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»Treue in Christus,
Treue des Priesters«
Jahr
des Priesters ~ 19. Juni 2009 bis 11. Juni 2010
Katechese
S.H. Papst Benedikt XVI. : »Autorität in der Kirche ist nur als Dienst
am Menschen zu rechtfertigen« (26.05.2010)
Katechese S.H. Papst Benedikt XVI.:
»Der Priester als Mystagoge« (05.05.2010)
Katechese S.H. Papst Benedikt XVI.:
»Der Priester als Lehrer« (14.04.2010)
Brief an die Priester:
»Bedenke, was Du tust, ahme nach, was Du vollziehst, und stelle Dein
Leben unter das Geheimnis des Kreuzes« (27.03.2010)
Brief an die Priester: »Allmächtiger Gott, wir bitten
dich: gib deinen Knechten die priesterliche Würde.« (15.01.2010)
Brief an die
Priester »Der Priester soll ein
Mann des Gebetes sein«
(09.12.2009)
Brief an die
Priester »Versprichst Du mir und
meinen Nachfolgern Ehrfurcht und Gehorsam?«
(18.11.2009)
Brief an die
Priester »Du
hast mich betört, o Herr,
und ich ließ mich betören«
(15.10.2009)
Der Pfarrer von Ars - Leuchtturm für uns
(24.09.2009)
Brief an die Priester »Digne et Sapientier«
(12.09.2009)
Interview »Der Priester und die Herausforderungen
des 21. Jhdts.«
Brief an die Priester »Pie et Fideliter« (15.08.2009)
Brief an die Priester »Die Heiligkeit ist immer
Aktuell« (04.08.2009)
Brief
an die Priester »Jesus sagte: Ich bin nicht gekommen,
um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten (Joh
12,47)« (01.08.2009)
»Es ist unsere
Würde, dass wir zur Herde Gottes gehören!«:
Vortrag von Weihbischof em. Dr. Klaus Dick
Vor dem Tun
kommt das Sein: Zur Identität des Priesters
Brief an die Priester
»Das Jahr des Priesters« (27.05.2009)

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Ein spontaner
Papst Benedikt XVI. referierte in der Generalaudienz vom 26. Mai
2010 über das Herzstück des priesterlichen Dienstes: Mit der
Weihe bekommt der geweihte Mensch Anteil an Christi Vollmacht
oder Autorität, aber kirchliche Autorität sei nur glaubwürdig in
gehorsamer Freundschaft zu Christus. „Die kulturellen,
politischen und geschichtlichen Erfahrungen der jüngsten
Vergangenheit, vor allem die Diktaturen des 20. Jahrhunderts in
Ost- und Westeuropa, haben den Menschen von heute gegenüber dem
Begriff der Autorität misstrauisch werden lassen", so der hl.
Vater. „Die Kirche ist dazu berufen und setzt sich dafür ein,
diese Art von Autorität auszuüben, die Dienst ist, und sie übt
sie nicht aus eigener Vollmacht aus, sondern im Namen Christi,
der vom Vater alle Macht im Himmel und auf der Erde empfangen
hat. (vgl. Mt 28,18)".
Liebe Brüder und
Schwestern!
Das Priesterjahr
geht zu Ende; daher hatte ich in den letzten Katechesen damit
begonnen, über die wesentlichen Aufgaben des Priesters zu
sprechen, das heißt: die Aufgaben der Lehre, der Heiligung und
der Leitung. Ich habe bereits zwei Katechesen gehalten, eine
über den Dienst der Heiligung, dabei vor allem über die
Sakramente, und eine über die Aufgabe der Lehre. Somit bleibt
für heute, über die Sendung des Priesters der Regierung, der
Leitung des ihm anvertrauten Teiles des Volkes Gottes zu
sprechen, dies mit der Vollmacht Christi, nicht mit der eignen.
Wie soll man in der zeitgenössischen Kultur eine derartige
Dimension verstehen, die den Begriff der Vollmacht impliziert
und ihren Ursprung im Auftrag des Herrn hat, seine Herde zu
weiden? Was ist für uns Christen eigentlich Vollmacht? Die
kulturellen, politischen und geschichtlichen Erfahrungen der
jüngsten Vergangenheit, vor allem die Diktaturen des 20.
Jahrhunderts in Ost- und Westeuropa, haben den Menschen von
heute gegenüber dem Begriff der Autorität misstrauisch werden
lassen. Ein Misstrauen, das sich nicht selten darin umsetzt, die
Notwendigkeit der Abschaffung jeder Autorität zu behaupten, die
nicht ausschließlich von den Menschen kommt und ihnen
unterstellt oder von ihnen kontrolliert wird.
Gerade aber der
Blick auf die Regimes, die im vergangenen Jahrhundert Schrecken
und Tod säten, ruft kraftvoll in Erinnerung, dass die Autorität
in jedem Bereich, wenn sie ohne einen Bezug auf die Transzendenz
ausgeübt wird, wenn sie von der höchsten Autorität absieht, die
Gott ist, unweigerlich dabei endet, sich gegen den Menschen zu
richten.
So ist es wichtig
anzuerkennen, dass die menschliche Autorität nie ein Ziel,
sondern immer und allein ein Mittel ist, und dass
notwendigerweise in jedem Zeitalter das Ziel immer die von Gott
mit einer unantastbaren Würde geschaffene Person ist, die dazu
berufen ist, in eine Beziehung mit ihrem Schöpfer zu treten,
sowohl auf dem Weg des Lebens hier auf Erden als auch im ewigen
Leben. Eine derart verstandene Autorität, deren einziger Zweck
darin besteht, dem wahren Wohl der Menschen zu dienen und ein
Durchscheinen des einen höchsten Gutes zu sein, das Gott ist,
ist dem Menschen nicht nur nicht fremd, sondern bildet im
Gegenteil eine wertvolle Hilfe auf dem Weg hin zur vollen
Verwirklichung in Christus, zum Heil.
Die Kirche ist
dazu berufen und setzt sich dafür ein, diese Art von Autorität
auszuüben, die Dienst ist, und sie übt sie nicht aus eigener
Vollmacht aus, sondern im Namen Christi, der vom Vater alle
Macht im Himmel und auf der Erde empfangen hat. (vgl. Mt 28,18).
Durch die Hirten der Kirche nämlich weidet Christus seine Herde:
er ist es, der sie führt, schützt, korrigiert, da er sie
zutiefst liebt.
Doch Jesus, der
Herr, der oberste Hirt unserer Seelen, hat gewollt, dass das
Apostolische Kollegium, heute die Bischöfe in Gemeinschaft mit
dem Nachfolger Petri, und die Priester als deren wertvollste
Mitarbeiter an dieser seiner Sendung Anteil haben, sich um das
Volk Gottes zu kümmern und Erzieher im Glauben zu sein, indem
sie der christlichen Gemeinde Orientierung geben, sie beseelen
und stützen und „dafür sorgen, dass jeder Gläubige im Heiligen
Geist angeleitet wird zur Entfaltung seiner persönlichen
Berufung nach den Grundsätzen des Evangeliums, zu aufrichtiger
und tätiger Liebe und zur Freiheit, zu der Christus uns befreit
hat" (Presbyterorum ordinis, 6). Jeder Hirt ist somit das
Mittel, durch das Christus selbst die Menschen liebt: durch
unseren Dienst, liebe Priesters, durch uns erreicht der Herr die
Seelen, durch uns unterweist, bewahrt und leitet er sie. Der
heilige Augustinus sagt in seinem Kommentar zum
Johannesevangelium: „Es sei ein Erweis der Liebe, die Herde des
Herrn zu weiden" (Tractatus in Iohannis Evangelium 123,5): das
ist oberste Verhaltensnorm der geweihten Diener Gottes, eine
bedingungslose Liebe, wie jene des Guten Hirten, voller Freude,
offen für alle, aufmerksam gegenüber den Nahestehenden und
fürsorglich mit den Fernen (vgl. Augustinus, Ansprache 340,1;
46,15), zart zu den Schwächsten, den Kleinen, den Einfachen, den
Sündern, um die unendliche Barmherzigkeit Gottes mit
ermutigenden Worten der Hoffnung zu offenbaren (vgl. ders.,
Brief 95,1).
Wenngleich diese
seelsorgliche Aufgabe im Sakrament gründet, so ist dennoch ihre
Wirksamkeit nicht vom persönlichen Leben des Priesters
unabhängig. Um ein Hirt nach dem Herzen Gottes zu sein (vgl. Jer
3,15) bedarf es einer tiefen Verwurzelung in der lebendigen
Freundschaft mit Christus, nicht allein der Intelligenz, sondern
auch der Freiheit und des Willens, eines klaren Bewusstseins der
durch die Priesterweihe empfangenen Identität, einer
bedingungslosen Bereitschaft, die einem anvertraute Herde dort
hinzuführen, wohin der Herr will, und nicht in die Richtung, die
dem Anschein nach angemessener oder leichter ist.
Dies erfordert vor
allem die ständige und fortschreitende Bereitschaft es
zuzulassen, dass Christus selbst das priesterliche Dasein der
Priester leitet. Keiner nämlich ist wirklich imstande, die Herde
Christi zu weiden, wenn er nicht einen tiefen und wahren
Gehorsam gegenüber Christus und der Kirche lebt, und die
Fügsamkeit des Volkes gegenüber seiner Priester hängt von der
Fügsamkeit der Priester gegenüber Christus ab; aus diesem Grund
steht an der Basis des pastoralen Dienstes stets die persönliche
und anhaltende Begegnung mit dem Herrn, dessen tiefe Kenntnis,
die Angleichung des eigenen Willens an den Willen Christi.
In den letzten
Jahrzehnten wurde oft das Adjektiv „pastoral" gleichsam im
Gegensatz zum Begriff „hierarchisch" benutzt, wie auch innerhalb
derselben Entgegensetzung die Vorstellung von „Gemeinschaft"
interpretiert worden ist. Das ist vielleicht der Punkt, bei dem
eine kurze Anmerkung zum Wort „Hierarchie" nützlich sein kann,
welches die traditionelle Bezeichnung der sakramentalen
Autoritätsstruktur in der Kirche ist, die entsprechend den drei
Stufen des Weihesakraments geordnet ist: Episkopat,
Priesterschaft und Diakonat. In der öffentlichen Meinung sind
hinsichtlich dieser „hierarchischen" Wirklichkeit das Element
der Unterordnung und das juridische Element vorherrschend; daher
scheint vielen die Vorstellung einer Hierarchie im Gegensatz zur
Flexibilität und Vitalität des pastoralen Sinnes zu stehen und
auch der Demut des Evangeliums zu widersprechen. Doch dies ist
ein schlecht verstandener Sinn von Hierarchie, der in der
Geschichte auch durch Missbrauch der Autorität und
Karrierestreben verursacht worden ist, die, wie gesagt,
Missbräuche sind und nicht dem Sein selbst der „hierarchischen"
Wirklichkeit entstammen. Die allgemeine Meinung lautet, dass
„Hierarchie" immer etwas ist, das an Vorherrschaft gebunden ist
und so nicht dem wahren Sinn der Kirche, der Einheit in der
Liebe zu Christus entspricht. Wie ich aber gesagt habe, ist
diese Interpretation falsch; sie hat ihren Ursprung in innerhalb
der Geschichte aufgetretenen Missbräuchen, aber entspricht nicht
der wahren Bedeutung dessen, was Hierarchie ist. Beginnen wir
mit dem Wort. Es wird im Allgemeinen gesagt, dass die Bedeutung
des Wortes „Hierarchie" „heilige Herrschaft" bedeuten würden,
doch das ist nicht die wahre Bedeutung; sie lautet: „heiliger
Ursprung", das heißt: diese Vollmacht stammt nicht vom Menschen,
sondern hat ihren Ursprung im Heiligen, im Sakrament; sie
unterstellt also die Person der Berufung, dem Geheimnis Christi,
sie macht aus dem Einzelnen einen Diener Christi, und nur
insofern ich Christus diene, kann dieser regieren, leiten, durch
Christus und mit Christus. Wer deshalb in die heilige Ordnung
des Sakraments eintritt, in die „Hierarchie", ist kein Autokrat,
sondern tritt in eine neue Verbindung des Gehorsams zu Christus
ein: Er ist an ihn in Gemeinschaft mit den anderen Gliedern der
heiligen Ordnung, des Priestertums, gebunden. Und auch der Papst
- Bezugspunkt für alle anderen Hirten und die Gemeinschaft der
Kirche - kann nicht tun, was er will; im Gegenteil, der Papst
ist Hüter des Gehorsames zu Christus, zu seinem in der „regula
fidei", im Glaubensbekenntnis der Kirche zusammengefassten Wort,
und er muss im Gehorsam gegenüber Christus und seiner Kirche
vorangehen. Hierarchie schließt also ein dreifaches Band ein:
vor allem das mit Christus und der vom Herrn der Kirche
gegebenen Ordnung; dann das Band mit den anderen Hirten in der
einen Gemeinschaft der Kirche; und schließlich das Band mit den
dem Einzelnen in der Ordnung der Kirche anvertrauten Gläubigen.
So versteht man,
dass Gemeinschaft und Hierarchie einander nicht entgegengesetzt
sind, sondern einander bedingen. Sie sind zusammen eine einzige
Realität (hierarchische Gemeinschaft). Der Hirt ist somit
dadurch Hirt, dass er die Herde leiten und behütet und manchmal
verhindert, dass sie sich zerstreut. Außerhalb einer deutlich
und ausdrücklich übernatürlichen Sicht ist die dem Priester
eigene Aufgabe der Leitung unverständlich. Wenn sie hingegen von
der wahren Liebe zum Heil eines jeden Gläubigen getragen wird,
so ist sie auch in unserer Zeit besonders wertvoll und
notwendig. Wenn das Ziel darin besteht, die Botschaft Christi zu
überbringen und die Menschen zur heilbringenden Begegnung mit
ihm zu führen, damit sie das Leben haben, so gestaltet sich die
Aufgabe der Leitung als ein Dienst, der in einer völligen
Selbstschenkung für die Erbauung der Herde in der Wahrheit und
Heiligkeit gelebt wird, wobei er oft gegen den Strom schwimmt
und in Erinnerung ruft, dass der Größte so werden muss, wie der
Kleinste, und der Leitende wie jener, der dient (vgl. Lumen
gentium 27).
Woraus kann heute
ein Priester die Kraft für die Ausübung seines Dienstes in
voller Treue zu Christus und der Kirche und mit voller Hingabe
an seine Herde schöpfen? Es gib nur eine Antwort: aus Christus,
dem Herrn. Jesu Art des Leitens ist nicht diejenige der
Vorherrschaft, sondern sie ist der bescheidene und liebevolle
Dienst der Fußwaschung, und die Königsherrschaft Christi über
das All ist in kein irdischer Triumph, sondern findet ihren
Höhepunkt am Holz des Kreuzes, das Gericht für die Welt und
Bezugspunkt für die Ausübung der Vollmacht wird, die wahrhaft
Ausdruck der pastoralen Liebe ist.
Die Heiligen, und
unter ihnen der heilige Jean-Marie Vianney, haben mit Liebe und
Hingabe die Aufgabe wahrgenommen, um den ihnen anvertrauten Teil
des Volkes Gottes Sorge zu tragen, und sie haben dabei auch
gezeigt, starke und entschlossene Männer zu sein, mit dem
einzigen Ziel, das wahre Seelenwohl zu fördern, fähig,
persönlich bis zum Martyrium zu bezahlen, um der Wahrheit und
der Gerechtigkeit des Evangeliums treu zu bleiben.
Liebe Priester,
„sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht
aus Zwang, sondern freiwillig [...] seid Vorbilder für die
Herde!" (1 Petr 5,2-3); fürchtet euch also nicht, einen jeden
der Brüder und Schwestern, die euch Christus anvertraut hat, zu
ihm zu führen, in der Gewissheit, dass jedes Wort und jedes
Verhalten, so sie aus dem Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes
hervorgehen, Frucht tragen werden; versteht es, so zu leben,
dass ihr die Vorzüge der Kultur, in der wir eingefügt sind,
schätzt und deren Grenzen anerkennt, in der festen Gewissheit,
dass die Verkündigung des Evangeliums der größte Dienst ist, den
man dem Menschen leisten kann.
Denn es gibt kein
größeres Gut in diesem Leben auf Erden als das, die Menschen zu
Gott zu führen, den Glauben zu erwecken, den Menschen aus der
Trägheit und der Verzweiflung herauszuführen, die Hoffnung zu
geben, dass Gott nahe ist und die persönliche Geschichte und die
Geschichte der Welt leitet: das ist letztendlich der tiefe und
letzte Sinn der Aufgabe der Leitung, die der Herr uns anvertraut
hat. Es geht darum, Christus in den Gläubigen durch jenen
Prozess der Heiligung zu formen, der in der Bekehrung der
Kriterien, der Werteskala, der Haltungen besteht, um es
zuzulassen, dass Christus in jedem Gläubigen lebt. Der heilige
Paulus fasst sein seelsorgliches Wirken so zusammen: „Meine
Kinder, für die ich von neuem Geburtswehen erleide, bis Christus
in euch Gestalt annimmt" (Gal 4,19).
Liebe Brüder und
Schwestern, ich möchte euch einladen, für mich, den Nachfolger
Petri, zu beten, der ich eine spezifische Aufgabe bei der
Leitung der Kirche Christi habe, wie auch für alle eure Bischöfe
und Priester. Betet, dass wir es verstehen, uns aller Schafe der
uns anvertrauten Herde anzunehmen, auch jener verlorenen. An
euch, liebe Priester, richte ich die herzliche Einladung zu den
Abschlussfeierlichkeiten des Priesterjahres am kommenden 9., 10.
und 11. Juni hier in Rom: wir werden über die Umkehr und die
Sendung, über die Gabe des Heiligen Geistes und die Beziehung
zur allerseligsten Maria nachdenken und, getragen vom ganzen
Volk Gottes, unsere Priestergelübde erneuern. Danke!
(ZENIT-Übersetzung
des italienischen Originals; © Copyright 2010 - Libreria
Editrice Vaticana) |
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Papst Benedikt
XVI. skizzierte in der Generalaudienz vom 5. Mai 2010 den
Priester als Mystagogen. Der Priester, so der heilige Vater
"vertritt Christus, den Gesandten des Vaters", er setze durch
das „Wort" und das „Sakrament" dessen Sendung fort, der Ganzheit
von Leib und Seele, von Zeichen und Wort.
