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»Treue in Christus, Treue des Priesters«
Jahr des Priesters ~ 19. Juni 2009 bis 11. Juni 2010

 

Der heilige Pfarrer von Ars
Jean-Baptiste Marie Vianney

 

 

Jean Marie Baptiste Vianney, »Pfarrer von Ars«, katholischer Geistlicher, Heiliger, * 8.5. 1776 in Dardilly (Dept. Rhône), † 4.8. 1859 in Ars-enDombes (Dept. Ain).

V., viertes von sechs Kindern des Matthieu Vianney und der Marie Beluse († 8.2. 1811), wuchs in bäuerlich ärmlichen Verhältnissen auf; auf den Großvater V.s ging die häusliche praxis caritatis zurück, die über die Revolutionswirren anhielt. Schon als Kind soll sich V. zur Marienfrömmgikeit hingezogen gefühlt haben, doch erst neunzehnjährig darf V. seiner Neigung, Priester zu werden, nachgehen und die Pfarrschule von Abbé Balley († 17.12. 1817) in Écully besuchen. Unklar ist, ob V. sich dem Militärdienst durch Desertion entzogen hat; zumindest verbringt er das Jahr 1810 in Les Noës als Dorfschullehrer. 1811 bezieht V. zunächst das Seminar in Verrières, ab Oktober 1813 das Seminar von Saint-Irénée. Seine Lernerfolge sind eher mäßig; V. hat große Schwierigkeiten mit der lateinischen Sprache, doch dank der Förderung und Hilfe Balleys besteht V. die Examina und empfängt am 2.7. 1814 in Lyon die Subdiakonats-, am 23.6. 1815 dann, nach nochmaligem Seminarbesuch, die Diakonatsweihe.

Am 13.8. schließlich wurde V. in Grenoble zum Priester geweiht und Balley in Écully adjungiert. Am 9.2. 1818 traf auf der burgundischen Pfarrstelle Ars-en-Dombes bei Trévoux, einer 240-Seelen-Gemeinde, ein, wo er in freiwilliger Armut, Flagellation und asketischer Nahrungsaufnahme lebt. V.s pastorales Anliegen, das ihn schon früh zum Priesteramt bewog, ist die Seelenrettung in sittenarmer Zeit und in einer sündigen Welt und ihre Hinführung zur Liebe Gottes durch unablässiges Gebet. Bereits 1818 ruft V. die Rosenkranzbruderschaft ins Leben, der später die eucharistische folgt. Zur christlichen Erziehung von Halb- und Vollwaisen gründet V. ein Rettungshaus (La Providence). Gasthäusern und Tanzveranstaltungen steht V. feindlich gegenüber; Beichte, moralischer Predigt, Katechese und Kommunion schreibt V. dagegen zentrale Bedeutung zu.

Seit etwa 1826 wird Ars zum Pilgerort; ab etwa 1830 kommen täglich Hunderte, um den Prediger V. zu hören und bei ihm die Beichte abzulegen, und im Sterbejahr V.s soll der jährliche Pilgerstrom auf 100.000 Menschen angewachsen sein. Überliefert wird, daß V. bis zu vierzehn Stunden täglich im Beichtstuhl saß, daneben aber noch Krankenbesuche machte und Religionsunterricht erteilte. Zahlreiche Speisungs- und Heilungswunder werden V. zugeschrieben, der darüberhinaus auch noch seherische Fähigkeiten besessen haben soll. Mag an diesen Auskünften auch manches hagiographische Topik sein, die in deutlicher Nähe zur Ende der 1840er Jahre einsetzenden wundergläubigen Marienverehrung der weinenden Gottesmutter im savoyardischen La Salette angesiedelt ist, der V. (übrigens ganz im Gegensatz zum Abbé Raymond, der V. zur Entlastung zugeteilt worden war) jedoch deutlich distanziert gegenüberstand, so ist doch unumstritten, daß V. über divinatorische Fähigkeiten verfügte, die ihm intuitiven Zugang zur seelischen Disposition seiner Beichtkinder ermöglichten und ihn als Restaurator des Bußsakraments und der eucharistischen Frömmigkeit prädestinierten.

V., der sich in seinen letzten Lebensjahren den Franziskaner-Tertiariern anschloß und zum Kanonikus ernannt worden war, wurde mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet; seinen rigoros asketischen Lebensgewohnten als eigene Grundbestimmung der Seelsorgefähigkeit entspricht die Überlieferung, daß V. die Auszeichung veräußerte und den Erlös karitativen Aufgaben zuführte.

V., von Pius IX. (s.d.) 1872 für verehrungswürdig erklärt, wurde am 8.9. 1904 im Ergebnis des Ende 1862 eingeleiteten und im März 1865 abgeschlossenen Ordinariatsprozesses selig-, am 31.5. 1925 von Pius X. (s.d.) heiliggesprochen. Auf Anregung von Paul Wernle (s.d.) beschäftigte sicht Eduard Thurneysen (s.d.) mit V.s Biographie; ungleich stärker als im deutschsprachigen Raum ist jedoch V.s Nachleben in der Memorialüberlieferung Frankreichs, das sich von den zahlreichen hagiographischen Publikationen bis hin zum Priesterbild und der literarischen Reflexion von V.s Seelsorgepraxis bei Léon Bloy (11.7. 1846 - 3.11. 1917) und Georges Bernanos (s.d.) sowie dem Schaffen des Filmregisseurs Robert Bresson (* 25.9. 1907) niederschlägt. Bernanos und Bloys repräsentieren dabei wirkungsgeschichtlich das schon zu V.s Lebzeiten konkurrierende Verhältnis von Ars und La Salette als Kristallisationspunkte zweier unterschiedlicher Katholizismustypen in Frankreich nach 1848. - V., 1850 zum Ehrendomherren und 1855 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt, wird als Patron der Weltgeistlichen verehrt; seinen Festtag begeht die römisch-katholische Kirche am 4. August.

(Quelle: BBKL XII, Sp. 1325-1328)

 

 

 

 

 

 

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