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»Treue in Christus,
Treue des Priesters«
Jahr
des Priesters ~ 19. Juni 2009 bis 11. Juni 2010

Ansprachen des
heiligen Vaters
Predigt S.H. Papst Benedikts XVI. beim Gottesdienst
anlässlich des Abschlusses
des Priesterjahres am Petersplatz: "So ist Priestertum nicht einfach
'Amt', sondern Sakrament" (11. Mai 2010)

Ansprache
S.H. Papst Benedikt XVI. anlässlich der Pastoralreise nach Fatima vor
Ordensleuten:
»Über die Treue zur Berufung« (12.05.2010)
Predigt zur Eröffnung des Priesterjahres (19. Juni 2009)
Katechese »Die Berufung des Priesters« in der Generalaudienz vom 24.
Juni 2009
Katechese »Die Säulen des Priestertums: Verkündigung
und Gottesdienst« vom 01. Juli 2009
Katechese »Leben und Beispiel des hl. Pfarrers v. Ars« vom 05.
August 2009
Katechese »Einführung in die vorbildhafte
Marienfrömmigkeit des hl. Pfarrers v. Ars« vom 15. August 2009
Katechese »Das Beispiel des hl. Johannes Eudes« vom 19.
August 2009
Katechese »Das Beispiel der hl. Monika« vom 30.
August 2009
Videobotschaft anlässlich der internationalen
Priesterexerzitien vom 28.
September 2009
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Der hl. Vater
Papst Benedikt hat am Herz-Jesu-Freitag, 11. Mai 2010, in Rom
das Priesterjahr mit einer großen Abschlussmesse am Petersplatz
das Priesterjahr beendet. An der Messe nahmen rund 17.000
Priester und etliche tausend Gläubige teil. "So ist Priestertum
nicht einfach 'Amt', sondern Sakrament" sagte der hl. Vater in
seiner Predigt zum Abschluss des Priesterjahres:
Das Priesterjahr,
das wir 150 Jahre nach dem Tod des heiligen Pfarrers von Ars,
dem Vorbild priesterlichen Dienens in unserer Welt, begangen
haben, geht zu Ende. Vom Pfarrer von Ars haben wir uns führen
lassen, um Größe und Schönheit des priesterlichen Dienstes neu
zu verstehen.
Der Priester ist
nicht einfach ein Amtsträger wie ihn jede Gesellschaft braucht,
damit gewisse Funktionen in ihr erfüllt werden können. Er tut
vielmehr etwas, das kein Mensch aus sich heraus kann: Er spricht
in Christi Namen das Wort der Vergebung für unsere Sünden und
ändert so von Gott her den Zustand unseres Lebens. Er spricht
über die Gaben von Brot und Wein die Dankesworte Christi, die
Wandlungsworte sind - ihn selbst, den Auferstandenen, sein
Fleisch und sein Blut gegenwärtig werden lassen und so die
Elemente der Welt verändern: die Welt auf Gott hin aufreißen und
mit ihm zusammenfügen.
So ist Priestertum
nicht einfach „Amt", sondern Sakrament: Gott bedient sich eines
armseligen Menschen, um durch ihn für die Menschen da zu sein
und zu handeln. Diese Kühnheit Gottes, der sich Menschen
anvertraut, Menschen zutraut, für ihn zu handeln und da zu sein,
obwohl er unsere Schwächen kennt - die ist das wirklich Große,
das sich im Wort Priestertum verbirgt.
Daß Gott uns dies
zutraut, daß er Menschen so in seinen Dienst ruft und so sich
ihnen von innen her verbindet, das wollten wir in diesem Jahr
neu bedenken und verstehen. Wir wollten die Freude neu aufleben
lassen, daß Gott uns so nahe ist und die Dankbarkeit dafür, daß
er sich unserer Schwachheit anvertraut. Daß er uns führt und
hält, Tag um Tag. So wollten wir auch jungen Menschen wieder
zeigen, daß es diese Berufung, diese Dienstgemeinschaft für Gott
und mit Gott gibt - ja, daß Gott auf unser Ja wartet.
Mit der Kirche
wollten wir wieder darauf hinweisen, daß wir Gott um diese
Berufung bitten müssen. Wir bitten um Arbeiter in der Ernte
Gottes, und dieser Ruf an Gott ist zugleich ein Anklopfen Gottes
ans Herz junger Menschen, die sich zutrauen, was Gott ihnen
zutraut. Es war zu erwarten, daß dem bösen Feind dieses neue
Leuchten des Priestertums nicht gefallen würde, das er lieber
aussterben sehen möchte, damit letztlich Gott aus der Welt
hinausgedrängt wird.
So ist es
geschehen, daß gerade in diesem Jahr der Freude über das
Sakrament des Priestertums die Sünden von Priestern bekannt
wurden - vor allem der Mißbrauch der Kleinen, in dem das
Priestertum als Auftrag der Sorge Gottes um den Menschen in sein
Gegenteil verkehrt wird. Auch wir bitten Gott und die
betroffenen Menschen inständig um Vergebung und versprechen
zugleich, daß wir alles tun wollen, um solchen Mißbrauch nicht
wieder vorkommen zu lassen; daß wir bei der Zulassung zum
priesterlichen Dienst und bei der Formung auf dem Weg dahin
alles tun werden, was wir können, um die Rechtheit der Berufung
zu prüfen, und daß wir die Priester mehr noch auf ihrem Weg
begleiten wollen, damit der Herr sie in Bedrängnissen und
Gefahren des Lebens schütze und behüte. Wenn das Priesterjahr
eine Rühmung unserer eigenen menschlichen Leistung hätte sein
sollen, dann wäre es durch diese Vorgänge zerstört worden. Aber
es ging uns gerade um das Gegenteil: Das Dankbar-Werden für die
Gabe Gottes, die sich „in irdenen Gefäßen" birgt und die immer
wieder durch alle menschliche Schwachheit hindurch seine Liebe
in dieser Welt praktisch werden läßt. So sehen wir das
Geschehene als Auftrag zur Reinigung an, der uns in die Zukunft
begleitet und der uns erst recht die große Gabe Gottes erkennen
und lieben läßt. So wird sie zum Auftrag, dem Mut und der Demut
Gottes mit unserem Mut und unserer Demut zu antworten. Das Wort
Christi, das wir in der Liturgie des heutigen Tages als
Eröffnungsvers gesungen haben, kann uns in dieser Stunde sagen,
was es heißt, Priester zu werden und zu sein: „Nehmt mein Joch
auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen
demütig" (Mt 11, 29).
Wir feiern das
Herz-Jesu-Fest und schauen mit der Liturgie der Kirche gleichsam
in das Herz Jesu hinein, das im Tod von der Lanze des römischen
Soldaten geöffnet wurde. Ja, sein Herz ist offen für uns und vor
uns - und damit das Herz Gottes selbst. Die Liturgie legt uns
die Sprache des Herzens Jesu aus, die vor allem von Gott als dem
Hirten der Menschen spricht und uns damit das Priestertum Jesu
zeigt, das im Innersten seines Herzens verankert ist und den
immerwährenden Grund wie den gültigen Maßstab alles
priesterlichen Dienstes zeigt, der immer im Herzen Jesu
verankert sein und von daher gelebt werden muß. Ich möchte heute
vor allem die Texte auslegen, mit denen die betende Kirche auf
das in den Lesungen ausgebreitete Wort Gottes antwortet. In
diesen Gesängen gehen Wort und Antwort ineinander über. Sie sind
einerseits selbst aus Gottes Wort genommen, sind aber zugleich
schon Antwort des Menschen darauf, in der das Wort sich mitteilt
und in unser Leben eintritt. Am wichtigsten unter diesen Texten
ist in der Liturgie von heute der Psalm 23 (22): „Der Herr ist
mein Hirte", in dem das betende Israel die Selbstoffenbarung
Gottes als Hirten aufgenommen und zur Wegweisung im eigenen
Leben gemacht hat. „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir
fehlen" - in diesem ersten Vers spricht sich Freude und
Dankbarkeit dafür aus, daß Gott da ist und sich um den Menschen
sorgt. Die Lesung aus Ezechiel beginnt mit dem gleichen Motiv:
„Ich will mich selber um meine Schafe kümmern" (Ez 34, 11). Gott
kümmert sich persönlich um mich, um uns, um die Menschheit. Ich
bin nicht allein gelassen, nicht verloren im Weltall und in
einer immer verwirrender werdenden Gesellschaft.
ER kümmert sich um
mich. Er ist kein ferner Gott, dem mein Leben zu unwichtig wäre.
Die Religionen der Welt haben, soweit wir sehen können, immer
gewußt, daß es letztlich nur einen Gott gibt. Aber dieser Gott
war weit weg. Er überließ allem Anschein nach die Welt anderen
Mächten und Gewalten, anderen Gottheiten. Mit ihnen mußte man
sich arrangieren. Der eine Gott war gut, aber doch fern. Er war
nicht gefährlich, aber auch nicht hilfreich. So brauchte man
sich mit ihm nicht zu beschäftigen. Er herrschte nicht. In der
Aufklärung ist merkwürdigerweise dieser Gedanke zurückgekehrt.
Man verstand noch, daß die Welt einen Schöpfer voraussetzt.
Aber dieser Gott
hatte die Welt gebaut und sich offensichtlich von ihr
zurückgezogen. Nun hatte sie ihre Gesetzmäßigkeiten, nach denen
sie ablief, in die Gott nicht eingriff, nicht eingreifen konnte.
Gott war nur ein ferner Anfang. Viele wollten vielleicht auch
gar nicht, daß Gott sich um sie kümmere. Sie wollten nicht
gestört sein durch Gott. Wo aber Gottes Sorge und Liebe als
Störung empfunden wird, da ist der Mensch verkehrt. Es ist schön
und tröstlich zu wissen, daß ein Mensch mir gut ist und sich um
mich kümmert. Aber noch viel entscheidender ist, daß es den Gott
gibt, der mich kennt, mich liebt und sich um mich sorgt. „Ich
kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich" (Joh 10,14), betet
die Kirche vor dem Evangelium mit einem Wort des Herrn. Gott
kennt mich, sorgt sich um mich. Dieser Gedanke sollte uns
richtig froh werden lassen. Lassen wir ihn tief in uns
eindringen. Dann begreifen wir auch, was es bedeutet: Gott will,
daß wir als Priester seine Sorgen um die Menschen an einem
kleinen Punkt der Geschichte mittragen. Wir wollen als Priester
Mitsorgende mit seiner Sorge um die Menschen sein, sie dieses
Sich-Kümmern Gottes praktisch erlebbar werden lassen. Und mit
dem Herrn sollte der Priester für seinen ihm anvertrauten
Bereich sagen können: „Ich kenne die Meinen, und die Meinen
kennen mich." „Kennen" ist im Sinne der Heiligen Schrift nie
bloß ein äußeres Wissen, wie man die Telefonnummer eines
Menschen kennt. „Kennen" heißt: dem anderen innerlich nah sein.
Ihm gut sein. Wir sollten versuchen, die Menschen von Gott her
und auf Gott hin zu „kennen", mit ihnen den Weg der Freundschaft
Gottes zu gehen.
Kehren wir zu
unserem Psalm zurück. Da heißt es: „Er leitet mich auf rechten
Pfaden, treu seinem Namen. Muß ich auch wandern in finsterer
Schlucht, ich fürchte kein Unheil - denn du bist bei mir. Dein
Stock und dein Stab geben mir Zuversicht" (23 [22], 3f). Der
Hirte zeigt den ihm Anvertrauten den rechten Weg. Er geht voraus
und führt sie. Sagen wir es anders: Der Herr zeigt uns, wie man
das Menschsein richtig macht. Er zeigt uns die Kunst, ein Mensch
zu sein. Was muß ich tun, damit ich nicht abstürze, im Sinnlosen
mein Leben vertue? Das ist doch die Frage, die sich jeder Mensch
stellen muß und die zu allen Zeiten des Lebens gilt. Und wieviel
Dunkel gibt es zu dieser Frage in unserer Zeit! Immer wieder
kommt uns das Wort Jesu in den Sinn, der Mitleid mit den
Menschen hatte, weil sie wie Schafe ohne Hirten waren. Herr, hab
Mitleid auch mit uns! Zeige uns den Weg! Aus dem Evangelium
wissen wir es: Er selbst ist der Weg.
Mit Christus
leben, ihm nachgehen - das heißt: den richtigen Weg finden,
damit unser Leben sinnvoll wird und damit wir einmal sagen
können: Ja, es war gut zu leben. Israel war und ist Gott
dankbar, daß er in den Geboten den Weg des Lebens gezeigt hat.
Der große Psalm 119 (118) ist ein einziger Ausdruck der Freude
darüber: Wir tappen nicht im Dunkeln. Gott hat uns gezeigt, was
der Weg ist, wie wir recht gehen können. Was die Gebote sagen,
ist im Leben Jesu zusammengefaßt und zu lebendiger Gestalt
geworden. So erkennen wir, daß diese Weisungen Gottes nicht
Fesseln sind, sondern Weg, den er uns zeigt. Wir dürfen ihrer
froh sein, und wir dürfen uns freuen, daß sie in Christus als
gelebte Wirklichkeit vor uns stehen. Er selbst hat uns froh
gemacht. Im Mitgehen mit Christus geht uns die Freude der
Offenbarung auf, und als Priester sollen wir den Menschen die
Freude darüber schenken, daß uns der rechte Weg gezeigt ist.
Da ist dann das
Wort von der „finsteren Schlucht", durch die der Herr den
Menschen geleitet. Unser aller Weg führt uns einmal in die
finstere Schlucht des Todes, in der uns niemand begleiten kann.
Und ER ist da. Christus ist selbst in die finstere Nacht des
Todes hinabgestiegen. Auch dort verläßt er uns nicht. Auch dort
führt er uns. „Bette ich mich in der Unterwelt, du bist
zugegen", sagt der Psalm 139 (138). Ja, du bist zugegen auch in
der letzten Not, und so kann unser Antwort-Psalm sagen: Auch
dort, in finsterer Schlucht, fürchte ich kein Unheil. Bei der
Rede von der finsteren Schlucht können wir aber auch an die
dunklen Täler der Versuchung, der Mutlosigkeit, der Prüfung
denken, die jeder Mensch durchschreiten muß. Auch in diesen
finsteren Tälern des Lebens ist ER da. Ja, Herr, zeige mir in
den Dunkelheiten der Versuchung, in den Stunden der
Verfinsterung, in denen alle Lichter zu erlöschen scheinen, daß
du da bist. Hilf uns Priestern, daß wir den uns anvertrauten
Menschen in diesen dunklen Nächten beistehen können. Ihnen dein
Licht zeigen dürfen.
