Home H d B Studentenheim

Päpstl. Ansprachen

Home
Nach oben
Ablässe
Über das Priesterjahr
Päpstl. Schreiben
Pfarrer von Ars
Gebete
Päpstl. Ansprachen
Enzyklika

 

 

  

 

 

 

 

»Treue in Christus, Treue des Priesters«
Jahr des Priesters ~ 19. Juni 2009 bis 11. Juni 2010

 

 

Ansprachen des heiligen Vaters

 

Predigt S.H. Papst Benedikts XVI. beim Gottesdienst anlässlich des Abschlusses
des Priesterjahres am Petersplatz: "So ist Priestertum nicht einfach 'Amt', sondern Sakrament" (11. Mai 2010)

Ansprache S.H. Papst Benedikt XVI. anlässlich der Pastoralreise nach Fatima vor Ordensleuten:
»Über die Treue zur Berufung« (12.05.2010)

Predigt zur Eröffnung des Priesterjahres (19. Juni 2009)

Katechese »Die Berufung des Priesters« in der Generalaudienz vom 24. Juni 2009

Katechese »Die Säulen des Priestertums: Verkündigung und Gottesdienst« vom 01. Juli 2009

Katechese »Leben und Beispiel des hl. Pfarrers v. Ars« vom 05. August 2009

Katechese »Einführung in die vorbildhafte Marienfrömmigkeit des hl. Pfarrers v. Ars« vom 15. August 2009

Katechese »Das Beispiel des hl. Johannes Eudes« vom 19. August 2009

Katechese »Das Beispiel der hl. Monika« vom 30. August 2009

Videobotschaft anlässlich der internationalen Priesterexerzitien vom 28. September 2009

 

 

 

Der hl. Vater Papst Benedikt hat am Herz-Jesu-Freitag, 11. Mai 2010, in Rom das Priesterjahr mit einer großen Abschlussmesse am Petersplatz das Priesterjahr beendet. An der Messe nahmen rund 17.000 Priester und etliche tausend Gläubige teil. "So ist Priestertum nicht einfach 'Amt', sondern Sakrament" sagte der hl. Vater in seiner Predigt zum Abschluss des Priesterjahres:

Das Priesterjahr, das wir 150 Jahre nach dem Tod des heiligen Pfarrers von Ars, dem Vorbild priesterlichen Dienens in unserer Welt, begangen haben, geht zu Ende. Vom Pfarrer von Ars haben wir uns führen lassen, um Größe und Schönheit des priesterlichen Dienstes neu zu verstehen.

Der Priester ist nicht einfach ein Amtsträger wie ihn jede Gesellschaft braucht, damit gewisse Funktionen in ihr erfüllt werden können. Er tut vielmehr etwas, das kein Mensch aus sich heraus kann: Er spricht in Christi Namen das Wort der Vergebung für unsere Sünden und ändert so von Gott her den Zustand unseres Lebens. Er spricht über die Gaben von Brot und Wein die Dankesworte Christi, die Wandlungsworte sind - ihn selbst, den Auferstandenen, sein Fleisch und sein Blut gegenwärtig werden lassen und so die Elemente der Welt verändern: die Welt auf Gott hin aufreißen und mit ihm zusammenfügen.

So ist Priestertum nicht einfach „Amt", sondern Sakrament: Gott bedient sich eines armseligen Menschen, um durch ihn für die Menschen da zu sein und zu handeln. Diese Kühnheit Gottes, der sich Menschen anvertraut, Menschen zutraut, für ihn zu handeln und da zu sein, obwohl er unsere Schwächen kennt - die ist das wirklich Große, das sich im Wort Priestertum verbirgt.

Daß Gott uns dies zutraut, daß er Menschen so in seinen Dienst ruft und so sich ihnen von innen her verbindet, das wollten wir in diesem Jahr neu bedenken und verstehen. Wir wollten die Freude neu aufleben lassen, daß Gott uns so nahe ist und die Dankbarkeit dafür, daß er sich unserer Schwachheit anvertraut. Daß er uns führt und hält, Tag um Tag. So wollten wir auch jungen Menschen wieder zeigen, daß es diese Berufung, diese Dienstgemeinschaft für Gott und mit Gott gibt - ja, daß Gott auf unser Ja wartet.

Mit der Kirche wollten wir wieder darauf hinweisen, daß wir Gott um diese Berufung bitten müssen. Wir bitten um Arbeiter in der Ernte Gottes, und dieser Ruf an Gott ist zugleich ein Anklopfen Gottes ans Herz junger Menschen, die sich zutrauen, was Gott ihnen zutraut. Es war zu erwarten, daß dem bösen Feind dieses neue Leuchten des Priestertums nicht gefallen würde, das er lieber aussterben sehen möchte, damit letztlich Gott aus der Welt hinausgedrängt wird.

So ist es geschehen, daß gerade in diesem Jahr der Freude über das Sakrament des Priestertums die Sünden von Priestern bekannt wurden - vor allem der Mißbrauch der Kleinen, in dem das Priestertum als Auftrag der Sorge Gottes um den Menschen in sein Gegenteil verkehrt wird. Auch wir bitten Gott und die betroffenen Menschen inständig um Vergebung und versprechen zugleich, daß wir alles tun wollen, um solchen Mißbrauch nicht wieder vorkommen zu lassen; daß wir bei der Zulassung zum priesterlichen Dienst und bei der Formung auf dem Weg dahin alles tun werden, was wir können, um die Rechtheit der Berufung zu prüfen, und daß wir die Priester mehr noch auf ihrem Weg begleiten wollen, damit der Herr sie in Bedrängnissen und Gefahren des Lebens schütze und behüte. Wenn das Priesterjahr eine Rühmung unserer eigenen menschlichen Leistung hätte sein sollen, dann wäre es durch diese Vorgänge zerstört worden. Aber es ging uns gerade um das Gegenteil: Das Dankbar-Werden für die Gabe Gottes, die sich „in irdenen Gefäßen" birgt und die immer wieder durch alle menschliche Schwachheit hindurch seine Liebe in dieser Welt praktisch werden läßt. So sehen wir das Geschehene als Auftrag zur Reinigung an, der uns in die Zukunft begleitet und der uns erst recht die große Gabe Gottes erkennen und lieben läßt. So wird sie zum Auftrag, dem Mut und der Demut Gottes mit unserem Mut und unserer Demut zu antworten. Das Wort Christi, das wir in der Liturgie des heutigen Tages als Eröffnungsvers gesungen haben, kann uns in dieser Stunde sagen, was es heißt, Priester zu werden und zu sein: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig" (Mt 11, 29).

Wir feiern das Herz-Jesu-Fest und schauen mit der Liturgie der Kirche gleichsam in das Herz Jesu hinein, das im Tod von der Lanze des römischen Soldaten geöffnet wurde. Ja, sein Herz ist offen für uns und vor uns - und damit das Herz Gottes selbst. Die Liturgie legt uns die Sprache des Herzens Jesu aus, die vor allem von Gott als dem Hirten der Menschen spricht und uns damit das Priestertum Jesu zeigt, das im Innersten seines Herzens verankert ist und den immerwährenden Grund wie den gültigen Maßstab alles priesterlichen Dienstes zeigt, der immer im Herzen Jesu verankert sein und von daher gelebt werden muß. Ich möchte heute vor allem die Texte auslegen, mit denen die betende Kirche auf das in den Lesungen ausgebreitete Wort Gottes antwortet. In diesen Gesängen gehen Wort und Antwort ineinander über. Sie sind einerseits selbst aus Gottes Wort genommen, sind aber zugleich schon Antwort des Menschen darauf, in der das Wort sich mitteilt und in unser Leben eintritt. Am wichtigsten unter diesen Texten ist in der Liturgie von heute der Psalm 23 (22): „Der Herr ist mein Hirte", in dem das betende Israel die Selbstoffenbarung Gottes als Hirten aufgenommen und zur Wegweisung im eigenen Leben gemacht hat. „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen" - in diesem ersten Vers spricht sich Freude und Dankbarkeit dafür aus, daß Gott da ist und sich um den Menschen sorgt. Die Lesung aus Ezechiel beginnt mit dem gleichen Motiv: „Ich will mich selber um meine Schafe kümmern" (Ez 34, 11). Gott kümmert sich persönlich um mich, um uns, um die Menschheit. Ich bin nicht allein gelassen, nicht verloren im Weltall und in einer immer verwirrender werdenden Gesellschaft.

ER kümmert sich um mich. Er ist kein ferner Gott, dem mein Leben zu unwichtig wäre. Die Religionen der Welt haben, soweit wir sehen können, immer gewußt, daß es letztlich nur einen Gott gibt. Aber dieser Gott war weit weg. Er überließ allem Anschein nach die Welt anderen Mächten und Gewalten, anderen Gottheiten. Mit ihnen mußte man sich arrangieren. Der eine Gott war gut, aber doch fern. Er war nicht gefährlich, aber auch nicht hilfreich. So brauchte man sich mit ihm nicht zu beschäftigen. Er herrschte nicht. In der Aufklärung ist merkwürdigerweise dieser Gedanke zurückgekehrt. Man verstand noch, daß die Welt einen Schöpfer voraussetzt.

Aber dieser Gott hatte die Welt gebaut und sich offensichtlich von ihr zurückgezogen. Nun hatte sie ihre Gesetzmäßigkeiten, nach denen sie ablief, in die Gott nicht eingriff, nicht eingreifen konnte. Gott war nur ein ferner Anfang. Viele wollten vielleicht auch gar nicht, daß Gott sich um sie kümmere. Sie wollten nicht gestört sein durch Gott. Wo aber Gottes Sorge und Liebe als Störung empfunden wird, da ist der Mensch verkehrt. Es ist schön und tröstlich zu wissen, daß ein Mensch mir gut ist und sich um mich kümmert. Aber noch viel entscheidender ist, daß es den Gott gibt, der mich kennt, mich liebt und sich um mich sorgt. „Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich" (Joh 10,14), betet die Kirche vor dem Evangelium mit einem Wort des Herrn. Gott kennt mich, sorgt sich um mich. Dieser Gedanke sollte uns richtig froh werden lassen. Lassen wir ihn tief in uns eindringen. Dann begreifen wir auch, was es bedeutet: Gott will, daß wir als Priester seine Sorgen um die Menschen an einem kleinen Punkt der Geschichte mittragen. Wir wollen als Priester Mitsorgende mit seiner Sorge um die Menschen sein, sie dieses Sich-Kümmern Gottes praktisch erlebbar werden lassen. Und mit dem Herrn sollte der Priester für seinen ihm anvertrauten Bereich sagen können: „Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich." „Kennen" ist im Sinne der Heiligen Schrift nie bloß ein äußeres Wissen, wie man die Telefonnummer eines Menschen kennt. „Kennen" heißt: dem anderen innerlich nah sein. Ihm gut sein. Wir sollten versuchen, die Menschen von Gott her und auf Gott hin zu „kennen", mit ihnen den Weg der Freundschaft Gottes zu gehen.

Kehren wir zu unserem Psalm zurück. Da heißt es: „Er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. Muß ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil - denn du bist bei mir. Dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht" (23 [22], 3f). Der Hirte zeigt den ihm Anvertrauten den rechten Weg. Er geht voraus und führt sie. Sagen wir es anders: Der Herr zeigt uns, wie man das Menschsein richtig macht. Er zeigt uns die Kunst, ein Mensch zu sein. Was muß ich tun, damit ich nicht abstürze, im Sinnlosen mein Leben vertue? Das ist doch die Frage, die sich jeder Mensch stellen muß und die zu allen Zeiten des Lebens gilt. Und wieviel Dunkel gibt es zu dieser Frage in unserer Zeit! Immer wieder kommt uns das Wort Jesu in den Sinn, der Mitleid mit den Menschen hatte, weil sie wie Schafe ohne Hirten waren. Herr, hab Mitleid auch mit uns! Zeige uns den Weg! Aus dem Evangelium wissen wir es: Er selbst ist der Weg.

Mit Christus leben, ihm nachgehen - das heißt: den richtigen Weg finden, damit unser Leben sinnvoll wird und damit wir einmal sagen können: Ja, es war gut zu leben. Israel war und ist Gott dankbar, daß er in den Geboten den Weg des Lebens gezeigt hat. Der große Psalm 119 (118) ist ein einziger Ausdruck der Freude darüber: Wir tappen nicht im Dunkeln. Gott hat uns gezeigt, was der Weg ist, wie wir recht gehen können. Was die Gebote sagen, ist im Leben Jesu zusammengefaßt und zu lebendiger Gestalt geworden. So erkennen wir, daß diese Weisungen Gottes nicht Fesseln sind, sondern Weg, den er uns zeigt. Wir dürfen ihrer froh sein, und wir dürfen uns freuen, daß sie in Christus als gelebte Wirklichkeit vor uns stehen. Er selbst hat uns froh gemacht. Im Mitgehen mit Christus geht uns die Freude der Offenbarung auf, und als Priester sollen wir den Menschen die Freude darüber schenken, daß uns der rechte Weg gezeigt ist.

Da ist dann das Wort von der „finsteren Schlucht", durch die der Herr den Menschen geleitet. Unser aller Weg führt uns einmal in die finstere Schlucht des Todes, in der uns niemand begleiten kann. Und ER ist da. Christus ist selbst in die finstere Nacht des Todes hinabgestiegen. Auch dort verläßt er uns nicht. Auch dort führt er uns. „Bette ich mich in der Unterwelt, du bist zugegen", sagt der Psalm 139 (138). Ja, du bist zugegen auch in der letzten Not, und so kann unser Antwort-Psalm sagen: Auch dort, in finsterer Schlucht, fürchte ich kein Unheil. Bei der Rede von der finsteren Schlucht können wir aber auch an die dunklen Täler der Versuchung, der Mutlosigkeit, der Prüfung denken, die jeder Mensch durchschreiten muß. Auch in diesen finsteren Tälern des Lebens ist ER da. Ja, Herr, zeige mir in den Dunkelheiten der Versuchung, in den Stunden der Verfinsterung, in denen alle Lichter zu erlöschen scheinen, daß du da bist. Hilf uns Priestern, daß wir den uns anvertrauten Menschen in diesen dunklen Nächten beistehen können. Ihnen dein Licht zeigen dürfen.

„Dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht": Der Hirte braucht den Stock gegen die wilden Tiere, die in die Herde einbrechen möchten; gegen die Räuber, die sich ihre Beute suchen. Neben dem Stock steht der Stab, der Halt schenkt und schwierige Passagen zu durchschreiten hilft. Beides gehört auch zum Dienst der Kirche, zum Dienst des Priesters. Auch die Kirche muß den Stock des Hirten gebrauchen, mit dem sie den Glauben schützt gegen die Verfälscher, gegen die Führungen, die Verführungen sind. Gerade der Gebrauch des Stockes kann ein Dienst der Liebe sein. Heute sehen wir es, daß es keine Liebe ist, wenn ein für das priesterliche Leben unwürdiges Verhalten geduldet wird. So ist es auch nicht Liebe, wenn man die Irrlehre, die Entstellung und Auflösung des Glaubens wuchern läßt, als ob wir den Glauben selbst erfänden. Als ob er nicht mehr Gottes Geschenk, die kostbare Perle wäre, die wir uns nicht nehmen lassen. Zugleich freilich muß der Stock immer wieder Stab des Hirten werden, der den Menschen hilft, auf schwierigen Wegen gehen zu können und dem Herrn nachzufolgen.

Am Ende des Psalms ist die Rede vom gedeckten Tisch, vom Öl, mit dem das Haupt gesalbt wird, vom übervollen Becher, vom Wohnen-Dürfen beim Herrn. Im Psalm ist das zunächst Ausblick auf die Festesfreude, mit Gott im Tempel zu sein, von ihm selbst bewirtet zu werden, bei ihm wohnen zu dürfen. Für uns, die wir den Psalm mit Christus und mit seinem Leib, der Kirche, beten, hat dieser Blick der Hoffnung noch eine größere Weite und Tiefe gewonnen. Wir sehen in diesen Worten gleichsam einen prophetischen Vorgriff auf das Geheimnis der Eucharistie, in der Gott selbst uns bewirtet und sich selbst als Speise für uns gibt - als jenes Brot und als jenen köstlichen Wein, der allein die letzte Antwort auf den innersten Hunger und Durst des Menschen sein kann. Wie sollten wir uns da nicht darüber freuen, daß wir täglich zu Gast an Gottes eigenem Tisch sein, bei ihm wohnen dürfen. Wie sollten wir uns nicht freuen, daß er uns aufgetragen hat: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Daß er uns schenkt, Gottes Tisch den Menschen zu decken; ihnen seinen Leib und sein Blut zu reichen, ihnen das kostbare Geschenk seiner eigenen Gegenwart zu geben. Ja, wir können mit ganzem Herzen die Wort des Psalms mitbeten: „Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang" (23 [22], 6).

Am Ende werfen wir noch einen kurzen Blick auf die beiden Kommunionlieder, die uns die Kirche heute in ihrer Liturgie vorschlägt. Da ist zunächst das Wort, mit dem der heilige Johannes den Bericht von der Kreuzigung Jesu abschließt: „Ein Soldat stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus" (Joh 19, 34). Das Herz Jesu wird von der Lanze durchbohrt. Es wird geöffnet, und es wird zur Quelle: Blut und Wasser, die herausströmen, verweisen auf die beiden Grundsakramente, von denen die Kirche lebt: Taufe und Eucharistie. Aus der geöffneten Seite des Herrn, aus seinem geöffneten Herzen entspringt der lebendige Quell, der die Jahrhunderte hindurch strömt und die Kirche schafft. Das offene Herz ist Quell eines neuen Lebensstroms; Johannes hat dabei gewiß auch an die Prophezeiung des Ezechiel gedacht, der aus dem neuen Tempel einen Strom hervorkommen sieht, der Fruchtbarkeit und Leben schenkt (Ez 47): Jesus selbst ist der neue Tempel, und sein offenes Herz ist die Quelle, aus der ein Strom neuen Lebens kommt, das sich uns in der Taufe und in der Eucharistie mitteilt.

Die Liturgie des Herz-Jesu-Festes sieht aber auch ein anderes verwandtes Wort aus dem Johannes-Evangelium als Kommunionvers vor: Wer Durst hat, komme zu mir. Es trinke, wer an mich glaubt. Die Schrift sagt: „Aus seinem Innern werden Ströme lebendigen Wassers fließen" (Joh 7, 37f). Im Glauben trinken wir gleichsam aus dem lebendigen Wasser von Gottes Wort. Der Glaubende wird so selbst zu einer Quelle, schenkt dem dürstenden Land der Geschichte lebendiges Wasser. Wir sehen es an den Heiligen. Wir sehen es an Maria, die als die große Glaubende und Liebende alle Jahrhunderte hindurch zur Quelle von Glaube, Liebe und Leben geworden ist. Jeder Christ und jeder Priester sollten von Christus her Quelle werden, die anderen Leben mitteilt. Wir sollten einer dürstenden Welt Wasser des Lebens schenken. Herr, wir danken dir, daß du dein Herz für uns aufgetan hast. Daß du in deinem Tod und in deiner Auferstehung Quelle des Lebens wurdest. Laß uns lebende Menschen sein, von deiner Quelle lebend, und schenke uns, daß auch wir Quellen sein dürfen, die dieser unserer Zeit Wasser des Lebens zu schenken vermögen. Wir danken dir für die Gnade des priesterlichen Dienstes. Herr, segne uns und segne alle dürstenden und suchenden Menschen dieser Zeit. Amen.

(Predigt S.H. Papst Benedikts XVI. beim Gottesdienst anlässlich des Abschlusses des Priesterjahres
am Petersplatz am 11. Mai 2010 - © Copyright 2010 Libreria Editrice Vaticana)

 

 

 

"Erlaubt mir, euch mein Herz zu öffnen und euch zu sagen, dass die Hauptsorge jedes Christen und besonders der gottgeweihten Menschen und jener, die am Altar ihren Dienst tun, die Treue zur eigenen Berufung sein muss, als Jünger, die dem Herrn nachfolgen wollen", erklärte Papst Benedikt XVI. am Mittwoch, 12. Mai 2010, vor Ordensleuten in Fatima während seines Pastoralbesuchs.

Liebe Brüder und Schwestern!

„Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau [...] damit wir die Sohnschaft erlangen" (Gal 4,4-5). Die Zeit war erfüllt, als der Ewige in die Zeit eingetreten ist; durch das Wirken und die Gnade des Heiligen Geistes wurde der Sohn des Höchsten empfangen und ist Mensch geworden im Schoß einer Frau: der Jungfrau und Mutter, Typus und klarstes Urbild der glaubenden Kirche. Sie hört nicht auf, neue Söhne im Sohn hervorzubringen, ,der nach dem Willen des Vaters der Erstgeborene unter vielen Brüdern sein sollte. Jeder von uns ist aufgerufen, mit Maria und wie Maria ein demütiges und schlichtes Zeichen der Kirche zu sein, die sich stets neu als Braut in die Hände ihres Herrn begibt.

Euch allen, die ihr euer Leben Christus geschenkt habt, möchte ich heute abend die Wertschätzung und die Anerkennung der Kirche bekunden. Danke für euer oft stilles und keineswegs leichtes Zeugnis; Danke für eure Treue zum Evangelium und zur Kirche. In Jesus, der in der Eucharistie bei uns ist, schließe ich meine hier versammelten Brüder im Priestertum und die Diakone, die gottgeweihten Frauen und Männer, die Seminaristen und die Mitglieder der Bewegungen und der neuen kirchlichen Gemeinschaften in die Arme. Der Herr möge, so wie nur er es kann, all jenen ihre Mühen vergelten, die uns ermöglicht haben, hier bei Christus in der Eucharistie zu sein, besonders der Bischöflichen Kommission für Berufungen und pastorale Dienste mit ihrem Vorsitzenden, Bischof António Santos, dem ich für die freundlichen und brüderlichen Worte zu Beginn der Vesper danke. Hier in Fatima, das ideell ein „Abendmahlssaal" des Glaubens ist, zeigt uns die Jungfrau Maria den Weg für unsere reinen und heiligen Aufopferung in die Hände des Vaters.

Erlaubt mir, euch mein Herz zu öffnen und euch zu sagen, daß die Hauptsorge jedes Christen und besonders der gottgeweihten Menschen und jener, die am Altar ihren Dienst tun, die Treue zur eigenen Berufung sein muß, als Jünger, die dem Herrn nachfolgen wollen. Die Treue auf Dauer ist der Name der Liebe, einer konsequenten, authentischen und tiefen Liebe zu Christus, dem Priester. „Wenn die Taufe durch die Einverleibung in Christus und die Einwohnung des Heiligen Geistes ein wahrer Eintritt in die Heiligkeit Gottes ist, dann wäre es widersinnig, sich mit einem mittelmäßigen Leben zufriedenzugeben, das im Zeichen einer minimalistischen Ethik und einer oberflächlichen Religiosität geführt wird" (Papst Johannes Paul II., Apostolisches SchreibenNovo millennio ineunte, 31). In diesem zu Ende gehenden Priesterjahr komme eine Gnadenfülle auf euch herab, damit ihr in der Freude der Weihe lebt und die priesterliche Treue bezeugt, die auf der Treue Christi gründet. Das erfordert natürlich eine wahre innige Beziehung zu Christus im Gebet, denn nur die starke und intensive Erfahrung der Liebe des Herrn wird die Priester und die gottgeweihten Frauen und Männer dazu hinführen können, auf seine Liebe in bräutlicher Ganzhingabe zu antworten.

Dieses Leben der besonderen Weihe an Gott war für das Volk Gottes von Beginn an eine Erinnerung an das Evangelium, eine Erinnerung, die der ganzen Kirche die Radikalität des Evangeliums und das Kommen des Reiches zeigt, bestätigt und verkündet. Liebe gottgeweihte Männer und Frauen, mit eurem Einsatz im Gebet, in der Askese, im Wachstum des geistlichen Lebens, im Apostolat und in der Mission strebt ihr also dem himmlischen Jerusalem entgegen, nehmt ihr die Kirche der Endzeit vorweg, die Gott, der die Liebe ist, fest ergriffen hat und ihn voll Liebe betrachtet. Wie sehr brauchen wir heute dieses Zeugnis! Viele unserer Brüder und Schwestern leben, als ob es kein Jenseits gäbe, ohne sich um ihr ewiges Heil zu kümmern. Die Menschen sind dazu berufen, Gott zu suchen, ihn zu kennen und zu lieben; und die Kirche hat die Aufgabe, ihnen in dieser Berufung zu helfen. Wir wissen wohl, daß Gott über seine Gaben frei verfügt; die Bekehrung der Menschen ist eine Gnade. Aber wir sind für die Verkündigung des Glaubens verantwortlich, des ganzen Glaubens und der Anforderungen, die er mit sich bringt. Liebe Freunde, ahmen wir den Pfarrer von Ars nach, der so zu Gott gebetet hat: „Gewähre mir die Bekehrung meiner Pfarrgemeinde, und ich bin bereit, für den Rest meines Lebens all das zu erleiden, was du willst." Und er ließ nichts ungetan, um die Menschen von ihrer Lauheit loszureißen und zur Liebe zu führen.

Unter allen Gliedern des Leibes Christi herrscht eine tiefe Solidarität: Es ist nicht möglich, Christus zu lieben, ohne seine Brüder und Schwestern zu lieben. Für ihr Heil wollte der heilige Johannes Maria Vianney Priester sein: „Die Seelen für den guten Gott gewinnen", das war seine Erklärung, als er mit achtzehn Jahren von seiner Berufung sprach. So wie Paulus schrieb: „Möglichst viele gewinnen" (1 Kor 9,19). Der Generalvikar hatte zu Johannes Maria Vianney gesagt: „In dieser Pfarrgemeinde gibt es nicht viel Liebe zu Gott; Sie werden die Liebe hineinbringen." In seiner priesterlichen Leidenschaft war der heilige Pfarrer wie Jesus in der Begegnung mit jedem Sünder barmherzig. Er betonte lieber das Anziehende der Tugend und das Erbarmen Gottes, vor dessen Angesicht unsere Sünden „Sandkörner" sind. Er hatte Angst, daß die Priester „unsensibel" werden und sich mit der Gleichgültigkeit der Gläubigen abfinden könnten: „Wehe euch, Hirten", ermahnte er, „wenn ihr stumm bleibt, während ihr seht, wie Gott beleidigt wird und die Seelen ins Verderben gehen".

Liebe Mitbrüder im Priestertamt, bedenkt es an diesem Ort, dem Maria eine so besondere Bedeutung verliehen hat, und schaut auf ihre Berufung als treue Jüngerin ihres Sohnes Jesus, von der Empfängnis an bis unter das Kreuz und dann auf dem Weg der entstehenden Kirche: welch unglaubliche Gnade ist eure priesterliche Berufung! Die Treue zu seiner Berufung erfordert Mut und Vertrauen, aber der Herr will auch, daß ihr euch gegenseitig stärkt; sorgt füreinander und unterstützt euch brüderlich. Die gemeinsamen Zeiten des Gebets und der Fortbildung sowie das Mittragen der Herausforderungen des priesterlichen Lebens und Wirkens der Mitbrüder sind ein notwendiger Teil eures Lebens. Wie schön ist es, wenn ihr euch gegenseitig in euren Häusern aufnehmt und dabei den Frieden Christi in euren Herzen habt! Wie wichtig ist es, daß ihr einander im Gebet und mit guten Ratschlägen und Unterscheidungshilfen beisteht! Seid besonders achtsam, wenn die priesterlichen Ideale manchmal an Kraft verlieren oder wenn jemand Beschäftigungen nachgeht, die nicht ganz mit dem übereinstimmen, was einen Diener Jesu Christi eigentlich ausmacht. Dann ist es Zeit, zusammen mit der mitbrüderlichen Herzlichkeit auch die klare Haltung desjenigen einzunehmen, der seinem Bruder helfen will, „nicht zu fallen".

Das Priestertum Christi ist ewig (vgl. Hebr 5,6), doch das Leben der Priester hat nur eine beschränkte Dauer. Christus will, daß andere das von ihm eingesetzte Weihepriestertum durch die Zeit hindurch fortsetzen. Bewahrt daher - in euch selbst und in eurem Umfeld - die Sehnsucht, unter den Gläubigen neue Priesterberufungen zu wecken, indem ihr dem Wirken der Gnade des Heiligen Geistes zur Seite steht. Das vertrauensvolle und beharrliche Gebet, die freudige Liebe zur eigenen Berufung und der hingebungsvolle Dienst der geistlichen Leitung werden euch erlauben, das Geschenk der Berufung in jenen zu erkennen, die von Gott auserwählt wurden.