Liebe Brüder und
Schwestern!
Am vergangenen Sonntag habe ich bei meinem Pastoralbesuch in
Turin die Freude gehabt, im Gebet vor dem Heiligen Grantuch zu
verweilen und mich auf diese Weise den über zwei Millionen
Pilgern anzuschließen, die es während der feierlichen
Ausstellung dieser Tage betrachten konnten. Jenes heilige Tuch
kann den Glauben nähren und fördern und die christliche
Frömmigkeit stärken, da es dazu drängt, zum Antlitz Christi, zum
Leib des gekreuzigten und auferstandenen Christus zu gehen, das
Ostergeheimnis zu betrachten - die zentrale christliche
Botschaft. Wir, liebe Brüder und Schwestern, sind lebendige
Glieder des auferstandenen, lebendigen und in der Geschichte
wirkenden Leibes Christi (vgl. Röm 12,5), jeder entsprechend
seiner Aufgabe, das heißt mit dem Auftrag, den der Herr uns
anvertrauen wollte.
In dieser Katechese möchte ich heute zu den spezifischen
Aufgaben des Priesters zurückkehren, die der Überlieferung nach
drei sind: lehren, heiligen und leiten. In einer der
vorausgegangenen Katechesen habe ich über die erste dieser drei
Sendungen gesprochen: die Lehre, die Verkündigung der Wahrheit,
die Verkündigung des in Christus offenbarten Gottes, oder - mit
anderen Worten - über die prophetische Aufgabe, den Menschen mit
der Wahrheit in Berührung zu bringen, ihm zu helfen, das
Wesentliche seines Lebens, der Wirklichkeit selbst zu erkennen.
Heute möchte ich mich kurz mit der zweiten Aufgabe beschäftigen,
die dem Priester zu eigen ist: der Dienst, den Menschen zu
heiligen, vor allem durch die Sakramente und den Kult der
Kirche.
Hier müssen wir uns vor allem fragen: Was will das Wort „heilig"
besagen? Die Antwort lautet: „heilig" ist die spezifische
Qualität des Seins Gottes, das heißt absolute Wahrheit, Güte,
Liebe, Schönheit - reines Licht. Einen Menschen heiligen
bedeutet also, ihn mit Gott in Berührung zu bringen, mit diesem
seinem Sein als Licht, Wahrheit und reine Liebe.
Es ist klar, dass diese Berührung den Menschen verwandelt. In
der alten Zeit gab es diese Überzeugung: Keiner kann Gott sehen,
ohne sofort zu sterben. Zu groß ist die Kraft der Wahrheit und
des Lichts! Wenn der Mensch diesen absoluten Strom berührt, so
überlebt er nicht. Anderseits gab es auch die Vorstellung: Ohne
auch nur den geringsten Kontakt mit Gott kann der Mensch nicht
leben. Wahrheit, Güte, Liebe sind Grundbedingungen seines Seins.
Die Frage ist: Wie kann der Mensch jene Berührung mit Gott
finden, die grundlegend ist, ohne von der Größe des göttlichen
Seins überwältigt zu werden? Der Glaube der Kirche sagt uns,
dass Gott diesen Kontakt schafft, der uns Schritt für Schritt in
wahre Ebenbilder Gottes verwandelt.
So sind wir wieder bei der Aufgabe des Priesters angelangt, die
im Heiligen besteht. Kein Mensch kann durch eigene Kraft den
anderen mit Gott in Berührung bringen. Wesentlicher Teil der
Gnade des Priestertums ist das Geschenk, die Aufgabe, diesen
Kontakt herzustellen.
Das verwirklicht sich in der Verkündigung des Wortes Gottes, in
der uns sein Licht entgegenkommt. Es verwirklicht sich in
besonders dichter Weise in den Sakramenten. Das Eintauchen in
das Ostergeheimnis des Todes und der Auferstehung Christi
geschieht in der Taufe, wird durch die Firmung und in der
Versöhnung gestärkt und durch die Eucharistie genährt, dem
Sakrament, das die Kirche als Volk Gottes, Leib Christi, Tempel
des Heiligen Geistes errichtet (vgl. Johannes Paul II.,
Nachsynodales Apostolisches Schreiben „Pastores gregis", 32).
Also ist es Christus selbst, der heilig macht, das heißt er
zieht in die Sphäre Gottes hinein. Doch als Tat seines
unendlichen Erbarmens beruft er einige, um bei ihm zu „bleiben"
(vgl. Mk 3,14) und durch das Sakrament der Weihe trotz aller
menschlichen Armseligkeit an seinem Priestertum teilhaftig,
Diener dieser Heiligung, Spender seiner Geheimnisse, „Brücken"
der Begegnung mit ihm, seiner Vermittlung zwischen Gott und den
Menschen und zwischen den Menschen und Gott zu werden (vgl.
Presbyterorum ordinis, 5).
In den letzten Jahrzehnten hat es Tendenzen gegeben, die darauf
ausgerichtet waren, in der Identität und in der Sendung des
Priesters die Dimension der Verkündigung den Vorrang einnehmen
zu lassen und sie so von jener der Heiligung zu trennen; oft
wurde behauptet, dass es notwendig wäre, eine rein sakramentale
Seelsorge zu überwinden.
Ist es aber möglich, das Priesteramt auf echte Weise auszuüben,
indem man die sakramentale Seelsorge „überwindet"? Was bedeutet
es im eigentlichen Sinne für die Priester, zu evangelisieren,
worin besteht der sogenannte Primat der Verkündigung? Wie die
Evangelien berichten, sagt Jesus, dass die Verkündigung des
Reiches Gottes das Ziel ihrer Sendung ist; diese Verkündung
jedoch besteht nicht nur in einem „Reden", sondern schließt
gleichzeitig sein Handeln ein; die Zeichen, die Wunder, die
Jesus tut, verweisen darauf, dass das Reich als eine
gegenwärtige Wirklichkeit kommt und dass es am Ende mit seiner
Person übereinkommt, mit der Schenkung seiner selbst, wie wir
heute in der Lesung aus dem Evangelium gehört haben.
Und dasselbe gilt für das Weihepriestertum: Er, der Priester,
vertritt Christus, den Gesandten des Vaters, er setzt durch das
„Wort" und das „Sakrament" dessen Sendung fort, in dieser
Ganzheit von Leib und Seele, von Zeichen und Wort. Der heilige
Augustinus sagt in einem Brief an Bischof Honoratus von Thiabe
zu den Priestern: „Sie sollen also die Knechte Christi sein, die
Diener des Wortes und seines Sakraments, wie er geboten und
verheißen hat" (Epist. 228, 2). Es ist notwendig, darüber
nachzudenken, ob die in einigen Fällen gegebene Unterbewertung
der Erfüllung des „munus sanctificandi" nicht vielleicht eine
Schwächung des Glaubens an die Heilswirksamkeit der Sakramente
und schließlich an das aktuelle Wirken Christi und seines
Geistes durch die Kirche in der Welt dargestellt hat.
Wer also rettet die Welt und den Menschen? Die einzige Antwort,
die wir geben können, ist: Jesus von Nazaret, Herr und Messias,
gekreuzigt und auferstanden. Und wo verwirklicht sich das
Geheimnis des Todes und der Auferstehung Christi, die das Heil
bringt? Im Handeln Christi durch die Kirche, besonders im
Sakrament der Eucharistie, das das Erlösungsopfer des Sohnes
Gottes gegenwärtig macht, im Sakrament der Versöhnung, in dem
man vom Tod der Sünde zu neuem Leben zurückkehrt, und in jedem
anderen sakramentalen Handeln der Heiligung (vgl. PO,5).
Es ist also wichtig, eine angemessene Katechese zu fördern, um
den Gläubigen zu helfen, den Wert der Sakramente zu begreifen,
doch ebenso notwendig ist es, nach dem Beispiel des heiligen
Pfarrers von Ars bereit, großherzig und aufmerksam zu sein, wenn
es darum geht, den Brüdern und Schwestern die Schätze der Gnade
zu schenken, die Gott in unsere Hände gelegt hat und über die
wir nicht „Herren" sind, sondern deren Wächter und Verwalter.
Vor allem in dieser unserer Zeit, in der es einerseits den
Anschein hat, dass der Glaube schwächer wird, und andererseits
ein tiefes Bedürfnis und eine verbreitete Suche nach
Spiritualität zutage tritt, ist es notwendig, das sich jeder
Priester in Erinnerung ruft, dass in seiner Sendung die
missionarische Verkündigung und der Kult und die Sakramente nie
getrennt sind, und dass er eine gesunde Sakramentenpastoral
fördern muss, um das Volk Gottes zu bilden und ihm zu helfen, in
Fülle die Liturgie, den Kult der Kirche, die Sakramente als
unentgeltliche Geschenke Gottes zu leben, die freie und wirksame
Taten seines Heilswirkens sind.
In der Chrisam-Messe dieses Jahres habe ich in Erinnerung
gerufen: „Das Zentrum des Gottesdienstes der Kirche ist das
Sakrament. Sakrament bedeutet, dass zuallererst nicht wir
Menschen etwas tun, sondern dass Gott uns im voraus mit seinem
Handeln entgegengeht, uns ansieht und zu sich hinführt. (...
Gott rührt uns an durch materielle Wirklichkeiten (...), die er
in seinen Dienst nimmt, zu Instrumenten der Begegnung zwischen
uns und sich selber macht" (1. April 2010). Die Wahrheit, nach
der im Sakrament „nicht wir Menschen es sind, die etwas tun",
betrifft auch das priesterliche Bewusstsein und muss dieses
betreffen: jeder Priester weiß wohl, dass er ein notwendiges
Instrument im heilbringenden Handeln Gottes ist, aber gleichwohl
immer nur Instrument. Ein derartiges Bewusstsein muss in Achtung
der kanonischen Normen bescheiden und großherzig bei der
Verwaltung der Sakramente machen, doch dies auch in der tiefen
Überzeugung, dass die eigene Sendung darin besteht, es zu
ermöglichen, dass sich alle Menschen vereint mit Christus Gott
als ihm wohlgefällige lebendige und heilige Opfergabe darbringen
können (vgl. Röm 12,1). Ein Beispiel für den Primat des „munus
sanctificandi" und die rechte Interpretation der
Sakramentenpastoral ist erneut der heilige Jean-Marie Vianney,
der eines Tages angesichts eines Menschen, der sagte, keinen
Glauben mehr zu haben und mit ihm diskutieren zu wollen,
antwortete: „Oh! Mein Freund, Ihr habt Euch an den ganz Falschen
gewandt, ich verstehe es nicht, große Reden zu führen... wenn
Ihr aber der Tröstung bedürft, geht dorthin (sein Finger zeigte
auf den unerbittlichen Schemel [des Beichtstuhles]), und glaubt
mir, dass viele andere sich vor Euch dorthin begeben haben und
es nicht bereuen mussten (vgl. Il Curato d'Ars. Vita di
Gian-Battista-Maria Vianney, Bd. I, Turin 1870, 163-164).
Liebe Priester, lebt die Liturgie und den Kult voll Freude und
mit Liebe: es ist dies das Tun, die der Auferstandene in der
Macht des Heiligen Geistes in uns, mit uns und für uns
vollbringt. Ich möchte meine kürzlich gemachte Einladung
erneuern, „in den Beichtstuhl zurückzukehren als den Ort, an dem
man das Sakrament der Versöhnung feiert, aber auch als den Ort,
an dem man öfter ‚wohnt', damit der Gläubige Barmherzigkeit, Rat
und Trost finden, sich von Gott geliebt und verstanden fühlen
und die Gegenwart der göttlichen Barmherzigkeit erfahren kann,
neben der Realpräsenz in der Eucharistie" (Ansprache an die
Apostolische Pönitentiarie, 11. März 2010).
Und ich möchte einen jeden Priester einladen, innig die
Eucharistie zu feiern und zu leben, die im Herzen des Aufgabe
der Heiligung steht; es ist Jesus, der mit uns sein, mit uns
leben, sich selbst schenken, uns die unendliche Barmherzigkeit
und Milde Gottes zeigen will; sie ist das eine Liebesopfer
Christi, das gegenwärtig wird, sich unter uns verwirklicht und
bis zum Thron der Gnade, zur Gegenwart Gottes gelangt, die
Menschheit umfasst und uns mit ihm vereint (vgl. Ansprache an
den Klerus von Rom, 18. Februar 2010). Und der Priester ist dazu
berufen, Diener dieses großen Geheimnisses zu sein, im Sakrament
und im Leben.
Wenn „die lange kirchliche Tradition die Wirkkraft des
Sakraments zu Recht von der konkreten Lebenssituation des
einzelnen Priesters losgelöst (hat) und dadurch die rechtmäßigen
Erwartungen der Gläubigen adäquat geschützt (werden)", so
mindert dies nicht „das notwendige, ja unverzichtbare Streben
nach moralischer Vollkommenheit, das in jedem wirklich
priesterlichen Herzen wohnen muss": es gibt auch ein Beispiel an
Glauben und Zeugnis der Heiligkeit, das sich das Volk Gottes
zurecht von seinen Hirten erwartet (vgl. Ansprache an die
Vollversammlung der Kongregation für den Klerus, 16. März 2009).
Und in der Feier der Heiligen Geheimnisse findet der Priester
die Wurzel seiner Heiligung (vgl. PO, 12-13).
Liebe Freunde, seid euch des großen Geschenks bewusst, das die
Priester für die Kirche und die Welt sind; durch ihren Dienst
fährt der Herr fort, die Menschen zu retten, gegenwärtig zu
werden, zu heiligen. Versteht es, Gott zu danken, und seid euren
Priestern vor allem mit dem Gebet und mit eurer Unterstützung
nahe, besonders in den Schwierigkeiten, damit sie immer mehr
Hirten nach dem Herzen Gottes sind. Danke.
(ZENIT-Übersetzung
des italienischen Originals; © Copyright 2010 - Libreria
Editrice Vaticana) |
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In der
Generalaudienz am Mittwoch, 14. April 2010, hat der hl. Vater
angesichts des gegenwärtigen Erziehungsnotstandes in Rom die
Priester in aller Welt aufgerufen, sich auf ihre Verpflichtung
zur Lehre zu besinnen.
Vor rund 35.000
Pilgern und Besuchern läutete der Papst in einer weitgehend
improvisierten Rede die Schlussetappe des Priesterjahres ein,
das mit großen Feierlichkeiten Mitte Juni seinen Höhepunkt
finden wird.
Liebe Freunde!
In dieser
Osterzeit, die uns zu Pfingsten bringt und uns auch zum Beginn
der Feiern anlässlich des Abschlusses des Priesterjahres
hinführt, die für den kommenden 9. , 10. und 11. Juni geplant
sind, liegt es mir daran, erneut einige Überlegungen dem Thema
des Priesteramtes zu widmen. Ich möchte mich dabei mit der
fruchtbaren Wirklichkeit der Gleichgestaltung des Priesters mit
Christus, als Haupt beschäftigen, die sich in der Ausübung der
von Christus empfangenen „tria munera besteht, das heißt der
drei Aufgaben der Lehre, der Heiligung und der Führung.
Um zu verstehen,
was dies bedeutet, dass ein Priester „in persona Christi Capitis
- in der Person Christi, des Hauptes" handelt, und zu begreifen,
welche Folgen sich aus der Aufgabe ergeben, den Herrn zu
vertreten, muss vor allem geklärt werden, was unter
„Stellvertretung" zu verstehen ist, besonders in der Ausübung
dieser drei Aufgaben.
Ein Priester
vertritt Christus. Was heißt das? Was bedeutet es, jemanden „zu
vertreten"? Im gewöhnlichen Sprachgebrauch heißt dies im
Allgemeinen, von jemandem beauftragt zu werden, um an seiner
Statt anwesend zu sein, an seiner Statt zu sprechen und zu
handeln, während derjenige, der vertreten wird, in der konkreten
Handlung abwesend ist.
Vertritt ein
Priester nun den Herrn auf diese Weise? Die Antwort ist: nein,
da Christus in der Kirche nie abwesend ist. Im Gegenteil,
Christus ist in unseren raumzeitlichen Grenzen in ganz
unabhängiger Weise gegenwärtig. Dies dank der Auferstehung als
ein Ereignis, das wir in dieser Osterzeit besonders bedenken
wollen.
So handelt ein
Priester, der „in persona Christi" stellvertretend für den Herrn
wirkt, nie im Namen eines Abwesenden, sondern „in persona" des
auferstandenen Christus selbst, der durch sein wahrhaft
wirkliches Wirken gegenwärtig ist.
Er handelt
wirklich und verwirklicht das, was ein Priester an sich gar
nicht tun könnte: die Konsekration von Wein und Brot zu
erwirken, damit diese Realpräsenz des Herrn werden und die
Lossprechung von den Sünden.
Der Herr lässt
sein eigenes Wirken in einer Person gegenwärtig werden, die so
handelt. Diese drei Aufgaben des Priesters, von der Tradition in
drei unterschiedlichen Worten für die Sendung des Herrn
ausgedrückt: Lehren, Heiligen und Leiten, sind in ihrer
Unterschiedlichkeit und tiefen Einheit ein besonderer Ausdruck
für diese wirksame Form von Vertretung.
Sie sind in
Wirklichkeit drei Handlsweisen des auferstandenen Christus, der
heute in der Kirche und in der Welt lehrt und so den Glauben
schafft, sein Volk vereint, die Wahrheit gegenwärtig werden
lässt und wirklich die Gemeinschaft der universalen Kirche
schafft; und sie heiligt und führt.
Die erste Aufgabe,
von der ich heute sprechen möchte, ist das „munus docendi", die
Aufgabe der Lehre. Heute, mitten im Erziehungsnotstand, ist das
„munus docendi" der Kirche, als Dienst zum Amt eines jeden
Priesters gehört, von besonderer Wichtigkeit.
Wir leben
hinsichtlich der Grundentscheidungen unseres Lebens,
hinsichtlich der Fragen: Was ist die Welt, woher kommt sie,
wohin gehen wir, was sollen wir tun, um das Gute zu wirken, wie
sollen wir leben, was sind die wirklich bedeutsamen Werte, in
einer großen Verwirrung. Diesbezüglich gibt es viele
widersprüchliche Philosophien, die entstehen und vergehen. Was
beleibt ist eine Verwirrung bezüglich der Grundentscheidungen:
Wie soll man denn leben, wenn wir allgemein nicht mehr wissen,
von was und für was wir geschaffen sind und wohin wir gehen.