„Dein Stock und
dein Stab geben mir Zuversicht": Der Hirte braucht den Stock
gegen die wilden Tiere, die in die Herde einbrechen möchten;
gegen die Räuber, die sich ihre Beute suchen. Neben dem Stock
steht der Stab, der Halt schenkt und schwierige Passagen zu
durchschreiten hilft. Beides gehört auch zum Dienst der Kirche,
zum Dienst des Priesters. Auch die Kirche muß den Stock des
Hirten gebrauchen, mit dem sie den Glauben schützt gegen die
Verfälscher, gegen die Führungen, die Verführungen sind. Gerade
der Gebrauch des Stockes kann ein Dienst der Liebe sein. Heute
sehen wir es, daß es keine Liebe ist, wenn ein für das
priesterliche Leben unwürdiges Verhalten geduldet wird. So ist
es auch nicht Liebe, wenn man die Irrlehre, die Entstellung und
Auflösung des Glaubens wuchern läßt, als ob wir den Glauben
selbst erfänden. Als ob er nicht mehr Gottes Geschenk, die
kostbare Perle wäre, die wir uns nicht nehmen lassen. Zugleich
freilich muß der Stock immer wieder Stab des Hirten werden, der
den Menschen hilft, auf schwierigen Wegen gehen zu können und
dem Herrn nachzufolgen.
Am Ende des Psalms
ist die Rede vom gedeckten Tisch, vom Öl, mit dem das Haupt
gesalbt wird, vom übervollen Becher, vom Wohnen-Dürfen beim
Herrn. Im Psalm ist das zunächst Ausblick auf die Festesfreude,
mit Gott im Tempel zu sein, von ihm selbst bewirtet zu werden,
bei ihm wohnen zu dürfen. Für uns, die wir den Psalm mit
Christus und mit seinem Leib, der Kirche, beten, hat dieser
Blick der Hoffnung noch eine größere Weite und Tiefe gewonnen.
Wir sehen in diesen Worten gleichsam einen prophetischen
Vorgriff auf das Geheimnis der Eucharistie, in der Gott selbst
uns bewirtet und sich selbst als Speise für uns gibt - als jenes
Brot und als jenen köstlichen Wein, der allein die letzte
Antwort auf den innersten Hunger und Durst des Menschen sein
kann. Wie sollten wir uns da nicht darüber freuen, daß wir
täglich zu Gast an Gottes eigenem Tisch sein, bei ihm wohnen
dürfen. Wie sollten wir uns nicht freuen, daß er uns aufgetragen
hat: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Daß er uns schenkt, Gottes
Tisch den Menschen zu decken; ihnen seinen Leib und sein Blut zu
reichen, ihnen das kostbare Geschenk seiner eigenen Gegenwart zu
geben. Ja, wir können mit ganzem Herzen die Wort des Psalms
mitbeten: „Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben
lang" (23 [22], 6).
Am Ende werfen wir
noch einen kurzen Blick auf die beiden Kommunionlieder, die uns
die Kirche heute in ihrer Liturgie vorschlägt. Da ist zunächst
das Wort, mit dem der heilige Johannes den Bericht von der
Kreuzigung Jesu abschließt: „Ein Soldat stieß mit der Lanze in
seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus" (Joh 19,
34). Das Herz Jesu wird von der Lanze durchbohrt. Es wird
geöffnet, und es wird zur Quelle: Blut und Wasser, die
herausströmen, verweisen auf die beiden Grundsakramente, von
denen die Kirche lebt: Taufe und Eucharistie. Aus der geöffneten
Seite des Herrn, aus seinem geöffneten Herzen entspringt der
lebendige Quell, der die Jahrhunderte hindurch strömt und die
Kirche schafft. Das offene Herz ist Quell eines neuen
Lebensstroms; Johannes hat dabei gewiß auch an die Prophezeiung
des Ezechiel gedacht, der aus dem neuen Tempel einen Strom
hervorkommen sieht, der Fruchtbarkeit und Leben schenkt (Ez 47):
Jesus selbst ist der neue Tempel, und sein offenes Herz ist die
Quelle, aus der ein Strom neuen Lebens kommt, das sich uns in
der Taufe und in der Eucharistie mitteilt.
Die Liturgie des
Herz-Jesu-Festes sieht aber auch ein anderes verwandtes Wort aus
dem Johannes-Evangelium als Kommunionvers vor: Wer Durst hat,
komme zu mir. Es trinke, wer an mich glaubt. Die Schrift sagt:
„Aus seinem Innern werden Ströme lebendigen Wassers fließen" (Joh
7, 37f). Im Glauben trinken wir gleichsam aus dem lebendigen
Wasser von Gottes Wort. Der Glaubende wird so selbst zu einer
Quelle, schenkt dem dürstenden Land der Geschichte lebendiges
Wasser. Wir sehen es an den Heiligen. Wir sehen es an Maria, die
als die große Glaubende und Liebende alle Jahrhunderte hindurch
zur Quelle von Glaube, Liebe und Leben geworden ist. Jeder
Christ und jeder Priester sollten von Christus her Quelle
werden, die anderen Leben mitteilt. Wir sollten einer dürstenden
Welt Wasser des Lebens schenken. Herr, wir danken dir, daß du
dein Herz für uns aufgetan hast. Daß du in deinem Tod und in
deiner Auferstehung Quelle des Lebens wurdest. Laß uns lebende
Menschen sein, von deiner Quelle lebend, und schenke uns, daß
auch wir Quellen sein dürfen, die dieser unserer Zeit Wasser des
Lebens zu schenken vermögen. Wir danken dir für die Gnade des
priesterlichen Dienstes. Herr, segne uns und segne alle
dürstenden und suchenden Menschen dieser Zeit. Amen.
(Predigt S.H.
Papst Benedikts XVI. beim Gottesdienst anlässlich des
Abschlusses des Priesterjahres
am Petersplatz am 11. Mai 2010 - © Copyright 2010 Libreria Editrice Vaticana) |
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"Erlaubt mir, euch
mein Herz zu öffnen und euch zu sagen, dass die Hauptsorge jedes
Christen und besonders der gottgeweihten Menschen und jener, die
am Altar ihren Dienst tun, die Treue zur eigenen Berufung sein
muss, als Jünger, die dem Herrn nachfolgen wollen", erklärte
Papst Benedikt XVI. am Mittwoch, 12. Mai 2010, vor Ordensleuten
in Fatima während seines Pastoralbesuchs.
Liebe Brüder und
Schwestern!
„Als die Zeit
erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau
[...] damit wir die Sohnschaft erlangen" (Gal 4,4-5). Die Zeit
war erfüllt, als der Ewige in die Zeit eingetreten ist; durch
das Wirken und die Gnade des Heiligen Geistes wurde der Sohn des
Höchsten empfangen und ist Mensch geworden im Schoß einer Frau:
der Jungfrau und Mutter, Typus und klarstes Urbild der
glaubenden Kirche. Sie hört nicht auf, neue Söhne im Sohn
hervorzubringen, ,der nach dem Willen des Vaters der
Erstgeborene unter vielen Brüdern sein sollte. Jeder von uns ist
aufgerufen, mit Maria und wie Maria ein demütiges und schlichtes
Zeichen der Kirche zu sein, die sich stets neu als Braut in die
Hände ihres Herrn begibt.
Euch allen, die
ihr euer Leben Christus geschenkt habt, möchte ich heute abend
die Wertschätzung und die Anerkennung der Kirche bekunden. Danke
für euer oft stilles und keineswegs leichtes Zeugnis; Danke für
eure Treue zum Evangelium und zur Kirche. In Jesus, der in der
Eucharistie bei uns ist, schließe ich meine hier versammelten
Brüder im Priestertum und die Diakone, die gottgeweihten Frauen
und Männer, die Seminaristen und die Mitglieder der Bewegungen
und der neuen kirchlichen Gemeinschaften in die Arme. Der Herr
möge, so wie nur er es kann, all jenen ihre Mühen vergelten, die
uns ermöglicht haben, hier bei Christus in der Eucharistie zu
sein, besonders der Bischöflichen Kommission für Berufungen und
pastorale Dienste mit ihrem Vorsitzenden, Bischof António
Santos, dem ich für die freundlichen und brüderlichen Worte zu
Beginn der Vesper danke. Hier in Fatima, das ideell ein
„Abendmahlssaal" des Glaubens ist, zeigt uns die Jungfrau Maria
den Weg für unsere reinen und heiligen Aufopferung in die Hände
des Vaters.
Erlaubt mir, euch
mein Herz zu öffnen und euch zu sagen, daß die Hauptsorge jedes
Christen und besonders der gottgeweihten Menschen und jener, die
am Altar ihren Dienst tun, die Treue zur eigenen Berufung sein
muß, als Jünger, die dem Herrn nachfolgen wollen. Die Treue auf
Dauer ist der Name der Liebe, einer konsequenten, authentischen
und tiefen Liebe zu Christus, dem Priester. „Wenn die Taufe
durch die Einverleibung in Christus und die Einwohnung des
Heiligen Geistes ein wahrer Eintritt in die Heiligkeit Gottes
ist, dann wäre es widersinnig, sich mit einem mittelmäßigen
Leben zufriedenzugeben, das im Zeichen einer minimalistischen
Ethik und einer oberflächlichen Religiosität geführt wird"
(Papst Johannes Paul II., Apostolisches SchreibenNovo millennio
ineunte, 31). In diesem zu Ende gehenden Priesterjahr komme eine
Gnadenfülle auf euch herab, damit ihr in der Freude der Weihe
lebt und die priesterliche Treue bezeugt, die auf der Treue
Christi gründet. Das erfordert natürlich eine wahre innige
Beziehung zu Christus im Gebet, denn nur die starke und
intensive Erfahrung der Liebe des Herrn wird die Priester und
die gottgeweihten Frauen und Männer dazu hinführen können, auf
seine Liebe in bräutlicher Ganzhingabe zu antworten.
Dieses Leben der
besonderen Weihe an Gott war für das Volk Gottes von Beginn an
eine Erinnerung an das Evangelium, eine Erinnerung, die der
ganzen Kirche die Radikalität des Evangeliums und das Kommen des
Reiches zeigt, bestätigt und verkündet. Liebe gottgeweihte
Männer und Frauen, mit eurem Einsatz im Gebet, in der Askese, im
Wachstum des geistlichen Lebens, im Apostolat und in der Mission
strebt ihr also dem himmlischen Jerusalem entgegen, nehmt ihr
die Kirche der Endzeit vorweg, die Gott, der die Liebe ist, fest
ergriffen hat und ihn voll Liebe betrachtet. Wie sehr brauchen
wir heute dieses Zeugnis! Viele unserer Brüder und Schwestern
leben, als ob es kein Jenseits gäbe, ohne sich um ihr ewiges
Heil zu kümmern. Die Menschen sind dazu berufen, Gott zu suchen,
ihn zu kennen und zu lieben; und die Kirche hat die Aufgabe,
ihnen in dieser Berufung zu helfen. Wir wissen wohl, daß Gott
über seine Gaben frei verfügt; die Bekehrung der Menschen ist
eine Gnade. Aber wir sind für die Verkündigung des Glaubens
verantwortlich, des ganzen Glaubens und der Anforderungen, die
er mit sich bringt. Liebe Freunde, ahmen wir den Pfarrer von Ars
nach, der so zu Gott gebetet hat: „Gewähre mir die Bekehrung
meiner Pfarrgemeinde, und ich bin bereit, für den Rest meines
Lebens all das zu erleiden, was du willst." Und er ließ nichts
ungetan, um die Menschen von ihrer Lauheit loszureißen und zur
Liebe zu führen.
Unter allen
Gliedern des Leibes Christi herrscht eine tiefe Solidarität: Es
ist nicht möglich, Christus zu lieben, ohne seine Brüder und
Schwestern zu lieben. Für ihr Heil wollte der heilige Johannes
Maria Vianney Priester sein: „Die Seelen für den guten Gott
gewinnen", das war seine Erklärung, als er mit achtzehn Jahren
von seiner Berufung sprach. So wie Paulus schrieb: „Möglichst
viele gewinnen" (1 Kor 9,19). Der Generalvikar hatte zu Johannes
Maria Vianney gesagt: „In dieser Pfarrgemeinde gibt es nicht
viel Liebe zu Gott; Sie werden die Liebe hineinbringen." In
seiner priesterlichen Leidenschaft war der heilige Pfarrer wie
Jesus in der Begegnung mit jedem Sünder barmherzig. Er betonte
lieber das Anziehende der Tugend und das Erbarmen Gottes, vor
dessen Angesicht unsere Sünden „Sandkörner" sind. Er hatte
Angst, daß die Priester „unsensibel" werden und sich mit der
Gleichgültigkeit der Gläubigen abfinden könnten: „Wehe euch,
Hirten", ermahnte er, „wenn ihr stumm bleibt, während ihr seht,
wie Gott beleidigt wird und die Seelen ins Verderben gehen".
Liebe Mitbrüder im
Priestertamt, bedenkt es an diesem Ort, dem Maria eine so
besondere Bedeutung verliehen hat, und schaut auf ihre Berufung
als treue Jüngerin ihres Sohnes Jesus, von der Empfängnis an bis
unter das Kreuz und dann auf dem Weg der entstehenden Kirche:
welch unglaubliche Gnade ist eure priesterliche Berufung! Die
Treue zu seiner Berufung erfordert Mut und Vertrauen, aber der
Herr will auch, daß ihr euch gegenseitig stärkt; sorgt
füreinander und unterstützt euch brüderlich. Die gemeinsamen
Zeiten des Gebets und der Fortbildung sowie das Mittragen der
Herausforderungen des priesterlichen Lebens und Wirkens der
Mitbrüder sind ein notwendiger Teil eures Lebens. Wie schön ist
es, wenn ihr euch gegenseitig in euren Häusern aufnehmt und
dabei den Frieden Christi in euren Herzen habt! Wie wichtig ist
es, daß ihr einander im Gebet und mit guten Ratschlägen und
Unterscheidungshilfen beisteht! Seid besonders achtsam, wenn die
priesterlichen Ideale manchmal an Kraft verlieren oder wenn
jemand Beschäftigungen nachgeht, die nicht ganz mit dem
übereinstimmen, was einen Diener Jesu Christi eigentlich
ausmacht. Dann ist es Zeit, zusammen mit der mitbrüderlichen
Herzlichkeit auch die klare Haltung desjenigen einzunehmen, der
seinem Bruder helfen will, „nicht zu fallen".
Das Priestertum
Christi ist ewig (vgl. Hebr 5,6), doch das Leben der Priester
hat nur eine beschränkte Dauer. Christus will, daß andere das
von ihm eingesetzte Weihepriestertum durch die Zeit hindurch
fortsetzen. Bewahrt daher - in euch selbst und in eurem Umfeld -
die Sehnsucht, unter den Gläubigen neue Priesterberufungen zu
wecken, indem ihr dem Wirken der Gnade des Heiligen Geistes zur
Seite steht. Das vertrauensvolle und beharrliche Gebet, die
freudige Liebe zur eigenen Berufung und der hingebungsvolle
Dienst der geistlichen Leitung werden euch erlauben, das
Geschenk der Berufung in jenen zu erkennen, die von Gott
auserwählt wurden.
Liebe
Seminaristen, ihr habt bereits den ersten Schritt in Richtung
auf den Priesterdienst gemacht und bereitet euch in den
Priesterseminaren oder in den Ausbildungshäusern eurer
Ordensgemeinschaften darauf vor. Der Papst ermutigt euch, euch
der großen Verantwortung bewußt zu sein, die euch erwartet:
Prüft gut, was ihr erstrebt und was euch bewegt; widmet euch mit
Entschlossenheit und Großzügigkeit eurer Ausbildung. Eure Liebe
muß in erster Linie der Eucharistie gelten, die der Mittelpunkt
des christlichen Lebens und eine Schule der Demut und des
Dienstes ist. Die Anbetung, die Verehrung und die Aufmerksamkeit
für das Allerheiligste Sakrament in diesen Jahren werden
bewirken, daß ihr später das Opfer des Altares mit erbaulicher
und authentischer Ausstrahlung feiern werdet.