Liebe Seminaristen, ihr habt bereits den ersten Schritt in Richtung auf den Priesterdienst gemacht und bereitet euch in den Priesterseminaren oder in den Ausbildungshäusern eurer Ordensgemeinschaften darauf vor. Der Papst ermutigt euch, euch der großen Verantwortung bewußt zu sein, die euch erwartet: Prüft gut, was ihr erstrebt und was euch bewegt; widmet euch mit Entschlossenheit und Großzügigkeit eurer Ausbildung. Eure Liebe muß in erster Linie der Eucharistie gelten, die der Mittelpunkt des christlichen Lebens und eine Schule der Demut und des Dienstes ist. Die Anbetung, die Verehrung und die Aufmerksamkeit für das Allerheiligste Sakrament in diesen Jahren werden bewirken, daß ihr später das Opfer des Altares mit erbaulicher und authentischer Ausstrahlung feiern werdet.

Liebe Priester und Diakone, liebe gottgeweihte Männer und Frauen, liebe Seminaristen und beauftragte Laien, auf diesem Weg der Treue leitet und begleitet uns die selige Jungfrau Maria. Mit ihr und wie sie sind wir frei, um heilig zu sein; frei, um arm, keusch und gehorsam zu sein; frei für alle, weil wir von allem losgelöst sind; frei von uns selbst, damit in jedem Christus wächst, denn er ist wirklich dem Vater geweiht und der wahre Hirte, dem die Priester ihre Stimme und ihre Gesten leihen und ihn so vergegenwärtigen; frei, um den Menschen unserer Zeit den gestorbenen und auferstanden Christus zu bringen, der bis ans Ende der Zeit bei uns bleibt und sich uns in der heiligen Eucharistie schenkt.
 

(Ansprache S.H. Papst Benedikts XVI. in der Dreifaltigkeitskirche in Fátima am 12. Mai 2010 - © Copyright 2010 Libreria Editrice Vaticana)

 

 

 

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst!

Ihr könnt euch sicher gut vorstellen, welche Freude es mir bereitet hätte, bei den internationalen Priesterexerzitien zum Thema »Für das Heil der Welt zum Priester geweiht: welche Freude!« unter euch zu sein. Ihr nehmt zahlreich daran teil und zieht großen geistlichen Gewinn aus den Vorträgen von Kardinal Christoph Schönborn. Sehr herzlich grüße ich ihn und auch die anderen Prediger sowie den Bischof von Belley- Ars, Guy-Marie Bagnard. Ich muß mich damit begnügen, diese aufgezeichnete Videobotschaft an euch zu richten, aber seid versichert, daß ich mich durch diese wenigen Worte in ganz persönlicher Weise an jeden einzelnen von euch richte, denn wie der hl. Paulus sagt: »Ich habe euch alle ins Herz geschlossen, denn ihr alle habt Anteil an der Gnade, die mir … gewährt ist« (Phil 1,7).

Der hl. Johannes-Maria Vianney unterstrich die unersetzliche Rolle des Priesters, als er sagte: »Ein guter Hirte, ein Hirte nach dem Herzen Gottes, ist der größte Schatz, den der liebe Gott einer Pfarrei gewähren kann, und eines der wertvollsten Geschenke der göttlichen Barmherzigkeit « (Le curé d’Ars, Pensées, hg. Bernard Nodet, Desclée de Brouwer, Foi vivante, 2000, S.101). In diesem Priester-Jahr sind wir alle aufgerufen, die Größe des Weihesakraments zu ergründen und neu zu entdecken, das uns auf ewig Christus, dem Hohenpriester gleichgestaltet und uns alle »in der Wahrheit geheiligt« hat (Joh 17,19).

Aus den Menschen erwählt, bleibt der Priester einer von ihnen und ist gerufen, ihnen zu dienen, indem er ihnen das Leben Gottes schenkt. Der Priester ist es, »der das Werk der Erlösung auf Erden fortführt« (Nodet, S. 98). Unsere priesterliche Berufung ist ein Schatz, den wir in zerbrechlichen Gefäßen tragen (vgl. 2 Kor 4,7). Der hl. Paulus hat einen glücklichen Ausdruck gefunden für die unendliche Distanz, die zwischen unserer Berufung und den armseligen Antworten besteht, die wir Gott geben können. Unter diesem Blickwinkel gibt es einen verborgenen Zusammenhang zwischen dem Paulusjahr und dem Priester-Jahr. In unserem Ohr und im Innersten unseres Herzens klingt der bewegende und vertrauensvolle Ausruf des Apostels nach, der gesagt hat: »Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark« (2 Kor 12,10). Das Bewußtsein dieser Schwäche macht offen für die innere Vertrautheit mit Gott, die Kraft und Freude schenkt. Je mehr der Priester in der Freundschaft mit Gott ausharrt, desto mehr wird er das Werk des Erlösers auf Erden fortsetzen (vgl. Nodet, S. 98). Der Priester ist nicht Priester für sich selbst, er ist es für alle (vgl. Nodet, S. 100).

Gerade darin liegt eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Der Priester, sicherlich ein Mann des Wortes Gottes und ein Mann des Heiligen, muß heute mehr denn je auch ein Mann der Freude und Hoffnung sein. Den Menschen, die nicht mehr verstehen können, daß Gott reine Liebe ist, wird er stets zusichern, daß das Leben lebenswert ist und Christus ihm seinen vollen Sinn gibt, weil Er die Menschen liebt, alle Menschen. Die Frömmigkeit des Pfarrers von Ars ist eine Frömmigkeit des Glücks; es ist keine krankhafte Suche nach Abtötung, wie man manchmal geglaubt hat: »Unser Glück ist zu groß; nein, nein, niemals werden wir es fassen« (Nodet, S. 110), sagte er. Oder auch: »Wenn wir unterwegs sind und einen Kirchturm sehen, muß dieser Anblick unser Herz schneller schlagen lassen, wie der Anblick des Hauses, wo ihr geliebter Gemahl wohnt, das Herz einer Ehefrau schneller schlagen läßt« (ebd.). An dieser Stelle möchte ich mit besonderer Zuneigung all jene unter euch grüßen, die mit der pastoralen Sorge für mehrere Gemeinden beauftragt sind und sich verausgaben, um in ihren verschiedenen Gemeinschaften das sakramentale Leben aufrechtzuerhalten. Die Dankbarkeit der Kirche euch allen gegenüber ist unermeßlich! Verliert nicht den Mut, sondern betet weiter und fordert andere auf zu beten, damit zahlreiche junge Menschen auf den Ruf Christi antworten, der nicht aufhört, die Zahl seiner Apostel vermehren zu wollen, um die Ernte von den Feldern einzubringen.

Liebe Priester, denkt auch an die äußerste Verschiedenheit der Dienste, die ihr für die Kirche leistet. Denkt an die große Zahl der heiligen Messen, die ihr gefeiert habt oder feiern werdet, und bei denen Christus jedesmal wahrhaft auf dem Altar gegenwärtig wird. Denkt an die unzähligen Absolutionen, die ihr erteilt habt und erteilen werdet, und die einem Sünder erlaubt haben, sich aufrichten zu lassen. Dann werdet ihr die unendliche Fruchtbarkeit der Priesterweihe wahrnehmen. Eure Hände, eure Lippen sind für einen Augenblick die Hände und die Lippen Gottes geworden. Ihr tragt Christus in euch; aus Gnade seid ihr in die Allerheiligste Dreifaltigkeit hineingenommen. Wie der heilige Pfarrer von Ars gesagt hat: »Wenn man Glauben hätte, würde man im Priester Gott verborgen sehen wie Licht hinter einem Fenster oder mit Wasser vermischten Wein« (Nodet, S. 97). Dieser Gedanke muß dazu führen, die Beziehungen unter den Priestern zu harmonisieren, mit dem Ziel, die priesterliche Gemeinschaft zu verwirklichen, zu der der hl. Petrus ermahnt hat (Vgl. 1 Petr 2,9), um den Leib Christi aufzubauen und euch in der Liebe zu festigen (Vgl. Eph 4,11–16).

Der Priester ist der Mann der Zukunft. Er hat die Worte des hl. Paulus ernstgenommen: »Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist!« (Kol 3,1). Was er auf der Erde tut, gehört der Ordnung der auf das letzte Ziel ausgerichteten Mittel an. Die heilige Messe ist der einzigartige Verbindungspunkt zwischen den Mitteln und dem Ziel, denn in ihr ist es uns gegeben, daß wir schon jetzt unter den einfachen Zeichen von Brot und Wein den Leib und das Blut dessen betrachten können, den wir in der Ewigkeit anbeten werden. Die einfachen und doch so tiefen Worte des heiligen Pfarrers über die Eucharistie helfen uns, besser den Reichtum dieses einzigartigen Momentes in unserem Tagesablauf wahrzunehmen, bei dem wir ein Gegenüberstehen von Angesicht zu Angesicht erleben, das uns und jedem unserer Gläubigen Leben schenkt. »Man wird das Glück, eine Messe zu lesen«, so schreibt er, »erst im Himmel ganz begreifen können! « (Nodet, S. 104).

Deshalb ermutige ich euch, euren Glauben und den eurer Gläubigen an das Sakrament zu stärken, das ihr feiert und das die Quelle wahrer Freude ist. Der Heilige von Ars rief aus: »Der Priester muß dieselbe Freude empfinden (wie die Apostel), wenn er unseren Herrn sieht, den er in seinen Händen hält« (ebd.). In Dankbarkeit für das, was ihr seid und tut, sage ich euch erneut: »Nichts wird je den Dienst der Priester im Leben der Kirche ersetzen!« (Predigt bei der Eucharistiefeier auf der »Esplanade des Invalides« am 13. September 2008, Paris). Als lebendige Zeugen der Macht Gottes, wirksam in der Schwäche von Menschen, die für das Heil der Welt geweiht sind, bleibt ihr, meine lieben Brüder, von Christus selbst auserwählt, um durch ihn Salz der Erde und Licht der Welt zu sein. Mögt ihr während dieser Exerzitien eine tiefe Erfahrung des unaussprechlichen Inneren (Augustinus, Confessiones, III,6,11; BA 13, S. 383) machen, um vollkommen mit Christus vereint zu sein, in eurer Umgebung seine Liebe zu verkünden und euch ganz einzusetzen im Dienst an der Heiligung aller Glieder des Gottesvolkes. Indem ich euch der Jungfrau Maria anvertraue, Mutter Christi und Mutter der Priester, erteile ich euch allen meinen Apostolischen Segen.

(Transkript der Videobotschaft S.H. Papst Benedikt XVI. anlässlich der internationalen Priesterexerzitien,
Ars, 27. September-3. Oktober 2009; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana)

 

 

 

Folgende Katechese hat S.H. Papst Benedikt XVI. am Sonntag, 30. August 2009,  während des Angelusgebets in Castel Gandolfo gehalten. Der Papst erinnerte die Gläubigen, die sich bei der Päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo eingefunden hatten, anhand des Sonntagsevangeliums daran, dass die Nachfolge Christi das Herz mit Freude erfülle und dem Leben seinen vollen Sinn gebe, dass sie aber auch mit Opfer und Verzicht verbunden sei. Häufig sei es erforderlich, gegen den Strom zu schwimmen, hob Papst Benedikt hervor.

„Wir wollen jeden Tag unsere Entscheidung für Christus erneuern und mithelfen, dass die Menschen ihn erkennen, der allen Heil und Leben schenken will.“


Liebe Brüder und Schwestern!
Vor drei Tagen, am 27. August, haben wir den liturgischen Gedenktag der heiligen Monika begangen, der Mutter des heiligen Augustinus, die als Vorbild und Schutzpatronin der christlichen Mütter angesehen wird. Ihr Sohn berichtet uns in seinem autobiographischen Werk „Die Bekenntnisse“, einem der meistgelesenen Meisterwerke aller Zeiten, viel über sie. Dort erfahren wir, dass der heilige Augustinus den Namen Jesu mit der Muttermilch getrunken hat und von der Mutter in der christlichen Religion erzogen wurde, deren Prinzipien ihm auch in den Jahren der geistlichen und moralischen Wirren eingeprägt bleiben werden. Monika hörte nie auf, für ihn und seine Bekehrung zu beten, und es wurde ihr der Trost zuteil, dass sie sehen durfte, wie er zum Glauben zurückkehrte und die Taufe empfing. Gott erhörte die Gebete dieser heiligen Mutter, zu der der Bischof von Thagaste gesagt hatte: „Es ist unmöglich, dass ein Kind so vieler Tränen verloren geht.“ In Wirklichkeit bekehrte sich der heilige Augustinus nicht nur, sondern er fasste sogar den Entschluss, das monastische Leben aufzunehmen, und nach seiner Rückkehr nach Afrika gründete er selbst eine Gemeinschaft von Mönchen. Bewegend und erbauend sind die letzten geistlichen Gespräche zwischen ihm und der Mutter in der Stille eines Hauses in Ostia, während sie darauf warteten, mit dem Schiff nach Afrika aufzubrechen. Die heilige Monika war für diesen ihren Sohn nunmehr „mehr als eine Mutter“; sie war „die Quelle seines Christentums“. Jahrelang war ihr einziger Wunsch die Bekehrung des Augustinus gewesen, von dem sie nun sogar sah, dass er sich auf ein Leben der Weihe im Dienst Gottes ausrichtete. Somit konnte sie zufrieden sterben, und in der Tat verschied sie am 27. August 387 im Alter von 56 Jahren, nachdem sie ihre Söhne darum gebeten hatte, sich um ihr Begräbnis keine Sorgen zu machen, ihrer jedoch, wo sie auch sein werden, am Altar des Herrn zu gedenken. Der heilige Augustinus wiederholte, dass ihn seine Mutter „zwei Mal zur Welt gebracht hatte“.

Die Geschichte des Christentums ist voll von zahllosen Beispielen heiliger Eltern und echter christlicher Familien, die das Leben großherziger Priester und Hirten der Kirche begleitet haben. Man denke an die heiligen Basilius den Großen und Gregor von Nazianz, die beide zu Familien von Heiligen gehörten. Denken wir in unserer unmittelbaren Nähe an die Eheleute Luigi Beltrame Quattrocchi und Maria Corsini, die zwischen dem Ende des 19. und der Mitte des 20. Jahrhunderts gelebt haben und von meinem verehrten Vorgänger Johannes Paul II. im Oktober 2001 anlässlich des 20. Jahrestages des Apostolischen Schreibens Familiaris consortio selig gesprochen wurden. Abgesehen von der Tatsache, dass dieses Dokument den Wert der Ehe und die Aufgaben der Familie erläutert, ermutigt es die Eheleute zu einem besonderen Einsatz auf dem Weg der Heiligkeit, die sie, indem sie Gnade und Kraft aus dem Sakrament der Ehe schöpfen, durch ihr ganzes Leben begleitet (vgl. Nr. 56). Wenn sich die Gatten großherzig der Erziehung der Kinder widmen und sie so zur Entdeckung des Liebesplanes Gottes hinführen und auf ihn ausrichten, bereiten sie jenen fruchtbaren geistlichen Boden vor, aus dem die Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben hervorgehen und reifen. Auf diese Weise wird offenbar, wie sehr die Ehe und die Jungfräulichkeit, ausgehend von ihrer gemeinsamen Verwurzelung in der bräutlichen Liebe Christi, zuinnerst miteinander verbunden sind und sich gegenseitig erleuchten.