In dieser
Situation verwirklicht sich wahrhaft erneut das Wort des Herrn:
„Ich habe Mitleid mit dem Volk, sie sind wie Schafe, die keinen
Hirten haben" (vgl. Mk 6,34). Der Herr kam zu dieser
Feststellung, als er die Tausenden von Menschen sah, die ihm in
die Wüste folgten, da sie in der Unterschiedlichkeit der
Strömungen jener Zeit nicht mehr wussten, was der wahre Sinn der
Schrift ist, was Gott nun zu sagen hatte.
Von Mitleid
bewegt, hat der Herr das Wort Gottes ausgelegt - er selbst ist
das Wort Gottes - und Orientierung gegeben. Das ist die Aufgabe
von „in persona Christi", die dem Priester zu Eigen ist, die
Funktion, in der Verwirrung, in der Orientierungslosigkeit
unserer Zeit das Licht des Wortes Gottes gegenwärtig zu machen:
das Licht, das Christus selbst in dieser unserer Welt ist.
Der Priester lehrt
somit keine eigenen Vorstellungen, keine Philosophie, die er
selbst erfunden oder gefunden hat oder die ihm gefällt; der
Priester spricht nicht „aus sich heraus", er spricht nicht „für
sich", um sich Bewunderer oder eine eigene Anhängerschaft zu
sammeln. Er spricht nicht von eigenen Dingen, von eigenen
Erfindungen, sondern in der Verwirrung aller Philosophien lehrt
der Priester im Namen des gegenwärtigen Christus, er legt die
Wahrheit vor, die Christus selbst ist, sein Wort, seine Art zu
leben, seine Art, voranzugehen.
Für den Priester
gilt, was Christus über sich selbst gesagt hat: „Meine Lehre
stammt nicht von mir" (Joh 7,16); Christus also schlägt nicht
sich selbst vor, sondern er ist als Sohn die Stimme, das Wort
des Vaters. Auch der Priester muss immer so handeln: „Meine
Lehre stammt nicht von mir, ich verbreite nicht meine
Vorstellungen oder was mir gefällt, sondern ich bin Mund und
Herz Christi und lasse diese einzige und gemeinsame Lehre
gegenwärtig werden, die die universale Kirche geschaffen hat und
die ewiges Leben erzeugt".
Diese Tatsache,
dass der Priester keine eigenen Ideen erfindet, schafft und
verkündigt, insofern die Lehre, die er verkündet, nicht von ihm
stammt, sondern von Christus, bedeutet andererseits nicht, dass
er neutral wäre, gleichsam ein Sprecher, der einen Text liest,
den er sich vielleicht nicht zu Eigen macht. Auch in diesem Fall
gilt das Vorbild Christi, der gesagt hat: Ich bin nicht von mir
und ich lebe nicht für mich, sondern ich komme vom Vater und
lebe für den Vater. Daher ist in dieser tiefen Identifizierung
die Lehre Christi die Lehre des Vaters, und er selbst ist eins
mit dem Vater. Der Priester, der das Wort Christi verkündigt,
den Glauben der Kirche und nicht seine eigenen Ansichten, muss
auch sagen: Ich lebe nicht aus mir und für mich, sondern ich
lebe mit Christus und aus Christus, und deshalb wird das, was
Christus uns gesagt hat, mein Wort, auch wenn es nicht meines
ist. Das Leben des Priesters muss sich mit Christus
identifizieren, und auf diese Weise wird das nicht Wort, das
nicht ihm eignet, dennoch ein zutiefst persönliches Wort. Zu
diesem Thema hat der heilige Augustinus über die Priester
gesagt: „Wir Priester - was sind wir? Diener Christi, seine
Knechte; denn was wir an euch austeilen, gehört nicht uns,
sondern wir entnehmen es seinem Vorratsraum. Und auch wir leben
davon, da wir Knechte sind wie ihr" (Rede 229/E,4).
Die Lehre, die ein
Priester gerufen ist anzubieten, die Wahrheiten des Glaubens,
muss verinnerlicht und auf einem intensiven persönlichen
geistlichen Weg gelebt werden, damit ein Priester wirklich in
eine tiefe innere Gemeinschaft mit Christus treten kann. Vor
allem selber das zu leben, was der Herr gelehrt und die Kirche
überliefert hat, glaubt, akzeptiert und sucht ein Priester. Er
tut es auf dem Weg der Identifizierung mit seinem Amt. Dafür ist
der heilige Jean-Marie Vianney ein beispielhafter Zeuge ist
(vgl. Schreiben zur Eröffnung des Priesterjahres). „Vereint in
derselben Liebe - so sagt wieder der heilige Augustinus - sind
wir alle Hörer dessen, der für uns im Himmel der einzige Lehrer
ist" (Enarr. in Ps. 131, 1, 7).
Die Stimme des
Priesters wird folglich nicht selten wie eine „Stimme eines
Rufers in der Wüste" (Mk 1,3) klingen. Gerade darin jedoch
besteht ihr prophetische Kraft: Nicht irgendeiner Kultur oder
vorherrschenden Mentalität angeglichen zu werden oder konform zu
sein, sondern die einzigartige Neuheit zu zeigen, die fähig ist,
eine echte und tiefe Erneuerung des Menschen zu erwirken. Zu
zeigen, dass Christus der Lebendige ist, der nahe Gott, der
Gott, der im Leben und für das Leben der Welt wirkt und uns die
Wahrheit, die Art des Lebens schenkt.
Bei der
aufmerksamen Vorbereitung der Sonntagspredigten, ohne dabei die
werktägliche Predigt auszuschließen, bei der Anstrengung einer
katechetischen Bildung (vor allem der Jugendlichen und der
Erwachsenen), in den Schulen sowie akademischen Einrichtungen
und in besonderer Weise durch jenes ungeschriebene Buch, das
sein Leben ist, ist der Priester immer „Lehrender", er lehrt.
Dies aber nicht mit der Anmaßung eines Menschen, der anderen
eigene Wahrheiten aufdrückt, sondern mit der demütigen und
frohen Gewissheit dessen, der der Wahrheit begegnet ist, von ihr
ergriffen und umgeformt worden ist und deshalb nicht umhin
kommt, sie zu verkündigen.
Das Priestertum
wählt sich niemand selber aus, es ist keine Form, um Sicherheit
im Leben zu haben oder eine soziale Stellung zu erobern: Keiner
kann es sich aus sich heraus leben oder suchen. Das Priestertum
ist Antwort auf den Ruf des Herrn, auf seinen Willen, nicht um
Verkündiger einer persönlichen Wahrheit, sondern seiner Wahrheit
zu werden.
Liebe Mitbrüder im
priesterlichen Dienst, das Christenvolk erwartet von uns, in
unseren Lehren die echte kirchliche Lehre zu hören. Dadurch kann
es die Begegnung mit Christus erneuern, der allein Freude,
Friede und Heil schenken kann. Die Heilige Schrift, die
Schriften der Kirchenväter und der Kirchenlehrer, der
Katechismus der Katholischen Kirche bilden dabei unverzichtbare
Anhaltsspunkte für die Ausübung des „munus docendi", das so
wesentlich für die Umkehr, den Weg des Glaubens und das Heil der
Menschen ist. „Priesterweihe heißt: Eingetauchtwerden (...) in
die Wahrheit" (Predigt in der „Missa Chrismatis",
Gründonnerstag, 9.4.2009), in jene Wahrheit, die nicht einfach
ein Begriff oder eine Ansammlung von Ideen ist, die
weitergegeben und aufgenommen werden soll, sonder die die Person
Christi ist, mit der, für die und in der es zu leben gilt. Und
so entstehen notwendig auch die Aktualität und die
Verständlichkeit der Verkündigung. Nur dieses Bewusstsein einer
in der Fleischwerdung Person gewordenen Wahrheit rechtfertigt
den Auftrag zur Mission: „Geht hinaus in die ganze Welt, und
verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!" (Mk 16,15). Nur wenn
es die Wahrheit ist, ist sie für alle Geschöpfe bestimmt, und so
handelt es sich um keine Aufzwingen von etwas, sondern um die
Öffnung des Herzens zu dem, für das es geschaffen worden ist.
Liebe Brüder und
Schwestern, der Herr hat den Priestern eine große Aufgabe
anvertraut: Verkündiger seines Wortes zu sein, der Wahrheit, die
rettet; seine Stimme in der Welt zu sein, um das, was dem wahren
Wohl der Seelen und dem echten Weg des Glaubens dient, zu
bringen (vgl. 1 Kor 6,12). Der heilige Jean-Marie Vianney möge
für alle Priester ein Beispiel sein. Er war eine Mann großer
Weisheit und heldenhafter Kraft, wenn es darum ging, dem
kulturellen und sozialen Druck seiner Zeit zu widerstehen, um
die Seelen zu Gott führen zu können: Einfachheit, Treue und
Unmittelbarkeit waren die wesentlichen Kennzeichen seiner
Verkündigung, Transparenz seines Glaubens und seiner Heiligkeit.
Das Christenvolk hatte sich daran erbaut und, wie dies für die
echten Lehrer aller Zeiten zutrifft, das Licht der Wahrheit
erkannt. Es erkannte schließlich das, was man immer in einem
Priester erkennen sollte: die Stimme des Guten Hirten.
(ZENIT-Übersetzung
des italienischen Originals; © Copyright 2010 - Libreria
Editrice Vaticana) |
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„Unser
Herr Jesus Christus, den der Vater mit dem Heiligen Geist und
mit Kraft gesalbt hat, sei immer mit Dir bei der Heiligung
seines Volkes und der Darbringung des eucharistischen Opfers“.
„Empfange die Gaben des Volkes Gottes für die Feier des Opfers.
Bedenke, was Du tust, ahme nach, was Du vollziehst, und stelle
Dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes“.
(Pontificale
Romanum. De Ordinatione Episcopi, presbyterorum et diaconorum,
editio typica altera, Typis Polyglottis Vaticanis 1990)
Liebe Mitbrüder im
priesterlichen Dienst!
In diesen
österlichen Tagen erleben wir erneut das Mysterium unserer
Erlösung. Wir setzen Zeichen und verkünden Worte, die die Mitte
unserer priesterlichen Existenz berühren. Am Karfreitag erleben
wir wieder – wie am Tag unserer Weihe – die demütige und
prophetische Geste des Sichhinstreckens am Boden. Wir haben
durch die Feier des Heiligen Triduums die Gelegenheit, die Gaben
der Gnade erneut aufzunehmen und von der göttlichen Vorsehung zu
erflehen, reichlich Frucht für uns und die Rettung der Welt
bringen zu können.
Wie uns die Formel
der Salbung mit Chrisam in Erinnerung ruft, sind wir mit der
Kraft Christi ausgestattet, mit jener Kraft, mit der der Vater
seinen einzigen Sohn im Heiligen Geist gesalbt hat, der uns
gegeben ist mit dem klaren Ziel, sein Volk zu heiligen und das
eucharistische Opfer darzubringen. Jeder andere Gebrauch der
sakramentalen Vollmacht, die wir aus der heiligen Weihe
empfangen haben, ist unrechtmäßig und gefährlich, sei es für
unser persönliches Heil oder das Heil der Kirche.
Gleichsam im
Bewusstsein des totalen Missverhältnisses zwischen der Größe des
Mysteriums und der Kleinheit des Menschen ruft uns der Ritus
nicht zufällig in Erinnerung: „Bedenke, was Du tust“. Nie werden
wir ganz das große Geheimnis ermessen können, das in unsere
Hände gelegt ist. Dennoch sind wir zu beständiger moralischer
Vollkommenheit aufgerufen, um „das Mysterium, das in unsere
Hände gelegt ist“, zu leben, und „Nachahmer Christi“ zu sein.
Dies ist das
außerordentliche und das täglich unverkürzte Neue des
Priestertums: Das Mysterium hat sich unseren Händen anvertraut!
Der Herr der Zeit und der Geschichte, der Schöpfer aller
Kreatur, der Anfang und das Ende, der Urheber des Lebens, lässt
einige seiner armen Geschöpfe teilhaben an seiner erlösenden
Macht, indem er sich selbst, wie ein wehrloses geopfertes Lamm,
völlig in ihre Hände gibt. Diese Totalhingabe gereiche nie zum
Verrat! Sie halte das Bewusstsein wach, im Voraus geliebt worden
zu sein, und motiviere uns, auch und vor allem in der Zeit der
Prüfung unser uneingeschränktes „Ja“ zu wiederholen: ein „Ja“,
das sich der eigenen Grenzen bewusst ist, aber von diesen nicht
blockiert wird; ein „Ja“, frei von jedem
Minderwertigkeitskomplex; ein „Ja“, das sich der Geschichte
bewusst ist, aber sich von ihr nicht einschüchtern lässt; ein
„Ja“, wie jenes der Seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, das
Jahrhunderte überdauert hat, indem es in den Heiligen und im
Heute unseres Lebens Wirklichkeit wird.
Ein Priester, der
sich dessen bewusst ist, was er vollzieht, und Christus ähnlich
wird, besiegt die Welt! Ein solcher Sieg ist ein wahrhafter
„Beweis“ der Auferstehung Christi.
(Schreiben S.Ex.
Titularerzbischof Mauro Piacenza an die Priester, 27. März 2010,
Kleruskongregation Rom) |
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»Allmächtiger
Gott, wir bitten dich: gib deinen Knechten die priesterliche
Würde. Erneuere in ihnen den Geist der Heiligkeit. Gib, o Gott,
dass sie festhalten an dem Amt, das sie aus deiner Hand
empfingen; ihr Leben sei für alle Ansporn und Richtschnur.«
(Pontificale
Romanum. De Ordinatione Episcopi, presbyterorum et diaconorum,
editio typica altera , Typis Polyglottis Vaticanis 1990)
Liebe Mitbrüder im
priesterlichen Amt,
das Weihegebet
erinnert uns in seinem zentralen Abschnitt daran, dass das
Priestertum seinem Wesen nach ein Geschenk ist. Gerade im
Hinblick darauf, dass es eine „übernatürliche Gabe“ verleiht,
bringt es eine Würde mit sich, die sowohl die Gläubigen als auch
der Klerus stets anerkennen sollen. Es handelt sich um eine
Würde, die nicht von Menschen stammt, sondern reine Gnadengabe
ist. Zum Empfang dieser Gabe wird man berufen, niemand hat ein
Recht darauf. Die Würde des vom „Allmächtigen Vater“ verliehenen
priesterlichen Dienstamts muss im Leben der Priester wahrnehmbar
sein: man muss diese an ihrer Heiligkeit erkennen, an ihrer
aufnahmebereiten, demutsvollen und von pastoraler Fürsorge
erfüllten Menschlichkeit, an ihrer lauteren Treue zum Evangelium
und zur Lehre der Kirche, am nüchternen und würdevollen
Charakter der Feier der heiligen Geheimnisse, an ihrer
kirchlichen Kleidung! Alles am Priester soll diesen selbst und
die Welt daran erinnern, dass er eine Gabe empfangen hat, die
ungeschuldet ist, die niemand verdienen kann und die, um des
Heils der Menschen willen, ihn zum Anhaltspunkt der wirksamen
Gegenwart des Absoluten in der Welt macht.
Der Geist der
Heiligkeit, um dessen erneute Aussendung gebeten wird, ist
Garant dafür, dass man die empfangene Berufung „in Heiligkeit“
leben kann. Er ermöglicht und befähigt erst dazu, am „Amt
festzuhalten“ und dieses treu auszuüben.
So stellt sich die
Treue als die wunderbare Begegnung zwischen der Freiheit des
treuen Gottes und der geschaffenen, aber verwundeten, Freiheit
des Menschen dar, der durch die Macht des Geistes auf
sakramentale Weise befähigt wird, mit seinem Leben „für alle
Ansporn und Richtschnur“ zu sein. Diese Aufforderung weist, ganz
entgegen der Tendenz, das Priesteramt auf eine rein moralische
Größe zu reduzieren, auf dessen „Lebensfülle“ hin: ein Leben,
das tatsächlich diesen Namen verdient und im Vollsinne
christlich ist.
Vom Geist des
allmächtigen Vaters gesalbt, ist der Priester dazu berufen durch
die Lehre und die Feier der Sakramente, vor allem aber durch
sein eigenes Lebenszeugnis, „Richtschnur“ für das ihm
anvertraute Volk zu sein und dieses auf dem Weg seiner Heiligung
zu leiten, in der Gewissheit, dass der einzige Zweck des
Priestertums das Paradies ist!
Die Gabe des
Vaters bringt dessen besondere Vorliebe zu seinen
„Priestersöhnen“ mit sich, welche eine portio electa populi Dei
darstellen, die dazu berufen ist „auserwählt zu sein“ und durch
ein heiliges Leben und Glaubenszeugnis hervorzustechen.
Möge die
Erinnerung an die empfangene Gnade, die stets vom Geist erneuert
wird, und der Schutz der Allerseligsten Jungfrau Maria, der Magd
des Herrn und Braut des Geistes, jedem Priester dabei helfen,
die eigene Sendung in der Welt treu zu erfüllen, in Erwartung
des ewigen Siegespreises, der den Söhnen vorbehalten ist, die
nicht nur auserwählt wurden, sondern auch Erben sind!
(Schreiben S.Ex.
Titularerzbischof Mauro Piacenza an die Priester, 15. Jänner 2010,
Kleruskongregation Rom) |
Liebe Priester,
im Leben des Presbyters nimmt das Gebet notwendigerweise einen
zentralen Platz ein. Es ist nicht schwer, das zu begreifen, weil
das Gebet die Vertrautheit des Jüngers mit seinem Meister, Jesus
Christus, pflegt. Wir wissen alle, dass der Glaube schwach wird
und der Dienst an Gehalt und Sinn verliert, wenn dieses
nachlässt. Die spürbare Folge für den Priester wird sein,
weniger Freude und weniger Glück im täglichen Dienst zu
erfahren. Es ist, wie wenn der Priester, der zusammen mit vielen
anderen auf dem Weg der Nachfolge Christi unterwegs ist,
angefangen hat, sich immer mehr zurückzuziehen, und sich so weit
vom Meister entfernt hat, bis er ihn am Horizont aus den Augen
verliert. Dann gerät er in die Verlorenheit und Verwirrung.
Der heilige
Johannes Chrysostomus, hat in einer Homilie, in der er den
Ersten Brief des Apostels Paulus an Timotheus kommentiert, davor
in kluger Weise gewarnt: „Der Teufel wütet gegen den Hirten […].
