen Bezug zum Kern des Evangeliums (37-39). Das verhindert der Versuchung zu erliegen, den Glauben allein im Licht einiger moralischer Fragen zu präsentieren, so als wären diese losgelöst von der zentralen Rolle der Liebe. Ohne eine solche Perspektive, "besteht die Gefahr, dass das moralische Gebäude der Kirche zum Kartenhaus wird. Das ist unsere größte Gefahr."(39) Der Papst unterstreicht also stark, dass es zu einem gesunden Gleichgewicht kommen muss zwischen dem Glaubensinhalt und der Sprache, mit dem dieser zum Ausdruck gebracht wird. Es kann geschehen, dass die Unbeweglichkeit mit der man die Exaktheit der Sprache zu erhalten versucht, letztlich dem Inhalt schadet und die ursprünglichen Vision des Glaubens kompromittiert. (41)

Ein wichtiger Abschnitt in diesem Kapitel ist die Nr. 32. Papst Franziskus zeigt dort die Dringlichkeit auf, einige Perspektiven des 2. Vatikanischen Konzils zu Ende zu führen. Im Besonderen geht es dabei um die Art und Weise wie des Primates des Nachfolgers Petri ausgeübt wird und um die Bischofskonferenzen. Schon Johannes Paul II. hatte in Ut unum sint um Vorschläge gebeten, wie man die Aufgabe des Papstes im ökumenischen Kontext besser verstehen könnte. Papst Franziskus erneuert nun diese Bitte. Er sieht eine angemessene Hilfe in der Weiterentwicklung des Statutes der Bischofskonferenzen. Ein weiterer Schritt, der wegen seiner Folgen für die Pastoral von großer Bedeutung ist, sind die Nummern 38 bis 45: Der Kern des Evangeliums „inkarniert sich in den Grenzen der menschlichen Sprache". Die Lehre begibt sich sozusagen in den "Käfig der Sprache" – um es mit einem Lieblingsausdruck von Wittgenstein zu sagen. Das zwingt zu einer wirklichen Unterscheidung zwischen der Armseligkeit und den Grenzen der Sprache und dem - oft unerkannten - Reichtum des Glaubensinhaltes. Es besteht die wirkliche Gefahr, dass die Kirche diese Dynamik nicht immer wahrnimmt. Es kann dann bei einigen Positionen zu einer ungerechtfertigten Versteifung kommen mit dem Risiko die gesamte Botschaft des Evangeliums zu verhärten und ihre Entwicklungsdynamik nicht mehr wahrnehmen zu können.