Liebe Brüder und Schwestern, in diesem Priesterjahr bitten wir darum, dass „auf die Fürsprache des heiligen Pfarrers von Ars die christlichen Familien zu kleinen Kirchen werden, in denen alle Berufungen und alle Charismen, die der Heilige Geist in sie hineinlegt, Aufnahme finden und gewürdigt werden“ (aus dem Gebet für das Priesterjahr). Diese Gnade erlange uns die Heilige Jungfrau, zu der wir jetzt gemeinsam beten.

(Quelle: ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals v. 31.08.09; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana)

 

Folgende Katechese hat S.H. Papst Benedikt XVI. am Mittwoch, 19. August 2009,  während der Generalaudienz in Castel Gandolfo gehalten. Der Heilige Vater widmete seine Katechese dem heiligen Johannes Eudes, dessen Gedenktag die Kirche heute begeht und der sich im 17. Jahrhundert vor allem für die gute Ausbildung der Priesteramtskandidaten gekümmert hatte.
Auch heute sehe man, so Papst Benedikt XVI., „wie wichtig es ist, dass die Priester die unendliche Barmherzigkeit Gottes mit einem gänzlich von Christus 'eroberten' Leben bezeugen und dies von den Jahren ihrer Vorbereitung in den Seminaren an lernen“.
Der Heilige sei davon überzeugt gewesen, dass der Weg der Heiligung in der vorbehaltlosen Antwort und Hingabe an die Liebe bestehe, die Gott der Menschheit im priesterlichen Herzen Jesu und im mütterlichen Herzen Marias offenbare. „In diesem Sinn wollen wir alle Priester und uns selber dieser Herzensliebe unseres Herrn und seiner Mutter anvertrauen, damit auch durch uns Gottes Erbarmen in dieser Welt sichtbar wird.“


Liebe Brüder und Schwestern!
Heute begehen wir den liturgischen Gedenktag des heiligen Johannes Eudes, eines unermüdlichen Apostels der Verehrung der heiligen Herzen Jesu und Mariens, der im 17. Jahrhundert in Frankreich gelebt hat, einem Jahrhundert, das von gegensätzlichen religiösen Phänomenen und schweren politischen Problemen gekennzeichnet war: Es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, der nicht nur weite Teile Mitteleuropas, sondern auch die Seelen verheert hat. Und während sich die Verachtung des christlichen Glaubens seitens einiger damals vorherrschender Denkströmungen breit machte, erweckte der Heilige Geist eine von Eifer erfüllte geistliche Erneuerung mit herausragenden Persönlichkeiten wie Pierre de Bérulle, dem heiligen Vinzenz von Paul, dem heiligen Louis-Marie Grignion de Montfort und eben dem heiligen Johannes Eudes. Diese große „Französische Schule“ der Heiligkeit brachte als eine ihrer Früchte auch den heiligen Johannes Maria Vianney hervor. Durch den geheimnisvollen Plan der Vorsehung hat mein verehrter Vorgänger Pius XI. Johannes Eudes und den Pfarrer von Ars am 31. Mai 1925 gemeinsam heilig gesprochen und so der Kirche und der ganzen Welt zwei außerordentliche Beispiele an priesterlicher Heiligkeit geschenkt.

Im Zusammenhang mit dem Priesterjahres ist es mir ein Anliegen, die Betonung auf den apostolischen Eifer des heiligen Johannes Eudes zu legen, der sich besonders auf die Ausbildung des Diözesanklerus bezog. Die Heiligen sind die wahre Auslegung der Heiligen Schrift. Die Heiligen haben in der Erfahrung des Lebens die Wahrheit des Evangeliums überprüft; so führen sie uns in die Kenntnis und das Verständnis des Evangeliums ein. 1563 hatte das Konzil von Trient Normen für die Errichtung von Diözesanseminare und die Ausbildung der Priester erlassen, da sich das Konzil wohl bewusst war, dass die gesamte Krise der Reformation auch durch eine unzureichende Ausbildung der Priester bedingt worden war, die intellektuell und geistlich, im Herzen und in der Seele nicht richtig auf das Priestertum vorbereitet worden waren. Dies geschah im Jahr 1563. Da sich aber die Einführung und die Umsetzung der Normen sowohl in Deutschland als auch in Frankreich hinauszögerten, erkannte der heilige Johannes Eudes die Folgen dieses Mangels. Getrieben vom klaren Bewusstsein des großen Bedürfnisses an geistlicher Hilfe, in dem sich die Seelen gerade auch aufgrund der Unangemessenheit eines Großteils des Klerus befanden, errichtete der Heilige, der ein Pfarrer war, eine Kongregation, die sich spezifisch der Ausbildung der Priester widmete. In der Universitätsstadt Caen gründete er sein erstes Seminar – eine Erfahrung, der große Wertschätzung zuteil wurde und die sich bald auf andere Diözesen ausweitete. Der von ihm unternommene und seinen Schüler vorgeschlagene Weg der Heiligkeit gründete in einem festen Vertrauen auf die Liebe, die Gott der Menschheit im priesterlichen Herzen Jesu und im mütterlichen Herzen Mariens offenbart hat. Zu jener Zeit der Grausamkeiten und des Verlustes der Innerlichkeit wandte er sich an das Herz, um dem Herzen ein vom heiligen Augustinus sehr treffend interpretiertes Wort aus den Psalmen zuzusprechen. Er wollte die Aufmerksamkeit der Personen, der Menschen und vor allem der zukünftigen Priester auf das Herz lenken, indem er auf das priesterliche Herz Christi und das mütterliche Herz Mariens verwies. Jeder Priester muss Zeuge und Apostel dieser Liebe des Herzens Christi und Mariens sein. Und damit kommen wir zu unserer heutigen Zeit.

Auch heute lässt sich erkennen, wie wichtig es ist, dass die Priester die unendliche Barmherzigkeit Gottes mit einem gänzlich von Christus „eroberten“ Leben bezeugen und dies von den Jahren ihrer Vorbereitung in den Seminaren an lernen. Papst Johannes Paul II. veröffentlichte nach der Synode 1990 das Apostolische Schreiben Pastores dabo vobis, in dem er die Normen des Konzils von Trient aufnimmt und auf den laufenden Stand bringt und vor allem die notwendige Kontinuität zwischen dem anfänglichen und dem kontinuierlichen Aspekt der Ausbildung hervorhebt. Dies ist für ihn wie für uns der wahre Ausgangspunkt für eine echte Reform des Lebens und des Apostolats der Priester, und es ist auch ein zentraler Punkt, damit die „Neuevangelisierung“ nicht einfach nur ein attraktiver Slogan ist, sondern Wirklichkeit wird. Die Grundlagen, die während der Ausbildung in den Seminaren gelegt werden, bilden jenen unersetzlichen „geistlichen Humus“, in dem „Christus zu lernen ist“, indem man sich fortschreitend ihm gleich gestalten lässt, dem einzigen Hohenpriester und Guten Hirten. Die Seminarzeit ist daher als eine Aktualisierung jenes Zeitpunkts zu sehen, in dem Jesus, der Herr, die Apostel nach deren Berufung und vor ihrer Aussendung zur Verkündigung aufforderte, bei ihm zu bleiben (vgl. Mk 3,14). Als uns der heilige Markus die Berufung der zwölf Apostel berichtet, sagt er uns, dass Jesus ein zweifaches Ziel verfolgte: Das erste bestand darin, dass sie mit ihm bleiben sollten, und das zweite darin, dass sie ausgesandt werden sollten, um zu predigen. Indem sie jedoch immer mit ihm gehen, verkünden sie wirklich Christus und bringen der Welt die Wirklichkeit des Evangeliums.

Während dieses Priesterjahres lade ich euch ein, liebe Brüder und Schwestern, für die Priester und all jene zu beten, die sich darauf vorbereiten, das außerordentliche Geschenkt des Amtpriestertums zu empfangen. An alle richte ich – und damit komme ich zum Ende – die Ermahnung des heiligen Johannes Eudes, der den Priestern folgendes sagte: „Schenkt euch Jesus, um in die unendliche Weite seines großen Herzens einzugehen, das das Herz seiner Heiligen Mutter und aller Heiligen einschließt, und um euch in diesem Abgrund der Liebe, der Nächstenliebe, der Barmherzigkeit, der Demut, der Reinheit, der Geduld, der Unterwerfung und der Heiligkeit zu verlieren“ (Coeur admirable, III, 2).

(Quelle: ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals v. 19.08.09; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana)

 

Folgende Ansprache hat S.H. Papst Benedikt XVI. am Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel zum Angelusgebet gehalten. Der Papst führte den Gläubigen die vorbildhafte Marienfrömmigkeit des heiligen Pfarrers von Ars vor Augen und ermutigte alle, im aktuellen Priesterjahr nicht darauf zu vergessen, der Gottesmutter die Seelsorger in besonderer Weise anzuempfehlen.


Liebe Brüder und Schwestern!
Mitten im Monat August - für viele Familien der Monat der Urlaubszeit - feiert die Kirche das Hochfest der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria in den Himmel. Für uns ist das eine besondere Gelegenheit, um über den letzen Sinn der menschlichen Existenz nachzudenken. Dabei hilft uns die heutige Liturgie, die uns einlädt, in dieser Welt immer in Ausrichtung auf die ewigen Güter zu leben, um derselben Herrlichkeit teilhaftig zu werden wie Maria, unsere Mutter (vgl. Tagesgebet). Deshalb richten wir unseren Blick auf die Gottesmutter, den Stern der Hoffnung, der unseren Weg auf Erden erhellt, und folgen dabei dem Vorbild der heiligen Männer und Frauen, die in jeder Lebenslage zu ihr Zuflucht genommen haben. Im Gedenken an den heiligen Pfarrer von Ars begehen wir das Priesterjahr, und ich möchte den Gedanken und Zeugnissen dieses heiligen Landpfarrers einige Punkte zum Nachdenken entnehmen, die uns allen und ganz besonders den Priestern helfen können, unsere Liebe und Andacht zur allerseligsten Jungfrau neu zu beleben.

Die Biographen bezeugen, dass der heilige Jean -Marie Vianney mit großer Ehrfurcht und gleichzeitig mit unmittelbaren Vertrauen von der Gottesmutter sprach. „Die heilige Jungfrau", so pflegte er zu sagen, „ist ohne Makel, geschmückt mit allen Tugenden, die sie der Heiligsten Dreifaltigkeit so schön und wohlgefällig machen" (Le curé d'Ars. Sa pensée - Son cœur. Présantés par l'Abbé Bernard Nodet, éd. Xavier Mappus, Foi Vivante, 1966). Und weiter: „Das Herz dieser guten Mutter ist nichts anderes als Liebe und Barmherzigkeit. Es will nichts anderes, als uns glücklich sehen. Es genügt, sich an sie zu wenden, um erhört zu werden" (ebd.).

In diesen Worten scheint die Begeisterung des Priesters durch, dem es, von apostolischem Eifer gedrängt, Freude bereitet, zu seinen Gläubigen über Maria zu sprechen, und der dessen nie müde wird. Er hat es sogar verstanden, ein so schwieriges Geheimnis wie das heutige der Aufnahme Marias in den Himmel mit wirkungsvollen Bildern zu beschreiben, zum Beispiel so: „Der Mensch war für den Himmel geschaffen. Der Satan hat die Leiter zerbrochen, die dorthin führte. Unser Herr hat uns mit seinem Leiden eine neue gemacht... Die allerseligste Jungfrau steht oben an der Leiter und hält sie mit beiden Händen fest" (ebd.).

Der heilige Pfarrer von Ars ist vor allem von der Schönheit Marias angezogen worden - einer Schönheit, die damit zu tun hat, dass sie die Unbefleckte ist: das einzige Geschöpf, das ohne den Schatten der Sünde empfangen worden ist. „Die heilige Jungfrau", so sagte er, „ist jenes schöne Geschöpf, das den gütigen Gott nie enttäuscht hat" (ebd.).

Als guter und treuer Hirte hat er uns vor allem auch ein Beispiel dieser kindlichen Liebe zur Mutter Jesu gegeben, von der er sich zum Himmel gezogen fühlte: „Käme ich nicht in den Himmel", so rief er aus, „wie weh würde mir das tun! Nie würde ich die heilige Jungfrau sehen, dieses so schöne Geschöpf!" (ebd.) Darüber hinaus weihte er seine Pfarrei mehrmals der Gottesmutter, und besonders den Müttern empfahl er, jeden Morgen dasselbe mit ihren Kindern zu tun.

Liebe Brüder und Schwestern, machen wir uns die Gesinnung des heiligen Pfarrers von Ars zu Eigen! Und in demselben Glauben wollen wir uns an Maria wenden, die in den Himmel aufgenommen worden ist, und ihr in besonderer Weise die Priester der ganzen Welt anempfehlen.

(Quelle: ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals v. 17.08.09; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana)

 

Folgende Katechese hat S.H. Papst Benedikt XVI. am Mittwoch, 05. August 2009,  während der Generalaudienz gehalten. Der Papst sprach über das Leben des heiligen Pfarrers von Ars und lud alle Seelsorger ein, sich an ihm ein Beispiel zu nehmen.
„Nur wenn er in Christus verliebt ist, wird der Priester allen diese Einheit beibringen können, diese enge Freundschaft mit dem göttlichen Meister, nur so wird er die Herzen der Menschen berühren und sie für die barmherzige Liebe des Herrn öffnen können.“
Die Gläubigen bat Papst Benedikt, um heilige Priester zu beten. Außerdem lud er sie ein, den Priestern in ihrem Dienst beizustehen.
„Jean-Marie Vianney hat die Liebe Christi wirklich verkörpert, die er in der Predigt verkündete und in den Sakramenten feierte. Dadurch, dass er wirklich von innen durchdrungen war, vom Licht des Herrn, konnte er viele Menschen zur Umkehr und zur Heiligkeit führen.“


Liebe Brüder und Schwestern!
In der heutigen Katechese möchte ich kurz das Leben des heiligen Pfarrers von Ars schildern und auf einige Züge hinweisen, die auch für die Priester in dieser unserer Zeit als Beispiel gelten können, die sich zwar gewiss von der Zeit unterscheidet, in der er gelebt hat, die jedoch in vieler Hinsicht von den gleichen fundamentalen menschlichen und geistlichen Herausforderungen gezeichnet ist. Gerade gestern hat sich zum einhundertfünfzigsten Mal seine Geburt zum Himmel gejährt: Es war um zwei Uhr am Morgen des 4. August 1859, als Jean-Baptiste Marie Vianney, nachdem er den Lauf seines irdischen Daseins beendet hatte, dem himmlischen Vater entgegenging, um das Erbe des Reiches zu empfangen, das von der Erschaffung der Welt an für diejenigen bestimmt war, die Seiner Lehre treu folgen (vgl. Mt 25, 34). Welch großes Fest muss es im Paradies bei der Ankunft eines so eifrigen Hirten gegeben haben! Welche Aufnahme wird ihm die Vielzahl der Kinder bereitet haben, die durch sein Wirken als Pfarrer und Beichtvater mit dem Vater versöhnt wurden! Ich habe diesen Jahrestag zum Anlass nehmen wollen, um das Priesterjahr auszurufen, dessen Thema bekanntermaßen „Treue zu Christus, Treue des Priesters“ lautet. Von der Heiligkeit hängt die Glaubwürdigkeit des Zeugnisses und letztlich die Wirksamkeit der Sendung eines jeden Priesters ab.