Wenn er die Schafe tötet, verringert er die Herde, tötet er
hingegen den Hirten, wird er in der Tat die gesamte Herde
vernichten“. Der Kommentar lässt an viele heutige Situationen
denken. Chrysostomus mahnt uns, dass die Verringerung der Hirten
die Zahl der Gläubigen und der Gemeinden immer mehr sinken lässt
und sinken lassen wird. Ohne Hirten werden unsere Gemeinden
zerstört!
Doch hier möchte ich vor allem von der Notwendigkeit des Gebetes
sprechen, damit, wie Chrysostomus sagen würde, die Hirten den
Teufel besiegen und nicht weniger werden. Ohne das essentielle
Brot des Gebetes, erkrankt tatsächlich der Priester, der Jünger
findet nicht die Kraft, dem Meister zu folgen, und so stirbt er
an Nahrungsmangel. Seine Herde wird sich zerstreuen und selbst
sterben.
Jeder Priester hat
ohne Zweifel einen wesentlichen Bezug zur kirchlichen
Gemeinschaft. Er ist ein sehr besonderer Jünger des Herrn, der
ihn gerufen hat, und durch das Sakrament der Weihe nach seinem
Vorbild als Haupt und Hirten der Kirche geprägt hat. Christus
ist der einzige Hirte, aber er hat die Zwölf und ihre Nachfolger
an Seinem Amt teilhaben lassen wollen, durch die auch die
Priester, obwohl dem Grade nach tiefer, an diesem Sakrament
partizipieren, so dass auch sie in eigener Weise am Amt Christi,
des Hauptes und des Hirten, Anteil haben. Das bewirkt eine
wesentliche Verbindung des Priesters mit der kirchlichen
Gemeinschaft. Er muss dieser Verantwortung gerecht werden in
Anbetracht der Tatsache, dass die Herde ohne den Hirten stirbt.
Nach dem Beispiel des Moses muss er sogar mit zum Himmel
erhobenen Händen da sein, damit das Volk nicht umkommt.
Daher muss der
Priester, um Christus und der Gemeinschaft treu zu bleiben, ein
Mann des Gebetes sein, ein Mensch, der mit dem Herrn vertraut
lebt. Er muss darüber hinaus gestärkt werden durch das Gebet der
Kirche und eines jeden Christen. Die Schafe sollen für ihren
Hirten beten! Wenn aber der Hirte merkt, dass sein Gebetsleben
schwach wird, ist es Zeit, sich an den Heiligen Geist zu wenden
und mit demütigem Herzen zu bitten. Der Geist wird das Feuer in
seinem Herzen wieder entzünden. Er wird die Leidenschaft für und
das Ergriffensein vom Herrn wieder entzünden, der immer da ist
und der mit ihm Mahl halten will.
In diesem Jahr des
Priesters wollen wir mit großer Ausdauer und viel Liebe für die
Priester und mit den Priestern beten. Zu diesem Zweck begeht die
Kongregation für den Klerus an einem jeden ersten Donnerstag des
Monats während des Priesterjahres um 16.00 Uhr eine
eucharistisch-marianische Stunde für die Priester und mit den
Priestern in der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom. Es kommen
viele Menschen mit Freude, um mit uns zu beten.
Sehr geliebte
Priester, das Weihnachtsfest Jesu Christi nähert sich. Ich
möchte euch allen die besten und die herzlichsten Wünsche für
ein gesegnetes Weihnachten und ein glückliches Jahr 2010
aussprechen. Das Jesuskind in der Krippe lädt uns ein, die
Vertrautheit der Freundschaft und Jüngerschaft mit Ihm zu
erneuern, um uns als seine Verkünder der Frohen Botschaft zu
senden!
(Schreiben S.Ex.
Titularerzbischof Mauro Piacenza an die Priester, 09.12.2009,
Kleruskongregation Rom) |
|
Versprichst Du mir
und meinen Nachfolgern Ehrfurcht und Gehorsam [filialem
oboedientiam et reverentiam]?
(Pontificale
Romanum. De Ordinatione Episcopi, presbyterorum et diaconum,
editio typica altera, Typis Polyglottis Vaticanis 1990)
Liebe Mitbrüder im
priesterlichen Dienstamt!
Obwohl sie
hierdurch nicht im Sinne eines feierlichen Gehorsamsgelübdes
gebunden sind, „versprechen“ die Kandidaten bei der Weihe dem
eigenen Ordinarius und seinen Nachfolgern im Amt „Ehrfurcht und
Gehorsam“. Vom theologischen Standpunkt aus betrachtet sind
Gelübde und Versprechen nicht gleichzusetzen, identisch ist aber
in ihrer endgültigen und umfassenden Art die moralische
Verpflichtung, die aus ihnen hervorgeht, identisch auch das
bereitwillige Stellen des eigenen Willens unter den eines
Anderen: nämlich den göttlichen Willen, der sich durch die
Vermittlung der Kirche offenbart.
In einer Zeit wie
der heutigen, beherrscht von relativistischen und demokratischen
Denkmodellen, von verschiedenen Autonomievorstellungen und vom
Freiheitsdenken, wird ein solches Gehorsamsversprechen für die
vorherrschende Mentalität immer weniger verständlich. Nicht
selten erscheint es als unter der Würde des Menschen liegend und
der menschlichen Freiheit widersprechend, so als ob man in
veralteten Schemen verharren würde, welche für eine Gesellschaft
typisch sind, die unfähig ist, in authentischem Maße mündig zu
sein.
Wir, die wir den
authentischen Gehorsam leben, wissen sehr wohl, dass dem nicht
so ist. Der Gehorsam richtet sich in der Kirche niemals gegen
die Würde und die Achtung der Person, er darf nie als ein Entzug
der Verantwortung oder als eine Entfremdung verstanden werden.
Im Ritus findet
ein Eigenschaftswort Verwendung, das für das rechte Verständnis
dieses Versprechens von Wichtigkeit ist; der Gehorsam wird erst
angesprochen, nachdem von der Ehrfurcht die Rede war, welche
wiederum als „kindlich“ bezeichnet wird. Nun ist der Begriff
„Kind“ in allen Sprachen ein Wort, das eine Beziehung beinhaltet
und eben gerade die Beziehung zwischen Vater und Sohn in sich
schließt. Genau in diesem Beziehungszusammenhang ist der
Gehorsam, den wir abgelegt haben, zu verstehen. In diesem
Kontext ist der Vater dazu berufen, wahrhaft Vater zu sein, der
Sohn wiederum ist dazu berufen, sein eigenes Kindsein und die
Schönheit der Vaterschaft, die auch ihm geschenkt ist,
anzuerkennen. Ähnlich wie im Bereich der Natur sucht sich auch
hier keiner seinen eigenen Vater aus, keiner wählt seine eigenen
Kinder. So sind wir alle, Vater und Söhne, gerufen, einander mit
übernatürlichen Augen zu betrachten, uns gegenseitig mit großer
Barmherzigkeit und Achtung zu begegnen, das heißt mit der
Fähigkeit, im Blick auf den Anderen immer das gute Geheimnis
gegenwärtig zu haben, das ihn gezeugt hat und ihn letztlich
stets erhält. Ehrfurcht bedeutet tatsächlich einfach dies: im
Blick auf eine bestimmte Person, einen Anderen gegenwärtig zu
haben!
Nur im
Zusammenhang mit einer „kindlichen Ehrfurcht“ ist ein
authentischer Gehorsam möglich, der nicht bloß Anweisungen
ausführt, eben gerade noch formell, sondern leidenschaftlich,
ganz und aufmerksam geleistet wird, der in demjenigen, der ihn
lebt, wirklich Früchte der Bekehrung und Früchte „neuen Lebens“
hervorbringen kann.
Das Versprechen
wird sowohl gegenüber dem Ordinarius, der die Priesterweihe
vornimmt, abgelegt, als auch gegenüber seinen „Nachfolgern“,
denn die Kirche scheut stets davor zurück, sich zu sehr auf
bestimmte Personen festzulegen: im Zentrum steht die Person,
nicht jedoch deren subjektiver Charakter, welcher nicht in
Zusammenhang mit der historischen und theologischen Kraft und
Schönheit der Institution steht. Ja, auch in der Institution,
die göttlichen Ursprungs ist, wohnt der Geist. Die Institution
ist von Natur aus charismatisch und daher „bleibt man in der
Wahrheit“, wenn man über die Zeit hinweg (Nachfolger) frei an
sie gebunden bleibt; man bleibt in Ihm, der in seinem lebendigen
Leib, der Kirche, aktiv und zugegen ist; man bleibt in der
Schönheit der ununterbrochenen Zeitspanne, der Jahrhunderte, die
uns auf unzertrennliche Weise mit Christus und den Aposteln
verbindet.
Bitten wir die
Magd des Herrn, diejenige, die auf beispielhafteste Weise
gehorsam war, diejenige, die in der Drangsal ihr: „Mir geschehe
nach deinem Wort“ wiederholte, um die Gnade eines frohen,
prompten und im vollen Sinne kindlichen Gehorsams; um einen
Gehorsam, der uns von jedem Protagonismus befreit, einen
Gehorsam, der fähig ist, der Welt zu zeigen, das man Christus
tatsächlich alles geben kann und dabei die volle und
authentische Selbstverwirklichung als Mensch erlangt.
(Schreiben S.Ex.
Titularerzbischof Mauro Piacenza an die Priester, 18. November 2009,
Kleruskongregation Rom) |
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Christus, unser
Hoherpriester hat sich um unseretwillen dem Vater dargebracht.
Seid ihr bereit, euch Christus, dem Herrn, von Tag zu Tag enger
zu verbinden und so zum Heil der Menschen für Gott zu leben?
(Pontificale
Romanum. De Ordinatione Episcopi, presbyterorum et diaconum,
editio typica altera, Typis Polyglottis Vaticanis 1990)
Liebe Mitbrüder im
priesterlichen Dienstamt!
Der einzige Grund
unseres Lebens und unseres Dienstes ist Jesus von Nazareth,
Christus, der Herr. Das priesterliche Dasein hat in Ihm, und nur
in Ihm, seinen wahren Ursprung, sein wahres Ziel, in Ihm hat es
seine vollständige Verwirklichung auf Erden. Die innige und
persönliche Beziehung zum lebendigen und gegenwärtigen,
auferstandenen Christus, ist wirklich die einzige Erfahrung, die
einen Menschen dazu bringen kann, sich selbst – um der Brüder
willen – Gott ganz hinzuschenken.
Liebe Brüder, wir
wissen wohl, wie der Herr uns an sich gezogen hat, wie sein
Charme für jeden von uns unwiderstehlich gewesen ist, wie der
Prophet sagt: „Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich
betören; Du hast mich gepackt und überwältigt“ (Jer 20,7). Diese
Faszination muss, wie jedes wahrhaft wertvolle Gut, beständig
verteidigt, im Auge behalten, beschützt und genährt werden,
damit sie nicht verlorengeht, oder, was vielleicht noch
schlimmer wäre, zu einer blassen Erinnerung wird, unfähig, den
oft aggressiven Einflüssen der Welt standzuhalten! In der
innigen Beziehung zu Gott, die Ursprung und Quelle jeden
Apostolats ist, liegt das Geheimnis, das es erlaubt, die
Begeisterung für Christus auf Dauer lebendig zu bewahren.
Mag es hierfür
auch andere gute Gründe geben, so sind wir dennoch vor allem
deshalb Priester, um „mit Christus, dem Hohenpriester, auf
innige Weise eins“ zu sein, eins mit Ihm, der unsere einzige
Rettung ist, die Liebe unseres Herzens, der Fels, auf den wir
jeden Augenblick unseres Dienstes stützen, der uns innerlicher
ist, als wir selbst, und den wir mehr als alles andere ersehnen.
Christus, der Hohepriester, zieht uns in seinem Inneren zu sich
heran. Diese Vereinigung mit Ihm, die im Weihesakrament wurzelt,
bringt die Teilhabe an seinem Opfer mit sich: „Das Einswerden
mit Christus setzt Verzicht voraus. Es schließt ein, dass wir
nicht unseren Weg und unseren Willen durchsetzen wollen. Nicht
dies oder jenes werden möchten, sondern uns ihm überlassen, wo
und wie er uns brauchen will“ (Benedikt XVI, Homilie,
Chrisammesse 09.04.2009). Der Ausdruck, „Einswerden“, erinnert
uns daran, dass dies alles nicht unser Werk ist, Ergebnis
unserer eigenen Anstrengung und Willenskraft, sondern das Werk
der Gnade in uns: Es ist der Geist, der uns wesenhaft mit
Christus, dem Priester, gleich gestaltet, und uns die Kraft
gibt, bis zum Ende in dieser Teilhabe am göttlichen Leben und
folglich am Werk Gottes auszuharren. Das „reine Opfer“, das
Christus der Herr ist, ruft schließlich jedem von uns das
unersetzliche Gut des Zölibates in Erinnerung, der die
vollkommene Enthaltsamkeit für den König des Himmels und jene
Reinheit einschließt, die unsere für die Menschen dargebrachte
Opfergabe Gott wohlgefällig macht.
Möge das innige
Einssein mit Jesus Christus und der Schutz der Seligen Jungfrau
Maria, der „vollkommen Schönen“ und „ganz Reinen“, uns auf dem
täglichen Weg der Teilhabe an jenem Werk stützen, das das eines
Anderen ist. Hierin besteht der priesterliche Dienst. Wir sollen
wissen, dass solche Teilhabe die Tür zum Heil ist – vor allem
für uns, die wir diese Teilhabe leben: In diesem Sinne ist
Christus unser Leben!
(Schreiben S.Ex.
Titularerzbischof Mauro Piacenza an die Priester, 15. Oktober 2009,
Kleruskongregation Rom) |
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Der heilige
Pfarrer von Ars – Leuchtturm für uns
(Gedenktag der Hl. Rupert und Hl. Virgil, Bischöfe und
Glaubensboten)
Abschlussandacht bei der
Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda
Liebe Mitbrüder im
Bischofs-, Priester- und Diakonenamt,
verehrte, liebe Schwestern und Brüder im Herrn.
Zur Zeit arbeiten
über 400 000 Priester und Missionare weltweit in der
Evangelisation. Vor ca. 1300 Jahren, als unser Land missioniert
wurde, waren es vergleichsweise wenige, beispielsweise neben den
heutigen Tagesheiligen Rupert und Virgil im Salzburger Land,
hier bei uns der hl. Bonifatius und etwa 100 Jahre früher in
Franken die irischen Glaubensboten Kilian, Kolonat und Totnan.
Heute noch leben wir aus dem Glaubensfundus, den sie zugrunde
gelegt haben.
Unser heiliger
Vater hat anlässlich des 150. Todestages des heiligen Pfarrers
von Ars, Jean Marie Vianney, ein Priesterjahr ausgerufen, das
bewusst den Blick auf das Geschenk des Priestertums lenken soll.
Die Krise der Kirche ist auch immer eine Krise der Priester. Der
Mangel an Berufungen hat sicherlich auch etwas mit dem Rückgang
der Strahlkraft von einzelnen Priestern zu tun. Darum kann uns
der Blick auf diese ungewöhnliche Gestalt des Priesters, der
"klein von Gestalt (war), hager und (von) einer linkischen
Unbeholfenheit "[1] offensichtlich äußerlich gar nichts
Faszinierendes hatte, auf das Wesentliche zurückführen.
Es war eine
turbulente Zeit als der kleine Jean Marie Vianney 1786 als Kind
einfacher Bauern in der Nähe von Lyon geboren wurde. Die erste
Heilige Kommunion empfing er hinter verschlossenen Fensterläden,
denn der Glaube durfte öffentlich nicht praktiziert werden. Bis
zum 17. Lebensjahr war er noch Analphabet und arbeitete auf dem
Bauernhof mit. Er war aber keineswegs auf den Mund gefallen,
sondern offen und zupackend. Seine Liebe zum Priesterberuf wurde
so stark, dass er alle Schwierigkeiten überwandt - und dank
einiger weitsichtiger Priester und des zuständigen Bischofs - im
Alter von 29 Jahren zur Priesterweihe zugelassen wurde.
In Frankreich
hatte die Revolution viele Opfer gefordert und - wie Papst
Benedikt XVI. schreibt - im nachrevolutionären Frankreich eine
Art "Diktatur der Vernunft"[2] geschaffen. Doch die Gestalt
dieses heiligen Priesters steht ganz konträr zu seiner Zeit.
Man vertraute ihm
als Pfarrer nur ein abgelegenes kleines Dorf mit ca. 230 Seelen
an. Sicherlich gab es auch da noch einige fromme Katholiken,
aber im Grunde lebten die Menschen den üblichen Zeitgeist. Der
Bischof warnte den neuen Pfarrer: "Es gibt in dieser Pfarrei
nicht viel Liebe zu Gott; Sie werden sie dort einführen."[3] Und
er tat es!
Was war das
Geheimnis seines Erfolges? Wieso bekehrte er nicht nur seine
Pfarrgemeinde, sondern machte weit über die Grenzen Frankreichs
auf sich aufmerksam? Um sich diesem 'Wunder' zu nähern, müssen
wir einen Blick auf die gläubige Persönlichkeit dieses Priesters
werfen, die rationale Gründe durchbricht und in den Raum des Supranaturalen führt.
Zunächst fällt
seine Christusliebe auf. In seiner Berufung zum Priestertum
identifizierte er sich völlig mit Christus. Durch die Weihe sah
er sich untrennbar mit ihm verbunden. Er wurde wirklich in dem
Sinne ein "zweiter Christus" wie der Heilige Paulus sagte:
"Ich
bin mit Christus gekreuzigt worden. Nicht mehr ich lebe, sondern
Christus lebt in mir." (Gal 2,20)
Der Heilige
Pfarrer von Ars war sich dabei seiner Unbedeutendheit und seiner
Unvollkommenheit durchaus bewusst, aber gerade deshalb hatte er
die größte Hochachtung vor dem Geheimnis des Priestertums. So
sagte er: "Wenn wir Glauben hätten, würden wir Gott im Priester
verborgen sehen wie ein Licht hinter dem Glas, wie den mit
Wasser vermischten Wein."[4] Aus dieser Grundhaltung lebte er.
Und so suchte er die Nähe Gottes, wo es möglich war: Im Gebet,
in der Anbetung, in der Feier der Heiligen Messe. Die Menschen
sahen ihn mehr in der Kirche als zu Hause. Er feierte die
Heilige Messe so - wie ich es einmal in einer Sakristei über dem
Ankleidetisch gelesen habe - "als ob es die erste, die einzige
und die letzte Heilige Messe" wäre.