Liebe Priester und
Diakone, liebe gottgeweihte Männer und Frauen, liebe
Seminaristen und beauftragte Laien, auf diesem Weg der Treue
leitet und begleitet uns die selige Jungfrau Maria. Mit ihr und
wie sie sind wir frei, um heilig zu sein; frei, um arm, keusch
und gehorsam zu sein; frei für alle, weil wir von allem
losgelöst sind; frei von uns selbst, damit in jedem Christus
wächst, denn er ist wirklich dem Vater geweiht und der wahre
Hirte, dem die Priester ihre Stimme und ihre Gesten leihen und
ihn so vergegenwärtigen; frei, um den Menschen unserer Zeit den
gestorbenen und auferstanden Christus zu bringen, der bis ans
Ende der Zeit bei uns bleibt und sich uns in der heiligen
Eucharistie schenkt.
(Ansprache S.H.
Papst Benedikts XVI. in der Dreifaltigkeitskirche in Fátima am
12. Mai 2010 - © Copyright 2010 Libreria Editrice Vaticana) |
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Liebe Mitbrüder im
priesterlichen Dienst!
Ihr könnt euch
sicher gut vorstellen, welche Freude es mir bereitet hätte, bei
den internationalen Priesterexerzitien zum Thema »Für das Heil
der Welt zum Priester geweiht: welche Freude!« unter euch zu
sein. Ihr nehmt zahlreich daran teil und zieht großen
geistlichen Gewinn aus den Vorträgen von Kardinal Christoph
Schönborn. Sehr herzlich grüße ich ihn und auch die anderen
Prediger sowie den Bischof von Belley- Ars, Guy-Marie Bagnard.
Ich muß mich damit begnügen, diese aufgezeichnete Videobotschaft
an euch zu richten, aber seid versichert, daß ich mich durch
diese wenigen Worte in ganz persönlicher Weise an jeden
einzelnen von euch richte, denn wie der hl. Paulus sagt: »Ich
habe euch alle ins Herz geschlossen, denn ihr alle habt Anteil
an der Gnade, die mir … gewährt ist« (Phil 1,7).
Der hl.
Johannes-Maria Vianney unterstrich die unersetzliche Rolle des
Priesters, als er sagte: »Ein guter Hirte, ein Hirte nach dem
Herzen Gottes, ist der größte Schatz, den der liebe Gott einer
Pfarrei gewähren kann, und eines der wertvollsten Geschenke der
göttlichen Barmherzigkeit « (Le curé d’Ars, Pensées, hg. Bernard
Nodet, Desclée de Brouwer, Foi vivante, 2000, S.101). In diesem
Priester-Jahr sind wir alle aufgerufen, die Größe des
Weihesakraments zu ergründen und neu zu entdecken, das uns auf
ewig Christus, dem Hohenpriester gleichgestaltet und uns alle
»in der Wahrheit geheiligt« hat (Joh 17,19).
Aus den Menschen
erwählt, bleibt der Priester einer von ihnen und ist gerufen,
ihnen zu dienen, indem er ihnen das Leben Gottes schenkt. Der
Priester ist es, »der das Werk der Erlösung auf Erden fortführt«
(Nodet, S. 98). Unsere priesterliche Berufung ist ein Schatz,
den wir in zerbrechlichen Gefäßen tragen (vgl. 2 Kor 4,7). Der
hl. Paulus hat einen glücklichen Ausdruck gefunden für die
unendliche Distanz, die zwischen unserer Berufung und den
armseligen Antworten besteht, die wir Gott geben können. Unter
diesem Blickwinkel gibt es einen verborgenen Zusammenhang
zwischen dem Paulusjahr und dem Priester-Jahr. In unserem Ohr
und im Innersten unseres Herzens klingt der bewegende und
vertrauensvolle Ausruf des Apostels nach, der gesagt hat: »Denn
wenn ich schwach bin, dann bin ich stark« (2 Kor 12,10). Das
Bewußtsein dieser Schwäche macht offen für die innere
Vertrautheit mit Gott, die Kraft und Freude schenkt. Je mehr der
Priester in der Freundschaft mit Gott ausharrt, desto mehr wird
er das Werk des Erlösers auf Erden fortsetzen (vgl. Nodet, S.
98). Der Priester ist nicht Priester für sich selbst, er ist es
für alle (vgl. Nodet, S. 100).
Gerade darin liegt
eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Der Priester,
sicherlich ein Mann des Wortes Gottes und ein Mann des Heiligen,
muß heute mehr denn je auch ein Mann der Freude und Hoffnung
sein. Den Menschen, die nicht mehr verstehen können, daß Gott
reine Liebe ist, wird er stets zusichern, daß das Leben
lebenswert ist und Christus ihm seinen vollen Sinn gibt, weil Er
die Menschen liebt, alle Menschen. Die Frömmigkeit des Pfarrers
von Ars ist eine Frömmigkeit des Glücks; es ist keine krankhafte
Suche nach Abtötung, wie man manchmal geglaubt hat: »Unser Glück
ist zu groß; nein, nein, niemals werden wir es fassen« (Nodet,
S. 110), sagte er. Oder auch: »Wenn wir unterwegs sind und einen
Kirchturm sehen, muß dieser Anblick unser Herz schneller
schlagen lassen, wie der Anblick des Hauses, wo ihr geliebter
Gemahl wohnt, das Herz einer Ehefrau schneller schlagen läßt«
(ebd.). An dieser Stelle möchte ich mit besonderer Zuneigung all
jene unter euch grüßen, die mit der pastoralen Sorge für mehrere
Gemeinden beauftragt sind und sich verausgaben, um in ihren
verschiedenen Gemeinschaften das sakramentale Leben
aufrechtzuerhalten. Die Dankbarkeit der Kirche euch allen
gegenüber ist unermeßlich! Verliert nicht den Mut, sondern betet
weiter und fordert andere auf zu beten, damit zahlreiche junge
Menschen auf den Ruf Christi antworten, der nicht aufhört, die
Zahl seiner Apostel vermehren zu wollen, um die Ernte von den
Feldern einzubringen.
Liebe Priester,
denkt auch an die äußerste Verschiedenheit der Dienste, die ihr
für die Kirche leistet. Denkt an die große Zahl der heiligen
Messen, die ihr gefeiert habt oder feiern werdet, und bei denen
Christus jedesmal wahrhaft auf dem Altar gegenwärtig wird. Denkt
an die unzähligen Absolutionen, die ihr erteilt habt und
erteilen werdet, und die einem Sünder erlaubt haben, sich
aufrichten zu lassen. Dann werdet ihr die unendliche
Fruchtbarkeit der Priesterweihe wahrnehmen. Eure Hände, eure
Lippen sind für einen Augenblick die Hände und die Lippen Gottes
geworden. Ihr tragt Christus in euch; aus Gnade seid ihr in die
Allerheiligste Dreifaltigkeit hineingenommen. Wie der heilige
Pfarrer von Ars gesagt hat: »Wenn man Glauben hätte, würde man
im Priester Gott verborgen sehen wie Licht hinter einem Fenster
oder mit Wasser vermischten Wein« (Nodet, S. 97). Dieser Gedanke
muß dazu führen, die Beziehungen unter den Priestern zu
harmonisieren, mit dem Ziel, die priesterliche Gemeinschaft zu
verwirklichen, zu der der hl. Petrus ermahnt hat (Vgl. 1 Petr
2,9), um den Leib Christi aufzubauen und euch in der Liebe zu
festigen (Vgl. Eph 4,11–16).
Der Priester ist
der Mann der Zukunft. Er hat die Worte des hl. Paulus
ernstgenommen: »Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt
nach dem, was im Himmel ist!« (Kol 3,1). Was er auf der Erde
tut, gehört der Ordnung der auf das letzte Ziel ausgerichteten
Mittel an. Die heilige Messe ist der einzigartige
Verbindungspunkt zwischen den Mitteln und dem Ziel, denn in ihr
ist es uns gegeben, daß wir schon jetzt unter den einfachen
Zeichen von Brot und Wein den Leib und das Blut dessen
betrachten können, den wir in der Ewigkeit anbeten werden. Die
einfachen und doch so tiefen Worte des heiligen Pfarrers über
die Eucharistie helfen uns, besser den Reichtum dieses
einzigartigen Momentes in unserem Tagesablauf wahrzunehmen, bei
dem wir ein Gegenüberstehen von Angesicht zu Angesicht erleben,
das uns und jedem unserer Gläubigen Leben schenkt. »Man wird das
Glück, eine Messe zu lesen«, so schreibt er, »erst im Himmel
ganz begreifen können! « (Nodet, S. 104).
Deshalb ermutige
ich euch, euren Glauben und den eurer Gläubigen an das Sakrament
zu stärken, das ihr feiert und das die Quelle wahrer Freude ist.
Der Heilige von Ars rief aus: »Der Priester muß dieselbe Freude
empfinden (wie die Apostel), wenn er unseren Herrn sieht, den er
in seinen Händen hält« (ebd.). In Dankbarkeit für das, was ihr
seid und tut, sage ich euch erneut: »Nichts wird je den Dienst
der Priester im Leben der Kirche ersetzen!« (Predigt bei der
Eucharistiefeier auf der »Esplanade des Invalides« am 13.
September 2008, Paris). Als lebendige Zeugen der Macht Gottes,
wirksam in der Schwäche von Menschen, die für das Heil der Welt
geweiht sind, bleibt ihr, meine lieben Brüder, von Christus
selbst auserwählt, um durch ihn Salz der Erde und Licht der Welt
zu sein. Mögt ihr während dieser Exerzitien eine tiefe Erfahrung
des unaussprechlichen Inneren (Augustinus, Confessiones,
III,6,11; BA 13, S. 383) machen, um vollkommen mit Christus
vereint zu sein, in eurer Umgebung seine Liebe zu verkünden und
euch ganz einzusetzen im Dienst an der Heiligung aller Glieder
des Gottesvolkes. Indem ich euch der Jungfrau Maria anvertraue,
Mutter Christi und Mutter der Priester, erteile ich euch allen
meinen Apostolischen Segen.
(Transkript der
Videobotschaft S.H. Papst Benedikt XVI. anlässlich der
internationalen Priesterexerzitien,
Ars, 27. September-3. Oktober 2009; ©
Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana) |
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Folgende
Katechese hat S.H. Papst Benedikt XVI. am Sonntag, 30.
August
2009, während des Angelusgebets in Castel Gandolfo
gehalten. Der Papst erinnerte die Gläubigen, die sich bei
der Päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo
eingefunden hatten, anhand des Sonntagsevangeliums daran,
dass die Nachfolge Christi das Herz mit Freude erfülle und
dem Leben seinen vollen Sinn gebe, dass sie aber auch mit
Opfer und Verzicht verbunden sei. Häufig sei es
erforderlich, gegen den Strom zu schwimmen, hob Papst
Benedikt hervor.
„Wir wollen
jeden Tag unsere Entscheidung für Christus erneuern und
mithelfen, dass die Menschen ihn erkennen, der allen Heil
und Leben schenken will.“
Liebe Brüder
und Schwestern!
Vor drei Tagen, am 27. August, haben wir den liturgischen
Gedenktag der heiligen Monika begangen, der Mutter des
heiligen Augustinus, die als Vorbild und Schutzpatronin der
christlichen Mütter angesehen wird. Ihr Sohn berichtet uns
in seinem autobiographischen Werk „Die Bekenntnisse“, einem
der meistgelesenen Meisterwerke aller Zeiten, viel über sie.
Dort erfahren wir, dass der heilige Augustinus den Namen
Jesu mit der Muttermilch getrunken hat und von der Mutter in
der christlichen Religion erzogen wurde, deren Prinzipien
ihm auch in den Jahren der geistlichen und moralischen
Wirren eingeprägt bleiben werden. Monika hörte nie auf, für
ihn und seine Bekehrung zu beten, und es wurde ihr der Trost
zuteil, dass sie sehen durfte, wie er zum Glauben
zurückkehrte und die Taufe empfing. Gott erhörte die Gebete
dieser heiligen Mutter, zu der der Bischof von Thagaste
gesagt hatte: „Es ist unmöglich, dass ein Kind so vieler
Tränen verloren geht.“ In Wirklichkeit bekehrte sich der
heilige Augustinus nicht nur, sondern er fasste sogar den
Entschluss, das monastische Leben aufzunehmen, und nach
seiner Rückkehr nach Afrika gründete er selbst eine
Gemeinschaft von Mönchen. Bewegend und erbauend sind die
letzten geistlichen Gespräche zwischen ihm und der Mutter in
der Stille eines Hauses in Ostia, während sie darauf
warteten, mit dem Schiff nach Afrika aufzubrechen. Die
heilige Monika war für diesen ihren Sohn nunmehr „mehr als
eine Mutter“; sie war „die Quelle seines Christentums“.
Jahrelang war ihr einziger Wunsch die Bekehrung des
Augustinus gewesen, von dem sie nun sogar sah, dass er sich
auf ein Leben der Weihe im Dienst Gottes ausrichtete. Somit
konnte sie zufrieden sterben, und in der Tat verschied sie
am 27. August 387 im Alter von 56 Jahren, nachdem sie ihre
Söhne darum gebeten hatte, sich um ihr Begräbnis keine
Sorgen zu machen, ihrer jedoch, wo sie auch sein werden, am
Altar des Herrn zu gedenken. Der heilige Augustinus
wiederholte, dass ihn seine Mutter „zwei Mal zur Welt
gebracht hatte“.
Die Geschichte
des Christentums ist voll von zahllosen Beispielen heiliger
Eltern und echter christlicher Familien, die das Leben
großherziger Priester und Hirten der Kirche begleitet haben.
Man denke an die heiligen Basilius den Großen und Gregor von
Nazianz, die beide zu Familien von Heiligen gehörten. Denken
wir in unserer unmittelbaren Nähe an die Eheleute Luigi
Beltrame Quattrocchi und Maria Corsini, die zwischen dem
Ende des 19. und der Mitte des 20. Jahrhunderts gelebt haben
und von meinem verehrten Vorgänger Johannes Paul II. im
Oktober 2001 anlässlich des 20. Jahrestages des
Apostolischen Schreibens Familiaris consortio selig
gesprochen wurden. Abgesehen von der Tatsache, dass dieses
Dokument den Wert der Ehe und die Aufgaben der Familie
erläutert, ermutigt es die Eheleute zu einem besonderen
Einsatz auf dem Weg der Heiligkeit, die sie, indem sie Gnade
und Kraft aus dem Sakrament der Ehe schöpfen, durch ihr
ganzes Leben begleitet (vgl. Nr. 56). Wenn sich die Gatten
großherzig der Erziehung der Kinder widmen und sie so zur
Entdeckung des Liebesplanes Gottes hinführen und auf ihn
ausrichten, bereiten sie jenen fruchtbaren geistlichen Boden
vor, aus dem die Berufungen zum Priestertum und zum
geweihten Leben hervorgehen und reifen. Auf diese Weise wird
offenbar, wie sehr die Ehe und die Jungfräulichkeit,
ausgehend von ihrer gemeinsamen Verwurzelung in der
bräutlichen Liebe Christi, zuinnerst miteinander verbunden
sind und sich gegenseitig erleuchten.