Das zweite Kapitel widmet sich den Herausforderungen der Welt von heute und der Überwindung allzu leichter Lösungen, die eine wirkliche Bedrohung der Neuevangelisierung darstellen können. An die erste Stelle stellt der Papst die Stärkung der eigenen Identität, ohne Minderwertigkeitskomplexe. Den diese führen dazu, "die eigene Identität und die eigenen Überzeugungen zu verstecken… und ersticken die Freude an der Mission in dem zwanghaften Versuch wie die Anderen sein zu wollen und das zu haben was die Anderen haben" (79). Das lässt die Christen in einen "Relativismus fallen, der noch gefährlicher ist als der doktrinäre" (80),denn er prägt unmittelbar den Lebensstil der Gläubigen. Es geschieht dann, dass in vielen pastoralen Initiativen eine Schwerfälligkeit spürbar ist, weil an erster Stelle die Initiative steht und nicht die Person. Der Papst hält die Versuchung einer "Entpersonalisierung der Menschen" zugunsten einer Organisation für real und verbreitet. In der gleichen Art und Weise gilt es, die Herausforderungen der Evangelisierung als Chance zum Wachstum wahrzunehmen und nicht als Anlass, um in Depression zu versinken. Ein Veto also für das "Gefühlder Niederlage"(85). Es ist notwendig die Bedeutung der zwischenmenschlichen Beziehungen wiederzugewinnen und ihnen den ersten Platz einzuräumen vor der "Technik der Begegnung", bei der wir mit der Fernbedienung in die Hand bestimmen wollen, wie, wo, wann und wie lang wir anderen entsprechend unserer eigenen Vorlieben begegnen wollen (88). Unter diesen Herausforderungen gilt es nicht nur die offensichtlichsten und am meisten verbreiteten zu sehen, sondern gerade die wahrzunehmen, die eine unmittelbare Bedeutung für das Leben haben: Die Erfahrung des "täglichen Mangels mit tödlichen Folgen", der verschiedenen Formen "sozialer Ungleichheit", des "Fetischismus des Geldes und der Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht", eines "wildgewordenen und ungezügelten Konsums". Alles in allem befinden wir uns inmitten einer "Globalisierung der Gleichgültigkeit" und einer „höhnischen Verachtung" der Ethik. Es besteht der andauernde Versuch jeden kritischen Zwischenruf an den Rand zu drängen, der erklingt Angesichts der Vorherrschaft des Marktes, der mit seiner Theorie vom "Überfluss der irgendwann einmal den Armen zu Gute kommt" falsche Hoffnungen für die Armen weckt(vgl. Nr. 52-64). Wenn die Kirche heute in vielen Ländern, selbst dort wo sie eine Minderheit ist, große Glaubwürdigkeit genießt, dann vor allem wegen ihrer sozialen Werke und der gelebten Solidarität (65).

Um in unserer Zeit zu evangelisieren, besonders angesichts der Herausforderung der großen „städtischen Kulturen" (71) müssen die Christen zwei Dinge vermeiden, die Papst Franziskus als „Weltlichkeit" definiert (93). Als erstes ist das der "Reiz des Gnostizismus"; ein Glaube, der in sich selbst und seine doktrinären Sicherheiten verschlossen ist und der aus den eigenen Erfahrungen das Kriterium der Wahrheit ableitet mit dem er Andere beurteilet. Als zweites ist es die "neopelagianische Selbstbezogenheit" derer, die glauben, dass die Gnade nur eine Schmuckstück sei, während das was wirklich Fortschritt bewirkt die eigenen Anstrengungen und die eigene Kraft sind. All das widerspricht der Evangelisierung. Es schafft vielmehr eine Art "elitären Narzissmus" den es zu vermeiden gilt(94). Was wollen wir sein, fragt sich der Papst: "Generäle eines besiegten Heeres" oder "einfache Soldaten in einer Einheit die weiter kämpft"? Das Risiko einer „verweltlichten Kirche unter einem geistlichen oder pastoralen Deckmantel"(96) ist nicht fern, sondern sehr real. Umso wichtiger ist es nicht in diese Versuchungen zu verfallen, sondern das Zeugnis der Gemeinschaft abzulegen(99). Diese wird gestärkt durch die Komplementarität. Davon ausgehend betont Papst Franziskus die Notwendigkeit, Laien und die Frauen zu fördern und sich für Berufungen und die Priester einzusetzen. Mit Blick auf die Entwicklung der Kirche in den letzten Jahrzehnten ruft er dazu auf, die Mentalität der Macht aufzugeben und sich einer Haltung des Dienstes hinzugeben, um so die Kirche in Einheit aufzubauen (102-108).