Die Menschen
erlebten seine tiefe Ergriffenheit, seinen freudigen kindlichen
Blick zum Tabernakel, sein Präsentbleiben in der Gegenwart des
Herrn.
Des weiteren
machte er durch seine Predigten auf sich aufmerksam. Die
Menschen sogen seine Worte auf. Wenn man seine Predigten heute
liest, ist man über die einfache Sprache und die leichte
Verstehbarkeit seiner Gedanken erstaunt. Die Verkündigung
verbindet sich zutiefst mit seiner Person. Er steht ganz hinter
der Botschaft zurück, versteht sich nicht als 'Herr' des Wortes,
sondern als dessen Diener. Er weiß, dass er nur die 'Stimme' des
Wortes ist, nur der Resonanzboden, und dass, wie Papst Benedikt
XVI. schreibt: "im Primat der Verkündigung Wort und Zeichen
untrennbar sind."[5] Bei ihm können wir sehen, dass die Teilhabe
am Opfer Christi auch die Verkündigung glaubwürdig macht. Wie
oft mag der Heilige Jean Marie Vianney mit Christus gebetet
haben: "Nicht was ich will, sondern was du willst soll
geschehen"[6].
Weil dieser
Heilige wusste, dass der Priester immer in und mit Christus für
die Menschen da sein muss, setzte er sich über die Anbetung und
die Verkündigung hinaus aktiv für den Menschen ein. Er
verbrachte vielmehr so viele Stunden im Beichtstuhl zu, dass man
sagen kann, dass es eine "einzige innere Bewegung - vom Altar
zum Beichtstuhl"[7] gegeben hat. Man nannte später gar Ars
"das
große Krankenhaus der Seelen"[8].
In dieser Aufgabe
des Guten Hirten, für die er sicherlich besonders mit der Gabe
der Einfühlsamkeit und der Tiefensicht der vorgetragenen Schuld
begabt war, opferte er sich täglich bis zu 16 Stunden auf. Auch
damals hatte er am Anfang kein Gedränge vor dem Beichtstuhl. Je
mehr jedoch die Menschen durch ihn erfuhren, wie sehr Gott sie
liebte und wie sie durch die Sündenvergebung neue, freie
Menschen wurden, desto mehr strömten sie herbei, aus ganz
Frankreich, ja, schließlich sogar aus den verschiedensten Ecken
Europas.
Die innere
Motivation für seine Ausdauer im Beichtstuhl erklärte er selber:
"Nicht der Sünder ist es, der zu Gott zurückkehrt, um ihn um
Vergebung zu bitten, sondern Gott selber läuft dem Sünder nach
und lässt ihn zu sich zurückkehren."[9]
Dabei war es nicht
so, als ob dieser heilige Pfarrer, der die Herzen der Menschen
erreichte und dank Christi Handeln auch veränderte, vollends
erfüllt und zufrieden gewesen wäre. Die vielen pfarrlichen und
sozialen Aufgaben, die er wahrnahm, konnte und wollte er nicht
allein bewältigen. Er forderte die Gläubigen auf, selbst
tatkräftig an den vielen von ihm gegründeten Sozialeinrichtungen
mitzuarbeiten. Man denke nur an die Bildungseinrichtungen für
Kinder, eine Mädchenschule und das Waisenhaus Providence.
Und doch: Obwohl
er sich bewundernswert in seelsorglichen und in sozialen
Aufgaben tatkräftig und phantasiereich engagiert hatte, ist
überliefert, dass er viermal versuchte, seiner Gemeinde zu
entfliehen. Er kannte die Versuchung, sich der großen
Verantwortung, die sein priesterliches Umfeld mit sich brachte,
zu entziehen, nur zur gut. Wie gerne wäre er in ein
beschauliches Kloster gegangen, um ganz und gar für Gott im
Gebet bereit zu sein.
Er wusste aber
auch um die Versuchung des Hirten, sich an den Zustand der
Sünder zu gewöhnen und einfach nachzugeben. Deshalb pflegte er
mit Wachen, Fasten und Selbst-Kasteien eine strenge Askese.
Einem Mitbruder verriet er einmal: "Ich gebe den Sündern eine
kleine Buße auf, und den Rest tue ich an ihrer Stelle."[10]
Vielleicht werden
nun einige sagen: Das mag ja damals gut und richtig gewesen
sein. Aber hat sich die Welt bis heute nicht sehr verändert?
Kann die Haltung dieses Pfarrers wirklich für uns Vorbild sein?
Sicherlich haben
sich die historischen und sozialen Umstände geändert. In unserer
globalisierten Welt haben wir neben den Problemen aus der Zeit
des Pfarrers von Ars auch neue. Dazu gehört die weitgehende
Entsakralisierung unseres Lebensumfeldes und statt dessen die
zunehmende Akzeptanz des Funktionalen.
Dieser Versuchung
können auch die Priester unterliegen. Die Angst: "Wir schaffen
das ja doch nicht alles", vermag zu lähmen.
Bei einer
wachsenden Aufgabe, auch unsere nächste Umgebung wieder neu zu
missionieren, bei dem Zuwachs an pastoralen Pflichten - etwa in
den Pfarreiengemeinschaften - und dem Erfahrenmüssen der eigenen
Schwäche und Begrenzung der Priester, vermag auch bei den
Gläubigen die sakramentale Einbindung des Priestertums in Jesus
Christus als ihre eigentliche Kraftquelle in den Hintergrund zu
treten. Dabei verbindet sich diese tiefe Gemeinschaft mit
Christus immer mit den Aufgaben des Priesters als Resonanzboden
Jesu Christi, auch Verkündigung und Sakramentenspendung mit dem
eigenen Leben und Handeln in Einklang zu bringen. Die
Verkündigung des kommenden Gottesreiches in unsere kleine
Alltagswelt muss sicherlich einhergehen mit der Erfahrung, dass
die Zeichen und Wunder, die Jesus als Erfahrungshintergrund
dieser verkündeten Realität ermöglichte, auch bei uns
nachvollziehbar werden. Dazu gehört, dass sich der Priester mit
dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn voll identifiziert und
angemessen auch die ‚evangelischen Räte' - Armut, Keuschheit und
Gehorsam - lebt und damit Zeichen des anbrechenden Gottesreiches
frei gibt. Ich bin überzeugt, wir haben heute viel mehr
Möglichkeiten, die Frohbotschaft aufstrahlen zu lassen, als uns
dies unter der täglichen Last bewusst wird. Ein solcher Weg der
Zeugenschaft ist heute gefragt. Mehr als die beeindruckende
Wissenschaft vermag das persönliche Zeugnis das Herz der
Menschen zu erreichen. Auch die Missionare, in deren Tradition
wir stehen, die Tagesheiligen Rupert und Virgil, der Heilige
Bonifatius und der Heilige Kilian und seine Gefährten
überzeugten die Menschen in unserem Land durch ihre
Glaubwürdigkeit, die auf ihrem persönlichen Glauben und dessen
Strahlkraft beruhte. Zeugenschaft drückt nicht und engt nicht
ein. Vom Pfarrer von Ars wird gesagt, dass er trotz aller
Zeichen der Askese eine "kaum bestimmbare Fröhlichkeit in seinen
Gesichtszügen"[11] gehabt habe, eine Freude, die von Gott kommt.
"Die Liebe Christi
hat uns in Besitz genommen, da wir erkannt haben: Einer ist für
alle gestorben, also sind alle gestorben", schreibt der heilige
Paulus, und er fährt fort: "Er ist aber für alle gestorben,
damit die Lebenden nicht mehr für sich selber leben, sondern für
den, der für sie starb und auferweckt wurde."[12]
Das ist die
bleibende Herausforderung für alle Gläubigen, aber insbesondere
für uns Priester - und unsere große Chance!
Amen.
_______________________________
[1] Läufer, Erich: "Der Seelsorger, der in die Herzen schaute",
Kirchenzeitung Köln, 31-32/09.
[2] Vgl. z.B. die Ansprache während der Generalaudienz vom 05.
August 2009.
[3] Papst Benedikt XVI.: Schreiben zum Beginn des Priesterjahres
anlässlich des 150. Jahrestages des 'Dies natalis' von Johannes
Maria Vianney.
[4] Papst Benedikt XVI. in der Generalaudienz vom 24.06.2009.
[5] Ebd.
[6] Mk 14,36.
[7] Schreiben von Papst Benedikt XVI. zum Beginn des
Priesterjahres 2009. A.a.O.
[8] Ebd. Fußnote 20.
[9] Ebd. Fußnote 22.
[10] Ebd. Fußnote 24.
[11] Läufer, Kirchenzeitung Köln, a.a.O.
[12] Vgl. 2 Kor 5,14/15. tragen.
(Predigt S.Ex.
Bischof Friedhelm Hofmann, 24. September 2009,
Dom zu Fulda ~ Quelle: DBK.de, 25.09.2009) |
|
„Seid ihr bereit,
in der Verkündigung des Evangeliums und in der Darlegung des
katholischen Glaubens den Dienst am Wort Gottes treu und
gewissenhaft [digne et sapienter] zu erfüllen?"
(Pontificale
Romanum. De Ordinatione Episcopi, presbyterorum et diaconorum,
editio typica altera, Typis Polyglottis Vaticanis 1990)
Liebe Mitbrüder im
priesterlichen Dienst!
Die
"Neuevangelisierung" ruft einen jeden zu immer neuem Einsatz im
Apostolat und in der Verkündigung auf. In diesem Sinne ist der
Auftrag des Herrn an die Apostel ausdrücklich und
unmißverständlich: "Geht hinaus in die ganze Welt, und
verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich
taufen läßt, wird gerettet" (Mk 16,15-16a). Die während der
Priesterweihe übernommene Pflicht besteht genau darin, "den
Dienst am Wort zu erfüllen", das heißt, sein ganzes Leben
herzugeben, um Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, zu
verkündigen, - ihn, den Auferstandenen von den Toten, die
einzige echte Antwort auf die Bedürfnisse des menschlichen
Herzens.
Die Sorge um den
"Dienst am Wort" kann nicht einfach die Sorge einiger Priester
sein, die sich besonders zu dieser Aufgabe berufen fühlen. Sie
ist eine charakteristische und unverzichtbare Eigenschaft des
priesterlichen Dienstamts und bildet einen wesentlichen Teil
jenes munus docendi, das der Priester vom Geist im
Sakrament der Weihe empfangen hat.
Der Ritus sieht
vor, daß sich der Priester in diesem Dienst "treu" und
"gewissenhaft" [digne et sapienter] einsetzt. Die Würde verweist
unmittelbar auf den Gegenstand der Verkündigung: Jesus Christus,
den Heiland. Kein Priester verkündet sich selbst oder seine
eigenen Ideen, ebensowenig personalistische oder subjektive
Interpretationen des einen ewigen Evangeliums. Wir sind berufen,
die höchste "Würde" dessen anzuerkennen, zu dessen Überbringer
wir geworden sind, und folglich in "würdiger" Weise diesen
Dienst zu erfüllen. Ein derartiges Bewußtsein muß zum Bemühen um
eine ständige Vertiefung der Heiligen Schrift führen, denn sie
ist "Gottes Rede, insofern sie unter dem Anhauch des Heiligen
Geistes schriftlich aufgezeichnet wurde" (Dei verbum, 9);
gewiß handelt es sich dabei um eine exegetisch-theologische, vor
allem aber jedoch um eine geistliche Vertiefung. Wahre
Schriftkenntnis ist jene des Herzens, sie entsteht im täglich
vertrauten Umgang mit ihr, sie ist Frucht der Lectio divina,
die im Geist der großen Tradition der Kirchenväter getan wird;
sie geht aus der tiefen Betrachtung hervor, die schrittweise,
aber wirksam die Seele dem Evangelium gleichgestaltet und jeden
Priester in ein „lebendiges Evangelium" verwandelt. Wir wissen
wohl: "Das Evangelium ist im letzten nicht bloß Wort - Christus
selbst ist das Evangelium" (Benedikt XVI., Predigt am
12.9.2009). Wir sind dazu berufen, uns ihm gleich zu gestalten,
auch durch die Ausübung des Dienstes der Verkündigung.
Neben der Würde
eines derartigen Dienstes verweist die heilige Liturgie auf das
Merkmal der "Gewissenhaftigkeit". Diese setzt Klugheit sowie die
Fähigkeit voraus, die Wirklichkeit ansatzweise in allen ihren
Faktoren zu überblicken. Dabei verabsolutiert sie menschliche
Gesichtspunkte nicht, sondern setzt alles in Beziehung zu dem
einzigen Absoluten, Gott. Eine gewissenhafte Verkündigung trägt
vor allem den wirklichen Bedürfnissen derer Rechnung, an die sie
gerichtet ist; nie zwingt sie dabei willkürliche, noch zu kurz
greifende Interpretationen auf, sondern begünstigt immer das,
was allein notwendig ist: die wirkliche Begegnung der unserer
Sorge anvertrauten Brüder und Schwestern mit Gott. Die
Gewissenhaftigkeit ist imstande, sich auf Umstände und Zeiten
einzustellen, die rechten Modalitäten zu finden, sie ist demütig
und läßt es nicht zu, daß sich der Verkünder über den erhebt,
den er verkündigen soll; ebenso wenig erhebt er sich über die
Kirche, die seit 2000 Jahren das Evangelium lebendig bewahrt.
Schließlich bedeutet die gewissenhafte Erfüllung des "Dienstes
am Wort" auch, daß man sich bei der Verkündigung immer ganz klar
des Wirkens Gottes bewußt ist: Er ist es, der die Herzen
vorbereitet, er ist es, der den Menschen begegnet, er ist es,
der die Blüten der Umkehr aufkeimen und die Früchte der Liebe
reifen läßt. Allein uns selbst gegenüber dürfen wir
"relativistisch" eingestellt sein: Als Verkünder müssen wir ganz
"auf Gott Bezug nehmen"!
Auf diese Weise
werden wir entdecken, wie wirksam und schön der Dienst ist, der
uns mit der Verkündigung des Wortes anvertraut ist. Wir werden
wahrnehmen, wie der Herr uns im Innern begleitet, wie er den
freudigen Geber liebt, wie er seinen Diener nie allein läßt; wir
werden mit Rührung die Früchte betrachten, die er schenkt, und
wir werden seine Begleitung auch dann wahrnehmen, wenn wir an
unserem Kreuz tragen.
(Schreiben S.Ex.
Titularerzbischof Mauro Piacenza an die Priester, 12. September 2009,
Kleruskongregation Rom) |
|
Der Priester und
die Herausforderungen des 21. Jhdts.
Interview mit einem Mitarbeiter des Obersten Gerichtshofs der
Apostolischen Signatur
Für Priester ist
es hart, die Aufgabe, die Gott ihnen anvertraut hat, zu
erfüllen. Aber es gibt Hilfsmittel, die sowohl den Pfarreien als
auch ihren Hirten helfen, die richtigen Prioritäten im Blick zu
behalten. Das erklärt Franziskanerpater Nikolaus Schöch,
Mitarbeiter des Obersten Gerichtshofs der Apostolischen
Signatur, im vorliegenden Interview.
Anlässlich des
aktuellen Priesterjahres spricht er über die Herausforderungen,
die Priestern heute begegnen, und über die Eigenschaften, die
die Pfarren besonders auszeichnen sollten. Der Franziskaner wies
insbesondere darauf hin, wie wichtig es ist, die Freundschaften
zwischen Priestern unterschiedlicher Generationen zu fördern.
Was ist
heutzutage der wichtigste Dienst, den ein Priester für seine
Gemeinde leisten sollte?
P. Schöch: In
ihrem Dienst scheinen die Priester heute unter einer immer
größer werdenden Menge an pastoralen Aktivitäten zu leiden.
Gleichzeitig sind sie mit den Fragen der heutigen Gesellschaft
und Kultur konfrontiert. Daher tendieren sie, ihren Lebensstil
und ihre Prioritäten in der pastoralen Arbeit neu zu überdenken,
während sie den anwachsenden Bedarf an permanenter Weiterbildung
sehen.
In dieser Hinsicht muss er sich im Hinterkopf behalten, dass die
Pfarrei selbst – und manchmal auch die Diözese – trotz ihrer
Autonomie nicht isoliert bleiben kann, zumal in diesen Zeiten so
viele Transport- und Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen.
Die Pfarreien sind lebendige Glieder des einen und einzigen
Leibes Christi, der einen und einzigen Kirche, die sowohl die
Mitglieder der örtlichen Gemeinden willkommen heißt und ihnen
dient, als auch all denen, die aus welchem Grund auch immer von
außen dazu stoßen. Normalerweise sollte dies nicht zu einem
Durcheinander führen oder zu belanglosen Fehlern in der Sprache
des Kanonischen Rechts, das beabsichtigt, den pastoralen
Aktivitäten zu dienen.
Die Aufgabe des Pfarrers als Hirte, der die Gemeinde leitet,
entstammt ebenfalls seiner besonderen Beziehung zu Christus, dem
Haupt und Hirten. Dies ist eine sakramentale Funktion. Sie ist
dem Priester nicht durch die Gemeinde anvertraut worden, sondern
vielmehr durch den Herrn selbst, durch den Bischof.
Welche
Richtlinien sollte es für die Pfarreien geben, um eine
angemessene Organisation und die Aufmerksamkeit der Gläubigen zu
gewährleisten?
P. Schöch: Bei den
liturgischen Feiern und Diensten einer Pfarrei muss die
Aufmerksamkeit auf die Mobilität der Leute gerichtet werden,
ebenso auf die Zusammenkünfte vieler Menschen an bestimmten
Orten, und die neue allgemeine Anpassung an Trends,
Gewohnheiten, Moden und Zeitpläne.
Wenn der Priester die Zeitpläne für die Messen und Beichtzeiten
erstellt, dann sollte er den für die meisten seiner Gläubigen
besten Zeitplan berücksichtigen. Gleichzeitig sollte er jenen
den Zugang zu den Sakramenten erleichtern, die besondere
Zeitbeschränkungen haben. Die Terminpläne sollten nicht so sehr
am Priester orientiert sein, sondern an den Bedürfnissen der
Menschen, wobei vor allem Arbeits- und Schulzeiten zu
berücksichtigen sind.