Liebe Brüder
und Schwestern, in diesem Priesterjahr bitten wir darum,
dass „auf die Fürsprache des heiligen Pfarrers von Ars die
christlichen Familien zu kleinen Kirchen werden, in denen
alle Berufungen und alle Charismen, die der Heilige Geist in
sie hineinlegt, Aufnahme finden und gewürdigt werden“ (aus
dem Gebet für das Priesterjahr). Diese Gnade erlange uns die
Heilige Jungfrau, zu der wir jetzt gemeinsam beten.
(Quelle:
ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals v. 31.08.09; ©
Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana) |
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Folgende
Katechese hat S.H. Papst Benedikt XVI. am Mittwoch, 19.
August
2009, während der Generalaudienz in Castel Gandolfo
gehalten.
Der Heilige Vater widmete seine Katechese dem heiligen
Johannes Eudes, dessen Gedenktag die Kirche heute begeht und
der sich im 17. Jahrhundert vor allem für die gute
Ausbildung der Priesteramtskandidaten gekümmert hatte.
Auch heute sehe man, so Papst Benedikt XVI., „wie wichtig es
ist, dass die Priester die unendliche Barmherzigkeit Gottes
mit einem gänzlich von Christus 'eroberten' Leben bezeugen
und dies von den Jahren ihrer Vorbereitung in den Seminaren
an lernen“.
Der Heilige sei davon überzeugt gewesen, dass der Weg der
Heiligung in der vorbehaltlosen Antwort und Hingabe an die
Liebe bestehe, die Gott der Menschheit im priesterlichen
Herzen Jesu und im mütterlichen Herzen Marias offenbare. „In
diesem Sinn wollen wir alle Priester und uns selber dieser
Herzensliebe unseres Herrn und seiner Mutter anvertrauen,
damit auch durch uns Gottes Erbarmen in dieser Welt sichtbar
wird.“
Liebe Brüder
und Schwestern!
Heute
begehen wir den liturgischen Gedenktag des heiligen Johannes
Eudes, eines unermüdlichen Apostels der Verehrung der
heiligen Herzen Jesu und Mariens, der im 17. Jahrhundert in
Frankreich gelebt hat, einem Jahrhundert, das von
gegensätzlichen religiösen Phänomenen und schweren
politischen Problemen gekennzeichnet war: Es war die Zeit
des Dreißigjährigen Krieges, der nicht nur weite Teile
Mitteleuropas, sondern auch die Seelen verheert hat. Und
während sich die Verachtung des christlichen Glaubens
seitens einiger damals vorherrschender Denkströmungen breit
machte, erweckte der Heilige Geist eine von Eifer erfüllte
geistliche Erneuerung mit herausragenden Persönlichkeiten
wie Pierre de Bérulle, dem heiligen Vinzenz von Paul, dem
heiligen Louis-Marie Grignion de Montfort und eben dem
heiligen Johannes Eudes. Diese große „Französische Schule“
der Heiligkeit brachte als eine ihrer Früchte auch den
heiligen Johannes Maria Vianney hervor. Durch den
geheimnisvollen Plan der Vorsehung hat mein verehrter
Vorgänger Pius XI. Johannes Eudes und den Pfarrer von Ars am
31. Mai 1925 gemeinsam heilig gesprochen und so der Kirche
und der ganzen Welt zwei außerordentliche Beispiele an
priesterlicher Heiligkeit geschenkt.
Im
Zusammenhang mit dem Priesterjahres ist es mir ein Anliegen,
die Betonung auf den apostolischen Eifer des heiligen
Johannes Eudes zu legen, der sich besonders auf die
Ausbildung des Diözesanklerus bezog. Die Heiligen sind die
wahre Auslegung der Heiligen Schrift. Die Heiligen haben in
der Erfahrung des Lebens die Wahrheit des Evangeliums
überprüft; so führen sie uns in die Kenntnis und das
Verständnis des Evangeliums ein. 1563 hatte das Konzil von
Trient Normen für die Errichtung von Diözesanseminare und
die Ausbildung der Priester erlassen, da sich das Konzil
wohl bewusst war, dass die gesamte Krise der Reformation
auch durch eine unzureichende Ausbildung der Priester
bedingt worden war, die intellektuell und geistlich, im
Herzen und in der Seele nicht richtig auf das Priestertum
vorbereitet worden waren. Dies geschah im Jahr 1563. Da sich
aber die Einführung und die Umsetzung der Normen sowohl in
Deutschland als auch in Frankreich hinauszögerten, erkannte
der heilige Johannes Eudes die Folgen dieses Mangels.
Getrieben vom klaren Bewusstsein des großen Bedürfnisses an
geistlicher Hilfe, in dem sich die Seelen gerade auch
aufgrund der Unangemessenheit eines Großteils des Klerus
befanden, errichtete der Heilige, der ein Pfarrer war, eine
Kongregation, die sich spezifisch der Ausbildung der
Priester widmete. In der Universitätsstadt Caen gründete er
sein erstes Seminar – eine Erfahrung, der große
Wertschätzung zuteil wurde und die sich bald auf andere
Diözesen ausweitete. Der von ihm unternommene und seinen
Schüler vorgeschlagene Weg der Heiligkeit gründete in einem
festen Vertrauen auf die Liebe, die Gott der Menschheit im
priesterlichen Herzen Jesu und im mütterlichen Herzen
Mariens offenbart hat. Zu jener Zeit der Grausamkeiten und
des Verlustes der Innerlichkeit wandte er sich an das Herz,
um dem Herzen ein vom heiligen Augustinus sehr treffend
interpretiertes Wort aus den Psalmen zuzusprechen. Er wollte
die Aufmerksamkeit der Personen, der Menschen und vor allem
der zukünftigen Priester auf das Herz lenken, indem er auf
das priesterliche Herz Christi und das mütterliche Herz
Mariens verwies. Jeder Priester muss Zeuge und Apostel
dieser Liebe des Herzens Christi und Mariens sein. Und damit
kommen wir zu unserer heutigen Zeit.
Auch heute
lässt sich erkennen, wie wichtig es ist, dass die Priester
die unendliche Barmherzigkeit Gottes mit einem gänzlich von
Christus „eroberten“ Leben bezeugen und dies von den Jahren
ihrer Vorbereitung in den Seminaren an lernen. Papst
Johannes Paul II. veröffentlichte nach der Synode 1990 das
Apostolische Schreiben Pastores dabo vobis, in dem er die
Normen des Konzils von Trient aufnimmt und auf den laufenden
Stand bringt und vor allem die notwendige Kontinuität
zwischen dem anfänglichen und dem kontinuierlichen Aspekt
der Ausbildung hervorhebt. Dies ist für ihn wie für uns der
wahre Ausgangspunkt für eine echte Reform des Lebens und des
Apostolats der Priester, und es ist auch ein zentraler
Punkt, damit die „Neuevangelisierung“ nicht einfach nur ein
attraktiver Slogan ist, sondern Wirklichkeit wird. Die
Grundlagen, die während der Ausbildung in den Seminaren
gelegt werden, bilden jenen unersetzlichen „geistlichen
Humus“, in dem „Christus zu lernen ist“, indem man sich
fortschreitend ihm gleich gestalten lässt, dem einzigen
Hohenpriester und Guten Hirten. Die Seminarzeit ist daher
als eine Aktualisierung jenes Zeitpunkts zu sehen, in dem
Jesus, der Herr, die Apostel nach deren Berufung und vor
ihrer Aussendung zur Verkündigung aufforderte, bei ihm zu
bleiben (vgl. Mk 3,14). Als uns der heilige Markus die
Berufung der zwölf Apostel berichtet, sagt er uns, dass
Jesus ein zweifaches Ziel verfolgte: Das erste bestand
darin, dass sie mit ihm bleiben sollten, und das zweite
darin, dass sie ausgesandt werden sollten, um zu predigen.
Indem sie jedoch immer mit ihm gehen, verkünden sie wirklich
Christus und bringen der Welt die Wirklichkeit des
Evangeliums.
Während dieses
Priesterjahres lade ich euch ein, liebe Brüder und
Schwestern, für die Priester und all jene zu beten, die sich
darauf vorbereiten, das außerordentliche Geschenkt des
Amtpriestertums zu empfangen. An alle richte ich – und damit
komme ich zum Ende – die Ermahnung des heiligen Johannes
Eudes, der den Priestern folgendes sagte: „Schenkt euch
Jesus, um in die unendliche Weite seines großen Herzens
einzugehen, das das Herz seiner Heiligen Mutter und aller
Heiligen einschließt, und um euch in diesem Abgrund der
Liebe, der Nächstenliebe, der Barmherzigkeit, der Demut, der
Reinheit, der Geduld, der Unterwerfung und der Heiligkeit zu
verlieren“ (Coeur admirable, III, 2).
(Quelle:
ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals v. 19.08.09; ©
Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana) |
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Folgende
Ansprache hat S.H. Papst Benedikt XVI. am Hochfest Mariä
Aufnahme in den Himmel zum Angelusgebet gehalten. Der Papst
führte den Gläubigen die vorbildhafte Marienfrömmigkeit des
heiligen Pfarrers von Ars vor Augen und ermutigte alle, im
aktuellen Priesterjahr nicht darauf zu vergessen, der
Gottesmutter die Seelsorger in besonderer Weise
anzuempfehlen.
Liebe Brüder
und Schwestern!
Mitten
im Monat August - für viele Familien der Monat der
Urlaubszeit - feiert die Kirche das Hochfest der Aufnahme
der seligen Jungfrau Maria in den Himmel. Für uns ist das
eine besondere Gelegenheit, um über den letzen Sinn der
menschlichen Existenz nachzudenken. Dabei hilft uns die
heutige Liturgie, die uns einlädt, in dieser Welt immer in
Ausrichtung auf die ewigen Güter zu leben, um derselben
Herrlichkeit teilhaftig zu werden wie Maria, unsere Mutter
(vgl. Tagesgebet). Deshalb richten wir unseren Blick auf die
Gottesmutter, den Stern der Hoffnung, der unseren Weg auf
Erden erhellt, und folgen dabei dem Vorbild der heiligen
Männer und Frauen, die in jeder Lebenslage zu ihr Zuflucht
genommen haben. Im Gedenken an den heiligen Pfarrer von Ars
begehen wir das Priesterjahr, und ich möchte den Gedanken
und Zeugnissen dieses heiligen Landpfarrers einige Punkte
zum Nachdenken entnehmen, die uns allen und ganz besonders
den Priestern helfen können, unsere Liebe und Andacht zur
allerseligsten Jungfrau neu zu beleben.
Die Biographen
bezeugen, dass der heilige Jean -Marie Vianney mit großer
Ehrfurcht und gleichzeitig mit unmittelbaren Vertrauen von
der Gottesmutter sprach. „Die heilige Jungfrau", so pflegte
er zu sagen, „ist ohne Makel, geschmückt mit allen Tugenden,
die sie der Heiligsten Dreifaltigkeit so schön und
wohlgefällig machen" (Le curé d'Ars. Sa pensée - Son cœur.
Présantés par l'Abbé Bernard Nodet, éd. Xavier Mappus, Foi
Vivante, 1966). Und weiter: „Das Herz dieser guten Mutter
ist nichts anderes als Liebe und Barmherzigkeit. Es will
nichts anderes, als uns glücklich sehen. Es genügt, sich an
sie zu wenden, um erhört zu werden" (ebd.).
In diesen
Worten scheint die Begeisterung des Priesters durch, dem es,
von apostolischem Eifer gedrängt, Freude bereitet, zu seinen
Gläubigen über Maria zu sprechen, und der dessen nie müde
wird. Er hat es sogar verstanden, ein so schwieriges
Geheimnis wie das heutige der Aufnahme Marias in den Himmel
mit wirkungsvollen Bildern zu beschreiben, zum Beispiel so:
„Der Mensch war für den Himmel geschaffen. Der Satan hat die
Leiter zerbrochen, die dorthin führte. Unser Herr hat uns
mit seinem Leiden eine neue gemacht... Die allerseligste
Jungfrau steht oben an der Leiter und hält sie mit beiden
Händen fest" (ebd.).
Der heilige
Pfarrer von Ars ist vor allem von der Schönheit Marias
angezogen worden - einer Schönheit, die damit zu tun hat,
dass sie die Unbefleckte ist: das einzige Geschöpf, das ohne
den Schatten der Sünde empfangen worden ist. „Die heilige
Jungfrau", so sagte er, „ist jenes schöne Geschöpf, das den
gütigen Gott nie enttäuscht hat" (ebd.).
Als guter und
treuer Hirte hat er uns vor allem auch ein Beispiel dieser
kindlichen Liebe zur Mutter Jesu gegeben, von der er sich
zum Himmel gezogen fühlte: „Käme ich nicht in den Himmel",
so rief er aus, „wie weh würde mir das tun! Nie würde ich
die heilige Jungfrau sehen, dieses so schöne Geschöpf!"
(ebd.) Darüber hinaus weihte er seine Pfarrei mehrmals der
Gottesmutter, und besonders den Müttern empfahl er, jeden
Morgen dasselbe mit ihren Kindern zu tun.
Liebe Brüder
und Schwestern, machen wir uns die Gesinnung des heiligen
Pfarrers von Ars zu Eigen! Und in demselben Glauben wollen
wir uns an Maria wenden, die in den Himmel aufgenommen
worden ist, und ihr in besonderer Weise die Priester der
ganzen Welt anempfehlen.
(Quelle:
ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals v. 17.08.09; ©
Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana) |
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Folgende
Katechese hat S.H. Papst Benedikt XVI. am Mittwoch,
05. August
2009, während der Generalaudienz
gehalten. Der Papst sprach über das Leben des heiligen
Pfarrers von Ars und lud alle Seelsorger ein, sich an ihm
ein Beispiel zu nehmen.
„Nur wenn er in Christus verliebt ist, wird der Priester
allen diese Einheit beibringen können, diese enge
Freundschaft mit dem göttlichen Meister, nur so wird er die
Herzen der Menschen berühren und sie für die barmherzige
Liebe des Herrn öffnen können.“
Die Gläubigen bat Papst Benedikt, um heilige Priester zu
beten. Außerdem lud er sie ein, den Priestern in ihrem
Dienst beizustehen.
„Jean-Marie Vianney hat die Liebe Christi wirklich
verkörpert, die er in der Predigt verkündete und in den
Sakramenten feierte. Dadurch, dass er wirklich von innen
durchdrungen war, vom Licht des Herrn, konnte er viele
Menschen zur Umkehr und zur Heiligkeit führen.“
Liebe Brüder
und Schwestern!