Die Evangelisierung ist Aufgabe des ganzen Volkes Gottes. Keiner ist davon ausgeschlossen. Sie ist weder reserviert für einzelne Gruppen noch kann sie an einzelne Gruppen allein delegiert werden. Alle Getauften sind von ihr gefordert. Papst Franziskus erklärt im dritten Kapitel der Exhortation, wie die Evangelisierung sich entwickeln kann und welches die verschiedenen Etappen sind. Zunächst aber betont er den „Primat der Gnade", die unermüdlich im Leben eines jeden Evangelisierers wirkt (112). Er entwickelt außerdem die große Rolle der verschiedenen Kulturen im Prozess der Inkulturation des Evangeliums und warnt davor in die Versuchung der „eitlen Sakralisierung der eigenen Kultur" zu fallen (117). Er weist darüber hinaus auf die fundamentale Bedeutung der interpersonalen Begegnung für die Neuevangelisierung hin(127-129) und auf das Zeugnis des Lebens (121). Er besteht darauf, dass die Volksfrömmigkeit in ihrem Wert wahrgenommen wird, drückt sie doch den ursprünglichen Glauben vieler Menschen aus, die auf diese Weise von der einfachen Begegnung mit der Liebe Gottes Zeugnis ablegen(122-126). Als letztes lädt der Papst die Theologen ein, sie mögen die notwendigen Vermittlungen studieren, die notwendig sind, um die verschiedenen Formen der Evangelisierung aufzuwerten (133). Gleichzeitig beschäftigt er sich lange mit dem Thema der Pedigt als privilegierte Form der Evangelisierung. Sie braucht eine echte Leidenschaft und Liebe sowohl für das Wort Gottes als auch für das Volk Gottes das uns anvertraut ist (135-158).

Das vierte Kapitel ist der sozialen Dimension der Evangelisierung gewidmet. Ein Thema, das Papst Franziskus am Herzen liegt, denn "wenn diese Dimension nicht ausreichend zum Ausdruck kommt, laufen wir Gefahr, die authentische und ganzheitliche Bedeutung der evangelisierenden Mission zu entstellen"(176). Es geht um das große Thema der Verbindung von Verkündigung des Evangeliums und der Förderung des menschlichen Lebens in all seinen Ausdrucksformen. Es geht um eine ganzheitliche Förderung jedes Menschen, die die Reduzierung der Religion auf ein privates Phänomen und ohne jeden Einfluss auf das öffentliche und soziale Leben ausschließt." Echter Glaube beinhaltet stets den tiefen Wunsch die Welt zu verändern." (183) Zwei große Themenkreise gehören zu diesem Teil der Exhortation. Der Papst spricht von ihnen mit einer besonderen evangelischen Leidenschaft weil er weiß, dass die Zukunft der Menschheit von ihnen abhängt: Es geht besonders um „die Einbeziehung der Armen in die Gesellschaft" und um „den Frieden und den sozialen Dialog".

In Bezug auf den ersten Punkt sieht es die Kirche im Zuge der Neuevangelisierung als ihre Mission an "mitzuarbeiten, um die Ursachen der Armut zu beheben und um die ganzheitliche Entwicklung der Armen zu fördern". Auch ist sie „angesichts des konkreten Elends", das wir täglich vor unseren Augen haben, aufgerufen zu "einfachen und alltäglichen Gesten der Solidarität"(188). Aus diesen dichten Seiten kommt uns die Einladung entgegen, die „heilbringende Kraft" der Armen zu erkennen, die durch die Neuevangelisierung ins Zentrum der Kirche gebracht werden muss (198). Das bedeutet vor jeder konkreten Erfahrung vor allem die Wichtigkeit und Dringlichkeit der Thematik anzuerkennen. Die grundlegende Option für die Armen die es zu verwirklichen gilt, unterstreicht Papst Franziskus, ist in erster Linie eine "geistliche und religiöse Achtsamkeit". Diese hat Vorrang vor allen anderen Formen (200). Zu diesen Themen spricht Papst Franziskus mit aller Offenheit und Klarheit. Der „Hirte einer Kirche ohne Grenzen" (210), kann sich nicht erlauben den Blick abzuwenden. Darum bittet er mit Nachdruck sich des Themas der Migration anzunehmen und klagt gleichzeitig die neuen Formen der Sklaverei an: "Wo ist der, den du täglich fast zu Tote schindest in illegalen Arbeitsstellen, im Netzwerk der Prostitution, in den Kindern die du zum Betteln schickst, in dem, der im Verborgenen arbeiten muss weil er illegal ist? Machen wir nicht so als wüssten wir von nichts. Es gibt viele Formender Komplizenschaft." (211).Um Missverständnissen vorzubeugen: Der Papst verteidigt mit gleicher Kraft das menschliche Leben vom ersten Augenblick an sowie die Würde eines jeden Lebewesen (213). Was den zweiten Punkt angeht, zeigt der Papst vier Prinzipien auf, die so etwas wie der gemeinsame Nenner für die Entwicklung des Friedens sind und für seine konkrete soziale Umsetzung. Vielleicht eingedenk seiner Studien zu Romano Guardini scheint Papst Franziskus eine neue Gegensatz-Lehre (opposizione polare) zu schaffen. Er erinnert etwa daran, dass "die Zeit dem Raum übergeordnet ist", "die Einheit über dem Konflikt steht", die „Wirklichkeit wichtiger ist als die Idee" und „das Gesamt wichtiger ist als die einzelnen Teile". Diese Prinzipien öffnen sich auf die Dimension des Dialoges als erster Beitrag für den Frieden. Im Verlauf der Exhortation wird dieser Beitrag ausgedehnt auf den Bereich der Wissenschaft, des Ökumenismus und der nichtchristlichen Religionen.