Jean-Marie Vianney wurde am 8. Mai 1786 in der kleinen Ortschaft Dardilly in einer Bauernfamilie geboren, die zwar arm an materiellen Gütern, aber reich an Menschlichkeit und Glauben war. Er wurde, wie es damals üblich war, gleich am Tag seiner Geburt getauft. Während seiner Kinder- und Jugendjahre arbeitete er auf den Feldern und weidete die Tiere, sodass er im Alter von siebzehn Jahren noch Analphabet war. Er kannte jedoch die Gebete auswendig, die seine fromme Mutter ihm beigebracht hatte und stärkte sich an der Gläubigkeit, die zu Hause gelebt wurde. Die Biographen berichten, dass er von frühester Jugend an versuchte, auch in den kleinsten Aufgaben dem göttlichen Willen zu entsprechen. In seiner Seele hegte er den Wunsch Priester zu werden, doch es war nicht einfach für ihn, diesen zu erfüllen. Nachdem er einiges Unverständnis und nicht wenige Beschwerden überwunden hatte, wurde er schließlich geweiht – dank der Hilfe kluger Priester, welche nicht nur seine menschlichen Grenzen sahen, sondern darüber hinauszublicken vermochten und den Horizont der Heiligkeit ahnten, der sich in diesem wirklich außergewöhnlichen jungen Mann abzeichnete. So wurde er am 23. Juni 1815 zum Diakon geweiht und am darauffolgenden 13. August zum Priester. Im Alter von 29 Jahren konnte er schließlich nach vielen Ungewissheiten, nicht wenigen Misserfolgen und vielen Tränen zum Altar des Herrn hinaufsteigen und den Traum seines Lebens verwirklichen.

Der heilige Pfarrer von Ars brachte dem empfangenen Geschenk immer äußerst große Achtung entgegen. Er sagte: „O, wie groß ist doch das Priestertum! Man wird es erst im Himmel richtig verstehen... wenn man es auf der Erde schon verstünde, dann würde man sterben – nicht vor Schreck, sondern aus Liebe!“ (Abbé Monnin, Esprit du Curé dArs, S. 113). Außerdem hatte er als Kind seiner Mutter anvertraut: „Wenn ich Priester wäre, würde ich gerne viele Seelen gewinnen“ (Abbé Monnin, Procès de lordinaire, S. 1064). Und so geschah es. In seinem ebenso schlichten wie außergewöhnlich fruchtbaren Hirtendienst gelang es diesem unbekannten Pfarrer eines abgelegenen Dorfes in Südfrankreich, sich so sehr in sein eigenes Amt hineinzufühlen, dass er auch auf sichtbare und universal erkennbare Weise „alter Christus“, das Bild des Guten Hirten wurde, der im Gegensatz zum Tagelöhner sein Leben für die Schafe hingibt (vgl. Joh 10, 11). Dem Beispiel des Guten Hirten folgend hat er sein Leben in den Jahrzehnten seines priesterlichen Dienstes hingegeben. Sein Dasein war lebendige Katechese, die eine ganz besondere Wirkung erreichte, wenn die Menschen ihn die Messe zelebrieren, ihn in Anbetung vor dem Tabernakel verweilen oder viele Stunden im Beichtstuhl verbringen sahen.

Den Mittelpunkt seines ganzen Lebens bildete also die Eucharistie, die er andächtig und respektvoll feierte und anbetete. Eine weitere fundamentale Eigenschaft dieser außergewöhnlichen Priestergestalt war die fleißige Abnahme der Beichte. In der Praxis des Bußsakraments erkannte er die logische und natürliche Erfüllung des priesterlichen Apostolats, gehorsam gegenüber dem Auftrag Christi: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (Joh 20, 23). Der heilige Jean-Marie Vianney zeichnete sich daher als ausgezeichneter und unermüdlicher Beichtvater und geistlicher Lehrmeister aus. Indem er sich „in einer einzigen inneren Bewegung vom Altar zum Beichtstuhl“ bewegte, wo er einen großen Teil des Tages verbrachte, versuchte er auf alle Arten, durch Predigt und überzeugenden Ratschlag die Mitglieder seiner Pfarrei die Bedeutung und die Schönheit der sakramentalen Buße neu entdecken zu lassen, indem er sie als eine mit der eucharistischen Gegenwart innerlich verbundene Notwendigkeit darstellte (vgl. Schreiben an die Priester zum Priesterjahr).

Die pastoralen Methoden des heiligen Jean-Marie Vianney könnten für die derzeitigen gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen als wenig geeignet erscheinen. Wie könnte schließlich ein Priester es ihm heute, in einer so sehr veränderten Welt nachtun? Wenn sich auch die Zeiten ändern und viele Charismen charakteristisch für eine Person und somit einmalig sind, gibt es doch eine Lebensform und ein grundsätzliches Streben, die zu pflegen wir alle aufgerufen sind. Bei genauem Hinschauen war es die demütige Treue gegenüber seinem Auftrag, zu dem Gott ihn berufen hatte, die den Pfarrer von Ars heilig machte; die Tatsache, dass er sich ständig, von Vertrauen erfüllt, den Händen der Göttlichen Vorsehung überließ. Es gelang ihm weder dank seiner eigenen menschlichen Gaben, noch indem er sich ausschließlich auf eine wenn auch lobenswerte Willensanstrengung stützte, das Herz der Menschen zu berühren; er eroberte die Seelen – auch die unempfänglichsten – indem er ihnen das vermittelte, was er zutiefst lebte, nämlich seine Freundschaft mit Christus. Er war in Christus „verliebt“, und das wahre Geheimnis seines pastoralen Erfolgs war die Liebe, die er für das verkündete, zelebrierte und gelebte eucharistische Geheimnis hegte, das Liebe für die Herde Christi geworden ist, für die Christen und für alle Menschen die Gott suchen. Sein Zeugnis ruft uns in Erinnerung, liebe Brüder und Schwestern, dass die Eucharistie für jeden Getauften und umso mehr noch für jeden Priester „nicht einfach ein Geschehen mit zwei Protagonisten ist, ein Dialog zwischen Gott und mir. Die eucharistische Gemeinschaft zielt auf eine völlige Verwandlung des eigenen Lebens ab. Mit Macht öffnet sie das ganze Ich des Menschen und schafft ein neues Uns“ (Joseph Ratzinger, La Communione nella Chiesa, S. 80).

Weit davon entfernt, die Gestalt des heiligen Jean-Marie Vianney auf ein – wenn auch bewundernswertes – Beispiel frommer Spiritualität des neunzehnten Jahrhunderts zu reduzieren, muss man im Gegenteil die prophetische Kraft erfassen, die seine menschliche und priesterliche Persönlichkeit von höchster Aktualität auszeichnet. Im nachrevolutionären Frankreich, das eine Art „Diktatur des Rationalismus“ erlebte, die darauf ausgerichtet war, die Präsenz der Priester und der Kirche in der Gesellschaft auszumerzen, lebte er seinen Glauben zunächst, in seinen Jugendjahren, tapfer in der Verborgenheit und legte in der Nacht Kilometer zurück, um an der heiligen Messe teilzunehmen. Als Priester zeichnete er sich dann durch eine besondere und fruchtbringende pastorale Kreativität aus, die in der Lage war aufzuzeigen, dass der damals herrschende Rationalismus in Wirklichkeit weit davon entfernt war, die wirklichen Bedürfnisse des Menschen zu erfüllen und somit letztlich nicht menschengerecht war.

Liebe Brüder und Schwestern, einhundertfünfzig Jahre nach dem Tod des heiligen Pfarrers von Ars, sind die Herausforderungen der heutigen Gesellschaft nicht weniger anstrengend, ja, sie sind vielleicht sogar noch vielschichtiger geworden. Wenn es damals die „Diktatur des Rationalismus“ gab, so ist heute in vielen Bereichen eine Art „Diktatur des Relativismus“ festzustellen. Beide scheinen keine angemessene Antwort auf die berechtigte Forderung des Menschen zu geben, die eigene Vernunft als entscheidendes und konstitutives Element der eigenen Identität voll auszuschöpfen. Der Rationalismus war ungeeignet, weil er die menschlichen Grenzen nicht berücksichtigte und verlangte, die Vernunft allein zum Maß aller Dinge zu erheben, indem er sie in eine Göttin verwandelte; der zeitgenössische Relativismus setzt die Vernunft herab, weil er tatsächlich am Ende behauptet, dass der Mensch über den konkreten wissenschaftlichen Bereich hinaus nichts mit Gewissheit erkennen kann. Heute wie damals jedoch ist der Mensch „begierig nach Sinn und Erfüllung“, stets auf der Suche nach erschöpfenden Antworten auf die grundlegenden Fragen, die er sich unaufhörlich stellt.

Die Konzilsväter des Zweiten Vatikanischen Konzils waren sich dieses „Hungers nach Wahrheit“, der im Herzen jedes Menschen brennt, deutlich bewusst, als sie erklärten, dass es „den Priestern als Erziehern im Glauben“ obliegt, eine „echte christliche Gemeinschaft“ zu bilden, die in der Lage ist, „allen Menschen den Weg zu Christus zu ebnen“ und ihnen gegenüber „eine echte Mütterlichkeit“ zu zeigen, dadurch, dass sie „denen, die noch nicht glauben, den Weg zu Christus weist und bahnt“ sowie „die Gläubigen anregt, stärkt und zum geistlichen Kampf rüstet“ (vgl. Presbyterorum ordinis, 6).

Die Lehre, die uns der heilige Pfarrer von Ars in dieser Hinsicht auch weiterhin vermittelt, ist, dass der Priester die enge personale Einheit mit Christus – die zu pflegen und Tag für Tag zu vergrößern ist – zur Grundlage dieser pastoralen Aufgabe machen muss. Nur wenn er in Christus verliebt ist, wird der Priester allen diese Einheit beibringen können, diese enge Freundschaft mit dem göttlichen Meister, nur so wird er die Herzen der Menschen berühren und sie für die barmherzige Liebe des Herrn öffnen können. Nur so folglich wird er in den Gemeinden, die der Herr ihm anvertraut, Begeisterung und geistliche Lebendigkeit hervorrufen können. Beten wir darum, dass Gott auf die Fürsprache des heiligen Jean-Marie Vianney seiner Kirche heilige Priester schenke und dass in den Gläubigen der Wunsch wachse, ihr Amt zu unterstützen und ihnen zu helfen. Vertrauen wir dieses Anliegen Maria an, die wir am heutigen Tag als Maria Schnee anrufen.

(Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller; Die Tagespost vom 08. August 2009)

 

Folgende Katechese hat S.H. Papst Benedikt XVI. am Mittwoch, 01. Juli 2009,  während der Generalaudienz auf dem Petersplatz gehalten.

Der Heilige Vater betonte, dass Christus die Lebensmitte jedes Gläubigen sei und dass dies in besonderer Weise für den Priester gelte, auf dessen Dienst er in der Folge - nicht zuletzt anlässlich des aktuellen Priesterjahres zum Gedenken an den 150. Todestags des heiligen Pfarrers von Ars - näher einging.

„Die Sendung der Priester hängt vom Bewusstsein dieser sakramentalen Wirklichkeit des neuen Seins in Christus ab. Ihre Identität ist ein göttliches Geschenk, eine empfangene Aufgabe. Durch die Gnade der Weihe werden die Priester zu bleibenden Zeugen ihrer Begegnung mit Christus, den sie durch die Verkündigung des Wortes Gottes und in der Spendung der Sakramente zu den Menschen bringen. So sind Wort und Sakrament, Verkündigung und Gottesdienst die beiden Grundsäulen des priesterlichen Dienstes."

Am Ende der Generalaudienz appellierte Benedikt XVI. an die Gläubigen und Gäste aus dem deutschsprachigen Raum: „Begleitet im Gebet den Dienst der Priester und seid bereit, Gottes Stimme zu hören. Er zeigt den Weg zu einem erfüllten Leben und ruft auch heute in seine Nachfolge."


Liebe Brüder und Schwestern!
Mit der Feier der ersten Vesper zum Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus in der Basilika St. Paul vor den Mauern kam, wie Ihr wisst, am 28. Juni das Paulusjahr zum Gedenken des 2000. Jahrestages der Geburt des Völkerapostels zu seinem Ende. Wir danken dem Herrn für die geistlichen Früchte, die diese wichtige Initiative in vielen christlichen Gemeinden hervorgebracht hat. Als kostbares Erbe des Paulusjahres können wir die Einladung des Apostels aufnehmen, die Kenntnis des Geheimnisses Christi zu vertiefen, auf dass er das Herz und der Mittelpunkt unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Seins sei. Dies nämlich ist die unverzichtbare Bedingung für eine wahre geistliche und kirchliche Erneuerung. Wie ich bereits während der ersten Eucharistiefeier in der Sixtinischen Kappelle nach meiner Wahl zum Nachfolger des Apostels Petrus hervorgehoben habe, ist es gerade die volle Gemeinschaft mit Christus, aus der „jedes weitere Element des Lebens der Kirche, an erster Stelle die Gemeinschaft zwischen allen Gläubigen, die Verpflichtung, das Evangelium zu verkünden und zu bezeugen, und die leidenschaftliche Liebe zu allen, besonders zu den Armen und Geringen [erwächst]". Dies gilt an erster Stelle für die Priester. Aus diesem Grund danken wir der göttlichen Vorsehung, die uns nun die Möglichkeit bietet, das Priester-Jahr zu begehen. Von Herzen wünsche ich, dass es für einen jeden Priester eine Gelegenheit zur inneren Erneuerung und folglich zur festen Stärkung im Einsatz für die eigene Sendung bilde.