In der
heutigen Katechese möchte ich kurz das Leben des heiligen
Pfarrers von Ars schildern und auf einige Züge hinweisen,
die auch für die Priester in dieser unserer Zeit als
Beispiel gelten können, die sich zwar gewiss von der Zeit
unterscheidet, in der er gelebt hat, die jedoch in vieler
Hinsicht von den gleichen fundamentalen menschlichen und
geistlichen Herausforderungen gezeichnet ist. Gerade gestern
hat sich zum einhundertfünfzigsten Mal seine Geburt zum
Himmel gejährt: Es war um zwei Uhr am Morgen des 4. August
1859, als Jean-Baptiste Marie Vianney, nachdem er den Lauf
seines irdischen Daseins beendet hatte, dem himmlischen
Vater entgegenging, um das Erbe des Reiches zu empfangen,
das von der Erschaffung der Welt an für diejenigen bestimmt
war, die Seiner Lehre treu folgen (vgl. Mt 25, 34). Welch
großes Fest muss es im Paradies bei der Ankunft eines so
eifrigen Hirten gegeben haben! Welche Aufnahme wird ihm die
Vielzahl der Kinder bereitet haben, die durch sein Wirken
als Pfarrer und Beichtvater mit dem Vater versöhnt wurden!
Ich habe diesen Jahrestag zum Anlass nehmen wollen, um das
Priesterjahr auszurufen, dessen Thema bekanntermaßen „Treue
zu Christus, Treue des Priesters“ lautet. Von der Heiligkeit
hängt die Glaubwürdigkeit des Zeugnisses und letztlich die
Wirksamkeit der Sendung eines jeden Priesters ab.
Jean-Marie
Vianney wurde am 8. Mai 1786 in der kleinen Ortschaft
Dardilly in einer Bauernfamilie geboren, die zwar arm an
materiellen Gütern, aber reich an Menschlichkeit und Glauben
war. Er wurde, wie es damals üblich war, gleich am Tag
seiner Geburt getauft. Während seiner Kinder- und
Jugendjahre arbeitete er auf den Feldern und weidete die
Tiere, sodass er im Alter von siebzehn Jahren noch
Analphabet war. Er kannte jedoch die Gebete auswendig, die
seine fromme Mutter ihm beigebracht hatte und stärkte sich
an der Gläubigkeit, die zu Hause gelebt wurde. Die
Biographen berichten, dass er von frühester Jugend an
versuchte, auch in den kleinsten Aufgaben dem göttlichen
Willen zu entsprechen. In seiner Seele hegte er den Wunsch
Priester zu werden, doch es war nicht einfach für ihn,
diesen zu erfüllen. Nachdem er einiges Unverständnis und
nicht wenige Beschwerden überwunden hatte, wurde er
schließlich geweiht – dank der Hilfe kluger Priester, welche
nicht nur seine menschlichen Grenzen sahen, sondern darüber
hinauszublicken vermochten und den Horizont der Heiligkeit
ahnten, der sich in diesem wirklich außergewöhnlichen jungen
Mann abzeichnete. So wurde er am 23. Juni 1815 zum Diakon
geweiht und am darauffolgenden 13. August zum Priester. Im
Alter von 29 Jahren konnte er schließlich nach vielen
Ungewissheiten, nicht wenigen Misserfolgen und vielen Tränen
zum Altar des Herrn hinaufsteigen und den Traum seines
Lebens verwirklichen.
Der heilige
Pfarrer von Ars brachte dem empfangenen Geschenk immer
äußerst große Achtung entgegen. Er sagte: „O, wie groß ist
doch das Priestertum! Man wird es erst im Himmel richtig
verstehen... wenn man es auf der Erde schon verstünde, dann
würde man sterben – nicht vor Schreck, sondern aus Liebe!“
(Abbé Monnin, Esprit du Curé dArs, S. 113). Außerdem hatte
er als Kind seiner Mutter anvertraut: „Wenn ich Priester
wäre, würde ich gerne viele Seelen gewinnen“ (Abbé Monnin,
Procès de lordinaire, S. 1064). Und so geschah es. In seinem
ebenso schlichten wie außergewöhnlich fruchtbaren
Hirtendienst gelang es diesem unbekannten Pfarrer eines
abgelegenen Dorfes in Südfrankreich, sich so sehr in sein
eigenes Amt hineinzufühlen, dass er auch auf sichtbare und
universal erkennbare Weise „alter Christus“, das Bild des
Guten Hirten wurde, der im Gegensatz zum Tagelöhner sein
Leben für die Schafe hingibt (vgl. Joh 10, 11). Dem Beispiel
des Guten Hirten folgend hat er sein Leben in den
Jahrzehnten seines priesterlichen Dienstes hingegeben. Sein
Dasein war lebendige Katechese, die eine ganz besondere
Wirkung erreichte, wenn die Menschen ihn die Messe
zelebrieren, ihn in Anbetung vor dem Tabernakel verweilen
oder viele Stunden im Beichtstuhl verbringen sahen.
Den
Mittelpunkt seines ganzen Lebens bildete also die
Eucharistie, die er andächtig und respektvoll feierte und
anbetete. Eine weitere fundamentale Eigenschaft dieser
außergewöhnlichen Priestergestalt war die fleißige Abnahme
der Beichte. In der Praxis des Bußsakraments erkannte er die
logische und natürliche Erfüllung des priesterlichen
Apostolats, gehorsam gegenüber dem Auftrag Christi: „Wem ihr
die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die
Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (Joh 20, 23).
Der heilige Jean-Marie Vianney zeichnete sich daher als
ausgezeichneter und unermüdlicher Beichtvater und
geistlicher Lehrmeister aus. Indem er sich „in einer
einzigen inneren Bewegung vom Altar zum Beichtstuhl“
bewegte, wo er einen großen Teil des Tages verbrachte,
versuchte er auf alle Arten, durch Predigt und überzeugenden
Ratschlag die Mitglieder seiner Pfarrei die Bedeutung und
die Schönheit der sakramentalen Buße neu entdecken zu
lassen, indem er sie als eine mit der eucharistischen
Gegenwart innerlich verbundene Notwendigkeit darstellte
(vgl. Schreiben an die Priester zum Priesterjahr).
Die pastoralen
Methoden des heiligen Jean-Marie Vianney könnten für die
derzeitigen gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen
als wenig geeignet erscheinen. Wie könnte schließlich ein
Priester es ihm heute, in einer so sehr veränderten Welt
nachtun? Wenn sich auch die Zeiten ändern und viele
Charismen charakteristisch für eine Person und somit
einmalig sind, gibt es doch eine Lebensform und ein
grundsätzliches Streben, die zu pflegen wir alle aufgerufen
sind. Bei genauem Hinschauen war es die demütige Treue
gegenüber seinem Auftrag, zu dem Gott ihn berufen hatte, die
den Pfarrer von Ars heilig machte; die Tatsache, dass er
sich ständig, von Vertrauen erfüllt, den Händen der
Göttlichen Vorsehung überließ. Es gelang ihm weder dank
seiner eigenen menschlichen Gaben, noch indem er sich
ausschließlich auf eine wenn auch lobenswerte
Willensanstrengung stützte, das Herz der Menschen zu
berühren; er eroberte die Seelen – auch die
unempfänglichsten – indem er ihnen das vermittelte, was er
zutiefst lebte, nämlich seine Freundschaft mit Christus. Er
war in Christus „verliebt“, und das wahre Geheimnis seines
pastoralen Erfolgs war die Liebe, die er für das verkündete,
zelebrierte und gelebte eucharistische Geheimnis hegte, das
Liebe für die Herde Christi geworden ist, für die Christen
und für alle Menschen die Gott suchen. Sein Zeugnis ruft uns
in Erinnerung, liebe Brüder und Schwestern, dass die
Eucharistie für jeden Getauften und umso mehr noch für jeden
Priester „nicht einfach ein Geschehen mit zwei Protagonisten
ist, ein Dialog zwischen Gott und mir. Die eucharistische
Gemeinschaft zielt auf eine völlige Verwandlung des eigenen
Lebens ab. Mit Macht öffnet sie das ganze Ich des Menschen
und schafft ein neues Uns“ (Joseph Ratzinger, La Communione
nella Chiesa, S. 80).
Weit davon
entfernt, die Gestalt des heiligen Jean-Marie Vianney auf
ein – wenn auch bewundernswertes – Beispiel frommer
Spiritualität des neunzehnten Jahrhunderts zu reduzieren,
muss man im Gegenteil die prophetische Kraft erfassen, die
seine menschliche und priesterliche Persönlichkeit von
höchster Aktualität auszeichnet. Im nachrevolutionären
Frankreich, das eine Art „Diktatur des Rationalismus“
erlebte, die darauf ausgerichtet war, die Präsenz der
Priester und der Kirche in der Gesellschaft auszumerzen,
lebte er seinen Glauben zunächst, in seinen Jugendjahren,
tapfer in der Verborgenheit und legte in der Nacht Kilometer
zurück, um an der heiligen Messe teilzunehmen. Als Priester
zeichnete er sich dann durch eine besondere und
fruchtbringende pastorale Kreativität aus, die in der Lage
war aufzuzeigen, dass der damals herrschende Rationalismus
in Wirklichkeit weit davon entfernt war, die wirklichen
Bedürfnisse des Menschen zu erfüllen und somit letztlich
nicht menschengerecht war.
Liebe Brüder
und Schwestern, einhundertfünfzig Jahre nach dem Tod des
heiligen Pfarrers von Ars, sind die Herausforderungen der
heutigen Gesellschaft nicht weniger anstrengend, ja, sie
sind vielleicht sogar noch vielschichtiger geworden. Wenn es
damals die „Diktatur des Rationalismus“ gab, so ist heute in
vielen Bereichen eine Art „Diktatur des Relativismus“
festzustellen. Beide scheinen keine angemessene Antwort auf
die berechtigte Forderung des Menschen zu geben, die eigene
Vernunft als entscheidendes und konstitutives Element der
eigenen Identität voll auszuschöpfen. Der Rationalismus war
ungeeignet, weil er die menschlichen Grenzen nicht
berücksichtigte und verlangte, die Vernunft allein zum Maß
aller Dinge zu erheben, indem er sie in eine Göttin
verwandelte; der zeitgenössische Relativismus setzt die
Vernunft herab, weil er tatsächlich am Ende behauptet, dass
der Mensch über den konkreten wissenschaftlichen Bereich
hinaus nichts mit Gewissheit erkennen kann. Heute wie damals
jedoch ist der Mensch „begierig nach Sinn und Erfüllung“,
stets auf der Suche nach erschöpfenden Antworten auf die
grundlegenden Fragen, die er sich unaufhörlich stellt.
Die
Konzilsväter des Zweiten Vatikanischen Konzils waren sich
dieses „Hungers nach Wahrheit“, der im Herzen jedes Menschen
brennt, deutlich bewusst, als sie erklärten, dass es „den
Priestern als Erziehern im Glauben“ obliegt, eine „echte
christliche Gemeinschaft“ zu bilden, die in der Lage ist,
„allen Menschen den Weg zu Christus zu ebnen“ und ihnen
gegenüber „eine echte Mütterlichkeit“ zu zeigen, dadurch,
dass sie „denen, die noch nicht glauben, den Weg zu Christus
weist und bahnt“ sowie „die Gläubigen anregt, stärkt und zum
geistlichen Kampf rüstet“ (vgl. Presbyterorum ordinis, 6).
Die Lehre, die
uns der heilige Pfarrer von Ars in dieser Hinsicht auch
weiterhin vermittelt, ist, dass der Priester die enge
personale Einheit mit Christus – die zu pflegen und Tag für
Tag zu vergrößern ist – zur Grundlage dieser pastoralen
Aufgabe machen muss. Nur wenn er in Christus verliebt ist,
wird der Priester allen diese Einheit beibringen können,
diese enge Freundschaft mit dem göttlichen Meister, nur so
wird er die Herzen der Menschen berühren und sie für die
barmherzige Liebe des Herrn öffnen können. Nur so folglich
wird er in den Gemeinden, die der Herr ihm anvertraut,
Begeisterung und geistliche Lebendigkeit hervorrufen können.
Beten wir darum, dass Gott auf die Fürsprache des heiligen
Jean-Marie Vianney seiner Kirche heilige Priester schenke
und dass in den Gläubigen der Wunsch wachse, ihr Amt zu
unterstützen und ihnen zu helfen. Vertrauen wir dieses
Anliegen Maria an, die wir am heutigen Tag als Maria Schnee
anrufen.
(Übersetzung
aus dem Italienischen von Claudia Reimüller; Die Tagespost vom
08. August 2009) |
|
Folgende
Katechese hat S.H. Papst Benedikt XVI. am Mittwoch, 01. Juli
2009, während der Generalaudienz auf dem Petersplatz
gehalten.
Der Heilige
Vater betonte, dass Christus die Lebensmitte jedes Gläubigen
sei und dass dies in besonderer Weise für den Priester
gelte, auf dessen Dienst er in der Folge - nicht zuletzt
anlässlich des aktuellen Priesterjahres zum Gedenken an den
150. Todestags des heiligen Pfarrers von Ars - näher
einging.
„Die Sendung
der Priester hängt vom Bewusstsein dieser sakramentalen
Wirklichkeit des neuen Seins in Christus ab. Ihre Identität
ist ein göttliches Geschenk, eine empfangene Aufgabe. Durch
die Gnade der Weihe werden die Priester zu bleibenden Zeugen
ihrer Begegnung mit Christus, den sie durch die Verkündigung
des Wortes Gottes und in der Spendung der Sakramente zu den
Menschen bringen. So sind Wort und Sakrament, Verkündigung
und Gottesdienst die beiden Grundsäulen des priesterlichen
Dienstes."
Am Ende der
Generalaudienz appellierte Benedikt XVI. an die Gläubigen
und Gäste aus dem deutschsprachigen Raum: „Begleitet im
Gebet den Dienst der Priester und seid bereit, Gottes Stimme
zu hören. Er zeigt den Weg zu einem erfüllten Leben und ruft
auch heute in seine Nachfolge."
Liebe Brüder
und Schwestern!
Mit der Feier der ersten Vesper zum Hochfest der heiligen
Apostel Petrus und Paulus in der Basilika St. Paul vor den
Mauern kam, wie Ihr wisst, am 28. Juni das Paulusjahr zum
Gedenken des 2000. Jahrestages der Geburt des Völkerapostels
zu seinem Ende. Wir danken dem Herrn für die geistlichen
Früchte, die diese wichtige Initiative in vielen
christlichen Gemeinden hervorgebracht hat. Als kostbares
Erbe des Paulusjahres können wir die Einladung des Apostels
aufnehmen, die Kenntnis des Geheimnisses Christi zu
vertiefen, auf dass er das Herz und der Mittelpunkt unseres
persönlichen und gemeinschaftlichen Seins sei. Dies nämlich
ist die unverzichtbare Bedingung für eine wahre geistliche
und kirchliche Erneuerung. Wie ich bereits während der
ersten Eucharistiefeier in der Sixtinischen Kappelle nach
meiner Wahl zum Nachfolger des Apostels Petrus hervorgehoben
habe, ist es gerade die volle Gemeinschaft mit Christus, aus
der „jedes weitere Element des Lebens der Kirche, an erster
Stelle die Gemeinschaft zwischen allen Gläubigen, die
Verpflichtung, das Evangelium zu verkünden und zu bezeugen,
und die leidenschaftliche Liebe zu allen, besonders zu den
Armen und Geringen [erwächst]". Dies gilt an erster Stelle
für die Priester. Aus diesem Grund danken wir der göttlichen
Vorsehung, die uns nun die Möglichkeit bietet, das
Priester-Jahr zu begehen. Von Herzen wünsche ich, dass es
für einen jeden Priester eine Gelegenheit zur inneren
Erneuerung und folglich zur festen Stärkung im Einsatz für
die eigene Sendung bilde.