So ist es zum Beispiel wenig sinnvoll, das Sakrament der
Versöhnung zu einer Zeit anzubieten, in der die meisten
arbeiten, und nur ältere Menschen die Möglichkeit haben, es in
Anspruch zu nehmen.
Welche Kriterien
sollten Priester für die effektive Leitung ihrer Pfarreien
beachten, während sie danach bestrebt sind, Seelen zu retten?
P. Schöch:
Insofern er Anteil am direkten Handeln Christi, dem Haupt und
Hirten, über seinen Leib hat, ist der Priester besonders mit der
Kapazität ausgestattet, von einem pastoralen Gesichtspunkt aus
gesehen der „Punkt der Gemeinschaft“ zu sein: „Die Kirche zum
Haus und zur Schule der Gemeinschaft zu machen, darin liegt die
große Herausforderung, die in dem beginnenden Jahrtausend vor
uns steht, wenn wir dem Plan Gottes treu sein und auch den tief
greifenden Erwartungen der Welt entsprechen wollen“ (Novo
Millennio Ineunte, 43).
In einer Zeit, in der es eine Menge Konzilien gibt, ist es
notwendig, sich bewusst zu bleiben, dass der Pfarrer die
persönliche Verantwortung im Leiten einer Pfarrei innehat.
Andererseits verlangt seine leitende Funktion auch, dass er ein
Mann ist, der die gesamte Pfarrei vereinigt, und nicht –
trennend – zu bestimmten Gläubigen oder Gruppen besonders
freundlich ist. Er muss ein Mann sein, der die Reichen mit den
Armen verbindet, Intellektuelle mit einfachen Menschen, junge
Leuten mit den Älteren, Müttern mit allein stehenden Frauen,
Geweihte mit Laien, Konservative mit Progressiven usw.
Kein Pfarrer kann dieser Sendung isoliert oder ganz auf sich
allein gestellt vollständig gerecht werden. Er muss seine Kräfte
mit anderen Priestern unter der Leitung kirchlicher Autoritäten
vereinigen. In Zukunft wird die Zusammenarbeit unter Priestern
verschiedener Pfarreien immer wichtiger werden; ebenso die
Zusammenarbeit zwischen Pfarrern und ihren Vikaren, dem
diözesanen Klerus und den Mitgliedern des Instituts des
geweihten Lebens, dem Klerus und dem Laienstand.
Beidseitiges Verständnis und Mithilfe, und auch Beziehungen
zwischen älteren und jüngeren Priestern sind wünschenswert und
sollten besonders gefördert werden: Beides ist gleichermaßen
notwendig für die christliche Gemeinde und wird von den
Bischöfen und dem Papst geschätzt.
Das Zweite Vatikanische Konzil empfiehlt, dass ältere Priester
Verständnis und Sympathie für die Initiativen jüngerer Priester
zeigen; und es rät den Jüngeren, die Erfahrung älterer Priester
zu respektieren und ihnen zu vertrauen. Es regt dazu an, dass
sie einander mit aufrichtiger Zuneigung begegnen und dem
Beispiel so vieler Priester von gestern und heute folgen. Die
Pfarrer und andere Priester mitsamt den Gläubigen sind dazu
aufgerufen, jeden Tag ihres Lebens die Gemeinschaft zu bezeugen.
Wie können
Laien an der pastoralen Entwicklung der Pfarrgemeinde
mitarbeiten?
P. Schöch: Der
Pfarrer ist nicht verpflichtet, alle Initiativen der
Pfarrgemeinde persönlich durchzuführen. Vielmehr soll er dafür
sorgen, dass sie zum Wohl der Menschen ausgeführt werden, dass
sie im Einklang mit der Lehre der Kirche stehen, gemäß den
jeweiligen Umständen und immer unter seiner Leitung.
Das Ideal ist nicht eine Pfarrei, in der der Priester alles tut.
Der Priester sollte den Laien helfen, ihre spezifische Berufung
in der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen zu entdecken und zu
verwirklichen. Der Heilige Geist ist es, der diese Gemeinschaft
bewirkt und den Priester in diese Gemeinschaft des Volkes Gottes
integriert. Da der Heilige Geist den gesamten Bereich des
Daseins erfüllt und begründet, so durchdringt und formt er auch
die besondere Berufung jedes Menschen. Dem entsprechend ist die
besondere Spiritualität von Priestern, Ordensleuten, Eltern,
Unternehmern, Katechisten usw. geformt und entwickelt. Jede
Berufung hat einen konkreten und unverwechselbaren Weg, die
eigene Spiritualität zu leben, die den übernommen Aufgaben Tiefe
und Begeisterung verleiht.
Das Apostolat der Laien wird hauptsächlich innerhalb von
Gemeinschaften und Bewegungen verwirklicht, die sich in
Übereinstimmung mit der Kirche und im Gehorsam gegenüber den
pastoralen Richtlinien einbringen. Diese Gemeinschaften von
Gläubigen sollten ermutigt und unterstützt werden. Innerhalb der
Pfarrstruktur sollte jedoch jede Form von exklusiven oder
abgesonderten Aktivitäten seitens einzelner Gruppen vermieden
werden.
Andererseits sind die Pfarreien wie die Gemeinschaften nicht vor
inneren Gefahren gefeit wie Bürokratisierung, Funktionalismus,
Demokratismus oder einer Planung, die den Fokus mehr auf die
Verwaltung als auf pastorale Initiativen setzt.
Was ist die
größte Herausforderung eines Pfarrers in der heutigen
Gesellschaft?
P. Schöch: Jede
Pfarrei muss von der umfassenden Perspektive der Diözese her
betrachtet werden und nicht umgekehrt. Es muss eine angemessene
Manifestation von Laien, Ordensleuten und anderen geweihten
Personen in der Kirche geben, sowohl innerhalb der christlichen
Gemeinschaft, als auch in der ganzen Welt.
Das Bewusstsein wächst, dass es neben den Problemen, die die
postmoderne Kultur mit sich bringt, einen hoher Prozentsatz an
nicht praktizierenden Katholiken gibt, einen aus verschiedenen
Gründen drastischen Abfall jener Leute, die meinen, Katholiken
zu sein. Gleichzeitig gibt es eine außergewöhnlich starke
Zunahme an so genannten evangelikalen Pfingstsekten und anderen
Sekten.
Angesichts dieser Situation sollte es eine dringliche und
großherzige Antwort auf die Aufforderung Benedikts XVI. in
Brasilien geben, eine echte „Mission" durchzuführen, die
besonders all jene in den Blick nimmt, die - wenngleich getauft
- aus verschiedenen Gründen nicht ausreichend mit der Botschaft
des Evangeliums konfrontiert worden sind.
Für diese Sendung müssen wir alles tun, was uns die
Kommunikation in die Hand gibt. So können wir die Ausbreitung
einer Kultur verhindern, die versucht, Gott zu verwerfen; einer
Kultur, die vom Relativismus, von religiöser Gleichgültigkeit
und Agnostizismus geprägt ist, und mitunter auch von einem
militanten religionsfeindlichen Säkularismus.
Die pastorale
Arbeit in der Pfarrgemeinde ist oft sehr vielfältig und
gestaltet sich je nach der konkreten Situation unterschiedlich.
Welche Aspekte pastoraler Tätigkeit sollten heute Priorität
haben, wenn man an die Zukunft denkt?
P. Schöch: Ich
denke, dass die sieben pastoralen Prioritäten, die der Diener
Gottes Johannes Paul II. in seinem Schreiben Novo Millenio
Ineunte hervorgehoben hat, nach wie vor gültig sind: Heiligkeit,
Gebet, die sonntägliche Eucharistie, das Sakrament der
Versöhnung, der Vorrang der Gnade, das Hören des Wortes und die
Verkündigung des Wortes.
Gemäß dem Beispiel des heiligen Pfarrers von Ars und anderer
beispielhafte Hirten ist das Herz der Pastoraltätigkeit des
Pfarrers die Spendung der Sakramente, insbesondere die der
Eucharistie und der Buße.
Unter den vielen Initiativen, die in Pfarrgemeinden zu finden
sind, ist keine so entscheidend und für die Gemeinde so prägend
wie die sonntägliche Feier des Tages des Herrn und seine
Eucharistie. Letztlich gründet ja jede Pfarrgemeinde auf einer
theologischen Wirklichkeit, weil sie eine eucharistische
Gemeinschaft ist.
Aus diesem Grund empfiehlt das Zweite Vatikanische Konzil, dass
die Hirten dafür sorgen, dass die Feier des eucharistischen
Opfers das Zentrum und der Höhepunkt des gesamten Lebens der
christlichen Gemeinde ist (vgl. Christus Dominus, 30). Das
bedeutet, dass die Pfarrgemeinde eine Gemeinschaft ist, die für
die Feier der Eucharistie gut gerüstet ist, die die lebendige
Quelle ihres Aufbaus und das sakramentale Band ihrer Existenz in
voller Gemeinschaft mit der ganzen Kirche ist.
Die Pfarrer sollten sich mit besonderer Aufmerksamkeit der
persönlichen Beichte widmen, gemäß dem Geist und der Methode,
die von der Kirche festgelegt wurde, und ebenso der geistlichen
Begleitung all jener Gläubigen, die dies wünschen. Niemand kann
langfristig evangelisieren, ohne Gott den Vorrang zu geben und
ohne inneres Leben. Die moralische und soziale Krise unserer
Zeit mit ihren problematischen Folgen für die Menschen und die
Familien verstärkt die Notwendigkeit des priesterlichen
Beistands im geistlichen Leben. Die Priester sollten
nachdrücklich dazu ermutigt werden, dem Dienst der Beichte und
der geistlichen Begleitung eine neue Anerkennung und feurigen
Eifer entgegenzubringen, gerade auch aufgrund des neuen Bedarfs
unter den Laien, die mehr dem Weg christlicher Vollkommenheit
folgen wollen, der im Evangelium dargelegt wird.
Und im Kontext des Priesterjahres, das ja vor kurzem begonnen
hat, gehört auch die Aufmerksamkeit für Berufungen zum
Priestertum und geweihten Leben zu den pastoralen Prioritäten.
Wie können
Priester in einer globalen Gesellschaft den heiligen Pfarrer von
Ars, Johannes-Maria Vianney, in ihrem priesterlichen Dienst
nachahmen?
P. Schöch: In
einer Welt, in der die allgemeine Sicht des Lebens immer weniger
Verständnis für das Heilige zu haben scheint und in der die
„Funktionstüchtigkeit" das einzig wichtige Kriterium wird, lauft
die katholische Sicht vom Priestertum Gefahr, ihre natürliche
Vorstellung zu verlieren - manchmal sogar innerhalb kirchlicher
Kreise.
Die Pfarrgemeinde von Ars war sehr klein; ihr gehörten nur 230
ärmliche Kleinbauern an. Der heilige Johannes Vianney half
jedoch nicht nur den kranken Priestern benachbarter Pfarreien,
sondern bot zudem ständig seine Dienste als Beichtvater und
Seelenführer an - für Tausende von Gläubigen, die in immer
größer werdenden Scharen aus ganz Frankreich herbeiströmten.
Oft werden sowohl in theologischen Kreisen, als auch in der
konkreten pastoralen Praxis und in der Priesterausbildung zwei
verschiedene Sichtweisen des Priestertums unterschieden, die
auch manchmal in Konfrontation geraten. Benedikt XVI. sprach
diesbezüglich:
a) von einer sozial-funktionalen Sichtweise, die die Natur des
Priestertums als „Dienst" an der Gemeinde in der Erfüllung einer
Funktion definiert. Die Sichtweise des Dienstes ist dem Primat
des Wortes zugeordnet und dem Dienst, es zu verkünden; und
b) von der ontologisch-sakramentalen Sichtweise, die - ohne den
Dienstcharakter des Priestertums zu leugnen - „das Priestertum
in der Existenz des Dienstes betrachtet, einer Existenz, die
durch eine Gabe vermittelt wurde, die ein Sakrament genannt
wird, und die ihm vom Herrn durch die Kirche verliehen wurde"
(vgl. J. Ratzinger, „Leben und Dienst der Priester", in: „Elementi
di Teologia fondamentale. Saggio su fede e ministerio", Brescia
2005, S.165).
Die ontologisch-sakramentale Sichtweise ist dem Primat der
Eucharistie zugeordnet, im zweifachen „priesterlichen Opfer".
Welche Aufgabe
sollte die Pfarrgemeinde in der heutigen Welt erfüllen? Oder ist
sie eine veralterte Institution?
P. Schöch: Die
Pfarrgemeinde ist eine ganz konkrete „communitas christifidelium"
(Gemeinschaft von Christgläubigen), die innerhalb einer
bestimmten Ortskirche ihren beständigen Platz hat und deren
pastorale Aufgabe einem Pfarrer als verantwortlichen Hirten
unter der Autorität des Diözesanbischofs anvertraut ist. Daher
wird die Pfarrei immer ihre Gültigkeit behalten, immer eine
Zukunft haben. Die Pfarrei ist nicht dazu bestimmt zu
verschwinden.
Das bedeutet aber nicht, dass es keinen Bedarf für Veränderungen
gibt. In einigen Teilen Europas gibt es Pfarrgemeinden, die über
tausend Jahre alt sind und deren Grenzen über die Jahrhunderte
hinweg unverändert geblieben sind. Es sollte kaum überraschen,
wenn sich Pfarreien zusammenschließen, da in einigen Regionen
die Pfarrmitglieder infolge von Migration weniger werden bzw. da
die Pfarrgebiete hauptsächlich von Nicht-Katholiken bewohnt
werden.
An anderen Orten ist der Klerus unzureichend, um alle Dienste
eines Pfarrers zu gewährleisten. In vielen Diözesen Afrikas und
Lateinamerikas ist die große Aufgabe, überbevölkerte
Pfarrgemeinden aufzutrennen, um die Gläubigen besser betreuen zu
können, nach wie vor unerledigt.
Stadtgemeinden sind überbevölkert. Für einen Pfarrer mit 100.000
Pfarrmitgliedern ist es unmöglich, seine Herde persönlich zu
kennen. Solche Pfarreien müssen in kleinere und übersichtlichere
Einheiten aufgeteilt werden.
Ein Priester aus meiner Heimat war Pfarrer in einer ländlichen
Pfarrgemeinde in Bolivien, die größer war als eine bestimmte
europäische Diözese und 50 Gemeinschaften umfasste. Auch in
solchen Fällen sollten neue Pfarrgrenzen gezogen werden, um die
pastorale Arbeit zu vereinfachen und näher bei den Gläubigen zu
sein.
Pfarrgemeinden haben zweifelsohne eine Zukunft. Der Punkt ist,
wie viel Neustrukturierung in manchen Regionen erforderlich sein
wird, damit sie in der Lage sind, ihre Aufgaben zu bewältigen.
In Zukunft wird es aufgrund von Verkehr und
Kommunikationsmitteln nötig sein, die Zusammenarbeit zwischen
den Pfarreien zu verbessern.
In einigen europäischen Ländern entstehen „pastorale Einheiten",
die wiederum aus mehreren Pfarrgemeinden bestehen. Sie werden
von ihrem Bischof aufgefordert, wirksame „missionarische
Gemeinschaften" zu bilden. Diese Pfarreinheiten arbeiten
innerhalb eines bestimmten Gebiets als Teil des diözesanen
Pastoralplans. Folglich ist dies eine Form der Zusammenarbeit
und Koordination zwischen zwei oder mehreren angrenzenden
Pfarreien. Pfarrgemeinden werden also nicht abgeschafft, sondern
ihre Zusammenarbeit wird gefördert.
(Quelle: Zenit v.
04./09.09.2009) |
|
»Seid ihr bereit,
die Mysterien Christi... gemäß der kirchlichen Überlieferung zum
Lobe Gottes und zum Heil seines Volkes in gläubiger Ehrfurcht [pie
et fideliter] zu feiern?«
(Pontificale
Romanum. De Ordinatione Episcopi, presbyterorum et diaconorum,
editio typica altera, Typis Polyglottis Vaticanis 1990)
Liebe Mitbrüder im
priesterlichen Dienst!
Das Amt, das der
Herr uns durch die Vermittlung der Kirche anvertraut hat,
besitzt im Munus Sanctificandi einen besonderen und
unersetzlichen Grundvollzug. In der Feier der »Mysterien
Christi«, die auch auf existentielle Weise den Einsatz der
besten und sich dabei gleichsam »verzehrenden« Kräfte des
Apostolats erkennen lassen und erkennen lassen müssen,
verwirklicht sich dieser Vollzug.
Jenes »Feiern«, zu
dem wir uns verpflichtet haben, ist nicht etwas, was vom aktiven
Apostolat und der Sendung zu »trennen« wäre: das Werk Gottes
vollzieht sich gerade durch die Heiligung seines Volkes.
Heiligung »geschieht« in der Feier der Geheimnisse Christi, die
jeweils auf Wesen mit geschaffener Freiheit treffen. Zu oft ist
unrechtmäßigerweise jene Wahrheit vernachlässigt worden, nach
der eben durch die Feier der Geheimnisse immerfort das von
Christus, dem Herrn, gewirkte Heil in der Gegenwart wirksam
wird.
Die Kirche fordert
von ihren Dienern, »pie et fideliter« zu feiern.
Die beiden Adjektive beziehen sich auf die innere und die äußere
Haltung, die bei der Feier vorherrschen sollte. Die
pietas – ein edles menschliches Gefühl – ist weit davon
entfernt, eine leere Frömmelei zu meinen; sie verweist
unmittelbar auf jenen hohen Sinn des Adels und der Religiosität,
der Anerkennung und der Achtung des Heiligen, der die Ausübung
des Munus Sanctificandi auszeichnen muß.
Frömmigkeit und Hingabe, devotio – das heißt
Aufopferung seiner selbst –, sind Gefühle, die typisch sind für
den, der wirklich in den Herrn verliebt ist und »dessen Dinge«
mit jener Achtung und Zartheit behandelt, die das Herz ohne die
geringste Anstrengung für den Geliebten für angebracht erachtet!
Die Treue wird einerseits von der Achtung der Form
bestimmt, die die Kirche für die Feier der Geheimnisse
festgelegt hat; dabei handelt es sich um eine objektive,
universale und nie willkürliche Form, die einem Ort oder
persönlichen Erfordernissen entsprechend gebeugt werden dürfte.