Wie während des Paulusjahres unser ständiger Bezugspunkt der heilige Paulus gewesen ist, so werden wir in den kommenden Monaten vor allem auf den heiligen Pfarrer von Ars Jean-Marie Vianney blicken, indem wir des 150. Jahrestages seines Todes gedenken. Im Brief, den ich zu diesem Anlass an die Priester geschrieben habe, wollte ich das hervorheben, was am meisten im Dasein dieses demütigen Dieners des Altares hervorleuchtet: „die völlige Identifizierung mit der eigenen Aufgabe". Er liebte es zu sagen: „Ein guter Hirte, ein Hirte nach dem Herzen Gottes, ist der größte Schatz, den der liebe Gott einer Pfarrei gewähren kann, und eines der wertvollsten Geschenke der göttlichen Barmherzigkeit." Und - als könne er die Größe der dem Geschöpf Mensch anvertrauten Gabe und Aufgabe einfach nicht fassen - seufzte er: „Oh, wie groß ist der Priester! ... Wenn er sich selbst verstünde, würde er sterben ... Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein...".

Tatsächlich kann gerade in Anbetracht des Binoms „Identität-Sendung" ein jeder Priester die Notwendigkeit jener fortschreitenden Identifizierung mit Christus wahrnehmen, die ihm die Treue und die Fruchtbarkeit des Zeugnisses für das Evangelium gewährleistet. Der Titel des Priester-Jahres selbst - Treue in Christus, Treue des Priesters - macht deutlich, dass das Geschenk der göttlichen Gnade jeder möglichen menschlichen Antwort und pastoralen Verwirklichung vorangeht, und so sind im Leben des Priesters missionarische Verkündigung und Gottesdienst nie trennbar, so wie ontologisch-sakramentale Identität und Sendung zur Evangelisierung nie getrennt werden dürfen. Im übrigen ist das Ziel der Sendung eines jeden Priesters, so könnten wir sagen, „kultisch": auf dass alle Menschen sich Gott als lebendige, heilige und ihm wohlgefällige Hostie darbringen können (vgl. Röm 12,1), die in der Schöpfung, in den Menschen Gottesdienst wird, Lob des Schöpfers, indem sie von ihm jene Liebe empfangen, zu deren reicher gegenseitigen Weitergabe sie berufen sind. Dies wurde eindeutig in den Anfängen des Christentums wahrgenommen. Der heilige Johannes Chrysostomus sagte zum Beispiel, dass das Sakrament des Altares und das „Sakrament des Bruders" oder, wie er sagt, das „Sakrament des Armen" zwei Aspekte desselben Geheimnisses darstellen. Die Liebe zum Nächsten, die Aufmerksamkeit gegenüber der Gerechtigkeit und den Armen sind nicht nur Themen einer Sozialmoral als vielmehr Ausdruck eines sakramentalen Konzeptes der christlichen Moralität, da durch den Dienst der Priester das geistliche Opfer aller Gläubigen vollbracht wird, in Einheit mit jenem Opfer Christi, des einzigen Mittlers: ein Opfer, das die Priester unblutig und sakramental in Erwartung des neuen Kommens des Herrn darbringen. Das ist die hauptsächliche, wesentlich missionarische und dynamische Dimension der priesterlichen Identität und des priesterlichen Dienstes: durch die Verkündigung des Evangeliums erzeugen sie den Glauben in denen, die noch nicht glauben, auf dass sie ihr Opfer mit dem Opfer Christi vereinen können, was sich in Liebe zu Gott und zum Nächsten umsetzt.

Liebe Brüder und Schwestern, angesichts so vieler Ungewissheiten und Ermüdungserscheinungen auch in der Ausübung des Priesterdienstes ist die Wiedererlangung eines klaren und eindeutigen Urteils über den absoluten Primat der göttlichen Gnade notwendig, dies eingedenk dessen, was der heilige Thomas von Aquin schreibt: „Die kleinste Gabe der Gnade übertrifft das natürliche Gut des gesamten Universums" (Summa Theologiae, I-II, q. 113, a. 9, ad 2). Die Sendung eines jeden einzelnen Priesters wird somit auch und vor allem vom Bewusstsein der sakramentalen Wirklichkeit seines „neuen Seins" abhängen. Von der Gewissheit der eigenen Identität, die nicht künstlich konstruiert, sondern unentgeltlich und göttlich geschenkt und angenommen ist, hängt die immer erneuerte Begeisterung des Priesters für die Mission ab. Auch für die Priester gilt, was ich in der Enzyklika Deus caritas est geschrieben habe: „Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt" (1).

Da sie mit ihrer „Weihe" eine derart außerordentliche Gnadengabe empfangen haben, werden die Priester zu ständigen Zeugen ihrer Begegnung mit Christus. Ausgehend gerade von diesem inneren Bewusstsein können sie ihre „Sendung" durch die Verkündigung des Wortes und die Spendung der Sakramente voll erfüllen. Nach dem II. Vatikanischen Konzil ist es da und dort zum Eindruck gekommen, dass es in der Sendung der Priester in unserer Zeit etwas Dringlicheres gäbe. Einige dachten, dass man vor allem eine andere Gesellschaft aufbauen müsste. Der Abschnitt aus dem Evangelium jedoch, den wir zu Beginn gehört haben, ruft dagegen die beiden wesentlichen Elemente des priesterlichen Dienstes in Erinnerung. Jesus entsendet in jener Zeit und heute die Apostel, um das Evangelium zu verkündigen, und gibt ihnen die Vollmacht, die bösen Geister auszutreiben. „Verkündigung" und „Vollmacht", das heißt „Wort" und „Sakrament" sind somit jenseits seiner möglichen vielfältigen Ausgestaltungen die beiden grundlegenden Säulen des priesterlichen Dienstes.

Wenn man dem „Diptychon" Weihe-Sendung nicht Rechnung trägt, wird es wirklich schwierig, die Identität des Priesters und seines Dienstes in der Kirche zu verstehen. Was nämlich ist der Priester, wenn nicht ein vom Geist bekehrter und erneuerter Mensch, der aus der persönlichen Beziehung mit Christus heraus lebt und sich ständig die dem Evangelium entstammenden Kriterien zu eigen macht? Was ist der Priester, wenn nicht ein Mann der Einheit und der Wahrheit, der sich seiner eigenen Grenzen und gleichzeitig der außerordentlichen Größe der empfangenen Berufung bewusst ist, jener Berufung, an der Ausweitung des Reiches Gottes bis zu den äußersten Grenzen der Erde beizutragen? Ja! Der Priester ist ein Mann, der ganz dem Herrn gehört, da Gott selbst es ist, der ihn beruft und in seinen apostolischen Dienst einsetzt. Und gerade weil er ganz dem Herrn gehört, gehört er ganz den Menschen, ist er ganz für die Menschen. Während dieses Priester-Jahres, das bis zum kommenden Hochfest des Heiligsten Herzens Jesus dauern wird, wollen wir für alle Priester beten. In den Diözesen, Pfarreien, Ordensgemeinschaften, besonders in jenen monastischen, in den Vereinigungen und Bewegungen, in den verschiedenen pastoralen, in der ganzen Welt gegebenen Zusammenschlüssen mögen sich Initiativen des Gebets und besonders der eucharistischen Anbetung für die Heiligung des Klerus und die Priesterberufe mehren, um so auf die Einladung Jesu zu antworten: „Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden" (Mt 9,38). Das Gebet ist der erste Einsatz, der wahre Weg der Heiligung der Priester und die Seele der echten „Berufungspastoral". Die geringe Zahl von Priesterweihen in einigen Ländern darf uns nicht nur nicht mutlos werden lassen, sondern muss uns dazu drängen, die Räume der Stille und des Hörens des Wortes zu vermehren, besser die geistliche Begeleitung und das Sakrament der Beichte zu pflegen, damit die Stimme Gottes, der immer fortfährt zu rufen und zu stärken, gehört und ihr bereitwillig von vielen jungen Menschen gefolgt werden kann. Wer betet, hat keine Angst; wer betet, ist nie allein; wer betet, wird gerettet werden. Vorbild eines Lebens, das dem Gebet seinen Bestand entnimmt, ist zweifellos der heilige Jean-Marie Vianney. Maria, die Mutter der Kirche, helfe allen Priestern, dessen Beispiel zu folgen, um wie er Zeugen Christi und Apostel des Evangeliums zu sein.

(Quelle: ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals v. 01.07.09; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana)

 

Folgende Katechese hat S.H. Papst Benedikt XVI. am Mittwoch, 24. Juni 2009, bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom gehalten. Aus Anlass des Priesterjahrs, das er am Freitag, dem 19. Juni, mit einem feierlichen Vespergottesdienst im Petersdom eröffnet hatte, sprach S.H. Papst XVI. über Identität und Berufung des Priesters.

„Er ist in Christus, für Christus und mit Christus im Dienst an den Menschen. Gerade weil er Christus gehört, steht der Priester radikal im Dienst an den Menschen: Er ist Diener ihres Heiles, ihres Glücks, ihrer echten Befreiung, wobei er in dieser fortschreitenden Annahme des Willens Christi im Gebet, im Herz-an-Herz-Stehen mit ihm reift. Das also ist die unverzichtbare Bedingung einer jeden Verkündigung, die die Teilhabe am sakramentalen Opfer der Eucharistie und den fügsamen Gehorsam gegenüber der Kirche mit sich bringt."

Papst Benedikt XV. wies außerdem darauf hin, dass das Priesterjahr darauf abziele, „das Streben eines jeden Priesters nach geistlicher Vollkommenheit, von dem die Wirksamkeit ihres Dienstes entscheidend abhängt, zu unterstützen und vor allem den Priestern und mit ihnen dem ganzen Volk Gottes zu helfen, das Bewusstsein für das außerordentliche und unverzichtbare Gnadengeschenk neu zu entdecken und zu stärken, welches das Weiheamt für dessen Empfänger, für die ganze Kirche und die Welt darstellt, die ohne die wirkliche Gegenwart Christi verloren wäre."


Liebe Brüder und Schwestern!

Am vergangenen Freitag, dem 19. Juni, Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu und der Tradition entsprechend der Tag, der dem Gebet für die Heiligung der Priester geweiht ist, hatte ich die Freude, das „Jahr der Priester" zu eröffnen, das ich anlässlich des 150. Jahrestages der „Geburt für zum Himmel" des Pfarrers von Ars, des heiligen Jean-Marie Vianney, ausgerufen habe. Und beim Einzug in die Vatikanische Basilika zur Feier der Vesper habe ich gleichsam als erste symbolische Geste in der Kappelle des Chores innegehalten, um die Reliquie dieses heiligen Seelsorgers zu verehren: sein Herz. Warum ein Priesterjahr? Und warum gerade während des Gedenkens an den heiligen Pfarrer von Ars, der dem Anschein nach doch nichts Besonderes vollbracht hat?

Die göttliche Vorsehung hat es gefügt, dass seine Gestalt in der Nähe jener des heiligen Paulus zu stehen kommt. Während sich nämlich das Paulusjahr seinem Abschluss nähert, das dem Völkerapostel gewidmet war, Vorbild eines außerordentlichen Mannes der Evangelisierung, der verschiedene Missionsreisen zur Verbreitung des Evangeliums unternommen hat, lädt uns dieses neue Jubiläumsjahr ein, auf einen armen Bauern zu blicken, der ein demütiger Pfarrer geworden ist und seinen Dienst als Seelsorger in einem kleinen Dorf verrichtet hat. Die beiden Heiligen sind, was die Lebenswege betrifft, die sie auszeichnen, sehr unterschiedlich: Der eine zog von Gegend zu Gegend, um das Evangelium zu verkünden, der andere hat Tausende von Gläubigen empfangen und blieb dabei immer in seiner kleinen Pfarrei. Es gibt jedoch etwas Wesentliches, das sie verbindet, und dies ist ihre totale Identifizierung mit ihrem Dienst, ihre Gemeinschaft mit Christus, die den heiligen Paulus sagen ließ: „Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2, 19-20). Und der heilige Jean-Marie Vianney liebte es, immer wieder zu erklärtem: „Wenn wir Glauben hätten, so würden wir Gott im Priester verborgen sehen wie das Licht hinter dem Glas, wie den mit dem Wasser vermischten Wein". Ziel dieses Priesterjahres ist es somit, wie ich im Brief geschrieben habe, den ich zu diesem Anlass an die Priester schickte, das Streben eines jeden Priesters „nach geistlicher Vollkommenheit, von dem die Wirksamkeit ihres Dienstes entscheidend abhängt", zu unterstützen (vgl. Ansprache an die Vollversammlung der Kongregation für den Klerus, 16.3.2009) und vor allem den Priestern und mit ihnen dem ganzen Volk Gottes zu helfen, das Bewusstsein für das außerordentliche und unverzichtbare Gnadengeschenk neu zu entdecken und zu stärken, welches das Weiheamt für dessen Empfänger, für die ganze Kirche und die Welt darstellt, die ohne die wirkliche Gegenwart Christi verloren wäre.

Zweifellos haben sich die geschichtlichen und sozialen Umstände geändert, in denen sich der Pfarrer von Ars vorfand, und es ist richtig, sich zu fragen, wie die Priester ihn in den heutigen globalisierten Gesellschaften in der Identifizierung mit ihrem Dienst nachahmen können. In einer Welt, in der die allgemeine Sicht des Lebens immer weniger das Heilige einbezieht, an dessen Stelle die „Funktionalität" zur einzig entscheidenden Kategorie wird, könnte die katholische Konzeption des Priestertums Gefahr laufen, ihre selbstverständliche Beachtung manchmal auch innerhalb des kirchlichen Bewusstseins zu verlieren. Nicht selten stehen sowohl in den theologischen Bereichen wie auch in der konkreten pastoralen Praxis und in der Praxis der Priesterausbildung einander zwei unterschiedliche Konzepte von Priestertum gegenüber und werden manchmal einander entgegengesetzt. Dazu erwähnte ich vor einigen Jahren, dass es „auf der einen Seite eine sozio-funktionale Konzeption gibt, die das Wesen des Priestertums mit dem Begriff ‚Dienst' definiert: dem Dienst an der Gemeinde in der Erfüllung einer Aufgabe... Auf der anderen Seite ist da die sakramentale-ontologische Konzeption, die selbstverständlich den Dienstcharakter des Priestertums nicht leugnet, es aber im Sein des Dieners verankert sieht und feststellt, dass dieses Sein durch ein vom Herrn durch die Mittlerschaft der Kirche gewährtes Geschenk bestimmt ist, das Sakrament heißt" (J. Ratzinger, Theologische Prinzipienlehre. Bausteine zur Fundamentaltheologie, München 1982, 2. Aufl. [Wewel-Verlag] Donauwörth 2005). Auch die terminologische Verschiebung des Begriffes „Priestertum" hin zu „Dienst, Dienstamt, Auftrag" ist Zeichen dieser unterschiedlichen Konzeption. An die zweite, jene ontologisch-sakramentale, ist innerhalb des Binoms „Priestertum-Opfer" der Primat der Eucharistie gebunden, während ersterer der Primat des Wortes und des Verkündigungsdienstes zukäme.