Wie während
des Paulusjahres unser ständiger Bezugspunkt der heilige
Paulus gewesen ist, so werden wir in den kommenden Monaten
vor allem auf den heiligen Pfarrer von Ars Jean-Marie
Vianney blicken, indem wir des 150. Jahrestages seines Todes
gedenken. Im Brief, den ich zu diesem Anlass an die Priester
geschrieben habe, wollte ich das hervorheben, was am meisten
im Dasein dieses demütigen Dieners des Altares
hervorleuchtet: „die völlige Identifizierung mit der eigenen
Aufgabe". Er liebte es zu sagen: „Ein guter Hirte, ein Hirte
nach dem Herzen Gottes, ist der größte Schatz, den der liebe
Gott einer Pfarrei gewähren kann, und eines der wertvollsten
Geschenke der göttlichen Barmherzigkeit." Und - als könne er
die Größe der dem Geschöpf Mensch anvertrauten Gabe und
Aufgabe einfach nicht fassen - seufzte er: „Oh, wie groß ist
der Priester! ... Wenn er sich selbst verstünde, würde er
sterben ... Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Sätze aus,
und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Himmel herab und
schließt sich in eine kleine Hostie ein...".
Tatsächlich
kann gerade in Anbetracht des Binoms „Identität-Sendung" ein
jeder Priester die Notwendigkeit jener fortschreitenden
Identifizierung mit Christus wahrnehmen, die ihm die Treue
und die Fruchtbarkeit des Zeugnisses für das Evangelium
gewährleistet. Der Titel des Priester-Jahres selbst - Treue
in Christus, Treue des Priesters - macht deutlich, dass das
Geschenk der göttlichen Gnade jeder möglichen menschlichen
Antwort und pastoralen Verwirklichung vorangeht, und so sind
im Leben des Priesters missionarische Verkündigung und
Gottesdienst nie trennbar, so wie ontologisch-sakramentale
Identität und Sendung zur Evangelisierung nie getrennt
werden dürfen. Im übrigen ist das Ziel der Sendung eines
jeden Priesters, so könnten wir sagen, „kultisch": auf dass
alle Menschen sich Gott als lebendige, heilige und ihm
wohlgefällige Hostie darbringen können (vgl. Röm 12,1), die
in der Schöpfung, in den Menschen Gottesdienst wird, Lob des
Schöpfers, indem sie von ihm jene Liebe empfangen, zu deren
reicher gegenseitigen Weitergabe sie berufen sind. Dies
wurde eindeutig in den Anfängen des Christentums
wahrgenommen. Der heilige Johannes Chrysostomus sagte zum
Beispiel, dass das Sakrament des Altares und das „Sakrament
des Bruders" oder, wie er sagt, das „Sakrament des Armen"
zwei Aspekte desselben Geheimnisses darstellen. Die Liebe
zum Nächsten, die Aufmerksamkeit gegenüber der Gerechtigkeit
und den Armen sind nicht nur Themen einer Sozialmoral als
vielmehr Ausdruck eines sakramentalen Konzeptes der
christlichen Moralität, da durch den Dienst der Priester das
geistliche Opfer aller Gläubigen vollbracht wird, in Einheit
mit jenem Opfer Christi, des einzigen Mittlers: ein Opfer,
das die Priester unblutig und sakramental in Erwartung des
neuen Kommens des Herrn darbringen. Das ist die
hauptsächliche, wesentlich missionarische und dynamische
Dimension der priesterlichen Identität und des
priesterlichen Dienstes: durch die Verkündigung des
Evangeliums erzeugen sie den Glauben in denen, die noch
nicht glauben, auf dass sie ihr Opfer mit dem Opfer Christi
vereinen können, was sich in Liebe zu Gott und zum Nächsten
umsetzt.
Liebe Brüder
und Schwestern, angesichts so vieler Ungewissheiten und
Ermüdungserscheinungen auch in der Ausübung des
Priesterdienstes ist die Wiedererlangung eines klaren und
eindeutigen Urteils über den absoluten Primat der göttlichen
Gnade notwendig, dies eingedenk dessen, was der heilige
Thomas von Aquin schreibt: „Die kleinste Gabe der Gnade
übertrifft das natürliche Gut des gesamten Universums"
(Summa Theologiae, I-II, q. 113, a. 9, ad 2). Die Sendung
eines jeden einzelnen Priesters wird somit auch und vor
allem vom Bewusstsein der sakramentalen Wirklichkeit seines
„neuen Seins" abhängen. Von der Gewissheit der eigenen
Identität, die nicht künstlich konstruiert, sondern
unentgeltlich und göttlich geschenkt und angenommen ist,
hängt die immer erneuerte Begeisterung des Priesters für die
Mission ab. Auch für die Priester gilt, was ich in der
Enzyklika Deus caritas est geschrieben habe: „Am Anfang des
Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine
große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit
einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und
damit seine entscheidende Richtung gibt" (1).
Da sie mit
ihrer „Weihe" eine derart außerordentliche Gnadengabe
empfangen haben, werden die Priester zu ständigen Zeugen
ihrer Begegnung mit Christus. Ausgehend gerade von diesem
inneren Bewusstsein können sie ihre „Sendung" durch die
Verkündigung des Wortes und die Spendung der Sakramente voll
erfüllen. Nach dem II. Vatikanischen Konzil ist es da und
dort zum Eindruck gekommen, dass es in der Sendung der
Priester in unserer Zeit etwas Dringlicheres gäbe. Einige
dachten, dass man vor allem eine andere Gesellschaft
aufbauen müsste. Der Abschnitt aus dem Evangelium jedoch,
den wir zu Beginn gehört haben, ruft dagegen die beiden
wesentlichen Elemente des priesterlichen Dienstes in
Erinnerung. Jesus entsendet in jener Zeit und heute die
Apostel, um das Evangelium zu verkündigen, und gibt ihnen
die Vollmacht, die bösen Geister auszutreiben.
„Verkündigung" und „Vollmacht", das heißt „Wort" und
„Sakrament" sind somit jenseits seiner möglichen
vielfältigen Ausgestaltungen die beiden grundlegenden Säulen
des priesterlichen Dienstes.
Wenn man dem
„Diptychon" Weihe-Sendung nicht Rechnung trägt, wird es
wirklich schwierig, die Identität des Priesters und seines
Dienstes in der Kirche zu verstehen. Was nämlich ist der
Priester, wenn nicht ein vom Geist bekehrter und erneuerter
Mensch, der aus der persönlichen Beziehung mit Christus
heraus lebt und sich ständig die dem Evangelium
entstammenden Kriterien zu eigen macht? Was ist der
Priester, wenn nicht ein Mann der Einheit und der Wahrheit,
der sich seiner eigenen Grenzen und gleichzeitig der
außerordentlichen Größe der empfangenen Berufung bewusst
ist, jener Berufung, an der Ausweitung des Reiches Gottes
bis zu den äußersten Grenzen der Erde beizutragen? Ja! Der
Priester ist ein Mann, der ganz dem Herrn gehört, da Gott
selbst es ist, der ihn beruft und in seinen apostolischen
Dienst einsetzt. Und gerade weil er ganz dem Herrn gehört,
gehört er ganz den Menschen, ist er ganz für die Menschen.
Während dieses Priester-Jahres, das bis zum kommenden
Hochfest des Heiligsten Herzens Jesus dauern wird, wollen
wir für alle Priester beten. In den Diözesen, Pfarreien,
Ordensgemeinschaften, besonders in jenen monastischen, in
den Vereinigungen und Bewegungen, in den verschiedenen
pastoralen, in der ganzen Welt gegebenen Zusammenschlüssen
mögen sich Initiativen des Gebets und besonders der
eucharistischen Anbetung für die Heiligung des Klerus und
die Priesterberufe mehren, um so auf die Einladung Jesu zu
antworten: „Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für
seine Ernte auszusenden" (Mt 9,38). Das Gebet ist der erste
Einsatz, der wahre Weg der Heiligung der Priester und die
Seele der echten „Berufungspastoral". Die geringe Zahl von
Priesterweihen in einigen Ländern darf uns nicht nur nicht
mutlos werden lassen, sondern muss uns dazu drängen, die
Räume der Stille und des Hörens des Wortes zu vermehren,
besser die geistliche Begeleitung und das Sakrament der
Beichte zu pflegen, damit die Stimme Gottes, der immer
fortfährt zu rufen und zu stärken, gehört und ihr
bereitwillig von vielen jungen Menschen gefolgt werden kann.
Wer betet, hat keine Angst; wer betet, ist nie allein; wer
betet, wird gerettet werden. Vorbild eines Lebens, das dem
Gebet seinen Bestand entnimmt, ist zweifellos der heilige
Jean-Marie Vianney. Maria, die Mutter der Kirche, helfe
allen Priestern, dessen Beispiel zu folgen, um wie er Zeugen
Christi und Apostel des Evangeliums zu sein.
(Quelle:
ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals v. 01.07.09; ©
Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana) |
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Folgende
Katechese hat S.H. Papst Benedikt XVI. am Mittwoch, 24. Juni
2009, bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom
gehalten. Aus Anlass des Priesterjahrs, das er am Freitag,
dem 19. Juni, mit einem feierlichen Vespergottesdienst im
Petersdom eröffnet hatte, sprach S.H. Papst XVI. über
Identität und Berufung des Priesters.
„Er ist in
Christus, für Christus und mit Christus im Dienst an den
Menschen. Gerade weil er Christus gehört, steht der Priester
radikal im Dienst an den Menschen: Er ist Diener ihres Heiles,
ihres Glücks, ihrer echten Befreiung, wobei er in dieser
fortschreitenden Annahme des Willens Christi im Gebet, im
Herz-an-Herz-Stehen mit ihm reift. Das also ist die
unverzichtbare Bedingung einer jeden Verkündigung, die die
Teilhabe am sakramentalen Opfer der Eucharistie und den fügsamen
Gehorsam gegenüber der Kirche mit sich bringt."
Papst Benedikt XV.
wies außerdem darauf hin, dass das Priesterjahr darauf abziele,
„das Streben eines jeden Priesters nach geistlicher
Vollkommenheit, von dem die Wirksamkeit ihres Dienstes
entscheidend abhängt, zu unterstützen und vor allem den
Priestern und mit ihnen dem ganzen Volk Gottes zu helfen, das
Bewusstsein für das außerordentliche und unverzichtbare
Gnadengeschenk neu zu entdecken und zu stärken, welches das
Weiheamt für dessen Empfänger, für die ganze Kirche und die Welt
darstellt, die ohne die wirkliche Gegenwart Christi verloren
wäre."
Liebe Brüder und
Schwestern!
Am vergangenen
Freitag, dem 19. Juni, Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu und
der Tradition entsprechend der Tag, der dem Gebet für die
Heiligung der Priester geweiht ist, hatte ich die Freude, das
„Jahr der Priester" zu eröffnen, das ich anlässlich des 150.
Jahrestages der „Geburt für zum Himmel" des Pfarrers von Ars,
des heiligen Jean-Marie Vianney, ausgerufen habe. Und beim
Einzug in die Vatikanische Basilika zur Feier der Vesper habe
ich gleichsam als erste symbolische Geste in der Kappelle des
Chores innegehalten, um die Reliquie dieses heiligen Seelsorgers
zu verehren: sein Herz. Warum ein Priesterjahr? Und warum gerade
während des Gedenkens an den heiligen Pfarrer von Ars, der dem
Anschein nach doch nichts Besonderes vollbracht hat?
Die göttliche
Vorsehung hat es gefügt, dass seine Gestalt in der Nähe jener
des heiligen Paulus zu stehen kommt. Während sich nämlich das
Paulusjahr seinem Abschluss nähert, das dem Völkerapostel
gewidmet war, Vorbild eines außerordentlichen Mannes der
Evangelisierung, der verschiedene Missionsreisen zur Verbreitung
des Evangeliums unternommen hat, lädt uns dieses neue
Jubiläumsjahr ein, auf einen armen Bauern zu blicken, der ein
demütiger Pfarrer geworden ist und seinen Dienst als Seelsorger
in einem kleinen Dorf verrichtet hat. Die beiden Heiligen sind,
was die Lebenswege betrifft, die sie auszeichnen, sehr
unterschiedlich: Der eine zog von Gegend zu Gegend, um das
Evangelium zu verkünden, der andere hat Tausende von Gläubigen
empfangen und blieb dabei immer in seiner kleinen Pfarrei. Es
gibt jedoch etwas Wesentliches, das sie verbindet, und dies ist
ihre totale Identifizierung mit ihrem Dienst, ihre Gemeinschaft
mit Christus, die den heiligen Paulus sagen ließ: „Ich bin mit
Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern
Christus lebt in mir" (Gal 2, 19-20). Und der heilige Jean-Marie
Vianney liebte es, immer wieder zu erklärtem: „Wenn wir Glauben
hätten, so würden wir Gott im Priester verborgen sehen wie das
Licht hinter dem Glas, wie den mit dem Wasser vermischten Wein".
Ziel dieses Priesterjahres ist es somit, wie ich im Brief
geschrieben habe, den ich zu diesem Anlass an die Priester
schickte, das Streben eines jeden Priesters „nach geistlicher
Vollkommenheit, von dem die Wirksamkeit ihres Dienstes
entscheidend abhängt", zu unterstützen (vgl. Ansprache an die
Vollversammlung der Kongregation für den Klerus, 16.3.2009) und
vor allem den Priestern und mit ihnen dem ganzen Volk Gottes zu
helfen, das Bewusstsein für das außerordentliche und
unverzichtbare Gnadengeschenk neu zu entdecken und zu stärken,
welches das Weiheamt für dessen Empfänger, für die ganze Kirche
und die Welt darstellt, die ohne die wirkliche Gegenwart Christi
verloren wäre.
Zweifellos haben
sich die geschichtlichen und sozialen Umstände geändert, in
denen sich der Pfarrer von Ars vorfand, und es ist richtig, sich
zu fragen, wie die Priester ihn in den heutigen globalisierten
Gesellschaften in der Identifizierung mit ihrem Dienst nachahmen
können. In einer Welt, in der die allgemeine Sicht des Lebens
immer weniger das Heilige einbezieht, an dessen Stelle die
„Funktionalität" zur einzig entscheidenden Kategorie wird,
könnte die katholische Konzeption des Priestertums Gefahr
laufen, ihre selbstverständliche Beachtung manchmal auch
innerhalb des kirchlichen Bewusstseins zu verlieren. Nicht
selten stehen sowohl in den theologischen Bereichen wie auch in
der konkreten pastoralen Praxis und in der Praxis der
Priesterausbildung einander zwei unterschiedliche Konzepte von
Priestertum gegenüber und werden manchmal einander
entgegengesetzt. Dazu erwähnte ich vor einigen Jahren, dass es
„auf der einen Seite eine sozio-funktionale Konzeption gibt, die
das Wesen des Priestertums mit dem Begriff ‚Dienst' definiert:
dem Dienst an der Gemeinde in der Erfüllung einer Aufgabe... Auf
der anderen Seite ist da die sakramentale-ontologische
Konzeption, die selbstverständlich den Dienstcharakter des
Priestertums nicht leugnet, es aber im Sein des Dieners
verankert sieht und feststellt, dass dieses Sein durch ein vom
Herrn durch die Mittlerschaft der Kirche gewährtes Geschenk
bestimmt ist, das Sakrament heißt" (J. Ratzinger, Theologische
Prinzipienlehre. Bausteine zur Fundamentaltheologie, München
1982, 2. Aufl. [Wewel-Verlag] Donauwörth 2005). Auch die
terminologische Verschiebung des Begriffes „Priestertum" hin zu
„Dienst, Dienstamt, Auftrag" ist Zeichen dieser
unterschiedlichen Konzeption. An die zweite, jene
ontologisch-sakramentale, ist innerhalb des Binoms „Priestertum-Opfer"
der Primat der Eucharistie gebunden, während ersterer der Primat
des Wortes und des Verkündigungsdienstes zukäme.