Andererseits gehört zur Treue die »Beständigkeit«, mit der die
Geheimnisse gefeiert werden. Die Liturgie, die vor allem
göttliches Werk ist, lebt weniger von »subjektiver Kreativität«
als vielmehr von jener treuen Wiederholung, die nie eine Schwere
zutage treten läßt, sondern Gottes Treue selbst räumlich und
zeitlich zum Ausdruck bringt. Kreativ sein bedeutet daher
vielmehr, ein Herz zu besitzen, das immer neu, weil verliebt,
ist.
Die Geheimnisse
werden »zum Lobe Gottes und zum Heil seines Volkes« gefeiert:
die Ordnung der Faktoren ist nicht zufällig, obwohl diese
gleich-wesentlich bleiben. Wir feiern immer »zum Lobe Gottes«,
das heißt innerlich hingewandt zum Herrn, in jener Vertikalität,
die der feierlichen Handlung eignet, die ein zur Ewigkeit hin
offenes »Fenster« und ein Einbrechen des Ewigen in die Zeit ist.
Der Priester ist weniger »Gestalter« des Gebets, als vielmehr
derjenige, der beten muss: das Gebet wird nämlich dadurch
»beseelt«, daß man betet und mit Taten aufzeigt, wie
unersetzlich die Zentralität des Gebetes ist. »Zum Lobe Gottes«
verweist auch auf die Anerkennung der Herrlichkeit des Herrn
innerhalb des Gottesdienstes: die Sorgfalt in der Liturgie, die
Auswahl der Lieder und der Musik, die Vorbereitung des Altares,
die Schönheit der liturgischen Gewänder und der Einrichtung –
alles trägt dazu bei zu sagen, »wem« wir gehören und was uns
wirklich am Herzen liegt; alles bringt zum Ausdruck, zu wem wir
beten und was wir feiern. All dies fällt dann wie ein Regen, wie
ein »erquickender Tau« auf das heilige Volk Gottes hernieder,
für das die Mysterien des Herrn gefeiert werden, eben »zur
Heiligung«! Das Leben des Priesters ist zutiefst
»gottesdienstlich« – alle Getauften sollen durch das Weiheamt
dazu angeleitet werden, ihr Dasein Gott aufzuopfern, »als Opfer,
das Gott gefällt« (Eph 5,2).
All dies soll
»gemäß der kirchlichen Überlieferung« geschehen. Darin besteht
die Wirksamkeit und manchmal sogar die Gültigkeit der Feier der
Geheimnisse: daß sie »gemäß der kirchlichen Überlieferung«
stattfinden: eingesenkt in eine zweitausendjährige Geschichte,
die abseits von jedem Hang zur Selbstdarstellung in Jesus
Christus ihren Ursprung und in seiner durch die Kirche
fortgesetzten Gegenwart in der Welt ihren Sinn hat. Die
Vergangenheit legt ein sehr kostbares Erbe in unsere Hände, und
wir sind dazu berufen, es unseren Brüdern unversehrt in seinem
Reichtum und – wenn es der Heilige Geist und die übernatürliche
Gnade gestatten – bereichert durch unseren Glauben und unser
Zeugnis weiterzugeben (tradere).
Diese
Vertikalität, Frömmigkeit, Treue und dieser Gehorsam gegenüber
der kirchlichen Überlieferung gewährleisten erst die echte
Verwirklichung des Priesters, der seines Zeichens dazu da ist,
um »die Mysterien Christi« zu feiern.
(Schreiben S.Ex.
Titularerzbischof Mauro Piacenza an die Priester, 15. August 2009,
Kleruskongregation Rom) |
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Die
Heiligkeit ist immer aktuell
Liebe Mitbrüder im
priesterlichen Dienst,
zum 150. Jahrestag
des Eingangs des heiligen Jean-Marie Battiste Vianney in die
Ewigkeit (04. August 1859 - 2009), möchte ich erneut einem jeden
von Ihnen meine Segenswünsche zum Priester-Jahr zukommen lassen!
Nicht im
Vollbringen irgendwelcher außerordentlichen Werke, sondern in
der treuen Ausübung des Dienstes im Alltag sticht der Pfarrer
von Ars unter uns als herausragende Gestalt priesterlicher
Heiligkeit hervor; Anfang des 19. Jahrhunderts wurde er für
Frankreich, wie auch für die Kirche aller Orte und Zeiten zum
Vorbild und „Leuchtfeuer“; so spendet er einem jeden von uns
Trost und Hoffnung, selbst wenn unser priesterliches Engagement
an einer gewissen „Kraftlosigkeit“ leiden sollte.
Sein völliges
Engagement spornt uns zur freudigen Hingabe an Christus und die
Mitbrüder an, damit der priesterliche Dienst stets jene Weihe
transparent widerspiegelt, welche aus der Kraft hervorgeht, die
dem Aussendungsbefehl selbst innewohnt und hierdurch alle
Fruchtbarkeit im pastoralen Dienst schenkt!
Seine Liebe zu
Christus, die auch die Charakterzüge einer ehrlichen und überaus
menschlichen Zuneigung besaß, darf uns Anregung sein, um uns
immer tiefer in „unseren Jesus“ zu „verlieben“: Mögen wir sein
Antlitz jeden Morgen suchen, möge er der Trost sein, der uns am
Abend erfüllt, – die Erinnerung an ihn und seine Nähe möge uns
den Tag über bei jedem Atemzug begleiten. Dem Beispiel des
heiligen Jean Marie Vianney folgend als Menschen leben, die in
den Herrn verliebt sind, bedeutet, dass es uns gelingt, stets
missionarisch engagiert zu sein, was uns langsam aber sicher zu
lebendigen Abbildern des Guten Hirten und auch desjenigen macht,
der der Welt verkündet hat: „Seht, das Lamm Gottes“.
Der Pfarrer von
Ars geriet während der Feier der heiligen Messe wirklich in
geistliche Verzückung. So möge sich ein jeder von uns
ausdrücklich eingeladen fühlen, sich des großen Geschenkes, das
uns anvertraut wurde, bewusst zu sein: dieses Geschenk entlockt
uns wie dem heiligen Ambrosius die Worte: »…Und wir, die wir zu
solcher Würde erhoben wurden, den Leib und das Blut unseres
Herrn Jesus Christus zu konsekrieren, können alles von Seiner
Barmherzigkeit erhoffen!«.
Seine heroische
Hingabe bei der Abnahme des Beichtsakramentes, die von einem
ehrlichen Geist der Sühne erfüllt und von dem Bewusstsein
genährt war, berufen zu sein, an der „stellvertretenden
Wiedergutmachung“ des einzigen Hohenpriesters teilzunehmen, möge
uns anspornen, die Schönheit und Notwendigkeit der Feier des
Versöhnungssakraments wiederzuentdecken – was durchaus auch auf
uns Priester angewendet werden kann. Wie wir wissen, ist dieses
Sakrament immer wieder der Ort, an dem man die Großtaten Gottes
auf reale Weise in den Seelen, die Er auf sanfte Weise
fasziniert, leitet und bekehrt, betrachten kann; wer sich selbst
dieses „wunderbaren Schauspiels“ beraubt, legt sich
ungerechterweise nicht nur gegenüber den Gläubigen sondern auch
gegenüber dem eigenen priesterlichen Dienst einen nicht wieder
gutzumachenden Verzicht auf, da dieser durch das Staunen genährt
wird, das immer dann entsteht, wenn das Wunder geschieht, dass
die menschliche Freiheit gegenüber Gott „Ja“ sagt!
Schließlich möge
uns – sowohl in diesem Priester-Jahr als auch stets – die mit
rührenden Details dotierte kindliche Liebe des heiligen Pfarrers
von Ars zur seligen Jungfrau Maria als Beispiel dienen. Er
zögerte nicht, sich selbst und seine ganze Pfarrei der
Gottesmutter zu weihen. Auf diese Weise werden wir in unserem
Vaterherz sozusagen mit hartnäckiger Treue den Widerhall von
Mariens „Hier bin ich“ erzeugen: Das war ihr „Ein für allemal“,
das allein wirklich Maß unserer priesterlichen Existenz sein
kann.
Ihnen allen ein
frohes Fest am Gedenktag des hl. Jean Marie Vianney!
(Schreiben S.Ex.
Titularerzbischof Mauro Piacenza an die Priester, 4. August
2009, Kleruskongregation Rom) |
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Jesus sagte: »Ich
bin nicht gekommen, um die Welt zu richten,
sondern um sie zu retten« (Joh
12,47)
Liebe Priester!
Die heute
dominierende westliche Kultur, die sich in der Welt über die
globalisierten Kommunikationsmittel und die Mobilität der
Menschen auch in den Ländern mit einer anderen Kultur immer mehr
ausbreitet, stellt die Evangelisierung vor neue und sehr
anspruchsvolle Herausforderungen. Es handelt sich um eine
Kultur, die zutiefst von einem Relativismus gezeichnet ist, der
jede Behauptung einer absoluten und transzendenten Wahrheit
ablehnt, daher auch die Grundlagen der Moral zerstört und sich
der Religion verschließt. So geht die Leidenschaft für die
Wahrheit verloren, ja, sie wird als »nutzlose Leidenschaft«
abgestempelt. Andererseits aber stellte sich Jesus Christus
gerade als die Wahrheit, der universale Logos, die Vernunft vor,
die alles Seiende erhellt und verdeutlicht. Den Relativismus
begleitet dann ein individualistischer Subjektivismus, der das
eigene Ich zum Mittelpunkt aller Dinge macht. Schließlich
gelangt man zum Nihilismus, laut dem es nichts und niemanden
gibt, für den es sich lohnen würde, sein ganzes Leben
einzusetzen; die Folge ist, daß das Leben keinen wahren Sinn
mehr hat. Dennoch ist anzuerkennen, daß die gegenwärtig
vorherrschende postmoderne Kultur einen großen und wahren
wissenschaftlichen sowie technologischen Fortschritt mit sich
bringt, der den Menschen – und dabei vor allem die jungen
Menschen – fasziniert. Die Verwendung dieses Fortschrittes hat
leider nicht immer als erstes Ziel das Wohl des Einzelnen und
aller Menschen. Ihm fehlt ein ganzheitlicher Humanismus, der ihm
seinen wahren Sinn verleihen und sein wahres Ziel weisen könnte.
Wir könnten noch von anderen Aspekten dieser Kultur sprechen:
von Konsumismus, Ausschweifung, Kultur des Showbusiness und des
Körpers. Man kommt nicht umhin festzustellen, daß all dies einen
Laizismus hervorbringt, der die Religion nicht will, der alles
daran setzt, sie zu schwächen oder wenigstens auf das
Privatleben der Personen zu begrenzen.
Diese Kultur führt
im Großteil der christlichen Länder und in besonderer Weise im
Westen zu einer nur allzu sichtbaren Entchristlichung. Die Zahl
der Priesterberufe ist zurückgegangen. So hat aufgrund des
Mangels an Berufungen und bedingt durch den Einfluß des
kulturellen Umfeldes, in dem die Priester leben, deren Anzahl
abgenommen. Auf all dies könnte man mit Verzagtheit und
Pessimismus reagieren, womit der modernen Welt scheinbar das
Urteil gesprochen wäre und man sich gedrängt fühlte, sich in die
Defensive, in die Schützengräben des Widerstandes zu begeben.
Jesus Christus
sagt indessen: »Ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten,
sondern um sie zu retten« (Joh 12,47). Wir dürfen
weder mutlos werden noch vor der aktuellen Gesellschaft Angst
haben oder sie einfach verurteilen. Sie muß gerettet werden!
Jede Kultur des Menschen, auch die heutige, kann evangelisiert
werden. In jeder Kultur sind »semina Verbi« vorhanden, die für
das Evangelium offen sind. Gewiß auch in unserer heutigen
Kultur. Zweifellos würden auch die sogenannten Post-Christen
sich angesprochen fühlen und sich öffnen, wenn man sie zu einer
wahren, persönlichen und gemeinschaftlichen Begegnung mit Jesus
Christus als lebendiger Person führen würde. Bei einer
derartigen Begegnung kann jeder Mensch guten Willens von Ihm
ergriffen werden. Er liebt alle und klopft an die Türen aller,
da er ausnahmslos alle retten will. Er ist der Weg, die Wahrheit
und das Leben – für alle. Er ist der einzige Mittler zwischen
Gott und den Menschen.
Meine lieben
Priester, wir Hirten sind heute mit aller Dringlichkeit zur
Mission aufgerufen, sowohl »ad gentes« als auch innerhalb der
Regionen der christlichen Länder, wo sich sehr viele Getaufte
von der Teilnahme in unseren Gemeinden entfernt oder sogar den
Glauben verloren haben. Wir dürfen weder Angst haben noch
gemütlich bei uns zuhause bleiben. Der Herr hat seinen Jüngern
gesagt: »Warum habt ihr solche Angst, ihr
Kleingläubigen?« (Mt 8, 26). »Euer
Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an
mich!« (Joh 14,1). »Man zündet
auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern
man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus«
(Mt 5,15). »Geht hinaus in die ganze Welt, und
verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk
16,15). »Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage
bis zum Ende der Welt« (Mt 28,20).
Wir werden den
Samen des Wortes Gottes nicht nur vom Fenster unseres
Pfarrhauses aus säen, sondern wir werden ins offene Feld unserer
Gesellschaft hinausziehen, angefangen bei den Armen, und so auch
alle Ebenen und Institutionen der Gesellschaft erreichen. Wir
werden die Familien besuchen gehen, alle Menschen, vor allem die
Getauften, die nun fernstehend sind. Unser Volk will die Nähe
seiner Kirche spüren. Wir werden dies tun und voll Freude und
Begeisterung auf die heutige Gesellschaft zugehen, in der
Gewißheit, daß der Herr uns in der Mission zur Seite steht und
daß er an die Türen der Herzen derjeniger klopft, denen wir Ihn
verkünden werden.
(Schreiben S.Em.
Cláudio Card. Hummes an die Priester, 1. August 2009,
Kleruskongregation Rom) |
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»Es ist unsere
Würde, daß wir zur Herde Gottes gehören!«
Am Hochfest des
heiligen Benedikt, des Schutzpatrons Europas, zelebrierte
Weihbischof em. Dr. Klaus Dick von Köln, die heilige Messe in der Benedictuskapelle
im Haus der Begegnung in der Grazer Johann-Fux-Gasse 16.
In einem Vortrag
zum Motto des Priesterjahres „Treue in Christus – Treue des
Priesters“, der an die Feier der heiligen Messe anschloss,
sprach der Herr Weihbischof über dessen Bedeutung nicht nur für
die Priester, sondern in besonderer Weise für alle Gläubigen.
Der heilige Vater rief dieses Priesterjahr nicht nur wegen des
150. Todestages des heiligen Pfarrers von Ars aus, sondern
insbesondere um die mangelnde äußere Wertschätzung des Priesters
aufzuzeigen.
Zu Beginn seines
Vortrags sprach Weihbischof Dick über verschiedene Aspekte der
Berufung zum Priestertum. Einerseits beklagte er die geringe
Zahl an Berufungen, aber erinnerte gleichzeitig auch daran, dass
es genauso sinkende Kinderzahlen und einen prägnanten Mangel an
religiöser Bildung gäbe. Andererseits machte er auf die fehlende
positive Haltung innerhalb der Familie aufmerksam, wenn sich
eine Berufung abzeichne. Viel öfter, so meinte er, rate man
entweder davon ab, Priester zu werden, oder werte die Berufung
ab, indem man vorschlage, es gäbe anderes oder „besseres“, dass
man tun könnte.
Er rief auf, eine
positive und wohlwollende Haltung einzunehmen, wenn es sich
abzeichne, dass jemand berufen sei zu einem geistlichen Beruf;
gerade innerhalb der Familien sei dies besonders wichtig, da sie
der primäre Ort seien, wo Berufungen entstünden.
Weiters sprach der
Herr Weihbischof darüber, was mit der Priesterweihe gegeben sei
bzw. nicht gegeben sei. Als erstes meinte er, sei das
Priestertum nie demokratisch gedacht gewesen. Der Priester sei
zu einem Dienst von Gott berufen, von dem er nicht einfach
abwählbar sei wie durch das Volk gewählte politische Vertreter.
Man könne sich natürlich hierauf die Frage stellen, warum Jesus
nicht einfach Engel mit dem Dienst des Priesters beauftragt
habe, sondern mit Fehler und Schwächen behaftete Menschen. Es
gehe um die Zeugenschaft: überzeugt sein von Jesus Christus, um
andere zu überzeugen. Das Christentum sei, nach Meinung des
Herrn Weihbischofs, keine Schriftreligion. Die heilige Schrift
sei eine Sammlung von Zeugenberichten; schon zu Jesu Zeiten
legten die Jünger und Apostel Zeugnis ab: es komme auf die
lebendige Weitergabe in einer menschlichen Art und Weise an.
Als zweites meinte
Weihbischof Dick, sei das Priestertum nicht gleichmacherisch.
Bei Gott sei jeder Mensch etwas besonderes, erklärte er. Gott
kann jeden Menschen in eine Besonderheit rufen; so zum Beispiel
in den Weihestand. Der Herr Weihbischof griff als Vergleich das
Bild der Familie auf: jedes einzelne Kind wird von seinen Eltern
auf eine ganz besondere Weise geliebt.
Gott handle nicht
mit Zufälligkeiten, sondern, gerade im Blick auf die Berufung,
mit Tatsächlichkeiten. Berufung zum Priester sei nur dann
tatsächlich gegeben, wenn ein Bischof denjenigen zum Priester
weiht oder ihn ein Oberer zur Weihe freigibt. Es gäbe kein „Was
wäre wenn“. Das sei die Ernsthaftigkeit Gottes, deren wir
vertrauen können. Um diese Ernsthaftigkeit den Menschen
erfahrbar zu machen, binde sich Gott an äußere Zeichen. Wenn er
an das Bußsakrament denke, dann würden ihm immer wieder Menschen
begegnen, die sich Sorgen machten, ob sie wohl genug Reue hätten
oder ob ihnen Gott die Sünden verzeihen würde… Diese Sorgen
seien unnötig, denn man könne das nicht mehr ungeschehen machen,
was der Priester in den Worten der Lossprechung ausgesprochen
habe („So spreche ich dich los von deinen Sünden im Namen des
Vaters…“).