Das letzte Kapitel will den "Geist der Neuevangelsierung" (260) zum Ausdruck bringen. Diese geschieht unter dem Primat des Wirkens des hl. Geistes. Dieser schenkt immer neue missionarische Impulse, die vom Gebetsleben ausgehen, wobei das betrachtende Gebet den zentralen Platz einnimmt (264).Maria, "Stern der Neuevangelisierung" wird am Ende als die Ikone der ursprünglichen Aktion der Verkündigung und Weitergabe des Evangeliums vorgestellt. Ihr hat die Kirche in den folgenden Jahrzehnten mit Enthusiasmus und unwandelbarer Liebe zum Jesus zu folgen.

"Lassen wir uns nicht die Freude an der Evangelisierung stehlen!" (83) In dieser Exhortation treffen wir auf eine klare und unmittelbare Sprache, ohne unnötige Rethorik und Selbstverständlichkeiten. Papst Franziskus spricht die Probleme an, die die Menschen von heute erleben und die von der Kirche mehr als nur ein einfaches "Dasein" verlangen. Von ihr wird ein wirksames programmatisches Handeln erwartet und eine erneuerte Pastoral die den Einsatz für die Neuevangelisierung deutlich macht. Das Evangelium muss zu allen gelangen, ohne Ausnahme. Einige sind dabei bevorzugt. Um Missverständnisse zu vermeiden, stellt Papst Franziskus klar: "Das sind nicht so sehr die Freunde und reichen Nachbarn, sondern vor allem die Armen, die Kranken, die Verachteten und Vergessenen... Darüber besteht kein Zweifel und es gibt keine Erklärungen die diese klare Nachricht schwächen könnten." (48)

Wie in anderen entscheidenden Momenten der Geschichte spürt die Kirche auch jetzt wieder, dass sie, um den Auftrag zur Evangelisierung zu erfüllen, den Blick schärfen muss durch die Anbetung. Ein "kontemplativer Blick" ist notwendig, um die Zeichen der Gegenwart Gottes zu sehen. Diese Zeichen sind nicht nur ermutigend, sie dienen auch als Kriterium für ein wirksames Zeugnis (71). Vor allem anderen erinnert uns der Papst an das zentrale Geheimnis unseres Glaubens: "Flüchten wir nicht vor der Auferstehung Jesu, geben wir nie auf, geschehe was geschehen mag." (3). Was Papst Franziskus uns am Ende aufzeigt ist eine Kirche, die mit uns auf dem Weg ist, auf dem Weg auch mit den vielen Zeitgenossen, die auf der Suche nach Gott sind und ihn sehen wollen.

 

 

 

 

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