Bei näherem
Betrachten handelt es sich aber nicht um zwei gegensätzliche
Konzeptionen, und die Spannung, die es zwar zwischen ihnen gibt,
ist im Inneren zu lösen. Daher sagt das Dekret „Presbyterorum
ordinis" des II. Vatikanischen Konzils: „Durch die apostolische
Botschaft des Evangeliums nämlich wird das Volk Gottes zur
Einheit berufen, so dass alle... sich selbst als ‚lebendiges,
heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer' (Röm 12,1) darbringen.
Durch den Dienst der Priester vollendet sich das geistige Opfer
der Gläubigen in Einheit mit dem Opfer des einzigen Mittlers
Christus, das sie mit ihren Händen im Namen der ganzen Kirche
bei der Feier der Eucharistie auf unblutige und sakramentale
Weise darbringen, bis der Herr selbst kommt (Nr.2).
So fragen wir uns
also: „Was bedeutet es im eigentlichen Sinn für die Priester zu
evangelisieren? Worin besteht der so genannte Primat der
Verkündigung?" Jesus spricht von der Verkündigung des Reiches
Gottes als dem wahren Ziel seines Kommens in die Welt, und seine
Verkündigung ist nicht nur ein „Reden". Sie schließt
gleichzeitig sein Handeln ein: Die Zeichen und Wunder, die er
vollbringt, verweisen darauf, dass das Reich in die Welt als
eine gegenwärtige Wirklichkeit kommt, die letztlich mit seiner
Person selbst zusammentrifft. In diesem Sinne muss daran
erinnert werden, dass auch im Primat der Verkündigung Wort und
Zeichen untrennbar sind. Die christliche Verkündigung
proklamiert keine „Worte", sondern „das Wort" und die
Verkündigung fallen mit der Person Christi zusammen, der
ontologisch für die Beziehung mit dem Vater offen und gegenüber
dessen Willen gehorsam ist. Ein echter Dienst am Wort erfordert
also vom Priester, dass er nach einer vertieften Selbstaufgabe
strebt, so dass er mit dem Apostel sagen kann: „Nicht mehr ich
lebe, sondern Christus lebt in mir". Der Priester darf sich
nicht als „Herr" des Wortes ansehen, sondern als dessen Diener.
Er ist nicht im Besitz des Wortes, sondern er ist, wie der
heilige Johannes der Täufer predigte, dessen Geburtsfest wir
gerade heute feiern, „Stimme" des Wortes: „Eine Stimme ruft in
der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!" (Mk
1,3).
Nun stellt für den
Priester das „Stimme-für-das-Wort-Sein" keinen rein funktionalen
Aspekt dar. Es setzt im Gegenteil ein wesentliches „Sich-Verlieren"
in Christus voraus, indem er an seinem Geheimnis des Todes und
der Auferstehung mit seinem ganzen Ich teilnimmt: mit Vernunft,
Freiheit, Wille und dem Opfer seines Leibes als lebendigem Opfer
(vgl. Röm 12,1-2). Allein die Teilhabe am Opfer Christi, an
seiner „kenosis", macht die Verkündigung echt! Und dies ist der
Weg, den er mit Christus gehen muss, um zum Vater zusammen mit
ihm sagen zu können: „Nicht, was ich will, sondern was du
willst" soll geschehen (Mk 14,36). Die Verkündigung bringt also
immer auch das Opfer seiner selbst mit sich, was die Bedingung
für die Echtheit und Wirksamkeit der Verkündigung ist.
„Alter Christus" -
ein zweiter Christus: Der Priester ist zutiefst mit dem Wort des
Vaters verbunden, das durch seine Fleischwerdung die Gestalt des
Dieners angenommen hat, Diener geworden ist (vgl. Phil 2,5-11).
Der Priester ist Diener Christi, dies in dem Sinn, dass sein
ontologisch Christus gleichgestaltetes Dasein einen wesentlich
relationalen Charakter annimmt: Er ist in Christus, für Christus
und mit Christus im Dienst an den Menschen. Gerade weil er
Christus gehört, steht der Priester radikal im Dienst an den
Menschen: Er ist Diener ihres Heiles, ihres Glücks, ihrer echten
Befreiung, wobei er in dieser fortschreitenden Annahme des
Willens Christi im Gebet, im „Herz-an-Herz-Stehen" mit ihm
reift. Das also ist die unverzichtbare Bedingung einer jeden
Verkündigung, die die Teilhabe am sakramentalen Opfer der
Eucharistie und den fügsamen Gehorsam gegenüber der Kirche mit
sich bringt.
Der heilige
Pfarrer von Ars wiederholte oft mit Tränen in den Augen: „Wie
beängstigend ist es, Priester zu sein!" Und er fügte hinzu: „Wie
sehr ist doch ein Priester zu bemitleiden, der die Messe als
etwas Gewöhnliches feiert! Wie unglücklich ist ein Priester ohne
inneres Leben!" Möge das Priesterjahr alle Priester dazu führen,
sich ganz mit dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus zu
identifizieren, auf dass sie in Nachahmung des heiligen Johannes
des Täufers bereit sind, „weniger zu werden", damit er wachse;
auf dass sie in der Nachahmung des Beispiels des Pfarrers von
Ars immer und auch intensiv die Verantwortung ihrer Sendung
wahrnehmen, die Zeichen und Gegenwart der unendlichen
Barmherzigkeit Gottes ist. Empfehlen wir der Gottesmutter,
Mutter der Kirche, das soeben begonnene Priesterjahr und alle
Priester auf der Welt an.
(Quelle:
ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals v. 25.06.09; ©
Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana) |
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Folgende Predigt
hat S.H. Papst Benedikt XVI. am 19. Juni 2009 beim
Vespergottesdienst zur feierlichen Eröffnung des Priesterjahres
im Petersdom gehalten.
»Sich ganz von
Christus vereinnahmen lassen! Das war die Absicht des ganzen
Lebens des heiligen Paulus, auf den wir während des
Paulusjahres, das sich nunmehr seinem Ende zuneigt, unsere
Aufmerksamkeit gerichtet haben; das war die Absicht des ganzen
Dienstes des heiligen Pfarrers von Ars, den wir während des
Priesterjahres besonders anrufen werden; das möge auch das
Hauptziel eines jeden von uns sein.«
Liebe Brüder und Schwestern!
In der Antiphon zum
Magnifikat werden wir gleich singen: „Der Herr hat uns in
sein Herz aufgenommen - Suscepit nos Dominus in sinum et cor
suum". Im Alten Testament ist 26 Mal vom Herzen Gottes die
Rede, das als Organ seines Willens verstanden wird: nach dem
Herzen Gottes wird der Mensch beurteilt. Aufgrund der
Schmerzen, die Sein Herz wegen der Sünden der Menschen
empfindet, schickt Gott die Sintflut, doch dann rührt ihn
die Schwäche des Menschen und er verzeiht ihm. Es gibt dann
einen alttestamentarischen Abschnitt, in dem das Thema des
Herzens Gottes in ganz deutlicher Weise Ausdruck findet: im
Kapitel 11 des Buches des Propheten Hosea, wo die ersten
Verse die Dimension der Liebe beschreiben, mit der sich der
Herr zu Beginn seiner Geschichte an Israel gewandt hat: „Als
Israel jung war, gewann ich ihn lieb, ich rief meinen Sohn
aus Ägypten" (V. 1). In Wirklichkeit antwortet Israel mit
Gleichgültigkeit und sogar mit Undankbarkeit auf die
unermüdliche Liebe Gottes. „Je mehr ich sie rief - ist der
Herr gezwungen festzustellen - desto mehr liefen sie von mir
weg" (V. 2). Dennoch überlässt Er Israel nie den Händen der
Feinde, denn, so bemerkt der Schöpfer des Universums: „Mein
Herz wendet sich gegen mich, mein Mitleid lodert auf" (V.
8).
Das Herz Gottes lodert vor Mitleid! Am heutigen Fest des
Heiligsten Herzens Jesu lädt die Kirche uns dazu ein, über
dieses Geheimnis nachzudenken, das Geheimnis des Herzens
eines Gottes, der Mitleid empfindet und seine ganze Liebe
über die Menschheit ausgießt. Eine geheimnisvolle Liebe, die
uns in den Texten des Neuen Testaments als unermessliche
Leidenschaft Gottes für den Menschen offenbart wird. Er gibt
weder angesichts der Gleichgültigkeit noch angesichts der
Ablehnung des Volkes auf, das er sich erwählt hat; vielmehr
sendet er aus unendlicher Barmherzigkeit seinen eingeborenen
Sohn in die Welt, damit er das Schicksal der zerstörten
Liebe auf sich nehme; damit er durch den Sieg über die Macht
des Bösen und des Todes den Menschen, die zu Sklaven der
Sünde geworden sind, die Würde der Kindschaft wiedergeben
könne. All dies hat einen hohen Preis: der eingeborene Sohn
des Vaters opfert sich am Kreuz: „Da er die Seinen, die in
der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur
Vollendung" (Joh 13, 1). Zeichen dieser Liebe, die über den
Tod hinausgeht, ist seine von einer Lanze durchbohrte Seite.
Dazu berichtet der Apostel Johannes als Augenzeuge: „Einer
der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und
sogleich floss Blut und Wasser heraus" (Joh 19, 34).
Liebe Brüder und Schwestern, danke, dass Ihr in
Erwiderung auf meine Einladung zahlreich zu dieser Feier
gekommen seid, mit der wir das Priesterjahr beginnen. Ich
grüße die Kardinäle und die Bischöfe, vor allem den
Kardinalpräfekten und den Sekretär der Kongregation für den
Klerus mit ihren Mitarbeitern, sowie den Bischof von Ars.
Ich grüße die Priester und Seminaristen der verschiedenen
Seminare und Kollegien Roms, die Ordensmänner und
Ordensfrauen sowie alle Gläubigen. Einen besonderen Gruß
richte ich an Seine Seligkeit Ignace Youssef Younan, den
Patriarchen von Antiochien der Syrer, der nach Rom gekommen
ist, um mit mir zusammenzutreffen und öffentlich die
„ecclesiastica communio" zum Ausdruck zu bringen, die ich
ihm gewährt habe.
Liebe Brüder und Schwestern, halten wir gemeinsam inne,
um das durchbohrte Herz des Gekreuzigten zu betrachten. Wir
haben es gerade in der kurzen Lesung aus dem Brief des
heiligen Paulus an die Epheser noch einmal gehört: „Gott
aber, der voll Erbarmen ist, hat uns, die wir infolge
unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe, mit der er
uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig
gemacht. ... Er hat uns mit Christus Jesus auferweckt und
uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben" (Eph 2,
4-6). Im Herzen Jesu kommt der wesentliche Kern des
Christentums zum Ausdruck; in Christus ist uns die ganze
revolutionäre Neuheit des Evangeliums offenbart und
geschenkt worden: die Liebe, die uns erlöst und uns bereits
in der Ewigkeit Gottes leben lässt. Der Evangelist Johannes
schreibt: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er
seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt,
nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat" (3, 16).
Sein göttliches Herz ruft also unser Herz; es lädt uns dazu
ein, aus uns selbst hinauszugehen, unsere menschlichen
Sicherheiten aufzugeben, um uns Ihm anzuvertrauen und uns
selbst, seinem Beispiel folgend, in vorbehaltloser Liebe zu
verschenken.
Wenn sich auch die Einladung Jesu „in seiner Liebe zu
bleiben" (vgl. Joh 15, 9) an jeden Getauften richtet, so
erklingt diese Einladung am Fest des Heiligsten Herzens
Jesu, dem Tag der Heiligung der Priester, mit größerer Kraft
für uns Priester, vor allem heute Abend, dem feierlichen
Beginn des Priesterjahres, das ich aus Anlass des
einhundertfünfzigsten Todestages des Pfarrers von Ars
ausgerufen habe. Mir kommt gleich eine schöne und
ergreifende Aussage von ihm in den Sinn, die im Katechismus
der Katholischen Kirche wiedergegeben wird: „Das Priestertum
ist die Liebe des Herzens Jesu" (Nr. 1589). Wie sollte man
sich nicht voller Bewegung in Erinnerung rufen, dass
unmittelbar aus diesem Herzen das Geschenk unseres
priesterlichen Dienstes hervorgegangen ist? Wie könnte man
vergessen, dass wir Priester geweiht sind, um demütig und
glaubwürdig dem allgemeinen Priesteramt der Gläubigen zu
dienen? Unsere Sendung ist unerlässlich für die Kirche und
für die Welt, und verlangt vollkommene Treue zu Christus
sowie die unablässige Verbindung zu Ihm; sie erfordert also,
dass wir, so wie der heilige Johannes Maria Vianney,
beständig nach Heiligkeit streben. In dem Brief, den ich aus
Anlass dieses besonderen Jubeljahres an Euch, liebe Brüder
im Priesteramt, gerichtet habe, wollte ich unter Verweis auf
das Beispiel und die Lehre des heiligen Pfarrers von Ars,
des Vorbilds und Schutzpatrons aller Priester und vor allem
der Gemeindepfarrer, einige charakteristische Aspekte
unseres Amtes herausstellen. Möge mein Schreiben Euch eine
Hilfe und eine Ermutigung sein, dieses Jahr zu einer guten
Gelegenheit werden zu lassen, um in der Vertrautheit zu
Jesus zu wachsen, der auf uns, seine Diener, zählt, um sein
Reich zu verbreiten und zu festigen. Daher habe ich meinen
Brief mit den Worten beendet: „Nach dem Beispiel des
heiligen Pfarrers von Ars lasst euch von ihm vereinnahmen,
dann seid in der Welt von heute auch ihr Boten der Hoffnung,
der Versöhnung und des Friedens."
Sich ganz von Christus vereinnahmen lassen! Das war die
Absicht des ganzen Lebens des heiligen Paulus, auf den wir
während des Paulusjahres, das sich nunmehr seinem Ende
zuneigt, unsere Aufmerksamkeit gerichtet haben; das war die
Absicht des ganzen Dienstes des heiligen Pfarrers von Ars,
den wir während des Priesterjahres besonders anrufen werden;
das möge auch das Hauptziel eines jeden von uns sein. Um
Diener des Evangeliums zu sein, ist das Studium mit einer
sorgfältigen und permanenten pastoralen Ausbildung gewiss
nützlich, doch noch notwendiger ist jene „Wissenschaft der
Liebe", die sich nur „von Herz zu Herz" mit Christus
erfahren lässt. Ist Er es doch, der uns ruft, um das Brot
seiner Liebe zu brechen, um die Sünden zu vergeben und um
die Herde in seinem Namen zu führen. Gerade deswegen dürfen
wir uns niemals von der Quelle der Liebe entfernen, von
Seinem am Kreuz durchbohrten Herzen.