Das Amt des
Priesters, fuhr der Weihbischof in seinem Vortrag fort, sei
nicht abhängig von Fähigkeit oder Heiligkeit. Er zitierte
Cyprian, der gesagt haben soll: „Mag Petrus taufen, er Christus
ist es, der tauft; mag Paulus taufen, er Christus ist es, der
tauft; mag Judas taufen, er Christus ist es, der tauft.“ Für
Christus sei der Normalfall der heilige Priester, dessen
besonderes Vorbild der heilige Pfarrer von Ars war. Schon wie
das II. Vatikanische Konzil betonte, sei Heiligkeit keine
Bevorzugung sondern der Normalfall, und die Bemühung des
Priesters muss es sein, dem gerecht zu werden. Insbesondere rief
der Herr Weihbischof gerade alle Gläubigen auf, den Priestern
merken zu lassen, dass sie gewollt seien. Er wies darauf hin
dass so zum Beispiel auch ein hoher Anteil des Zölibats eines
Priesters von der Gemeinde getragen werde. Die Gemeinde soll den
Priester stärken und ihn nicht bedauern.
Noch einmal
betonte Weihbischof Dick, dass Berufung wieder in der Familie
spürbar werden soll; gerade Freude über eine Berufung. Klar
solle man sich darüber sein, wies er hin, dass Berufung nichts
Hochstilisiertes ist, sondern eine normale Erfahrung und
Prüfung. Das Bewusstsein, hier kann eine Berufung sein, solle
man nicht abtun oder gar krass ablehnen oder bequemeres zu
wählen empfehlen.
Aller Dienst in
der Kirche sei „Hirtendienst“, griff der Herr Weihbischof den
Faden wieder auf. Es sei unsere Würde, dass wir zur Herde Gottes
gehören. Bischöfe, Priester, Diakone etc. seien da, um uns zur
Herde zu führen. Die Hirten aber, so betonte er, blieben aber
dennoch Schafe, denn der wahre Gute Hirte ist Christus, unser
Herr. Er erinnerte an das Bild der Familie, das er bereits
verwandte: in diesem Bewusstsein sind Priester Vater und Bruder;
der Priester ist der Stellvertreter des Guten Hirten, der aber
auch einen Guten Hirten brauche.
(Vortrag S.Ex.
Weihbischof em. Dr. Klaus Dick, 11. Juli 2009, im Haus der
Begegnung) |
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Vor dem Tun kommt
das Sein – zur Identität des Priesters
Am 16. März, dem
Vorabend seiner Abreise nach Afrika, hielt unser Heiliger Vater,
Papst Benedikt XVI., eine Ansprache an die Vollversammlung der
Mitglieder der Kleruskongregation. Diese Kongregation trifft
sich einmal jährlich, um ein besonderes Thema zu behandeln. In
diesem Jahr stand die Vollversammlung unter dem Titel: „Die
missionarische Identität des Priesters in der Kirche". Papst
Benedikt nützte diese Gelegenheit, um eine weit reichende
Ankündigung zu machen: „Um das Streben der Priester nach
geistlicher Vollkommenheit, von dem die Wirksamkeit ihres
Dienstes entscheidend abhängt, zu unterstützen, habe ich
entschieden, ein besonderes Jahr des Priesters auszurufen, das
vom kommenden 19. Juni [2009] bis zum 19. Juni 2010 dauern wird.
In dieses Jahr fällt nämlich der 150. Todestag des heiligen
Pfarrers von Ars, Johannes Maria Vianney, ein wahres Vorbild des
Hirten im Dienst der Herde Christi."
Das Jahr des
Priesters steht unter dem Leitwort „Treue in Christus, Treue des
Priesters" und beginnt mit einer Vesper am Herz-Jesu-Fest, den
19. Juni 2009. Ein Jahr später wird es mit einem
Weltpriestertreffen in Rom enden. Während des „Priesterjahres"
soll der heilige Jean-Marie Vianney, der heilige Pfarrer von
Ars, zum Patron aller Priester (weltweit gibt es rund 400.000
katholische Priester) in der Welt proklamiert werden.
Die
Diözesanbischöfe, die Oberen der Ordensinstitute und besonders
die Kleruskongregation beauftragte der Heilige Vater mit der
Koordinierung und Förderung der verschiedenen geistlichen und
pastoralen Initiativen, die nützlich sein können, „um die
Bedeutung der Rolle und der Sendung des Priesters in der Kirche
und in der heutigen Gesellschaft immer besser wahrnehmbar zu
machen".
Leider findet
diese Initiative des Hl. Vaters bisher in den Medien wenig
Beachtung. Wenn man gegenüber Gläubigen das kommende „Jahr des
Priesters" erwähnt, wissen sie in der Regel nichts davon.
Selbst Bischöfe
und Priester nehmen diese Ankündigung des Papstes nicht gerade
euphorisch hin. Eine Ausnahme bildet der Vorsitzende der
deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, der die
Ankündigung des „Jahres des Priesters" öffentlich mit Freude und
Dankbarkeit aufnahm: „Ich danke dem Heiligen Vater für diese
Initiative, denn wir brauchen eine Zeit, in der wir uns ganz
besonders mit dem Amt des Priesters beschäftigen.
In dem
Priesterjahr, das bis 2010 dauern soll, ist es wichtig, Auftrag
und Sendung des priesterlichen Dienstes zu reflektieren. Es wird
vor allem darum gehen, den Priestern, die tagtäglich ihren
Dienst versehen, Mut für den Alltag zu machen. Außerdem werden
wir in diesem besonderen Priesterjahr all jene im Gebet
begleiten, die auf den Weg zum Priesteramt sind. Es wird eine
Chance sein, den Priesterberuf in all seiner Schönheit wieder
neu ins Bewusstsein zu bringen und damit auch junge Menschen zu
ermutigen, sich dem Anruf Gottes zu stellen, und ihre eigene
Berufung zum Priester zu entdecken."
Papst Benedikt
selbst gibt zum Jahr der Priester einige Ziele vor:
„Das Wissen um
den radikalen Wandel der Gesellschaft in den letzten
Jahrzehnten muss die besten kirchlichen Kräfte dazu bewegen,
sich um die Ausbildung der Priesteramtskandidaten zu
kümmern." Hier sind besonders die Bischöfe und die
Verantwortlichen für die Priesterausbildung gefordert, das
Jahr des Priesters zu nützen, um neue Maßstäbe zu setzen. So erklärt Papst Benedikt: „Die Sendung des Priesters hat
ihre Wurzeln insbesondere in einer guten Ausbildung, die
vorangetragen wird in Gemeinschaft mit der ununterbrochenen
kirchlichen Tradition, ohne Brüche oder Versuchungen einer
Diskontinuität. In diesem Sinne ist es wichtig, bei den
Priestern, besonders bei den jungen Generationen, eine
korrekte Rezeption der Texte des Zweiten Ökumenischen
Vatikanischen Konzils zu fördern, die im Licht der gesamten
Lehre der Kirche interpretiert werden müssen."
„Insbesondere
muss es die Hirten anspornen, ständig für ihre ersten
Mitarbeiter - die Priester - Sorge zu tragen, sowohl durch
die Pflege wirklich väterlicher menschlicher Beziehungen,
als auch durch die Fürsorge um ihre ständige Weiterbildung,
vor allem unter lehrmäßigem und geistlichem Aspekt."
Sicherlich wird das „Jahr des Priesters" eine Gelegenheit
für die Bischöfe sein, ihre väterlich menschlichen
Beziehungen zu ihren Priestern zu vertiefen, aber auch die
Möglichkeit bieten, klar die Identität des Priesters
herauszustellen und die kirchliche Disziplin (das Wort ist
eng verbunden mit dem Wort „discipulus" - Jünger) - sei es
im persönlichen oder öffentlichen Leben des Priesters -
einzufordern. Darauf legt jedenfalls der Papst wert.
„Als dringend
notwendig erweist sich auch die Wiedererlangung eines
Bewusstseins, das die Priester anspornt, präsent,
identifizierbar und erkennbar zu sein - sowohl im
Glaubensurteil als auch in den persönlichen Tugenden als
auch in der Kleidung - im kulturellen und im karitativen
Bereich, die seit jeher das Herzstück der Sendung der Kirche
darstellen." Der Heilige Vater ruft hier die Priester auf,
ihre Identität nicht nur innerlich zu leben, sondern auch
nach außen hin präsent und erkennbar zu machen, auch durch
die entsprechend priesterliche Kleidung.
Etwas ganz
Wesentliches sagt der Heilige Vater in Bezug auf die
„Wiedererlangung" der sakramentalen Identität des Priesters
und der de-facto-Aushöhlung dieser Identität durch neue
Strukturen, die besonders in den deutschsprachigen Diözesen
geschaffen wurden und noch werden: „In diesem Sinne ist es
notwendig, darüber zu wachen, dass die ‚neuen Strukturen'
oder pastoralen Einrichtungen nicht für eine Zeit gedacht
sind, in der man ohne das Weiheamt ‚auskommen' muss, wobei
von einem falschen Verständnis der rechten Förderung der
Laien ausgegangen wird. In diesem Fall würde man nämlich die
Voraussetzungen schaffen für eine noch größere Verwässerung
des Amtspriestertums, und die angeblichen ‚Lösungen' würden
sich in dramatischer Weise decken mit den eigentlichen
Ursachen der gegenwärtigen Problematiken, die mit dem Amt
verbunden sind."
Tatsächlich werden
in vielen Diözesen unter dem Vorwand, sich für eine Zeit „ohne
Priester" vorzubereiten, Laieninitiativen gestartet oder
gefördert, die weder dem Wesen noch dem Recht der Kirche
entsprechen. Viel wichtiger wäre es - und durch das Jahr des
Priesters unterstreicht der Papst diese Tatsache - dass man sich
mehr um Geistliche Berufungen bemüht, sei es durch eine aktive
Berufungspastoral oder und vor allem durch das Gebet um
Geistliche Berufungen.
Das Jahr der
Priester wird aber auch für die Gläubigen sehr wichtig sein. Es
geht um das richtige Priesterbild, um das in der Öffentlichkeit
oft entstellte oder verzerrte Priesterbild. So wird der Dienst
der Priester von vielen nach dem bemessen, was sie nach außen
hin leisten, wie viele pfarrliche Kreise sie aufbauen, wie gut
sie koordinieren und organisieren können, wie viele Mitarbeiter
sie gewinnen können, wie viele Veranstaltungen ihr
Terminkalender aufweist, wie viele Kirchen sie im Laufe des
Priesterlebens renovieren und wie hoch die Wahlbeteiligung bei
der letzten Pfarrgemeinderatswahl gewesen ist. Das alles ist gut
und recht.
Schön, wenn ein
Priester für das Reich Gottes, für seine Pfarrgemeinde viel in
seinem Leben aufbauen kann. Das ist die eine Seite: Das Tun.
Aber es gibt auch
eine andere Seite, die wichtiger ist und Voraussetzung für alle
äußerliche Tätigkeit. Das Sein. Die Identität des Priesters. Es
zeigt sich in der Antwort des jungen Mannes unter dem Baum, der
auf die Frage „Was machst du?" antwortet: „Ich bin". So zu
antworten sind auch die Priester berufen. Denn vor allem Tun
kommt das Sein. Das Priester sein. Die Berufung „Männer Gottes",
„Männer der Gnade" zu sein; gerufen und gesandt sein, mit Freude
Priester sein. Diener Gottes, die sich wie Jeremia (vgl. Jer
1,9) nicht mit den eigenen Worten „produzieren", sondern sich
die Worte des Herrn zu eigen machen. Menschen, die durch ihr
Sein auf Gott hinweisen.
(Quelle: Zenit,
20.05.2009) |

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Das Jahr des
Priesters: Brief an die Priester
Liebe Priester,
das Jahr des Priesters, das Papst Benedikt XVI. ausgerufen hat,
um den 150. Todestag des heiligen Pfarrers von Ars, Johannes
Maria Vianney, zu feiern, steht vor der Tür. Der Heilige Vater
wird dieses Jahr am kommenden 19. Juni, dem Herz-Jesu-Fest und
Weltgebetstag für die Heiligung der Priester, eröffnen. Die
Ankündigung dieses besonderen Jahres hat weltweit, auch und vor
allem unter den Priestern, ein positives Echo hervorgerufen.
Setzen wir uns alle mit Entschlossenheit, Überzeugung und Eifer
dafür ein, damit es ein Jahr werde, das überall in der Welt, in
den Bistümern, den Pfarreien und den Gemeinschaften vor Ort
gefeiert wird, und damit dies unter warmherziger Miteinbeziehung
des Gottesvolkes geschieht, das zweifellos die eigenen Priester
liebt und möchte, dass sie ihrer täglichen Arbeit im Apostolat
wahrhaft glücklich, auf würdige Weise und frohgemut nachgehen.
Es soll ein Jahr
voller Initiativen werden, ein positives Jahr, in dem die Kirche
vor allem den Priestern, aber auch allen Christen und – mithilfe
der Massenmedien – der ganzen Welt sagen möchte, dass sie auf
ihre Priester stolz ist, dass sie sie liebt, hochschätzt,
bewundert und mit Dankbarkeit ihrem pastoralen Wirken und ihrem
Lebenszeugnis Anerkennung entgegenbringt. Priester sind nicht
nur aufgrund dessen, was sie tun, wichtig, sondern auch aufgrund
dessen, was sie sind. Sicher ist es wahr, dass einige Priester
auch strafbare Handlungen begangen und Probleme heraufbeschworen
haben. Dies muss weiterhin untersucht, entsprechend verurteilt
und bestraft werden. Diese Fälle betreffen aber einen sehr
geringen Prozentsatz aller Kleriker. Die übergroße Mehrheit der
Priester sind achtbare Menschen, die sich der Ausübung ihres
Dienstes widmen, das Gebetsleben pflegen und in pastoraler
Fürsorge Werke der Nächstenliebe tun. Sie setzen ihr ganzes
Leben ein, um ihrer Berufung und Sendung zu entsprechen, was oft
große persönliche Opferbereitschaft verlangt. Dazu bewegt sie
die authentische Liebe zu Jesus Christus, zur Kirche und zum
Gottesvolk, eine Liebe, die sie dazu veranlasst, sich mit den
Armen und Leidenden solidarisch zu zeigen. Deshalb ist die
Kirche auf ihre Priester in aller Welt stolz.
Dieses Jahr soll
uns auch Gelegenheit bieten, die Thematik der priesterlichen
Identität und die Theologie des katholischen Priestertums
intensiv zu vertiefen sowie ein außerordentliches Gespür für die
Berufung und Sendung der Priester in Kirche und Gesellschaft zu
entwickeln. Hierzu regen wir die Veranstaltung von Studientagen,
Konferenzen und Theologischen Wochentagungen an unseren
kirchlichen Fakultäten an. Auch geistliche Exerzitien, welche
die Thematik aufgreifen, wissenschaftliche Studien,
entsprechende Veröffentlichungen und nicht zuletzt Zeit zur
persönlichen Besinnung und Reflexion sind gefragt.
Während der
Vollversammlung der Kongregation für den Klerus hat der Heilige
Vater bei seiner Ansprache vom 16. März das Priesterjahr
ausgerufen und gesagt, dass es Ziel dieses besonderen Jahres
ist, das „Streben der Priester nach geistlicher Vollkommenheit,
von dem die Wirksamkeit ihres Dienstes entscheidend abhängt, zu
unterstützen“. Deshalb muss dieses Jahr auf ganz besondere Weise
ein Jahr des Gebets sein, des Gebets der Priester selbst, des
Gebets mit den Priestern und für die Priester, ein Jahr der
Erneuerung im Hinblick auf die Spiritualität des Priestertums
und im Hinblick auf jeden einzelnen Priester selbst. In diesem
Sinne bietet sich die heilige Eucharistie als Mittelpunkt
priesterlicher Spiritualität dar. Die eucharistische Anbetung
zur Heiligung der Priester und die geistige Mutterschaft, welche
Ordensfrauen, geweihte Damen und generell Frauen gegenüber den
Priestern ausüben, könnten, wie schon vor einiger Zeit
vorgeschlagen, weiter entwickelt werden und hierzu sicher
überaus segensreich beitragen.
Es sollte auch ein
Jahr sein, in dem die konkreten Lebensumstände, in denen unsere
Priester sich befinden, überprüft werden. Bisweilen leben sie
unter Verhältnissen bitterer Armut, sodass sich uns die Frage
ihrer Versorgung mit materiellen Mitteln stellt.
Es soll auch ein
Jahr religiöser und öffentlicher Feiern werden, die dem
Gottesvolk und den katholischen Gemeinschaften vor Ort die
Möglichkeit bieten, sich dem Gebet und der Meditation zu widmen,
Feste zu feiern und ihren Priestern in rechter Weise Anerkennung
entgegenzubringen. In der kirchlichen Gemeinschaft kommt dem
Fest eine große Bedeutung zu, insofern als es warmherziger
Ausdruck und Nährboden christlicher Freude ist, die aus der
Gewissheit hervorgeht, dass Gott uns liebt und mit uns feiert.
So bietet sich hiermit eine Gelegenheit, um das
gemeinschaftliche Verhältnis und die Freundschaft zu fördern,
die die Priester mit der ihnen anvertrauten Gemeinschaft
verbinden.
Man könnte noch
auf viele andere Perspektiven und Initiativen eingehen, die zum
Jahr des Priesters gehören können und dieses bereichern würden.
Hier ist die Kreativität der Ortskirchen gefragt. Deshalb wäre
es zu begrüßen, wenn alle Bischofskonferenzen, alle Bistümer,
alle Pfarreien und katholischen Gemeinden für dieses besondere
Jahr ein Veranstaltungsprogramm entwerfen würden. Offensichtlich
wäre es wichtig, das Jahr mit einem bedeutungsvollen Ereignis zu
beginnen. Am Eröffnungstag des Jahres des Priesters, dem 19.
Juni, sind die Ortskirchen eingeladen, an der unter dem Vorsitz
des Heiligen Vaters in Rom stattfindenden Eröffnungsfeier
„teilzunehmen“, indem sie eventuell ihrerseits diesen Anlass mit
einem liturgischen und festlichen Akt begehen. Diejenigen, die
die Möglichkeit haben, zur Eröffnung nach Rom zu kommen, um Ihre
Teilnahme an dieser erfreulichen Initiative des Papstes zum
Ausdruck zu bringen, sind natürlich herzlich dazu eingeladen.
Der Herr wird alle Teilnehmer zweifellos reichlich segnen und
die Jungfrau Maria, Königin des Klerus, wird für Euch alle,
liebe Priester, beten.
Cláudio Card.
Hummes
Alt-Erzbischof von São Paulo
Präfekt der Kongregation für den Klerus
(Quelle:
Kongregation für den Klerus/Zenit, 27.05.2009) |
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