Bei näherem Betrachten handelt es sich aber nicht um zwei gegensätzliche Konzeptionen, und die Spannung, die es zwar zwischen ihnen gibt, ist im Inneren zu lösen. Daher sagt das Dekret „Presbyterorum ordinis" des II. Vatikanischen Konzils: „Durch die apostolische Botschaft des Evangeliums nämlich wird das Volk Gottes zur Einheit berufen, so dass alle... sich selbst als ‚lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer' (Röm 12,1) darbringen. Durch den Dienst der Priester vollendet sich das geistige Opfer der Gläubigen in Einheit mit dem Opfer des einzigen Mittlers Christus, das sie mit ihren Händen im Namen der ganzen Kirche bei der Feier der Eucharistie auf unblutige und sakramentale Weise darbringen, bis der Herr selbst kommt (Nr.2).

So fragen wir uns also: „Was bedeutet es im eigentlichen Sinn für die Priester zu evangelisieren? Worin besteht der so genannte Primat der Verkündigung?" Jesus spricht von der Verkündigung des Reiches Gottes als dem wahren Ziel seines Kommens in die Welt, und seine Verkündigung ist nicht nur ein „Reden". Sie schließt gleichzeitig sein Handeln ein: Die Zeichen und Wunder, die er vollbringt, verweisen darauf, dass das Reich in die Welt als eine gegenwärtige Wirklichkeit kommt, die letztlich mit seiner Person selbst zusammentrifft. In diesem Sinne muss daran erinnert werden, dass auch im Primat der Verkündigung Wort und Zeichen untrennbar sind. Die christliche Verkündigung proklamiert keine „Worte", sondern „das Wort" und die Verkündigung fallen mit der Person Christi zusammen, der ontologisch für die Beziehung mit dem Vater offen und gegenüber dessen Willen gehorsam ist. Ein echter Dienst am Wort erfordert also vom Priester, dass er nach einer vertieften Selbstaufgabe strebt, so dass er mit dem Apostel sagen kann: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir". Der Priester darf sich nicht als „Herr" des Wortes ansehen, sondern als dessen Diener. Er ist nicht im Besitz des Wortes, sondern er ist, wie der heilige Johannes der Täufer predigte, dessen Geburtsfest wir gerade heute feiern, „Stimme" des Wortes: „Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!" (Mk 1,3).

Nun stellt für den Priester das „Stimme-für-das-Wort-Sein" keinen rein funktionalen Aspekt dar. Es setzt im Gegenteil ein wesentliches „Sich-Verlieren" in Christus voraus, indem er an seinem Geheimnis des Todes und der Auferstehung mit seinem ganzen Ich teilnimmt: mit Vernunft, Freiheit, Wille und dem Opfer seines Leibes als lebendigem Opfer (vgl. Röm 12,1-2). Allein die Teilhabe am Opfer Christi, an seiner „kenosis", macht die Verkündigung echt! Und dies ist der Weg, den er mit Christus gehen muss, um zum Vater zusammen mit ihm sagen zu können: „Nicht, was ich will, sondern was du willst" soll geschehen (Mk 14,36). Die Verkündigung bringt also immer auch das Opfer seiner selbst mit sich, was die Bedingung für die Echtheit und Wirksamkeit der Verkündigung ist.

„Alter Christus" - ein zweiter Christus: Der Priester ist zutiefst mit dem Wort des Vaters verbunden, das durch seine Fleischwerdung die Gestalt des Dieners angenommen hat, Diener geworden ist (vgl. Phil 2,5-11). Der Priester ist Diener Christi, dies in dem Sinn, dass sein ontologisch Christus gleichgestaltetes Dasein einen wesentlich relationalen Charakter annimmt: Er ist in Christus, für Christus und mit Christus im Dienst an den Menschen. Gerade weil er Christus gehört, steht der Priester radikal im Dienst an den Menschen: Er ist Diener ihres Heiles, ihres Glücks, ihrer echten Befreiung, wobei er in dieser fortschreitenden Annahme des Willens Christi im Gebet, im „Herz-an-Herz-Stehen" mit ihm reift. Das also ist die unverzichtbare Bedingung einer jeden Verkündigung, die die Teilhabe am sakramentalen Opfer der Eucharistie und den fügsamen Gehorsam gegenüber der Kirche mit sich bringt.

Der heilige Pfarrer von Ars wiederholte oft mit Tränen in den Augen: „Wie beängstigend ist es, Priester zu sein!" Und er fügte hinzu: „Wie sehr ist doch ein Priester zu bemitleiden, der die Messe als etwas Gewöhnliches feiert! Wie unglücklich ist ein Priester ohne inneres Leben!" Möge das Priesterjahr alle Priester dazu führen, sich ganz mit dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus zu identifizieren, auf dass sie in Nachahmung des heiligen Johannes des Täufers bereit sind, „weniger zu werden", damit er wachse; auf dass sie in der Nachahmung des Beispiels des Pfarrers von Ars immer und auch intensiv die Verantwortung ihrer Sendung wahrnehmen, die Zeichen und Gegenwart der unendlichen Barmherzigkeit Gottes ist. Empfehlen wir der Gottesmutter, Mutter der Kirche, das soeben begonnene Priesterjahr und alle Priester auf der Welt an.

(Quelle: ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals v. 25.06.09; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana)

Folgende Predigt hat S.H. Papst Benedikt XVI. am 19. Juni 2009 beim Vespergottesdienst zur feierlichen Eröffnung des Priesterjahres im Petersdom gehalten.

»Sich ganz von Christus vereinnahmen lassen! Das war die Absicht des ganzen Lebens des heiligen Paulus, auf den wir während des Paulusjahres, das sich nunmehr seinem Ende zuneigt, unsere Aufmerksamkeit gerichtet haben; das war die Absicht des ganzen Dienstes des heiligen Pfarrers von Ars, den wir während des Priesterjahres besonders anrufen werden; das möge auch das Hauptziel eines jeden von uns sein.«


Liebe Brüder und Schwestern!

In der Antiphon zum Magnifikat werden wir gleich singen: „Der Herr hat uns in sein Herz aufgenommen - Suscepit nos Dominus in sinum et cor suum". Im Alten Testament ist 26 Mal vom Herzen Gottes die Rede, das als Organ seines Willens verstanden wird: nach dem Herzen Gottes wird der Mensch beurteilt. Aufgrund der Schmerzen, die Sein Herz wegen der Sünden der Menschen empfindet, schickt Gott die Sintflut, doch dann rührt ihn die Schwäche des Menschen und er verzeiht ihm. Es gibt dann einen alttestamentarischen Abschnitt, in dem das Thema des Herzens Gottes in ganz deutlicher Weise Ausdruck findet: im Kapitel 11 des Buches des Propheten Hosea, wo die ersten Verse die Dimension der Liebe beschreiben, mit der sich der Herr zu Beginn seiner Geschichte an Israel gewandt hat: „Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb, ich rief meinen Sohn aus Ägypten" (V. 1). In Wirklichkeit antwortet Israel mit Gleichgültigkeit und sogar mit Undankbarkeit auf die unermüdliche Liebe Gottes. „Je mehr ich sie rief - ist der Herr gezwungen festzustellen - desto mehr liefen sie von mir weg" (V. 2). Dennoch überlässt Er Israel nie den Händen der Feinde, denn, so bemerkt der Schöpfer des Universums: „Mein Herz wendet sich gegen mich, mein Mitleid lodert auf" (V. 8).

Das Herz Gottes lodert vor Mitleid! Am heutigen Fest des Heiligsten Herzens Jesu lädt die Kirche uns dazu ein, über dieses Geheimnis nachzudenken, das Geheimnis des Herzens eines Gottes, der Mitleid empfindet und seine ganze Liebe über die Menschheit ausgießt. Eine geheimnisvolle Liebe, die uns in den Texten des Neuen Testaments als unermessliche Leidenschaft Gottes für den Menschen offenbart wird. Er gibt weder angesichts der Gleichgültigkeit noch angesichts der Ablehnung des Volkes auf, das er sich erwählt hat; vielmehr sendet er aus unendlicher Barmherzigkeit seinen eingeborenen Sohn in die Welt, damit er das Schicksal der zerstörten Liebe auf sich nehme; damit er durch den Sieg über die Macht des Bösen und des Todes den Menschen, die zu Sklaven der Sünde geworden sind, die Würde der Kindschaft wiedergeben könne. All dies hat einen hohen Preis: der eingeborene Sohn des Vaters opfert sich am Kreuz: „Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung" (Joh 13, 1). Zeichen dieser Liebe, die über den Tod hinausgeht, ist seine von einer Lanze durchbohrte Seite. Dazu berichtet der Apostel Johannes als Augenzeuge: „Einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus" (Joh 19, 34).

Liebe Brüder und Schwestern, danke, dass Ihr in Erwiderung auf meine Einladung zahlreich zu dieser Feier gekommen seid, mit der wir das Priesterjahr beginnen. Ich grüße die Kardinäle und die Bischöfe, vor allem den Kardinalpräfekten und den Sekretär der Kongregation für den Klerus mit ihren Mitarbeitern, sowie den Bischof von Ars. Ich grüße die Priester und Seminaristen der verschiedenen Seminare und Kollegien Roms, die Ordensmänner und Ordensfrauen sowie alle Gläubigen. Einen besonderen Gruß richte ich an Seine Seligkeit Ignace Youssef Younan, den Patriarchen von Antiochien der Syrer, der nach Rom gekommen ist, um mit mir zusammenzutreffen und öffentlich die „ecclesiastica communio" zum Ausdruck zu bringen, die ich ihm gewährt habe.

Liebe Brüder und Schwestern, halten wir gemeinsam inne, um das durchbohrte Herz des Gekreuzigten zu betrachten. Wir haben es gerade in der kurzen Lesung aus dem Brief des heiligen Paulus an die Epheser noch einmal gehört: „Gott aber, der voll Erbarmen ist, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht. ... Er hat uns mit Christus Jesus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben" (Eph 2, 4-6). Im Herzen Jesu kommt der wesentliche Kern des Christentums zum Ausdruck; in Christus ist uns die ganze revolutionäre Neuheit des Evangeliums offenbart und geschenkt worden: die Liebe, die uns erlöst und uns bereits in der Ewigkeit Gottes leben lässt. Der Evangelist Johannes schreibt: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat" (3, 16). Sein göttliches Herz ruft also unser Herz; es lädt uns dazu ein, aus uns selbst hinauszugehen, unsere menschlichen Sicherheiten aufzugeben, um uns Ihm anzuvertrauen und uns selbst, seinem Beispiel folgend, in vorbehaltloser Liebe zu verschenken.

Wenn sich auch die Einladung Jesu „in seiner Liebe zu bleiben" (vgl. Joh 15, 9) an jeden Getauften richtet, so erklingt diese Einladung am Fest des Heiligsten Herzens Jesu, dem Tag der Heiligung der Priester, mit größerer Kraft für uns Priester, vor allem heute Abend, dem feierlichen Beginn des Priesterjahres, das ich aus Anlass des einhundertfünfzigsten Todestages des Pfarrers von Ars ausgerufen habe. Mir kommt gleich eine schöne und ergreifende Aussage von ihm in den Sinn, die im Katechismus der Katholischen Kirche wiedergegeben wird: „Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu" (Nr. 1589). Wie sollte man sich nicht voller Bewegung in Erinnerung rufen, dass unmittelbar aus diesem Herzen das Geschenk unseres priesterlichen Dienstes hervorgegangen ist? Wie könnte man vergessen, dass wir Priester geweiht sind, um demütig und glaubwürdig dem allgemeinen Priesteramt der Gläubigen zu dienen? Unsere Sendung ist unerlässlich für die Kirche und für die Welt, und verlangt vollkommene Treue zu Christus sowie die unablässige Verbindung zu Ihm; sie erfordert also, dass wir, so wie der heilige Johannes Maria Vianney, beständig nach Heiligkeit streben. In dem Brief, den ich aus Anlass dieses besonderen Jubeljahres an Euch, liebe Brüder im Priesteramt, gerichtet habe, wollte ich unter Verweis auf das Beispiel und die Lehre des heiligen Pfarrers von Ars, des Vorbilds und Schutzpatrons aller Priester und vor allem der Gemeindepfarrer, einige charakteristische Aspekte unseres Amtes herausstellen. Möge mein Schreiben Euch eine Hilfe und eine Ermutigung sein, dieses Jahr zu einer guten Gelegenheit werden zu lassen, um in der Vertrautheit zu Jesus zu wachsen, der auf uns, seine Diener, zählt, um sein Reich zu verbreiten und zu festigen. Daher habe ich meinen Brief mit den Worten beendet: „Nach dem Beispiel des heiligen Pfarrers von Ars lasst euch von ihm vereinnahmen, dann seid in der Welt von heute auch ihr Boten der Hoffnung, der Versöhnung und des Friedens."

Sich ganz von Christus vereinnahmen lassen! Das war die Absicht des ganzen Lebens des heiligen Paulus, auf den wir während des Paulusjahres, das sich nunmehr seinem Ende zuneigt, unsere Aufmerksamkeit gerichtet haben; das war die Absicht des ganzen Dienstes des heiligen Pfarrers von Ars, den wir während des Priesterjahres besonders anrufen werden; das möge auch das Hauptziel eines jeden von uns sein. Um Diener des Evangeliums zu sein, ist das Studium mit einer sorgfältigen und permanenten pastoralen Ausbildung gewiss nützlich, doch noch notwendiger ist jene „Wissenschaft der Liebe", die sich nur „von Herz zu Herz" mit Christus erfahren lässt. Ist Er es doch, der uns ruft, um das Brot seiner Liebe zu brechen, um die Sünden zu vergeben und um die Herde in seinem Namen zu führen. Gerade deswegen dürfen wir uns niemals von der Quelle der Liebe entfernen, von Seinem am Kreuz durchbohrten Herzen.