Nur so werden wir in der Lage sein, wirksam am
geheimnisvollen „Plan des Vaters" mitzuwirken, der darin
besteht, „Christus zum Herzen der Welt zu machen"! Ein Plan
der sich in der Geschichte verwirklicht, indem Christus
allmählich das „Herz" der menschlichen Herzen wird,
angefangen bei denen, die dazu berufen sind, ihm näher zu
stehen: den Priestern. An diese ständige Verpflichtung
erinnern uns unsere „priesterlichen Versprechen", die wir am
Tag unserer Weihe abgelegt haben und die wir jedes Jahr in
der Chrisammesse am Gründonnerstag erneuern. Sogar unsere
Mängel, unsere Grenzen und unsere Schwachheiten müssen uns
zum Herzen Jesu zurückführen. Wenn die Sünder, indem sie Ihn
betrachten, von Ihm den notwendigen „Schmerz über die Sünde"
lernen müssen, der sie zum Vater zurückführt, so gilt dies
um so mehr für die Priester. Wie könnte man in dieser
Hinsicht vergessen, dass nichts den Leib Christi, die
Kirche, so sehr leiden lässt, wie die Sünden ihrer Hirten,
vor allem derjenigen, die sich in „Schafsdiebe" verwandeln
(vgl. Joh 10, 1ff.), entweder weil sie diese mit ihrer
privaten Lehre vom Weg abbringen, oder weil sie sie mit
Schlingen der Sünde und des Todes einengen? Auch für uns,
liebe Priester, gilt der Ruf zur Umkehr und zur Anrufung der
göttlichen Barmherzigkeit, und gleichermaßen müssen wir
eindringlich und unablässig voller Demut die Bitte an das
Herz Jesu richten, uns vor der schrecklichen Gefahr zu
bewahren, denjenigen zu schaden, zu deren Rettung wir
verpflichtet sind.
Gerade habe ich in der Chorkapelle die Reliquie des
heiligen Pfarrers von Ars verehren können: sein Herz. Ein
Herz, das von göttlicher Liebe entzündet war, das vom
Gedanken an die Würde des Priesters ergriffen war und mit
bewegenden und erhabenen Tönen zu den Gläubigen sprach und
sagte: „Nach Gott ist der Priester alles! ... Erst im Himmel
wird er sich selbst recht verstehen" (Schreiben zum Beginn
des Priesterjahres).
Wir wollen, liebe Brüder, dieselbe Ergriffenheit pflegen,
sowohl um unser Amt mit Großherzigkeit und Hingabe
auszuüben, als auch um in der Seele eine wirkliche
„Gottesfurcht" zu bewahren: die Furcht, die uns anvertrauten
Seelen durch unsere Nachlässigkeit oder unsere Schuld um so
viel Gutes zu bringen oder ihnen - Gott bewahre! - Schaden
zuzufügen. Die Kirche bedarf heiliger Priester; Amtsträger,
die den Gläubigen helfen, die barmherzige Liebe des Herrn zu
erfahren und überzeugtes Zeugnis von ihr ablegen. In der
eucharistischen Anbetung, die der Vesperfeier folgen wird,
werden wir den Herrn bitten, das Herz jedes Priesters mit
jener „pastoralen Liebe" zu entzünden, die sein persönliches
„Ich" dem des Priesters Jesus anzugleichen vermag, so dass
sie Ihm in der vollkommenen Selbsthingabe nachfolgen können.
Möge die Jungfrau Maria, deren Unbeflecktes Herz wir morgen
mit lebendigem Glauben betrachten werden, uns diese Gnade
erwirken. Sie hat der heilige Pfarrer von Ars mit kindlicher
Ergebenheit verehrt, so dass er bereits im Jahr 1836, vor
der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis,
seine Pfarrei der, „ohne Sünde empfangenen" Maria geweiht
hatte. Er behielt die Gewohnheit bei, die Pfarrei häufig der
Heiligen Jungfrau anzuempfehlen und lehrte die Gläubigen,
sie bräuchten sich „nur an sie zu wenden, um erhört zu
werden", aus dem einfachen Grund, dass „sie uns vor allem
glücklich sehen will". Möge die Heilige Jungfrau, unsere
Mutter, uns durch das Priesterjahr begleiten, das wir heute
beginnen, damit wir sichere und erleuchtete Führer für die
Gläubigen sein können, die der Herr unserer pastoralen Sorge
anvertraut. Amen!
(Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller; Die Tagespost vom 16.
Juni 2009) |
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Dies ist die
Ansprache, die S.H. Papst Benedikt XVI. am 16. März, also einen
Tag vor seiner Abreise nach Afrika, beim Empfang der Mitglieder
der diesjährigen Vollversammlung der Kongregation für den Klerus
gehalten hat.
Der Heilige
Vater kündigte bei dieser Gelegenheit ein besonderes „Jahr des
Priesters" an: Es wird im Zeichen des Mottos „Treue zu Christus,
Treue des Priesters" stehen und mit der Feier der Vesper am 19.
Juni eingeläutet werden, am Hochfest des Allerheiligsten Herzens
Jesu, an dem traditionell auch der Welttag der Heiligung der
Priester begangen wird. Anlass ist der 150. Todestag des
heiligen Pfarrers von Ars Jean-Baptiste Marie Vianney (*
8. Mai 1786 in Dardilly,; † 4. August 1859 in Ars-sur-Formans).
Papst Pius XI. hatte den beliebten Beichtvater am 31. Mai 1925
heilig gesprochen.
Meine Herren
Kardinäle,
Verehrte Mitbrüder im Bischofs- und im Priesteramt!
Ich freue mich,
Euch am Vorabend meiner Abreise nach Afrika – wohin ich mich
begeben werde, um das „Instrumentum laboris“ der Zweiten
Sonderversammlung der Synode für Afrika zu überreichen, die im
kommenden Oktober hier in Rom stattfinden wird – zu einer
besonderen Audienz zu empfangen. Ich danke dem Präfekten der
Kongregation, Kardinal Claudio Hummes, für die freundlichen
Worte, mit denen er die Gefühle von Euch allen zum Ausdruck
gebracht hat, und ich danke für den schönen Brief, den Ihr mir
geschrieben habt. Neben dem Präfekten begrüße ich Euch alle, die
Oberen, die Offiziale und die Mitglieder der Kongregation,
voller Dankbarkeit für die Arbeit, die Ihr im Dienst eines so
wichtigen Bereichs des kirchlichen Lebens leistet.
Das Thema, das
Ihr für diese Vollversammlung ausgewählt habt „Die
missionarische Identität des Priesters in der Kirche als
intrinsische Dimension der Ausübung der ,tria munera‘“ –
gestattet einige Überlegungen für die Arbeit dieser Tage und für
die reiche Frucht, die sie gewiss bringen wird. Auch wenn die
ganze Kirche missionarisch ist und jeder Christ kraft der Taufe
und der Firmung „quasi ex officio“ (vgl. CCC, 1305) das Mandat
empfängt, öffentlich den Glauben zu bekennen, unterscheidet sich
das Amtspriestertum unter diesem Gesichtspunkt ontologisch – und
nicht nur graduell – vom Priestertum durch die Taufe, das auch
als allgemeines Priestertum bezeichnet wird. So ist für ersteres
das apostolische Mandat konstitutiv: „Geht hinaus in die ganze
Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,
15). Wie wir wissen, ist dieses Mandat nicht einfach ein
Auftrag, der Mitarbeitern anvertraut wird; seine Wurzeln gehen
weiter zurück und müssen in größerer Tiefe gesucht werden.
Die
missionarische Dimension des Priesters entsteht aus seinem
sakramentalen Ähnlichwerden mit Christus, dem Haupt: das hat
eine innere und totale Verbundenheit mit dem zur Folge, was die
kirchliche Tradition als die „apostolica vivendi forma“ bestimmt
hat. Sie besteht in der Teilnahme an einem geistlich intensiven
„neuen Leben“, an jenem „neuen Lebensstil“, der vom Herrn Jesus
eingesetzt wurde und den die Apostel sich zu eigen gemacht
haben. Durch die Handauflegung des Bischofs und das Weihegebet
der Kirche werden die Kandidaten neue Menschen, sie werden
„Priester“. In diesem Licht wird deutlich, dass die „tria munera“
zunächst ein Geschenk und erst in der Folge ein Amt sind, dass
sie zunächst die Teilhabe an einem Leben und daher eine „potestas“
sind. Gewiss, die große kirchliche Tradition hat zu Recht die
sakramentale Wirksamkeit von der konkreten Lebenssituation des
einzelnen Priesters gelöst, und so sind die berechtigten
Erwartungen der Gläubigen angemessen geschützt. Doch diese
korrekte lehramtliche Präzisierung befreit in keiner Weise von
dem notwendigen, ja unerlässlichen Streben nach moralischer
Vollkommenheit, die jedem wirklich priesterlichen Herzen
innewohnen muss.
Gerade um
dieses Streben der Priester nach geistlicher Vollkommenheit zu
fördern, von der vor allem die Wirksamkeit ihres Amtes abhängt,
habe ich beschlossen, ein besonderes „Priesterjahr“ auszurufen,
das vom kommenden 19. Juni bis zum 19. Juni 2010 dauern wird. Es
jährt sich schließlich der 150. Todestag des heilige Pfarrers
von Ars, Jean-Baptiste-Marie Vianney, eines wahren Vorbilds für
einen Hirten im Dienste der Herde Christi. Es wird Eurer
Kongregation obliegen, in Übereinkunft mit den Diözesanbischöfen
und den Oberen der Ordensinstitute die verschiedenen geistlichen
und pastoralen Initiativen zu fördern und zu koordinieren, die
nützlich erscheinen, um die Bedeutung der Rolle und der Sendung
des Priesters in der Kirche und in der zeitgenössischen
Gesellschaft immer deutlicher wahrnehmbar werden zu lassen.
Die Mission des
Priesters findet, wie das Thema der Vollversammlung
herausstellt, „in der Kirche“ statt. Eine solche kirchliche,
gemeinschaftliche, hierarchische und lehramtliche Dimension ist
absolut unerlässlich für jede wirkliche Mission, und nur sie
garantiert ihre geistliche Wirksamkeit. Die vier erwähnten
Aspekte müssen immer als zutiefst miteinander verbunden
betrachtet werden: die Mission ist „kirchlich“, weil niemand
sich selbst verkündet oder bringt, sondern innerhalb und durch
seine Menschheit muss jeder Priester sich klar bewusst sein, der
Welt einen Anderen, der Welt Gott selbst zu bringen. Gott ist
alles in allem der einzige Reichtum, den die Menschen in einem
Priester zu finden wünschen. Die Mission ist „gemeinschaftlich“,
weil sie in einer Einheit und Gemeinschaft stattfindet, die erst
in zweiter Linie auch wichtige Aspekte sozialer Sichtbarkeit
umfasst. Diese ihrerseits entspringen im wesentlichen jener
göttlichen Nähe, mit der Erfahrung zu haben der Priester
aufgerufen ist, um demütig und vertrauensvoll die ihm
anvertrauten Seelen zu ebendieser Begegnung mit dem Herrn führen
zu können. Schließlich empfehlen die Dimensionen „hierarchisch“
und „lehramtlich“ auf die Bedeutung der kirchlichen Disziplin
(der Begriff hängt mit „discipulus“, „Schüler“, zusammen) und
der ursprünglichen und permanenten lehramtlichen und nicht nur
theologischen Ausbildung hinzuweisen.
Das Bewusstsein
der radikalen gesellschaftlichen Veränderungen während der
letzten Jahrzehnte muss die besten kirchlichen Kräfte dazu
bewegen, sich um die Ausbildung der Kandidaten für das Amt zu
kümmern. Vor allem muss es die konstante Fürsorge der Hirten
ihren ersten Mitarbeitern gegenüber anspornen – sowohl durch die
Pflege wirklich väterlicher menschlicher Beziehungen, als auch
durch die Sorge um ihre ständige Weiterbildung, vor allem unter
lehramtlichem und geistlichem Gesichtspunkt. Die Mission hat
ihre Wurzeln in besonderer Weise in einer guten Ausbildung, die
in der ununterbrochenen Gemeinschaft mit der kirchlichen
Tradition – ohne Zäsuren oder der Versuchung zur Diskontinuität
– entwickelt wurde. In diesem Sinne ist es wichtig, in den
Priestern, vor allem der jungen Generationen, eine korrekte
Rezeption der Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils zu
fördern, die im Lichte des gesamten lehramtlichen Schatzes der
Kirche ausgelegt werden müssen. Dringend erscheint auch das
Wiedererlangen jenes Bewusstseins geboten, das die Priester dazu
drängt – sei es durch die Urteilskraft im Glauben, sei es durch
die persönlichen Tugenden oder sei es auch durch die Kleidung –
in den kulturellen und karitativen Bereichen, die seit jeher den
Kern der kirchlichen Mission bilden, präsent, identifizierbar
und erkennbar zu sein.
Als Kirche und
als Priester verkünden wir Jesus von Nazareth, den Herrn und
Christus, gekreuzigt und auferstanden, Herrscher über die Zeit
und die Geschichte, in der frohen Gewissheit, dass diese
Wahrheit mit den tiefsten Erwartungen des menschlichen Herzens
übereinstimmt. Im Geheimnis der Fleischwerdung des Wortes, in
der Tatsache also, dass Gott Mensch geworden ist wie wir, findet
sich sowohl der Inhalt als auch die Methode der christlichen
Verkündigung. Die Mission hat hier ihr wirkliches
Antriebszentrum: in Jesus Christus eben. Die Zentralität Christi
bringt die richtige Bewertung des Priesteramts mit sich, ohne
das es weder die Eucharistie, noch die Mission, noch die Kirche
selbst gäbe. In diesem Sinne ist darauf zu achten, dass die
„neuen Strukturen“ und pastoralen Organisationen nicht für eine
Zeit gedacht werden, in der man möglicherweise auf das Weiheamt
„verzichten“ müsste, und dass man dabei nicht von einer falschen
Interpretation der richtigen Förderung der Laien ausgeht, da in
diesem Fall die Voraussetzungen für eine weitere Verwässerung
des Amtspriestertums geschaffen würden und die möglichen
angeblichen „Lösungen“ so auf dramatische Weise mit den
wirklichen Ursachen der zeitgenössischen Problematiken, die mit
dem Amt verbunden sind, zusammenfallen würden.
Ich bin gewiss,
dass in diesen Tagen die Arbeit der Vollversammlung unter dem
Schutz der „Mater Ecclesiae“ diese kurzen Anregungen vertiefen
können wird, die ich mir erlaube, der Aufmerksamkeit der Herren
Kardinäle und der Erzbischöfe und Bischöfe zu unterbreiten,
wobei ich auf alle die reiche Fülle der himmlischen Gaben
herabrufe, als deren Zeichen ich Euch und allen Menschen, die
Euch teuer sind, von Herzen meinen besonderen Apostolischen
Segen erteile.
(Quelle: Die
Tagespost vom 19. März 2009) |
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