Nur so werden wir in der Lage sein, wirksam am geheimnisvollen „Plan des Vaters" mitzuwirken, der darin besteht, „Christus zum Herzen der Welt zu machen"! Ein Plan der sich in der Geschichte verwirklicht, indem Christus allmählich das „Herz" der menschlichen Herzen wird, angefangen bei denen, die dazu berufen sind, ihm näher zu stehen: den Priestern. An diese ständige Verpflichtung erinnern uns unsere „priesterlichen Versprechen", die wir am Tag unserer Weihe abgelegt haben und die wir jedes Jahr in der Chrisammesse am Gründonnerstag erneuern. Sogar unsere Mängel, unsere Grenzen und unsere Schwachheiten müssen uns zum Herzen Jesu zurückführen. Wenn die Sünder, indem sie Ihn betrachten, von Ihm den notwendigen „Schmerz über die Sünde" lernen müssen, der sie zum Vater zurückführt, so gilt dies um so mehr für die Priester. Wie könnte man in dieser Hinsicht vergessen, dass nichts den Leib Christi, die Kirche, so sehr leiden lässt, wie die Sünden ihrer Hirten, vor allem derjenigen, die sich in „Schafsdiebe" verwandeln (vgl. Joh 10, 1ff.), entweder weil sie diese mit ihrer privaten Lehre vom Weg abbringen, oder weil sie sie mit Schlingen der Sünde und des Todes einengen? Auch für uns, liebe Priester, gilt der Ruf zur Umkehr und zur Anrufung der göttlichen Barmherzigkeit, und gleichermaßen müssen wir eindringlich und unablässig voller Demut die Bitte an das Herz Jesu richten, uns vor der schrecklichen Gefahr zu bewahren, denjenigen zu schaden, zu deren Rettung wir verpflichtet sind.

Gerade habe ich in der Chorkapelle die Reliquie des heiligen Pfarrers von Ars verehren können: sein Herz. Ein Herz, das von göttlicher Liebe entzündet war, das vom Gedanken an die Würde des Priesters ergriffen war und mit bewegenden und erhabenen Tönen zu den Gläubigen sprach und sagte: „Nach Gott ist der Priester alles! ... Erst im Himmel wird er sich selbst recht verstehen" (Schreiben zum Beginn des Priesterjahres).

Wir wollen, liebe Brüder, dieselbe Ergriffenheit pflegen, sowohl um unser Amt mit Großherzigkeit und Hingabe auszuüben, als auch um in der Seele eine wirkliche „Gottesfurcht" zu bewahren: die Furcht, die uns anvertrauten Seelen durch unsere Nachlässigkeit oder unsere Schuld um so viel Gutes zu bringen oder ihnen - Gott bewahre! - Schaden zuzufügen. Die Kirche bedarf heiliger Priester; Amtsträger, die den Gläubigen helfen, die barmherzige Liebe des Herrn zu erfahren und überzeugtes Zeugnis von ihr ablegen. In der eucharistischen Anbetung, die der Vesperfeier folgen wird, werden wir den Herrn bitten, das Herz jedes Priesters mit jener „pastoralen Liebe" zu entzünden, die sein persönliches „Ich" dem des Priesters Jesus anzugleichen vermag, so dass sie Ihm in der vollkommenen Selbsthingabe nachfolgen können. Möge die Jungfrau Maria, deren Unbeflecktes Herz wir morgen mit lebendigem Glauben betrachten werden, uns diese Gnade erwirken. Sie hat der heilige Pfarrer von Ars mit kindlicher Ergebenheit verehrt, so dass er bereits im Jahr 1836, vor der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis, seine Pfarrei der, „ohne Sünde empfangenen" Maria geweiht hatte. Er behielt die Gewohnheit bei, die Pfarrei häufig der Heiligen Jungfrau anzuempfehlen und lehrte die Gläubigen, sie bräuchten sich „nur an sie zu wenden, um erhört zu werden", aus dem einfachen Grund, dass „sie uns vor allem glücklich sehen will". Möge die Heilige Jungfrau, unsere Mutter, uns durch das Priesterjahr begleiten, das wir heute beginnen, damit wir sichere und erleuchtete Führer für die Gläubigen sein können, die der Herr unserer pastoralen Sorge anvertraut. Amen!

(Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller; Die Tagespost vom 16. Juni 2009)

 

Dies ist die Ansprache, die S.H. Papst Benedikt XVI. am 16. März, also einen Tag vor seiner Abreise nach Afrika, beim Empfang der Mitglieder der diesjährigen Vollversammlung der Kongregation für den Klerus gehalten hat.

Der Heilige Vater kündigte bei dieser Gelegenheit ein besonderes „Jahr des Priesters" an: Es wird im Zeichen des Mottos „Treue zu Christus, Treue des Priesters" stehen und mit der Feier der Vesper am 19. Juni eingeläutet werden, am Hochfest des Allerheiligsten Herzens Jesu, an dem traditionell auch der Welttag der Heiligung der Priester begangen wird. Anlass ist der 150. Todestag des heiligen Pfarrers von Ars Jean-Baptiste Marie Vianney (* 8. Mai 1786 in Dardilly,; † 4. August 1859 in Ars-sur-Formans). Papst Pius XI. hatte den beliebten Beichtvater am 31. Mai 1925 heilig gesprochen.


Meine Herren Kardinäle,
Verehrte Mitbrüder im Bischofs- und im Priesteramt!

Ich freue mich, Euch am Vorabend meiner Abreise nach Afrika – wohin ich mich begeben werde, um das „Instrumentum laboris“ der Zweiten Sonderversammlung der Synode für Afrika zu überreichen, die im kommenden Oktober hier in Rom stattfinden wird – zu einer besonderen Audienz zu empfangen. Ich danke dem Präfekten der Kongregation, Kardinal Claudio Hummes, für die freundlichen Worte, mit denen er die Gefühle von Euch allen zum Ausdruck gebracht hat, und ich danke für den schönen Brief, den Ihr mir geschrieben habt. Neben dem Präfekten begrüße ich Euch alle, die Oberen, die Offiziale und die Mitglieder der Kongregation, voller Dankbarkeit für die Arbeit, die Ihr im Dienst eines so wichtigen Bereichs des kirchlichen Lebens leistet.

Das Thema, das Ihr für diese Vollversammlung ausgewählt habt „Die missionarische Identität des Priesters in der Kirche als intrinsische Dimension der Ausübung der ,tria munera‘“ – gestattet einige Überlegungen für die Arbeit dieser Tage und für die reiche Frucht, die sie gewiss bringen wird. Auch wenn die ganze Kirche missionarisch ist und jeder Christ kraft der Taufe und der Firmung „quasi ex officio“ (vgl. CCC, 1305) das Mandat empfängt, öffentlich den Glauben zu bekennen, unterscheidet sich das Amtspriestertum unter diesem Gesichtspunkt ontologisch – und nicht nur graduell – vom Priestertum durch die Taufe, das auch als allgemeines Priestertum bezeichnet wird. So ist für ersteres das apostolische Mandat konstitutiv: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16, 15). Wie wir wissen, ist dieses Mandat nicht einfach ein Auftrag, der Mitarbeitern anvertraut wird; seine Wurzeln gehen weiter zurück und müssen in größerer Tiefe gesucht werden.

Die missionarische Dimension des Priesters entsteht aus seinem sakramentalen Ähnlichwerden mit Christus, dem Haupt: das hat eine innere und totale Verbundenheit mit dem zur Folge, was die kirchliche Tradition als die „apostolica vivendi forma“ bestimmt hat. Sie besteht in der Teilnahme an einem geistlich intensiven „neuen Leben“, an jenem „neuen Lebensstil“, der vom Herrn Jesus eingesetzt wurde und den die Apostel sich zu eigen gemacht haben. Durch die Handauflegung des Bischofs und das Weihegebet der Kirche werden die Kandidaten neue Menschen, sie werden „Priester“. In diesem Licht wird deutlich, dass die „tria munera“ zunächst ein Geschenk und erst in der Folge ein Amt sind, dass sie zunächst die Teilhabe an einem Leben und daher eine „potestas“ sind. Gewiss, die große kirchliche Tradition hat zu Recht die sakramentale Wirksamkeit von der konkreten Lebenssituation des einzelnen Priesters gelöst, und so sind die berechtigten Erwartungen der Gläubigen angemessen geschützt. Doch diese korrekte lehramtliche Präzisierung befreit in keiner Weise von dem notwendigen, ja unerlässlichen Streben nach moralischer Vollkommenheit, die jedem wirklich priesterlichen Herzen innewohnen muss.

Gerade um dieses Streben der Priester nach geistlicher Vollkommenheit zu fördern, von der vor allem die Wirksamkeit ihres Amtes abhängt, habe ich beschlossen, ein besonderes „Priesterjahr“ auszurufen, das vom kommenden 19. Juni bis zum 19. Juni 2010 dauern wird. Es jährt sich schließlich der 150. Todestag des heilige Pfarrers von Ars, Jean-Baptiste-Marie Vianney, eines wahren Vorbilds für einen Hirten im Dienste der Herde Christi. Es wird Eurer Kongregation obliegen, in Übereinkunft mit den Diözesanbischöfen und den Oberen der Ordensinstitute die verschiedenen geistlichen und pastoralen Initiativen zu fördern und zu koordinieren, die nützlich erscheinen, um die Bedeutung der Rolle und der Sendung des Priesters in der Kirche und in der zeitgenössischen Gesellschaft immer deutlicher wahrnehmbar werden zu lassen.

Die Mission des Priesters findet, wie das Thema der Vollversammlung herausstellt, „in der Kirche“ statt. Eine solche kirchliche, gemeinschaftliche, hierarchische und lehramtliche Dimension ist absolut unerlässlich für jede wirkliche Mission, und nur sie garantiert ihre geistliche Wirksamkeit. Die vier erwähnten Aspekte müssen immer als zutiefst miteinander verbunden betrachtet werden: die Mission ist „kirchlich“, weil niemand sich selbst verkündet oder bringt, sondern innerhalb und durch seine Menschheit muss jeder Priester sich klar bewusst sein, der Welt einen Anderen, der Welt Gott selbst zu bringen. Gott ist alles in allem der einzige Reichtum, den die Menschen in einem Priester zu finden wünschen. Die Mission ist „gemeinschaftlich“, weil sie in einer Einheit und Gemeinschaft stattfindet, die erst in zweiter Linie auch wichtige Aspekte sozialer Sichtbarkeit umfasst. Diese ihrerseits entspringen im wesentlichen jener göttlichen Nähe, mit der Erfahrung zu haben der Priester aufgerufen ist, um demütig und vertrauensvoll die ihm anvertrauten Seelen zu ebendieser Begegnung mit dem Herrn führen zu können. Schließlich empfehlen die Dimensionen „hierarchisch“ und „lehramtlich“ auf die Bedeutung der kirchlichen Disziplin (der Begriff hängt mit „discipulus“, „Schüler“, zusammen) und der ursprünglichen und permanenten lehramtlichen und nicht nur theologischen Ausbildung hinzuweisen.

Das Bewusstsein der radikalen gesellschaftlichen Veränderungen während der letzten Jahrzehnte muss die besten kirchlichen Kräfte dazu bewegen, sich um die Ausbildung der Kandidaten für das Amt zu kümmern. Vor allem muss es die konstante Fürsorge der Hirten ihren ersten Mitarbeitern gegenüber anspornen – sowohl durch die Pflege wirklich väterlicher menschlicher Beziehungen, als auch durch die Sorge um ihre ständige Weiterbildung, vor allem unter lehramtlichem und geistlichem Gesichtspunkt. Die Mission hat ihre Wurzeln in besonderer Weise in einer guten Ausbildung, die in der ununterbrochenen Gemeinschaft mit der kirchlichen Tradition – ohne Zäsuren oder der Versuchung zur Diskontinuität – entwickelt wurde. In diesem Sinne ist es wichtig, in den Priestern, vor allem der jungen Generationen, eine korrekte Rezeption der Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils zu fördern, die im Lichte des gesamten lehramtlichen Schatzes der Kirche ausgelegt werden müssen. Dringend erscheint auch das Wiedererlangen jenes Bewusstseins geboten, das die Priester dazu drängt – sei es durch die Urteilskraft im Glauben, sei es durch die persönlichen Tugenden oder sei es auch durch die Kleidung – in den kulturellen und karitativen Bereichen, die seit jeher den Kern der kirchlichen Mission bilden, präsent, identifizierbar und erkennbar zu sein.

Als Kirche und als Priester verkünden wir Jesus von Nazareth, den Herrn und Christus, gekreuzigt und auferstanden, Herrscher über die Zeit und die Geschichte, in der frohen Gewissheit, dass diese Wahrheit mit den tiefsten Erwartungen des menschlichen Herzens übereinstimmt. Im Geheimnis der Fleischwerdung des Wortes, in der Tatsache also, dass Gott Mensch geworden ist wie wir, findet sich sowohl der Inhalt als auch die Methode der christlichen Verkündigung. Die Mission hat hier ihr wirkliches Antriebszentrum: in Jesus Christus eben. Die Zentralität Christi bringt die richtige Bewertung des Priesteramts mit sich, ohne das es weder die Eucharistie, noch die Mission, noch die Kirche selbst gäbe. In diesem Sinne ist darauf zu achten, dass die „neuen Strukturen“ und pastoralen Organisationen nicht für eine Zeit gedacht werden, in der man möglicherweise auf das Weiheamt „verzichten“ müsste, und dass man dabei nicht von einer falschen Interpretation der richtigen Förderung der Laien ausgeht, da in diesem Fall die Voraussetzungen für eine weitere Verwässerung des Amtspriestertums geschaffen würden und die möglichen angeblichen „Lösungen“ so auf dramatische Weise mit den wirklichen Ursachen der zeitgenössischen Problematiken, die mit dem Amt verbunden sind, zusammenfallen würden.

Ich bin gewiss, dass in diesen Tagen die Arbeit der Vollversammlung unter dem Schutz der „Mater Ecclesiae“ diese kurzen Anregungen vertiefen können wird, die ich mir erlaube, der Aufmerksamkeit der Herren Kardinäle und der Erzbischöfe und Bischöfe zu unterbreiten, wobei ich auf alle die reiche Fülle der himmlischen Gaben herabrufe, als deren Zeichen ich Euch und allen Menschen, die Euch teuer sind, von Herzen meinen besonderen Apostolischen Segen erteile.

(Quelle: Die Tagespost vom 19. März 2009)

 

 

 

 

 

 

Zurück Weiter
 

Copyright © 2010 Begegnungzentrum Benediktinerstift Admont. All rights reserved. ~ ZVR 976339186